des Reichstages ist nach Angaben von verlässiger Seite für den 12. Februar in Aussicht genommen. Da bis zu diesem Termin, der ja möglicher Weise um einige wenige Tage hinauSgeschoben werden könnte an eine Abwicklung der Landtagsarbeiten nicht zu denken ist, so behandelt man bereits die Vertagung deS Landtages bis nach Ostern a!S eine selbstverständliche Angelegen heil, Hiernach stände, glaubt man, das Ende der Landtags Session für Anfang Mai zu erwarten und es würde dann im Oktober die große ReichStagS-Session folgen.
— In Betreff der demnächst nothwendigen Standes- buchführung schreibt die „Kreuzzeitung": „ES gibt eine große Menge pensionirter Civil- und Militärbe- amten und ähnlicher Personen, die einen anständigen, ruhigen und nicht unerheblichen Nebenerwerb sehr gern annehmen und den Posten eines Civilstands-Beamlen sehr gut ausfüllen werden, wie dies die Küster in mittleren und größeren Städten ja fortwährend thun. Für die Copulationcn braucht man nur Fragebogen drucken zu lassen, die bei jeder Eheschließung auSzu füllen sind und welche die nothwendigen Gesetze enthalten; einige Uebung macht bald den Meister. Man richte die Bezirke nicht zu klein ein; man kann recht gut 5-—6000 Seelen aus einen rechnen. Das fixe Gehalt und die Sporteln für die Scheine zusammen werden immerhin eine hübsche Nebeneinnahme geben." Eine besondere Frage bleibt noch die, wie die Geistlichen für den Ausfall zu entschädigen find, den sie in Folge der Einführung der Civitehe zu gewärtigen haben. Ihre jetzigen Einkünfte von Trauungen rc. werden auf jährlich mehr als 900,000 Thlr. berechnet. Nun ist zwar nicht zu besorgen, daß eö im ganzen Staat ungefähr gehe wie in Frankfurt a. M., wo gegen die Hälfte der Ehen nur bürgerlich geschlossen werden; aber man kann auch nicht hoffen, daß, wie in den Rheinlanden überall nur ein Procent sich nicht auch kirchlich trauen lasse. Namentlich in Berlin, wo nicht bloß ein gleichgüliiger, sondern ein der Kirche abgeneigter Geist in weite Kreise eingedrungen ist, wird die kirchliche Trauung nicht selten unterlassen werden. Die Besoldung der Geistlichen ist aber in vielen Gemeinden ohnehin zu gering und ohne Entschädigung kann man sie nicht eines Einkommens berauben, das ste Jahrhunderte lang ungestört genossen haben.
Trier, 31. Dec. Heute ist auf Weisung der Regierung der Schluß der Vorlesungen am hiesigen katholischen Priester-Seminare erfolgt.
Wiesbaden, 27. Dec. Hier sand gestern altkatholischer Gottesdienst statt, dem nahezu 6000 Zuhörer andachtsvoll beiwohnten; namentlich war die Landbevölkerung aus dem Rheingau zahlreich herbeigeströmt. Die Predigt hielt Bischof Reinkens mit bekannter Meisterschaft; Nachmittags empfing derselbe Deputationen der altkath. Zweigvereine aus Offenbach, Oberursel, Soden, RüdeSheim rc.
A«S Thüringen, 28. Dec. Die verschiedenen thüringischen Kleinstaaten, welche die drei Infanterie regimenter Nr. 94, 95 und 96 stellen, haben vor Kurzem ihre abgelausene Militär Convention mit Preußen wieder erneuert. Dieselbe ist unverändert wie die
gab erfreulich zu denken; Friesen träumte sich in seine hübsche Villa daheim, und sann, wie viel reizender noch cS sich dort in dem neumöblirten Speisezimmer wohl werde frühstücken lasten. Doch machte ihn dieser hoffende Blick in die Zukunft keineswegs undankbar gegen die schöne Gegenwart und selig froh genoß er des Augenblickes. — Und endlich kam dann auch der bestellte Wagen vor die Thür gefahren, und nach herzlichen Danksagungen an die freundliche junge Wirthin entzog Friesen die Stillgeliebte pochenden Herzens allen bisherigen Verhältnisten, um ste in ein neues Leben einzusühren, daö sie ihm, so hoffte er, bald auf immer verbinden würde. Welch eine köstliche Fahrt war das durch den sonnengoldigen Septembermorgen! War eS nicht, als schwebten ste dahin durch die weiche, schmeichelnde Luft; als sei alle irdische Schwere von ihnen abgefallen, als führten beflügelte Rosse sie durch Glanz und Schimmer zu schöneren und immer schöneren Gcfieldcn, wo ein Glück ohne Gleichen ihrer harrte! — Was sie miteinander sprachen, einander fragten und antworteten — Friesen hatte lange kein klares Bewußtsein darüber. Eine süße Betäubung, eine seelische Trunkenheit umhüllte seine Sinne wie mit lichter Wolke; er redete und hörte und antwortete wie in unendlich süßem Traum.
Und Anni? — Auch sie empfand den wunderbaren Umschwung ihres Lebens als einen tieferregen den, der ihren Wangen eine höhere heiße Röthe, ihren Pulsen einen rascheren Schlag, ihren Augen einen fremdartigen Glanz verlieh. Holde Beklommenheit lag in ihren Mienen, klang aus jedem ihrer Worte wieder, und erst als Friesen, um mehr und mehr ihr Zutrauen zu gewinnen, das Gespräch wieder auf die theure, weitentsernte mütterliche Pflegerin brachte und
frühere geblieben, nur daß die finanziellen Be-1 günstigungen, welcher sich diese Staaten bisher zu! erfreuen hatten, jetzt gänzlich fortgesallen sind und sie die gleichen Beiträge wie alle anderen Reichsbrüder fortan zu zahlen haben. Das mehrfach auigetauchte Gerücht, als sollten noch zwei neue thüringische Cavallerie Regimenter errichtet werden, erhält durch diese neue Convention keine Bestätigung, sondern im Gegentheil ist dahei festgesetzt worden, daß alle Militärpflichtigen dieser Kleinstaaten, welche nicht in die genannten Infanterie-Regimenter kommen, sondern für die Specialwaffen bestimmt sind, ihre Dienstpflicht in den zunächst gelegenen derartigen Truppentheilen erfüllen sollen. Das in Mühlhausen garnisonirende 6. Uhlanen-Regimem, die beiden hessischen Husaren Regimenter Nr. 13 und 14 in Kassel und Hof-GeiSmar, das 11. Jäger-Bataillon in Marburg, das 11. Pionier Bataillon in Kassel und die Fuß und reitende Artillerie in Kassel und anderen hessischen Garnisonen sind die Truppentheile, welche die für die Specialwaffen bestimmten Söhne der thüringischen Kleinstaaten zukünftig aufnehmen sollen. Da das deutsche Reichs» Heer ohnehin schon eine so große Zahl von Cavallerie Regimentern besitzt, so wird man wohl niemals noch besondere thüringische Reiter-Schwadronen errichten, zumal diese Waffengattung alljährlich der theuren Pferde- und Fouragepreise wegen immer kostspieliger wird und dazu nur stets geringere Verwendung findet.
Mainz, 28. Dec. Der Redacteur des „Mainzer Journals" Wasserburg, welcher bekanntlich wegen einer höchst insolenten Erwiderung auf den Brief des deutschen Kaisers an den Pabst gegen Majestätsbeleidigung angeklagt war, ist vom großherzoglichen Hofgericht in Mainz freigesprochen worden.
Stuttgart 28. Dec. Der Rat. Ztg. wird geschrieben: „Es sollen Verhandlungen mit Berlin schweben, um einige Aenderungen an der Militär-Con vcntion herbeizuführen. Was den König an dem jetzigen Verhältnisse vor Allem unangenehm berühren soll, ist, daß der kommandirende General an der Spitze seiner Truppen nicht den stammeseigenthümlichen zweireihigen, sondern den preußischen einreihigen Waffenrock trägt. Eine Beruhigung der Gemüther wird also erst eintreten, wenn der Kaiser den hierher komman bitten preußischen Officieren gestattet, den doppelreihigen Waffenrock zu tragen. Gibt Preußen in diesem Punkt nach, so zweifle ich nicht, daß unser König bereit sein wird, in vielen anderen Dingen Concessionen zu machen, die man hier weniger ernst nimmt, die aber in Berlin für wichtiger gehalten werden dürften als der Schnitt deS Waffenrockes."
München, 29. Dec. Der Justiz. Ministerial Rath K. Hocheder ist als zweiter Präsident des Reichs Oberhandelsgerichts in Aussicht genommen und wird die Berufung aus diese Stelle, sicherem Vernehmen nach, annehmen. Demselben ist der Uebertritt in den Reichsdienst bereits bewilligt, und es steht nunmehr auch seine Ernennung Seitens deS deutschen Kaisers in naher Aussicht. — Gutem Vernehmen nach gedenkt das Cultus - Ministerium auf Aenderungen im Lehr- Personal unserer Lyceen hinzuwirken. Seit 20 Jahren
Annis früheres Leben im friedlichen Hause der Tante berührte, da schien mit der Erinnerung an vergangene schöne Zeiten, unter der sichernden Obhut der trefflichen Matrone verlebt, auch ein Gefühl größerer Festigkeit, eine ruhigere Empfindung über das Mädchen zu kommen, und in der süßen Beredsamkeit, die ein übervolles Herz und eine edle Denkweise zu verleihen pflegen, strömte sie den ganzen holden Inhalt ihrer reinen Mädchenseele in bewegte und bewegende Worte aus. — Für Friesens liebedürstende Empfindung war diese Schilderung, die mehr als alles Andere die lautere Schönheit von Anni's Wesen und Sein, von ihrer Sinnes» und Denkweise in überzeugendster Art darlhat, eine unbeschreiblich süße Labung, und vielleicht würde er ihr schon jetzt, trotz der unerwünschten Nähe des Postillons, seinen Dank in wärmerer Weise ausgesprochen haben, als es ur» sprünglich seine Absicht gewesen, als plötzlich das Erscheinen der nach Rcthingen abgesendeten Expressen den Gedanken wie dem Gespräch der jungen Reise- geführten eine andere Wendung gab. Im scharfen Trabe kam der diensteifrige Mann die Landstraße daher gesprengt, hielt auf Friesens Anruf seiudampfen- des Roß und übergab den Inhalt seiner Ledertasche, ein an Friesen adressirtes Billet, mit sichtlicher Genugthuung; worauf er, reich belohnt und sreude- strahleud in ruhigerem Tempo feinen Heimweg fort: setzte, während Friesen unter dem Einfluß von Anni's auf -ihn gerichteten erwartungsvollen Augen mit etwas unsicherer Hand dm Brief öffnete.
Aber der liebevolle Inhalt verscheuchte schon in der nächsten Sekunde Bangen und Unruhe in schönster Weise, stimmte beider Herz zu frohster Rührung: eine Gehobmheit der Stimmung, die eö Anni nicht
waren für diese Anstalten, an welchen der größere Theil des CleruS seine wissenschaftliche Bildung erhält, die Bischöfe fast allein maßgebend, und so ist eS gekommen, daß viele Lehrstellen mit Clerikern besetzt sind, die nicht einmal eine Prüfung für das höhere Lehramt bestanden haben. ES sollen nun alle jene geistlichen Lehrer, welche die gesetzlichen Vorbedingungen nicht erfüllt haben, entfernt und mit Seelsorgerstellen bedacht, bei künftigen Besetzungen aber weniger die von den Bischöfen wegen ihrer kirchlichen Observanz empfohlenen Persönlichkeiten, als solche, welche daS Vertrauen der Staatsregierung haben, berücksichtigt werden. — Von den 42 baierischen Wahlkreisen diesseits deS Rheins hat nunmehr die ultramontane Partei 35, die liberale 30 mit Reichstags Candidaten besetzt.
• Ausland.
Wie« , 29. Dec. Ueber den in Pesth tagenden großen Ministerrath, zu welchem auch drei österreichische Minister berufen wurden, bringen nur spärliche Nachrichten in die Oeffentlichkeit. Eine pesther Depesche der N. Fr. Pr. meldet, daß daS gemeinsame Budget Gegenstand der Minister-Berathungen gewesen sei. — Fürstbischof Förster von Breslau soll laut der N. Fr. Pr. fest entschloffm fein, sich bis nach Austragung seiner in Preußen anhängigen Proceffe nach Johannisberg, seiner Sommer-Residmz in Oester- reichisch-Schlesten, zurückzuziehen.
Beim, 29. Dec. Auf Ansuchen des Cardinals Antonelli hat die hiesige französische Gesandtschaft, wie sie dem Bundeörathe officiell mitgetheilt hat, daS Archiv der von dem letztem ausgehobenen päpstlichen Nunciatur, deren Sitz bekanntlich Luzern war, in Aufbewahrung genommen. Dieser Freundschaftsdienst der französischen Regierung hätte an und für sich nichts Auffallendes; daß aber der heilige Stuhl das Archiv überhaupt in der Schweiz läßt, beutet auf seine Absicht, die diplomatischen Beziehungen mit dem Bundeörathe bald wieder anzuknüpfen, in welcher Richtung sich die Vermittlung des Grafen Chaudordy, des neuen französischen Gesandten, dessen Ankunft dem Bundeörathe jetzt bestimmt aus den 2. Januar angesagt ist, zu Gunsten Roms zunächst bemerkbar machen dürfte. — Der Bundesrath beauftragte in feiner heutigen Sitzung das eidgenössische Justiz- und Polizei- Departement mit Prüfung der Frage, ob nicht die Cantone, in denen die Verdingung von Kindern als Dienstboten nach Ungarn und Rußland vorkommt, zu gesetzgeberischen Maßregeln gegen solchen Kinderschacher zu beranlaffen seien. — Der russische Gesandte, Fürst Gortschakow, hat drei Monate Urlaub erhalten. Während feiner Abwesenheit besorgt Herr Glinka als Geschäfsträger die laufenden Angelegenheiten.
Rom, 28. Dec. Die Gratulationen zum Weih- nachtsseste Seitens der sämmtlichen kirchlichen Körperschaften und zahlreichen Privaten haben auch in diesem Jahre in gewohnter Weise im Vatican Statt gefunden. Daran schlossen stch gestern die Glückwünsche gelegentlich der Namenstagsfeier (St. Johannes) des Papstes. In diesen Tagen wird e« jährig, baß in Folge der Allocution vom 23. Dec. 1872 bi» biplo- Bäi» . i i ■■ ■ . ' g „b.i gg illMT,A-'agfassg=B^
sonberlich befremdlich scheinen ließ, daß ihr Reisebegleiter von seinen Empfindungen hingerissen, ihre Hanv ergriff und an feine Lippen preßte. Der Brief aber lautete folgendermaßen:
„Dein heutige« Schreiben macht Alle« wieder gut, was das letzte gesündigt hatte, mein geliebter Freund, und aus freudig-bewegtem Herzen ertheile ich Dir volle und uneingeschränkte Absolution. Eile nur, baß ich sie Dir, Auge in Auge unb Brust an Brust auch mündlich aussprechen kann. Eine größere Freude hättest Du unS wahrlich nicht machen können: erst jetzt ist mein unb ZosephiueuS Glück vollkommen!
Deine von Dir so liebebenSwürbig empfohlene Gefährtin ist unS hoch willkommen, sie wäre eS auch ohne biefelbe, weil sie unglücklich und ohne Anhalt in bet Welt dasteht. Wenn irgenb ein Ort in christlichen Landen, so bars gewiß baS Pfarrhaus ben Vorrang in Anspruch nehmen, als „Herberge bet Gerechtigkeit" angesehen zu werben! — Es wirb Deiner jungen Begleiterin gewiß baS Vertrauen zu uns erhöhen, wenn Du ihr mittheilst, baß auch meine theure Frau eine arme Waise war, al« sie unter mein Dach trat, unb ihr Haupt an meine Brust legte!
Ich schließe, ba Dein Bote auf Abfertigung bringt, unb behalte alles Weitere balbigem, mündlichen Ge« danken-Austausch vor. Hoffentlich trifft Euch bet Bote schon unterwegs; bann könnt Ihr in spätestens zwei Stunden hier sein! O eilt, eilt! Mein Herz hat sich nach einem Wiedersehen mit Dir, nach einem solchen Wiedersehn allzulange unb allzu sehr gesehnt! Gott geleite Euch! Dein treuer, glücklicher Ferbinand".
(Fortsetzung folgt)