1874.
Marburg, Sonntag, den 11. Januar.
Mr. 9
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Mahon's sieben Jahre keine drei Monate mehr dauern
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in die Sophaecke gedrückt, erbrach er den Brief, den Frau Miedet ihm eingehändigt halte. Er lautetet«:
Walden I
Wenn Sie diese Zeilen erhalten, habe ich bereits Ihr Hau- verlosten ohne Abschied, ohne Lebewohl. Beschuldigen Sie mich darum nicht der Undankbarkeit; ich fühle nur zu tief, wie sehr ich Ihnen verpflichtet, und wenn meine plötzliche Abreise Ihnen rächselhaft erschcint, so werden eben diese Zeilen Ihnen dieses Rälhjel lösen."
„Ich bin reich, — Sie wissen e» — aber Dienste wie die Ihrigen, lasten sich nicht bezahlen, und ohne-- dies würden Sie, ich weiß es, jede Geldsumme mit Indignation zurückwcisen, welche ich Ihnen bieten könnte. Aber ich will Jhnm ein Geständniß machen, welches, glauben Sie mir, mich mehr Ueberwinvung kostet, als das Opfer der Hälfte meines Vermögens. Ja, Walden, Sie haben mir viel zu verzeihen!"
„Al» ich heute im Garten Sie fragte, ob Sie sich zuweilen noch jener Zeit erinnerten, in welcher Sie so oft unser HauS besucht, da schwebte daS Ge ständniß meines Unrechts auf meinen Lippen; aber die Herbheit, mit welcher Sie sich über meine arme Schwerster äußerten, raubte mir den Muth, Ihrem Zorne Trotz zu bitten; d m Papiere indessen wiu ich anvertraue», wa- ich mündlich Ihnen «ie zu sagen gewagt."
„Versetzen Sie sich, ich bitte, in die Zeit, in welcher Sie, ein junger Student, in Heidelberg die Bekanntschaft meines Bruders machten, und rufen Sie sich mein Bild ins Geoächtniß zurück, wie ich damals war." ■ ' - - •
eingetroffen. In Folge neuester ultramontaner Demon Krationen im Jura sind energische Regierungsmaßregeln angeordnet; zwei RegierungS'Commistare sind an Ort und Stelle abgegangen. Am Samstag sind zwei GrenzregulirungS Verträge von dem BundeSpräfidentcn Schenk und dem italienischen Gesandten Senator Melegari zu Bern unterzeichnet worden.
In Italien ruhen Parlament und Politik, doch haben zwei Zwischenfälle die Aufmerksamkeit der öffentlichen Meinung auf daS Verhältniß zu Frankreich gelenkt. Die Mannschaft deS Orenoque hat zu Neujahr weder dem Papste, noch Victor Emanuel einen osficiellen Besuch gemacht, wohl aber ist der Comman- dant dieser kleinen Fregatte am 31. December in Galauniform beim Papste .gewesen. Die Bedeutung deS Voi falle« liegt darin, daß die Italiener wieder an die ständige Provokation erinnert worden find, die darin liegt, daß ein ausländisches Schiff in einem italienischen Hafen für den Papst Schild wache steht. Mehr noch hat eS die Italiener verletzt, daß Corcelle, der franzöfijche Botschafter beim päpstlichen Stuhle, der Leichenfeier des der französischen Gesandschaft bei VictorEmanuel zugehörigen Militär« die Kirche San Luigi verschlosten hat, weil eine De» pmaiion der italienischen Armee der Feier in officiellcr Weise beiwohnen sollte.
Der NeujahrSempfang in Versailles verlies ohne Sang und Kiang; dir Neujahrsbetrachtungen der pariser Blätter waren ohne Bedeutung für die Außenwelt; daS einzige Ereigniß, daS von allm Par leien gewürdigt wurde, ist die Räumung des Gebiete«, und diese ist noch daS Werk de« greisen Staatsmannes, dem die Sieger vom 24. Mai nie Hohn und Be lästerung genug bieten zu können scheinen. Diese Sieger aber find unter stch uneiniger als je, und die „moralische Ordnung" ist fast daS einzige Land, das die Orleanisten noch mit den Legi timstten zusammenkettet. Auch in der Regierung herrscht Zwispalt über die Stellung im Cleru« und über die dadurch bedingte Haltung gegen Italien, die Schweiz und Deutschland. Jndeß haben die Ultramontanen einen Feldzug für Heinrich V. eröffnet, und zu den Petitionen um Herstellung der Monarchie gesellen fich wiederum Wundererscheinungen und Prophezeiungen der klericalen Organe Echo du Rome, Pslcrin, des Almanach du Surnaturel u. s. w., wonach Mac
Aus tat Lebe«.
Original-Novelle von Rudolph Müldener. (Fortsetzung.)
Gegen Mittag kehrte Walden von seinem Krankenbesuche zurück; beim Einreitm in dm Hof eilte ihm seine Haushälterin entgegen.
* „Aber mein Gott, Herr Dottor," sagte fie, „daS ist ja recht plötzlich gekommm."
„Was denn, Frau Miedet?" fragte Walden, indem er vom Pferde stieg.
„Nun die gnädige Frau!"
„Nun was ist dmn mit der gnädigm Frau?"
f „Wissen Sie denn nicht, Herr Doctor?
„Nicht« weiß ich, gar nichts, also heraus mit »er
Sprache!" .
„Nun ab gereift ist fie, die gnädige Frau!"
„Abgereist!" wiederholte Walden mit jenml rNhigm Erstaunm, mit welchem man eine unerwartete Neuigkeit empfängt aber ohne alle jene Bestürzung, in welche eine uns tiefer berührende Nachricht zu versetzen pflegt.
„Ja, fie ist abgereist!" bestätigte Frau Micdel.
„Und sehen Nie nur," setzte sie triumphirend hinzu, „was Sie mir beim Abschiede geschenkt!"
„Sonderbar!" murmelte Waiden kopfschüttelnd.
v „Auch hat sie mir diesen Brief an Sie übergeben!" Walden steckte den Brief in die Tasche, zog dann een vierbeinigen Reisegefährten hinein in den Stall, eite ab und schüttete dem edlen Thiere frisches Futter auf. Hierauf verfügte et sich in sein Zimmer, zog die Rouleaux in die Höhe, zündete stch eine Cigarre an und nun erst, nachdem er fich behaglich
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Oki-hessische ZeiiM
—„nfiZ hcn Wrffflflen nn* Sonn. und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22j Sgr., durch die e^=ftämter 2* 6« terd Ä W bS Ausland excl. Stempel 22 Sgr. - Jnsertionsgebübr für die gespaltene Seile 1 Sgr. -
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Politische Wochnt-Urderficht.
Die ablaufende Woche schließt mit dem zweiten Wahltage zum deutschen Parlament. Al» vor drei Jahren (am 2. März) das deutsche Volk zum ersten male im neugegründeten Reiche feine Vertreter wählte, folgte dem Acte die FrievcnSdepesche von Versailles Möge auch heute nach dem Wahlacte der Friede unter den Parteien wieder einkehren und sie einigen im Kampfe gegen Diejenigen, die des BaierlandeS Macht und Glanz zu unterdrücken und verdunkeln bestrebt sind — Die Besserung in dem Befinden des Kaiser« hat im neuen Jahre einen rascheren Verlauf genommen. Richt nur ist der Mitte December «ingetretenr erneuerte ErkältungSzustand seit einigen Tagen fast vollständig beseitigt, auch die Herstellung der Kräfte schreitet seitdem sehr merklich fort, al« neuer erfreulicher Beweis für bie unerschütterte kräftige Constitution deS Kaisers. Die Großherzogin von Baden, welche auf den Wunsch de« Kaiser« mit den Kindern ihren Weihnachtsbesuch verlängert hatte, ist nach Karlsruhe zuiückgekehrt, und der Kaiser unternahm bereits am Dienstag seit jener neuen Erkältung die erste AuSfahrt. Die geschäftlichen Vorträge uttb Meldungen haben bereits fast ganz ihre alte Regelmäßigkeit wieder gewonnen.
Der Kampf mit dem Vatikan um die lheuersten ®öttr einer gesunden rnvrdernen Staat«entwickelung ist anch in Oesterreich entbrannt, doch glüht das Feuer bi« jetzt nur unter dem Boden fort. Der Äaifet forderte, al« der Ministerrath ihm die Gesammt- hett der dem ReichSrathe versprochenen confesstonellen Vorlagen unterbreitet hatte, den im Unterrichts-Mini fterium angestellten Weihbifchof Kulschker zu einem Gutachten auf, und dieser Prälat rückte sofort mit einem Memorandum angriffsweise vor, und suchte darzrtthun, daß, selbst wenn die Regierung und BolkS verlretung die gedachten Gesetzentwürfe annähmen, der Widerstand von Cleru« und Volk nimmermehr zu bestegen sein würde. —In dem grvßm Ministerrathe, der in den letzten Tagen de« Jahre« 1873 in Pest abgehalten wurde, handelte e« fich neben dem Militär- vequartterung«- und Penfionswesen auch um das gemeinsame Kriegsbudget, und hier waren die ungarischen Minister keineswegs mit den vom Kriegs-Mini- ster Kuhn in Ausficht gestellten 4 Millionen Ersparniß zufrieden; fie regten ein neue« Uebereinkommen über die gemeinsamen Lasten an.
Der neue sranzöfische Gesandte bei der Schweiz, .. ..
Herr Ehaudordy, ist am vorigen Sonntage in Berns sollen. Da« mag denn doch dem Präsidenten der
Republik zu bunt geworden sein, wenigstens hat der officiöse Soir gegen diese Wettmacher eine Lanze einlegen müssen. Die Nationalversammlung ist am 8. wieder zusammengetreten und hat den Beschlußsatz über das Mairegesetz nicht für, dringlich erklärt, in Folge dessen hat daS Ministerium Brogli um Entlastung gebeten.
Au« einem Staatsstreich entstanden, " hat die spanische National-Versammlung auch durch einen Staatsstreich ihr Ende gefunden. Im Auslande glaubte man vielfach, der Staatsstreich sei zum Vortheil Don Alfonso'S, deS Sohnes Isabellen'«, auSgeführt worveir; viese Annahme war jedoch irrig. In einem Erlaffe an die Provincialbehörden stellt der Minister de« Innern offen und unzweideutig die „konservative Republik" al« da« von der Regierung erstrebte Ziel auf. Einige Empörungen find rasch gedämpft worden; längeren Kampfe« bedurfte e« vorerst nur, um der sich auflehnenden Freiwilligen in Zaragoza Herr zu werden.
Die englische Regierung konnte da« neue Jahr und Quartal mit der Veröffentlichung eine« günstigen Finanzausweise« beginnen, welcher trotz ver Geschäftsstille keinen Rückschritt in den Staat«* einnahmen zeigt.
Da« dänische Ministerium ist vor dem Mißtrauensvotum de« Folkething« nicht^gewichen, sonvem bleibt im Amte. DaS am 6. d. nach den Weihnacht« fetien wieder zusammengetretene Hau« der Volksvertreter hat auf Jeine an den König gerichtete Adreste zur Antwort erhalten, daß, so bedauerlich auch da« Mißverhältniß zwischen der Zeitdauer der Sesfion und der darin geleisteten Arbeit, und so wünschen«- werth auch die Lösung de« Conflict« und der durch denselben herbeigeführten socialen Gährung sei, die Regierung e« doch ablehnen müsse, eine Neubildung de« CabinetS vorzunehmen, dagegen an den Patriotismus der Parteien appellire und von demselben eine tent Wohle des Landes ersprießliche Verständigung erhoffe. In der NeujahrSnacht starb zu Kopenhagen, im 78. Lebensjahre, der Geheime-Rath Scheele, ehemaliger Minister für Holstein und Sauenburg.
Der schwedische Reichstag hat eines seiner He* denkendsten Mitglieder durch den Tod verloren, den Landeshauptmann ßarlSn, den Gatten der bekannten Romandichterin Emilie Flygare-Carlän. Die Wahlen zum norwegischen Storthing, besten Session im nächsten Monat beginnt}, find nun beendet und im Ganzen
„Ich erschien Ihnen hochmüthig, kokett und herzlos, und Sie hatten Recht; ich war da« Eine wie das Andere. Allein vergessen Sie, ehe Sie den Stab über mich brechen, nicht, daß der Mensch ein Product seiner Umgebung ist, und ziehen Sie meine Erziehung und meine Leben-Verhältnisse billig in Betracht."
„Meine Eltern, beide von altem Adel, besaßen kein Vermögen, sahen fich indessen ebensowohl durch ihre beiderseitigen Lebebensgewohnheitm, wie durch die Anforderungen ihrer gesellschaftlichen Stellung ge» nöthigt, ein ziemlich bedeutende« HauS zu machen, wozu die an und für sich nicht unbedeutenden AmtS- eintünftc meines Vater« nicht immer zureichen wollten. So wuchs ich auf, nicht vom Reichthum, wohl aber vom Luxus umgeben. Der große Haufen hielt meinen Vater für reich, weil er den Schein de« Reichthum« anzunehmen wußte; allein unser Gesellschaftskreis war mit seinen BermögenSverhältnisten bester vertraut, und auch mir konnten dieselben nicht lange verborgen bleiben."
„Meine« Vater« ganze« Leben war ein fortgesetzter Kampf seiner Mittel mit den Anforderungen der Gesellschaft " . .
„Ein derartige«, lediglich auf Rettung deS äußeren Scheines berechnete« Leben trocknet un« geistig ans, löstet die natürliche Wärme de« Herzen« und streift die Unbefangenheit, die Poesie der Jugend von uns ab." '
„Dazu kommt, daß ein Mädchen Ker höheren Stände, wenn sie nicht im eminentesten Smne de« Wortes Künstlerin ist — und wie selten ist eine echt künstlerische Begabung — außer Stande ist, sich all«