— , . .. .: jl Werktaarn nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Aoch'sche Buchdruckerei) bezogen 22) 6er., durch die
27 Sar (erd Beste^gebühr und ind. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Tgr. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. — d zür in der Spedition zu erhellende Auskunft und Annahme von Adressen werden 2j Sgr. berechnet. - Sämmtllche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.
Gtuttgart, 10. Jan. Der König empfing heute den baierischen Gesandten Freiherrn v. Gasser und nahm dessen Abberufungsschreiben entgegen. — Ein Telegramm deS „Schwöb. Merkur" au- dem 15. würtemdergischen Wahlkreis (Blaubeuren-Ehingen) be richtet von einem unerhört heftig geführten Wahlkampf.
Eitf katholischer Geistlicher habe in einer Wahlversammlung mit einem Revolver geschossen. Die Wahl des national liberalen Candidaten, Finanzraths Schmidt, sei indessen gesichert.
Ausland.
Wie«, 9. Jan. Die Aufregung wegen der kirchen- politischen Vorlagen dauert fort Noch ehe der Reichs rach zusammentritt, soll in einem besonderen Minister- ralhe unter dem Vorsitze des Kaisers da- WaS und
ledigter Bisch ofsfitze sowie die Ausführung der Synodalordnung betreffen. — Wie daS „D. W." äußerlich vernimmt, soll der Entwurf eine- neuen Eisenbahnge setze« für Preußen jetzt die Genehmigung des Kaisers erhalten haben und eS würde also deffen Vorlage bei dem Landtage bald in Aussicht stehen. — Rach einer im Finanzministerium gefertigten Zusammenstellung ist in den Jahren 1870 bis 1872 zur Vertilgung schädlicher Waldinsekten die Summe von überhaupt 311,601 Thlr 19 Sgr. 2 Pf., durchschnittlich pro Jahr also 103,867 Thlr. 6 Sgr. 4 Pf. verausgabt worden, wovon pro Oberförsterei nach der Zahl der 677 Obcrförsterstellrn des preußischen Staate- im Durchschnitt 153 Thlr. entfallen.
— Die „Nordd. Allg. Ztg." berichtet die Meldungen mehrerer Zeitungen, wonach die Vorlegung der Er gänzungSgesetze zu den Kirchengesetzen an den Kaiser bereits erfolgt wären, dahin, daß da« Staatsmi- nisterium die Berathung begonnen aber noch nicht ab geschloffen hat. — Der „Nationalzeitung" zufolge hätte das Staatsministerium eine anderweite Redaktion der Gesetze und die Zusammensaffung der mehreren Gesetze in zwei Gesetzentwürfe beschlossen.
Darmstadt, 10. Jan. Der Großherzog ge- nehmigte die evangelische Kirchenverfaffung, wie sie aus der Berathung der Landessynode hervorgegangen
Angriff genommen, als bis die Minister von Baiern, ist, mit einigen von den Kirchenbehörden beantragten Würtemberg und Sachsen, welche noch durch das Bei- Modifikationen. ... _ .
sammenscin ihrer heimischen Kammern zurückgehalten »•-***-. werden, hier eingetroffen sind. Dann erst wird man sich über die Methode schlüssig machen können, nach welcher die umfassende Arbeit unternommen -werden soll Auf die Anwesenheit dieser Herren warten auch die anderen Aufgaben deS Reiches aus dem Gebiete der Justizgesetzgebung: die Civilprozetzordnung, die Strafprozeßordnung und die GerichtSverfaffung, zu welchen nun auch noch die Gemeinschuldorbnung getreten ist. Ob es möglich sein wird, diese letztere schon gleichzeitig in Angriff zu nehmen, wird allerdings sehr bezweifelt. — Der Cultusminister wird fünf Gesetzentwürfe zur Ergänzung der Kirchengesetze dem Abgeordnelenhause vorlegen, von welchen zwei größeren UmsangeS sind und die Wiederbesetzung er-
DeutscheS «eich.
Berit«, 10. Jan. Seit seiner Einberufung für das W 1874 hat dem BundeSrath, wenn auch selbstverständlich nicht officiell, die Frage wegen Emberu- fana des Reichstages beschäftigen muffen. Nach der ReichSverfaffung muß der Zusammentritt vor dem Ende des MonatS Februar erfolgen. In den bundeS- rätblichen Kreisen ist man nun aber, tote daS „D. W hört vielfach der Ansicht, daß es höchst «ünschens- werth sei, den Reichstag sobald als möglich zusammen, treten xu lassen, da er alsdann im Stande wäre, die ibm obliegenden Aufgaben bis zum Eintritt der Oster, ieiertaae zu erledigen. Erfolgte die Einberufung später fo würde die Session durch die Pause, welche erfahrung-mäßig bei noch so kurz bemessenen Ferien eintritt, ungemessen verlängert. Dagegen ,st eS unzweifelhaft daß der preußische Landtag seine Arbeiten auch biS Ende Februar nicht beendet haben kann, und wenn dieselben nun einmal unterbrochen werden muffen, so ist eS ziemlich gleichgültig, ob diese Unter brechung etwas früher oder etwa« später emtritt. Bei einiger Beschleunigung würde es doch vielleicht möglich sein, wenigstens das Budget und das Civilehe-Gefetz elbst bis zu einem nahe gelegenen Termin der Einberufung des Reichstages zu erledigen. — Das bürgerliche Gesetzbuch für Deutschland kann nicht eher m
Wieviel dieser Gesetzentwürfe durchberatheu werden. Auch der Wiener Gemeinderath beschloß in seiner RechtSsection, eine Petition an daS Abgeordnetenhaus wegen Einführung der obligatorischen Civilehe zu ver- faffen; ein Schritt, zu welchem namentlich die Der- hältniffe der hiesigen Altkatholiken — deren Gesammt- zahl auf 1000 Familien angeschlagen wird — die nächste Veranlassung gegeben haben. Ungefähr 194 Ehen wurden von Altkatholiken eingegangen, welche daS Gesetz für ungültig erklärt, und mehr denn 300 Kinder wurden altkaiholisch getauft, welche der bürgerlichen Rechte verlustig sind. Fast scheint es, alö ob diese Stimmen aus dem Gemeinderath nicht ohne Einfluß geblieben sind auf die Auffaffung in Regierungskreisen, wenigstens begegnet man in tiefen letzteren plötzlich Stimmen, welche einer parlamentarischen Initiative, dieses Gesetz betreffend, mit unerwarteter Entschiedenheit das Wort reden. Die Freunde des Ministeriums bekämpfen die Ansicht, als ob in einem direkten Vorgehen des Abgeordnetenhauses ein Mißtrauensvotum gegen das Cabinet gefunden werden müsse; wie man sieht, eine Auffaffung, die sich erst ganz neuerding- Bahn gebrochen haben muß, da sie von früheren Ueberzeugungen wesentlich abweicht. Wenn Nur die Verfaffungspartei die Initiative ergreift, um durch ihre Anträge die Action der Regierung zu ergänzen, so könne bei dem intimen Verhältniß zwischen Cabinet und Parlaments - Mehrheit etwas Verletzendes für erstere- in solchem Vorgehen nicht gesunden werden.
Ber», 10. Jan. Gestern Nachmittag wurde Bonfol im Jura wegen Herausforderung der lieberalen Katholiken durch Fanatiker von einer Znfanteriecom- pagnie besetzt. Die Anstifter sind verhaftet.
Genf, 10. Januar. Dem „Genfer Journal" zufolge wird der Prälat Dominique be Panelli, bisher Bischof in partibuS von Lyvda und lange Zeit päpstlicher Vertreter in Jerusalem, die bischöflichen Functionen in Genf bis zur definitiven Regelung der BischosSfrage in der Schweiz auSüben.
Pari-, 10 Jan. ES bestätigt sich vollkommen, daß die Minister erst den Platz nach einer zweiten Niederlage räumen wollen. Die äußerste Rechte wird durch Drohungen der Möglichkeit eines Gewaltstreich-
$r. io. Jltaröurg, Dienstag, de« 13. Januar. <•'
KOterhesslsche geltnn^
AuS de« Lede».
Original-Novelle von Rudolph Müldener.
(Fortsetzung.)
„Da betraten Sie unser Hau- und gewannen die Liebe meiner Schwester; — ich bin immer eine Feindin dieser Liebe gewesen."
„An Ihrer Person hatte ich nicht- auSzusetzen, um so mehr jedoch an Ihren Verhältniffen. Sie waren mittellos und konnten jedenfalls meiner Schwester nur eine bescheidene Existenz bitten. Ick, gewöhnt, Reichthum und Glück zu indentificiren. glaubte, wenn ich Mathildens Liebe zu Ihnen bekämpfte und statt deffen die Bewerbung des BaronS von Hohenfeld, der Mathilden die lebhafteste Aufmerksamkeit erwie«, begünstigte, nur in deren Interesse zu handeln und sie, nöthigen Falle« wieder Willen glücklich zu machen. Mußte ich hierbei ihrem Herzen eine Wunve schlagen, so beruhigte ich mich dabei mit dem Gedanken, daß tie Zerstörung ihrer jugendlichen Illusion zu ihrem Glücke nöthig sei."
„Wenn so der Wunsch, meine Schwester xn meiner Weise zu beglücken, eine der Triebfedern meiner Handlungsweise war, so war eS doch nicht der einzige. — Ich will wahr gegen Sie sein, Walden, wahr in jeder Beziehung, und deshalb gestehe ich Ihnen, daß mein persönlicher Egoismus an meinem Verfahren einen noch größeren Antheil hatte, al- selbst die Rücksicht auf da- vermeintliche Wohl meiner Schwester. Wenn Mathilde eine Verbindung schloß, die ich als eine Mesalliance betrachtete, so mußte ich mir dadurch das Eingehen einer Verbindung, wie ich wünschte, erschweren. Somit trat also Ihre Liebe mir in den Weg, und hierin haben Sie den Schlüffel zu meiner Handlungsweise."
„Wenn ich hier von Mesalliance spreche, so verstehen Sie, ich bitte, mich hier nicht falich. Dieser Au-spmch bezieht sich lediglich auf Ihren Mangel
an Vermögen und Stellung und nicht aus Ihren Mangel eine- adeligen Stammbaums. Ich war zu stolz, um ahnenstolz zu fein und den zufälligen Vor zug der Geburt, indem ich nur eine Chance mehr in dem Kampfe mit dem Leben erblickte, höher anzu schlagen, als er werth ist, obgleich ich andererseits entschlossen war, denselben nach besten Stiften zu meinem Zwecke geltend zu machen."
„Mathilde liebte Sie warm und aufrichtig, und so lange Sie in Heidelberg verweilten, wollte e- mir nicht gelingen, Ihr Bild au« dem Herzen meiner Schwester zu verdrängen."
„Sie reiften ab, und nun hoffte ich Alle» von den Wirkungen der Zeit. Allein bald machte ich die Erfahrung, daß weder Zeit, noch Entfernung Mathilde Ihrem Andenken abwendig machen konnte, und ich sah mich daher genöthigt, energische Mittel zur Erreichung meines Zweckes anzuwenden, d. h. ich unterschlug Ihre Briefe."
Hier stieß Walden plötzlich einen dumpfen Schrei au-; eine Eiseskälte übet flog ihn, und der Brief entfiel feinen Händen. Er fühlte sich momentan wie ge.ähmt, und erst nach langer Panse war es ihm möglich, das verhängnißvolle Schreiben zu Ende zu lesen.
„Es gelang mir, mich mehrerer von Mathilde an Sie gerichteter Briefe zu bemächtigen, und es so ein- zurichtenj, daß nie einer Ihrer Briese in Mathildens Hände gelangen konnte. — Mein Vater unterhielt nämlich, wie Sie wiffen, eine weitausgedehnte Eorrespondenz und pflegte demgemäß feine Briefe direct von der Post holen zu lasten. Ich hatte mir zu der Briefmappe einen Sch üstel verscbafft und sorgte dafür, baß die Briefmappe zuerst durch meine Hände ging, bevor sie zu meinem Vater gelangte."
„Bald zeigten sich die Folgen meiner Manipulation — Mathilde, vergeblich auf Nachricht von Ihnen
hoffend und in Folge deffen sich von Ihnen verrathen glaubend, verschloß den Gram stumm in ihrem Herzen und wurde düster und schwe müthig."
„Ich hatte geflissentlich da- Gerücht von Mathil- den's Verlobung mit Hohenfeld in da- Publikum zu bringen gewußt. Herr von Hohenfeld, der nicht- sehnlicher wünschte, als daß dieses Gerücht zur Wahrheit werden möchte, hütete sich wohl, demselben zu widersprechen, und wenn Mathilde es that, so glaubte man ihr nicht, sondern nahm im Gegentheil Veranlassung , sie möglichst oft in Herrn von Hohenseld'S Nähe zu bringen."
„Dm Kummer zu besiegm, der in Folge Ihrer vermeinten Untreue an ihr nagte, rief ich Mathilden« Stolz zu Hülse. Nachdem es mir gelungen, ihr Vertrauen zu gewinnen, setzte ich ihr auseinander, wie thöricht eS sei, sich in ihrer Liebe für einen derselben so unwürdigen Gegenstand zu verzehren."
„Wenn mein Appell an ihren Stolz nicht ohne Wirkung blieb, so war dies doch mit meinem Appell an ihre Eitelkeit nicht derselbe Fall. Sie wies meinen Vorschlag, in Hohenfeld's Liebe Ersatz für die Ihrige zu suchen und Ihnen dadurch durch die That zu beweisen, daß die Hand, die Sie nicht zu schätzen gewußt, für Andere ein Gegenstand de- heißesten Begehren« sei, mit Entrüstung zurück."
„Um diese Zeit fiel mir ein Brief von Ihnen in die Hände, deffen anklagender und gereizter Ton mir bewies, daß der Moment zum Bruche gekommen sei. Mathilde, sich von Jhnm vergesten glaubend, und zu stolz, Sie mit Zuschriften zu behelligen, die Sie zu beantworten nicht der Mühe werth hielten, hatte Ihnen seit vielen Monaten nicht geschrieben, und Sie Überhäuften Sie nun in Ihrem Briefe wegen ihre- unerklärlichen Schweigen« mit den bittersten und leidenschaftlichsten Borwürfen."