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a^s Arrt dann noch"'so treiben kann, 'daß man be^zum Metier der coaliirtei, Feinde Deutschlands

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Monarchen fortzusetzen. Findet die Lüge auch in der Nähe keinen Glauben, wo das Gegentheil von Mund zu Mund geht, so wird sie doch durch gutdiSciplinirte andere Werkzeuge des UltramvutanismuS weiter ge­tragen und:semper aliquid haeret lügen, wühlen, täuschen, verdächtigen, beunruhigen gehört nun einmal

rissen halten. Kein Wunder, die preußischen Aerzte waren seit Jahren jedem Kinde der Gegend bekannt, während der Grünberger Arzt selten länger als zwei Jahre am Orte blieb. Bei jeder Vakanz war die Regierung gewöhnt, den Grünbcrger Arzt um Ver­setzung einkommcn zu sehen, so daß die Stadt in der mcdicinischen Welt deS Landes förmlich in Verruf gekommen war.

Unter diesen Umständen war es erklärlich, daß alle Aerzte, die Grünberg bis jetzt besessen, unverheirarhel dorthin gekommen, ost aber nicht ebenso hinwegge gangen waren. Mehrere Vorgänger Waldeii'S schon hatten in Grünberg sich eine Lebensgefährtin auSge wählt, und auch unserem Dortor würde es nicht schwer gefallen sein, ein solches Ziel zu erreichen, wenn es ihm anders darum zu thun gewesen. Manche junge Gründergrrin würde sich nicht einen Augenblick bedacht haben, den Doctor, der nicht nur ein gediegener, son­dern auch ein hübscher Mann war, zu heiralhen und ihm als Gattin zu folgen Allein derselbe lebte fast nur seinem Berufe, Damen- und Familicnzirkel be­suchte er wenig; er war aufmerksam und zuvorkom­mend gegen die schönere Hälfte des Menschengeschlechts, wich aber jeder innigeren Annäherung aus.

Eine solche Kälte war den Bewohnerinnen Grün­bergs an einem Jünger deS Aesculap.noch nicht vor­gekommen, und der hohe Rath der dortigen Damen­welt fand zuletzt keine andere Erklärung dieses f it famen Phänomens, al- die Annahme, daß Wald»n bereits gebunden fei, welche Voraussetzung uns.r-m Helden plötzlich sehr viel von dem allgemeinen Interesse raubte, auch die Neigung der unverhetrathcten Schönen,

sich von ihm ärztlich behandeln zu laffen, bedeutend verminderte.

Walden hatte anfangs in Berlin, später in Heidel­berg sein Heimathland besaß keine Universität studirt und endlich anderthalb Jahre in der Rhein- probinz als Assistenzarzt einer Irrenanstalt fungirt. Die Grünbergcr Noblcsie war nun im Zweifel, ob eS eine Tochter der Spree, des Neckars oder des RheineS fei, welche den Doctor gefesselt; gescsielt aber war er, das lag außer allem Zweifel.

So scharfsinnig indesien auch diese Vermuthuug war, so kam man doch allmählich von derselben wieder zurück. Doctor Walden war bereits seit sechs Jahren unerhört! in Grünberg und noch hatte er nicht daran gedacht, feine verlobte Braut wirklich heimzu­holen. Dies unleugbare Factum überzeugte die Damen von Grünberg endlich, daß diese Braut wahrscheinlich nur in ihrer Phantasie existire. Dafür indesien galt Walden nun für einen ausgemachten Hagestolz, was freilich auch gerade nicht geeignet war, ihn in den Augen der Damen sonderlich höher zu stellen.

Obgleich unverheiraihet, so hatte Walden sich nicht« desto weniger eine ganz angenehme Häuslichkeit ge­schaffen, der eine Haushälterin kanonischen Alters Vor­stand. Grünberg schien Walden lieb geworden zu sein, obgleich Niemand begriff, was ihn an den Ort fesselte. Man hatte ihm schon zweimal eine Versetzung ange- tragen, allein zum großen Staunen des Medicinal- CollegiumS der Residenz hatte Walden gebeten, ihn in feiner Stellung zu belassen. Er hatte Glück gehabt iu feiner Praxis und, einmal in der Gegend bekannt,

saupte» kann, der Abgeordnete sei nicht von diesem einem ursprünglichen Berufe gelöst und fei zu dem des Volksvertreters übergegangen. Soweit Fürst Bismarck Wir wollen die Nutzanwendung heraus ziehen. Wenn eine größere Anzahl von Wahlkreifen ihre Abgeordnete aus Berlin bezieht, so mehrt sich die Zahl derer, welche nicht aus lebendiger An­schauung die Stimmung ihrer Wahlkreise kennen dann mehrt sich die Zahl derer, die berufsmäßige Volksvertreter werden dann werden die parlamen­tarischen Verhandlungen ins Unendliche verlängert und ein f r i s ch e s Zusammenwirken unmöglich. Eine Partei, welche nicht im Stande ist, aus ihrer Mitte, aus dem Wahlkreise einen Candid atm aufzustellen, der opferwillig genug ist, auch die Lasten der Vertretung zu übernehmen, die sollte <ar nicht bei dem Wahlkampfe sich betheiligen.

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Nichts steht so hoch, um zu ihren Zwecken nicht als willkommenes Mtttcl benutzt zu werden. Die Taktik liegt so offen vor Aller Augen, daß schon die Klug­heit und die Gewißheit, entlarvt zu werden, von ihrer Verfolgung abhalten sollte. Wir können uns auf die wiederholte Bestätigung unserer bisherigen, vollkommen wahrheitsgemäßen Versicherungen beschränken, daß nur böswillige Absicht das Geschäst der Schwarzmalerei über den Gesundheitszustand des Kaisers betreiben l ann Natürlich ist auch die Meldung von der Er- spterung über Einsetzung einer Mitregentschaft daS Product phantastevoller oder vielmehr tendentiöser Er­findung' lieber die Thätigkeit im CultuSministerium bringen verschiedene Einzelnheiten in die Ocffentlichkeit, welche mit Vorsicht aufzunehmen sind. Im Allgemeinen ist zu conftatiren, daß die thatsächlichen Fälle, welche im Laufe der Anwendung der kirchenpolitischen Wai- gesetze daS Bedürfniß nach Vervollständigung und Abhülfc gegen Mißbrauch und Umgehung oder fort­gesetzten Widerstand haben zu Tage treten lassen, zur Ausarbeitung entsprechender legislatorischer Vorlagen, geführt haben, mit denen voraussichtlich der Landtag sich noch zu beschäftigen haben wird. Nach dem Stand des Geschäftsplanes unseres Landtags ist wohl anzunehmen, daß die Arbeiten nach einer Vertagung fortgesetzt werden müssen und sodann auch die in Rede stehenden Vorlagen zur Erledigung kommen. Fürst Bismarck beabsichtigt sich heute nach seinen Lauenburg'schen Besitzungen auf einige Zeit zu be­geben. Unter dem Vorsitz dcsSeehandlungs Präsiden­ten Bitter wird die Statistische Central-Commission am 10. d. M. zu Sitzungen zusammentreten. lieber Die Sylvesternacht hat ein hiesiger Correspondent der Rheinischen Ztg." eine Beschreibung geliefert, welche den Annalen der Journalistik nicht verloren gehen darf, weil sie als Beispiel, welchen blühenden Unsinn ein im Dienste der radikalen Opposition a tont prix stehender Journalist fertig bringt, schwerlich ihres Gleichen findet. Die Ruh« und Ordnung, welche in der Sylvesternacht hier herrschte, war depi Historiker derRheinischen Ztg." ein Acrgerniß und Stein des Anstoßes. Sein Concept über die stürmisch und miß­gestimmt tobende Volksmaffe war ihm durch diese un­erwartete Ruhe verdorben worden. WaS nun thun? Mißstimmting und drohende Gewitterschwüle sollte durchatis der Grundton des Sylvesterbildes fein; der vielgewandte Berichterstatter kam daher schließlich auf die originelle Idee, das anständige ruhige Betragen

itä -v-v., UM Äp 1S74 "nyki-rrytzI nk.-M,-

Au d-» R-ichStagSwahleu IV.

Deutsches Reich.

* Berlin, 5. Jan. In meinem letzten Briefe hab« ich der auffallenden Thatsache fchon Erwähnung gethan, daß ultramontane Organe sich eifrigst bemühen, im Gegensatz zu allen anderen günstigen Meldungen über das Befinden des Kaisers beunruhigende Andeu- tuugen zu verbreiten Mit echt jesuitischem Raffine­ment wird dies saubere Handwerk unter der falschen MaSke loyalster Fürsorge getrieben. Einen recht ecla- tanten Beleg zu dieser von jesuitischen Blättern betrie­benen Politik liefert neuerdings wieder dieGermania". Während in dieser Zeit einer großen Zahl distinguirter Persönlichkeiten der Hof-, Militär- und Beamtenkreise durch Audienzen Gelegenheit gegeben worden ist, sich unmittelbar von der sichtbar fortschreitenden Genesung und der in solchem Alter nach längerem Unwohlsein selten zu findenden geistigen und körperlichen Elasticität zu überzeugen, während die Volksmenge, wie ftadt bekannt ist, mit Jubel den geliebten Kaiser wieder in seiner Uniform am Fenster stehend begrüßt hat, wagt eS das Jesuitenwerkzeug dennoch mit cynischer Frech­heit die Täuschung seiner Leser mit heuchlerischem Bedauern über das beforgnißerregende Leiden deS

«US dem Ledcu.

Original-Rovelle von Rudolph Müldener.

Der Arzt eines kleinen Städtchens, welches tpir Grünberg nennen wollen, war gestorben, und die Regierung schickte einen neuen. Grünberg lag in einem jener deutschen Mittelstaatett, wo die Aerzte keine Freizügigkeit genießen.

Die Ankunft des jungen DoctorS war für Grün­berg ein Ereigniß, da der Doctor von Alters her unter den Honoratioren des Ortes, die freilich nur aus Pfarrer, DiaconuS, Amtmann, Actuar, Rentmeister, Oberförster, Apotheker und einigen Kaufleuten und Grundbesitzern bestanden, eine große Rolle zu spielen »siegte.

Doctor Walden war fünfundzwanzig Jahre alt; er war schlank, blond und unverheirathet. Das letz­tere hatten Grünbergs Einwohner übrigens als felbst- verständäich vorausgesetzt. Die Zahl der Aerzte war in Walden'« Geburtslande polizeilich beschränkt, und -bevor nicht eine Bacanz eingetreten war, in welche die vorhandenen Candidaten nach ihrem Examinations­alter einzurücken pflegten, erhielt kein Jünger des AeSculap die Erlaubuiß zur Praxis und hätte er darob graue Haare bekommen sollen.

Grünberg war nun eine jener Anfangsstellen, welche noch keinen Arzt reich gemacht. Dicht an Grünberg zog sich die preußische, Drenze hin, das nächste preu ßijche Städtchen war nur eine Stunde von Grünberg entfernt. In diesem Städtchen gab eS zwei Aerzte, die ihre Praxis auch auf daS Grünberg'fche Gebiet ausgedehnt und allmählich alle Kundschaft au sich ge-

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n Bon großer Wichtigkeit für die Vertretung de­utschen Volkes im Reichstage halten wir es, daß jeder Wahlkreis aus feiner Mitte «inen Vertreter nach Berlin entsende. "Nur-wer in- dem Wahlkreis« lebt, mit den Verhältnissen desselben ver- ,rant ist die Stimmungen deS Volkes genau kennt, "mag in der Thai Hefen Wahlkreis wahrhaft zu vertreten und nur wenn alle Wahlkreise in diesem Sinne irn Reichstage repräsenttrl find, kann man sagen, daß der Reichstag eine wahrhafte und wirkliche Ver­tretung des deutschen Volkes darsteüe. Hören nm, wa« unser großer Staatsmann über die Zusammen fefeung deS Reichstages in einer seiner Reden gesagt hat. Wenn - sagt Fürst Bismarck - die Volks­vertretungen wirklich ein lebendige» Bild der Bevölke­rung geben sollen, so muffen wir nothwendig kurze Parlamentesitzungen haben, sonst können alle, Diejenige» Beute die noch etwas Anderes in der Welt zu thun Baben, sich nicht bereitwillig und mit voller Hingabe dazu herbeilaffen, als Wahlkandidaten aufzutreten. Nur kurze Parlamente machen e- möglich, daß alle LerufSkreife und gerade die Tüchtigsten und Treuesten in ihrem bürgerlichen Berufe sich die Zett abmnfftgen können , daß sie bn» Vaterland« auch hier an d.eer Stelle ihre Dienst« erweisen. «« giedt

einen Kern von Abgeordneten, die nach der Thätig kett die sie ihrem Mandate al« Abgeordnete widmen, ' gar nicht im Stande sind, daneben etwas erhebliche- Anderes zu thun. Nun achte ich diese Linaabe für die parlamentarische Thätigkeit schr hoch und würde es sehr bedauern, wenn dieses Element uns fehlte daß es aber in den parlamentarischen Ver sammlunge'n vorherrschend sei; das halte ich nicht für erwünscht, daß der au« der Volksvertretung einen LebenSberuf machende Abgeordnete vorherrsche, das halte ich nicht für gut. Dann haben Sie keine wirk liche Volk-Vertretung mehr, dann haben Sie eine Art von berufsmäßiger, büreaukratischer Volksvertretung, eine andere Art von Beamten, die für die Arbeiten der Gesetzgebung zwar sehr nützlich sind, aber doch nicht immer im Sinne des Volkes und seiner augenblicklichen Stimmung, nicht immer zu lebendiger Vertretung aller Berufsklaffen wirken. Es ist total unmöglich, daß man daneben seine Ge schäfte alS Kaufmann, als Grundbesitzer, als Advokat,

$r. Marburg, Mittwoch, den 7. Januar.

-7-77-7 . T- mnuaa(n nack> Sonn- und Fettttlgen. Preis flir das Quartal durch die Expedition («och sche Buchdruckerei) bezogen 22z Sgr,, durch btt ®rf4ÄJLSJ'm Sei S&übr unb tocL Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. - Jusertionsgebuhr für d.e gespaltene Zelle 1 Dgr. - >

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