Sir. «. r > t’. : I Marburg, Dienstag, dm 6. Januar. • 187'i.
WterhessischeWeitunW
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> - Deutsches «eich.
** Berlin, 3. Jan. sBefinden des Kaisers. — Einberufung des Reichstags. — Provinzialordnung. — LedochowSki. — v. Madai. — Germania.^ Die Besserung im Befinden des Kaisers schreitet so stetig fort, daß die Aerzte schon in nächster Zeit bei günstiger Witterung den Beginn der regelmäßigen Ausfahrten gestatten zu können hoffen. — Ueber den Termin der Einberufung des Reichstags wollen einzelne Correspon- denten schon so genau mformirt fein, um bestimmte Daten melden zu können. Man nennt z. B. den 12. und 13. Februar. In Wirklichkeit ist jedoch noch keine Bestimmung getroffen, dieselbe steht auch in nächster nicht bevor, sondern es wird der Entscheidung die Gelegenheit sich mit dem Bundesrath und dem Präsidium deS Reichstags in'S Einvernehmen zu setzen vorausgehen müffen. Maßgebend wird im Allgemeinen die Bestimmung deS Art. 25 der Reichsverfassung sein, wonach die Einberufung innerhalb 90 Tagen nach Auflösung deS Reichstags erfolgen muß. Die Eventualität eines früheren Termins wird erklärlich durch da» Bedürfniß des Reichs sich geltend machen, wobei ferner auch die Arbeitm und Verhältnisse des Land tags in Preußen, wir in anderen Staaten Berücksichtigung erheischen. Der Staats - Haushalt und die dringendsten Vorlagen z. B. die Ergänzung der Kirchen- gesetze werden zuvor erledigt sein müffen. — Der Entwurf der Provinzialordiiung ist von allen größeren Blättern bereits milgetheilt -worden und erfährt allgemein günstige Beurthcilung; nirgends wird die hohe Bedeutung verkannt, welche in der neuen Grundlage der Verwaltungsrcformen^ für die erfolgreiche Entwickelung unseres inneren Staatslebcns geschaffen wird. Auch einzelne Bedenken, welche in den Besprechungen deS Entwurfs laut geworden sind, dürften bei näherer Kenntniß de» Zusammenhangs mit den leitenden Gesichtspunkten und eingreifenden Bestimmungen zu befriedigender Lösung kommen. Die „Spener'sche Zlg." unter der neuen Leitung des Dr. Braun vermißte in der Provinzialordnung eine präcise Begrenzung der Competcnz der Provinzialstände. Zur vollkommenen Klarstellung dieser Eompetenz würde allerdings die Provinzialordnung selbst nicht auSreichen; man muß jedoch erwägen, daß sie nicht isolirt, sondern im Zu sammenhang mit den anderen Derwaltungsreformge setzen die Grundlage des neuen Verwaltungsorganis muS bildet. Ihre Ergänzung findet fie in der Kreis und Gemeindeordnung, in den Gesetzen über Bildung des obersten Verwaltungsgerichtshofes-, der Verwal
tungsgerichte und der Verwaltung der Provinzialfonds; in engster Verbindung mit diesen betrachtet wird auch die erschöpfende Competenzbestimmung gefunden werden. — Das Verfahren gegen den renitenten Erzbischof LedochowSki wird nach Eingang der aus Posen demnächst erwarteten Anklageschrift sofort eröffnet werden. — Die Erwartung, daß eS der Umsicht und Energie deS jetzigen Polizei-Präsidenten von 9J?abat gelingen werde, Ruhestörungen und Unfug in der Sylvesternacht, wie sie früher üblich waren und als unvermeidlich betrachtet wurden, fern zu halten, hat sich vollkommen bestätigt; diesmal schon ohne besondere Verwarnung und Anzeige über Einrichtung von „Verbandplätzen". Der Pöbel hat sich diese einmalige durchgreifende Strenge bestens, in's Gedächtniß ge schrieben. — Die „Germania", welche mit heuchleriicher Naivetät den Brandbriefen der französischen Bisvöfe de» politischen Zweck und Charakter abzusprechen sich bemühet, wird selbst von der französischen Presse Lügen gestraft; die „Revue des denx mondeS" nennt diese Einmischungen der bischöflichen Friedensapostel eine drohende „Kriegserklärung", dereuUnlerdrückung Pflicht der französischen Regierung im Interesse der Erhaltung deS Friedens fei.
—’ Dem General-Stabs Arzt der Armee vr. Grimm, 1. Leib - Arzt Sr. Majestät des Kaisers und Königs und Chef der Militär-Medicinal Abtheilung im Kriegs- Ministerium ist der Rang eines General-Lieutenants verliehen worden.
— Das dem Bundesrathe auf's Neue zur Beschlußfassung vorgelegte Reichs-Militärgesetz ist nur in sehr wenigen Punkten abweichend von dem Entwurf vom 13. Mai 1873. Die Friedenspräsenzstärke des Heeres an Unterofficieren und Mannschaften soll bis zum Erlaß einer anderweitigen gesetzlichen Bestimmung 401,659 Mann betragen. Die einjährig Freiwilligen kommen auf die Friedenspräsenzstärke nicht in An rechnung. Die Infanterie wird formirt in 469 Bataillonen, die Kavallerie in 465 EskadronS, die Feld- Artillerie in 300 Batterien, von welcher je 3 bis 4 eine Abtheilung bilden, die Fuß-Artillerie in 300 Batterien, von welcher je 3 bis 4 eine Abtheilung bilden; die Fuß-Artillerie in 29, die Pioniertruppen und der Train in je 18 Bataillonen. Die Bataillone haben in der Regel 4, die des Trains 2 bis 3 Kom paqnien. In der Regel wird bei der Infanterie aus 3 Bataillonen, bei der Kavallerie aus 5 Eskadronen, bei der Artillerie aus 2 bis 3 Abtheilungen bezw. Bataillonen ein Regiment formirt. Das Gebiet des
Der Weiberfeind.
Novelle von Ludwig Ziemssen.
. - (Schluß.)
Friesen hatte ihre Hände ergriffen und sie an seine Brust gedrückt. „Er hat eS in Ihre Hände gelegt, theure Anni," sprach er weich und stöhnend. „Bei Ihnen steht nun daS Glück, der Friede, die Ruhe meines Leben» — bei Ihnen allein!"
„Bei mir? — bei mir?" rief sic, fcelenvoll zu ihm aufblickend, und ihre Stimme brach unter Freuden- thränm. „O! wie bin ich'S werth l wie bin ich's werth!!"--
Er schlang den Arm um fie, er zog sie an sein Herz, zitternd vor tiefinnerster Seligkeit der starke Mann, und Brust an Brust, Lippe an Lippe vergaßen sie die Welt um sich her. Durch die sonnige Herbstluft aber kamen weiße Fäden silberglänzenden Marien» garnS geschwommen und umschlangen die Engver- bundenen wortlos an einander Ruhenden, mit schimmern dem Ringe zu dauerndem, unlöslichem, glückseligem Bunde.--
Al« sie zum ersten Male wieder aufblickten, traf ihr Auge, nicht fern von ihnen, auf ein junges Paar, daS an einem Baum gelehnt, sie voll stiller Rührung betrachtete. Ein Augenblick der Sammlung, des sich auf sich selbst BesinnneuS — und Friesen hatte sie erkannt: mit einem Freudenruf, der recht aus tiefster Seele drang, begrüßte er den geliebten Freund, führte tr Josephinen die theure Braut zu. „Im Angesicht I Eurer trauten Heimath, der Stätte reichsten Glückes,! Und unter Gotte» blauem Himmel haben wir eben'
den Bund für das Leben geschloffen! Segnet ihn auch durch Eure Liebe, Ihr theure» guten Menschen, durch Eure Theilnahme, der er zu vollstem und schönstem Gedeihen nicht entrathen kann!"
„O, Raimund!" rief Ferdinand tief bewegt, indem er dem. Glücklichen feuchten Auges die Hand hinstreckte: „diese Stunde macht mich froher, als Worte sagen. Gott sei gedankt, der Alles so wunder bar schön gefügt; Er segne auch Euren Eingang in unser Haus und laffe Euch, wie uns, deS neugc schenkten Glückes in treuer Vereinigung froh werden.
„Mein Bruder!" rief Friesen, selig erschüttert, und preßte den treuen Freund innig an sein Herz.
„Meine liebe — liebe Schwester!" flüsterte Jo sephine süßen Tones, indem sie um Anni zärtlich den Arm schlang und deren holde Lippen mit den ihrigen berührte. „Die Prüfungszeit ist zu Ende und die Freudenzeit beginnt. Auf diese Stunde blicken Deine seligen Eltern verklärten Auges herab und preisen Gott, der ihr verwaistes Kind so liebreich geführt!"
Anni hatte nichts als Thränen unaussprechlich seliger Freude, und wortloser Dank gegen Gott unv Menschen füllten ihr junges Herz bis zum Uebeiströ- men. „Habe Nachsicht mit mir," lispelte sie schluchzend an der neugeschenkten Schwesterbrust; es ist zuviel Glück auf einmal; seine Fülle überwältigt mich!"
Sie gingen den Hügel hinab, der traulich winken den Heimstätte zu; bevor sie aber der bedeutungsvollen Stelle auf der Höhe den Rücken wandten, sprach Friesen voll schöner Bewegung: „Jetzt verlassen wir diesen Ort wohl, aber wir werden ihn nie vergessen, und
Deutschen Reichs wird in militärischer Hinsicht in 17 Armeekorps - Bezirke eingetheilt; 2 Armeekorps werden von Bayern, je eins von Sachsen und Württemberg aufgestellt, während Preußen mit den übrigen Staaten 14 Armeekorps formirt. Außer der Organisation des Reichsheeres hehandelt der Entwurf die Ergänzung des Herres, das aktive Heer, die Entlassung aus dem aktiven Dienste, den Beurlaubtenstand re. in je besonderen Abschnitten. Neben den Motiven find dem Entwurf Erläuterungen und Nachweisungen beigegeben.
— 4. Jan. In Bestätigung bisheriger Nach, richten verlautet aus unterrichteten Kreisen, die Türkei habe wenigstens Preußen gegenüber in irgend einer Form anerkannt, daß sie nach dem Vertrage das Recht zu einseitiger Kündigung vor Ablauf des Termins keineswegs beanspruchen könne, aber die Erwartung hege, Preußen werde sich an den mit anderen Mächten in Aussicht genommenen Vereinbarungen betheiligen. Eine Verständigung verschiedener Regierungen über bas zu beobachtende Verfahren gilt für wahrscheinlich.
Posen, 3. Jan. DaS Kreisgericht verurthetlte den Erzbischof LedochowSki wegen gesetzwidriger Anstellung zweier Geistlichen zu einer Geldstrafe von 2000 Th En. Der Weihbischof Janizewski, welcher angeklagt war, gegen den Religionslehrer Schröter eine unberechtigte Preßverfügung erlassen zu haben, ist freigesprochen worden, weil er im Auftrage deS Erz« bischois gehandelt habe.
Wiesbaden, 3 Jan. Der freisinnige protestantische Pfarrer Schröder in Freirachdorf, der vom Wiesbadener Conststorium abgesetzt worden war, ist vom Cultusminister freigesprochen und in sein Amt wieder eingesetzt worden.
Straßburg, 3. Jan. Der ehemalige hiesige Maire Lauth hat sich auf Ersuchen mehrerer hiesiger Einwohner zur Annahme einer Candidatur für den Reichstag bereit erklärt.
Ausland.
Wie«, 3. Jan. Die Nachricht de» „Vaterland/ Cardinal Rauscher sei nach Rom berufen und solle durch den Erzbischof von Salzburg, Tarnoczy, ersetzt werden ist dem Vernehmen nach durchaus unbegründet.
Beru, 3. Jan. Der Regierungsrath von Bern beschloß auf den Antrag der Kirchendirection die sofortige Aushebung des Kloster« der Ursulinerinnen in Puntrut.
darf ich meinem Herzen folgen, so errichte ich hier einen Denkstein, der den Platz für alle Zeit als der Liebe heilig bezeichnet und einweihet."
„Nein," wandte Ferdinand mit sanftem Lächeln dem schwärmenden Freunde ein, „keinen Stein, mein Raimund! Es wäre ein allzu kaltes und todtes Denkzeichen Eueres grünenden und blühenden Glückes! Aber eine junge Linde wollen wir hier pflanzen und herzlich ihrer pflegen: der alte deutsche Baum der Liebe wird ein besseres Symbol Eueres hier entsproffe- nen Bundes fein und, so Gott will, wollen wkr noch in späten Tagen vereint unter ihrem Schattendach sitzen und voll freudigen Dankes uns erinnern, wie hier sich einst Herz zum Herzen fand und Liebe zu Liebe — unlöslich, unverlierbar!"
«Ja — unverlierbar!" wiederholte Friesen innig und schlang mit sehnsüchtigem Liebesblick den Arm um das geliebte Mädchen. „Denn höre es mit deS liebeerfahrensten Dichters Worten, Du Theuere:
„Da ich Dich einmal gefunden, Kann ich nie Dich mehr verlieren; Da Du mich einmal umwunden. Mußt als Kranz mich ewig zieren! Dich nicht ahnte mein Verlangen, Eh' Dich mir der Himmel gab; Da ich Dich von I d m empfangen, Nimmt Dich keine Wer» mir ab!"
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Zwei Tage verflossen dm beiden in Liebe eng verbundenen Paaren in seeligster Glücksempfindung, im unerschöpftem Austausch von Erlebtem, Erfahrenem, Gedachtem, in schönen und immer schöneren Plänen