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KOterhessische Zeitung.
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Pglitische W-chen-Ueberficht.
DaS Bkfindm unseres Kaisers ist ein fortschreitend besseres. Am NeujahrStage machten daS Kronprinzen^ paar und die übrigen Mitglieder des königlichen Hauses demselben ihre Gratulationsbesuche. Eine große Volksmenge war vor dem Palais versammelt. Nach der Wiederabfahrt der hohen Herrschaften erschien der Kaiser am Fenster und wurde von der Volksmenge durch Hüteschwenkrn enthusiastisch begrüßt. Der Kaiser dankte wiederholt, sich nach allen Seilen verbeugend. Dem Entwürfe der Provinzial-Ordnung für die sechs östlichen Provinzen hat der Kaiser nach eingehender Kenntnißnahme seine Genehmigung ertheilt. Dieser Entwurf ist vor einigen Tagen dem Bureau der Abgeordnetenhauses als Vorlage zugegangen. Weiter ist der Vollendung nahe der Gesetzentwurf über den Verwaltungs-Gerichtshof, und ferner der Entwurf zu einem preußischen Eisenbahn Gesetze. Die Wahlbewegung für den Reichstag, dessen Einberufung zu einer kurzen FrLhjahrS-Session schon zum 12. Febr. d. I. in Aussicht genommen ist, ist in ganz Deutschland bereit« lebhaft im Gange.
Für Oesterreich war daS Jahr 1873 in politischer Beziehung nicht so schlimm, al« in financieller, obwohl man stth auch darüber noch starker Illusion hingibt. In der Wahlreform haben die Völker CiS- leithanien« ein Geschenk von bleibendem Werthe erhalten; dagegen steht die erwartete Civilehe noch in weitem Felde, ebenso die aogekündigten übrigen konfessionellen Gesetze. In Pest finden gemeinschaftliche Minister -Eonferenzen statt, wozu auch drei ciSleitha, «ische CabinetS-Mitglieder gezogen wurden, die am 27. nach Pest reisten; es handelt sich zunächst um da« gemeinsame Budget und die Militär - Bequartierung; außerdem sollen auch mehrere zwischen beiden Reich«. Hälften in der Schwebe gebliebenen Angelegenheiten geordnet »erden.
Die Gährung im schweizerischen Jura dauert fort — und nunmehr ist auch der Bischof von Chur mit der großen Exkommunikation gegen die Altkatho liken von Zürich vorgegangen. DaS Centtalblatt der jesuitischen europäischen Contte-Revolutton, die „Genfer Correspondenz", wird in der alten Form eingehen, hat aber bereits den erbetenen „päpstlichen Segen" für ihr Wiedererscheinen in anderer Form erhalten. Nach Anzeige de« Cardinals Antonelli wird die französische Gesandtschaft daS Archiv der aufgehobenen Nunttatur in Verwahrung nehmen.
Italien erfreut sich bezüglich seiner inneren Politik einer beneidenSwerthen Ruhe. Der frühere leidenschaftliche Parteihader ist erloschen, und die letzM Ergänzungswahlen für die zweite Kammer find rin weitere« Zeichen dafür, daß die allgemeine Stimmung mit den vorliegenden Formen de« Staatslebens zu
Der Weiterfei»».
v.<;' Appelle von Ludwig Ziemsse». ;9 ?•;?.' (Fortsetzung.)
„O, wie lieb und gut!" flüsterte Anni feuchten Äuge«, da Friesen dir Lesung beendet und ihr den Bries zu besserer Bekräftigung selbst in die Hände gegeben hatte; „und wir lieb rr Sie hat!" setzte sie, ihre schönen Böcke zu ihm erhebend, mit innigem Ausdruck hinzu. „Fast kann ich e« mir nicht denken, daß Sie sich, wie Vieser Brief andrutet, an einem solchen Herzen vergangen haben sollten!"
„Und doch ist r« sv," entgegnete Friesen mit frohem Reuegefühl; „das aber zu verstehen, bedarf es einiger Vorbemerkungen! Wollen Eie einer kurzen Schilde rung meines VerhältnisicS zu Ferdinand Rode, das heißt fast meines ganzen bisherigen Leben« ein freund Uches Gehör leihen?" i ' "
„Gern," erwiderte Anni »arm; „wenn Sie mich einer solchen Mitlheilung für würdig erachten, von ganzem Herzen gern!"
Friesen warf einen verrätherisch sprechenden, liebe zehrenden Blick auf seine holde Zuhörerin, lehnte sich dann, wie um die Entfernung von ihr zu seiner eigenen Ruh« etwa» zu vergrößern, in die Ecke des Wagens zurück und begann mit gehaltener Slimme zu erzählen: Seine freudenleere, gedrückte Jugend, sein abgeschlossenes,
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frieden ist und weiter nicht« verlangt, als mit ruhiger Arbeit daS Gebäude auSgebaut, ergänzt und innerlich und äußerlich sichergestellt zu sehen.
In der französischen National-Versammlung hat der Finanzminister Magne am 29. December das Budget für 1874 wie im Sturme genommen, und am 30. bereits erschien dasselbe im officiellen Journal, so daß man nicht wieder zu den provisorischen Zwölfteln zu greifen braucht. Die Abgeordneten schritten mit Siebenmeilenstiefeln durch die Zahlenreihen, nachdem sie die letzten Wochen wieder in kleinlichem Partei gezänke verschwendet hatten. Am 30. wurde dann wieder zu der Berathung über die neuen Steuern geschritten. Der Entwurf umfaßt 39 Artikel, von denen 32 auf 120 Millionen Bezug haben, wegen deren eine Uebereinkunft zwischen der Commission und dem Finanzminister hergestellt wurde. ES liegt aber noch eine Anzahl von Amendements vor, welche sich keinem der im Entwürfe aufgestellten Artikel anschließen. Broglie hätte lieber noch im alten Jahre seinen „Rettungsanker", nämlich das Gesetz über die MaireS, schmieden lassen, aber Magne ließ nicht mit sich handeln.
Ein glücklicher Schiffbruch hat den unseligen „Vir- ginius", der fast einen Krieg zwischen Spanien und den Vereinigten Staaten entzündet hätte, dem Bereiche der beiden Mächte entnommen und damit der von der Madrider Regierung gestellten Forderung auf nachträgliche Rückerstattung des Dampfers daS Object entzogen. Hoffentlich wird der Streit mit dieser Katastrophe erledigt sein. Castelar ist ohnedieS von Schwierigkeiten aller Art umlagert, welche der Wiederzusammentritt deS CongreffeS, mit dessen Präsidenten Salmeron er sich entzweit hat, nur noch vermehren kann. Die Belagerung von Cartagena macht sehr langsame Fortschritte; der Widerstand gegen die Car listen sogar Rückschritte. Statt seinen kühnen Zug durch die baskischen Provinzen durchzuführen, hat der General MorioneS sich vor der anscheinenden Ueber- macht deS Generals Elio in San Sebastian und PasageS mitsammt seiner Armee eingeschifft und landete um Weihnachten bei Santonna in der Provinz Santander.
Der politische Winterschlaf, Welcher England gefesselt hält, wird fast nur durch Berichte über die drohende HungerSnokh in Indien und über die langsam vorrückenden Kriegsoperationen gegen die Aschantis unterbrochen. Mitunter erhebt auch ein katholischer Prälat seine Stimme und schrett in die Stille hinein, fi» dieser Tage der Erzbischof Manning und der Cardinal Cullen, welch« das Deutsche Reich, zum Glück in contumaciam, in den Höllenpfuhl hinabstießen. Für ihre heftigen Ausfälle sind sie jedoch von der englischen Presse verdienter Maßm zurechtgewiesen wor
den. Der Herzog von Edinburg hat die Reise zu seiner Vermählung nach Petersburg angetreten.
Die Nachrichten, welche die holländische Regierung über den Feldzug gegen den Sultan von Atschin veröffentlicht, schildern die Stellung der holländischen Truppen al« günstig.
Daß Fürst Gortschakow, der russische Staatskanzler, in den Ruhestand zu treten begehrt habe, wird als unbegründet bezeichnet. Der Reichsrath hat die Berathung der Militärreform-Vorlagen beendet. Mit dem Emir von Buchara hat die Regierung auch einen besonderen Vertrag abgeschlossen. Derselbe erhält bekanntlich den auf dem rechten Ufer des Amu Darja belegenen Theil des Khanats Khiwa, verpflichtet sich aber, fein ganzes Land dem freien Handelsverkehr zu öffnen, die Sklaverei gänzlich abzuschaffen und den Russen nicht bloß den Betrieb von Handwerken, sondern auch den Erwerb von Grundbesitz zu gestatten.
Am 29. December hat der Sultan den jüngsten Bruder des Fürsten von Rumänien, den Prinzen Friedrich von Hohenzollern, in Audienz empfangen. Obschon die Pforte dem Fürsten Carl das Recht, einen Gesandten im AuSlande zu beglaubigen, bestreitet, hat dieser doch den Minister CretzuleSco als ständigen diplomatischen Agenten nach Berlin entsandt.
Deutschs «eich.
•• Berlin, 2. Jan, sBefinden deS Kaisers — Entwurf eine« Sturmsystems — Preßgesetz — Die französische Regierung und die Hirtenbriefe der Bischöfe.j DaS Befinden deS Kaiser- hat sich auch unter den Anstrengungen der Neujahrsfeier bewährt, so daß die Mitglieder der Königlichen Familie ben günstigsten Eindruck erhalten und mit vollem Vertrauen ihren Wünschen Ausdruck geben konnten. Den Hofstaat und die anwesenden Fürstlichkeiten hat die Kaiserin zur Gratulation empfangen, während eine weitere Ausdehnung der GratulationScour auf das diplomatische Corps und die Repräsentanten der Aristokratie, deS BeamtenthumS u. f. w. mit Rücksicht auf die Verhältnisse diese- Jahr unterblieben ist. Bei dem lebhaften Interesse, mit welchem in allen Kreisen der Bevölkerung daS Befinden deö Kaisers verfolgt wird, kann einem aufmerksamen Beobachter kaum entgehen, wie hartnäckig unter die große Majorität von günstig lautenden, der Thaffache entsprechenden Berichten doch auch eine kleine Zahl Berliner Correspondenten und von diesen bedienter ober wenigsten- auS solcher Quelle schöpfenber Blätter sich mischt, die mit pessimistischen vunkelen Andeutungen Unruhe zu verbreiten sucht. Bei unserer Untersuchung findet man die Lösung des Räth- sels in der Verschiedenheit der Parteistellung; dies tritt so auffallend hervor, daß selbst das Ausland, z. B. die „Times" ihre Verwunderung ausgesprochen
wissensburstigeS Knabenalter, da« willenskräftige Em pvrringen in die höheren Sphären der Wiffenschaft, die dem Einsamen, Verdüsterten Trost und Klarheit verlieh; ein Jünglingsalter voll materieller Entbehrungen, aber voll höchsten Jdealismus, der ihn mit dem jüngeren, doch gleichgesttmmlen Ferdinand zu fester und immer festerer Freundschaft verband; ein leidenschaftliches Durchstreifen mannichfacher Wissens gebiete, dem fieberhaften Durst nach tiefer und immer tieferer Erkenntniß Stillung zu gewinnen, bis endlich die Baukunst ben ganzen Menschen hingenommen und zu höchster und concentrirter Kraftentfaltung in einem Punkt begeistert. In diesem Studium der Entwickelung plötzlich ersehnte Unterstützung durch ein reiches, unerwartete« Erbe, das feinem Studium wünschens werthefte Förderung bot; weiter und weiter angelegte Lebenspläne, in denen nur ein« vergessen: die Liebe; und ein Streben in's Ungemesiene bi« zu jener Verstandeskälte und geistigen Ueberspitzung, die das Herz öde läßt und mit endlicher Verzweiflung auch an dem Werth des Erworbenen, selbst der reichsten Wiffens- gfitcr endet! —
Und dann Heimkehr in daS Vaterland ohne Be sriedigung de» Herzens, liefe, kaum zugeftandene Sehnsucht nach volleren, sättigenderen Zügen auS dem Becher deS Lebens bis zu neidischem Groll aus den einst ge
liebten Freund, dem das Glück in seiner holdesten Laune de» großen Gewinn mühelos zugewendet, |bie geliebte Lebensgefährtin an das sehnende Herz gelegt — —"
Friesen hielt inne; die äußerste Grenze des Sagbaren war fast erreicht : er schwankte, ob ein Weitergehen möglich, ob raihsam —. Seit einer Viertelstunde hatte er nicht mehr gewagt, seine holde Reise- gefährtin anzublicken; nur verstohlen war dann und wann sein Auge an ihr hingestreift, wenn ein Saut; eine Bewegung von ihr eine tiefere Wirkung seiner Worte verrathen. Jetzt wendete er ihr plötzlich voll das Angesicht zu — und sah Thränen seelischer Erschütterung über ihre erblichenen Wangen herabrvüen! Fast überwältigte e« ihn, und auf seiner Lippe schwebte, zögernd nur und kaum zurückgehalten, da« Wort der Entscheidung — da hielt plötzlich der Wagen am Fuße einer steil aufragenden Höhe, und der Postillon wendete sein wettergebräuntes Antlitz wie bittend in den Wagen zurück: „Ans der anderen Seite des Berges liegt das Pfarrhaus im Thal vor Ihnen; aber der Weg da hinauf ist ein böser, und die armen Gäule sind wie aus dem Wasser gezogen. Da wird'S schlecht vorwärts gehen!"
Friesen, fast froh der Unterbrechung, warf einen forschenden Blick hinaus: ein in den Berg gesprengter