Einzelbild herunterladen
 
  

schreibt die „Kieler ist in diesen Tagen einem Lehrer unserer Universität, den wir mit Stolz einen Sohn unsere- Landes nennen, zu Theil geworden. Die Kaiserin Augusta hat nämlich, wie uns aus zu­verlässiger Quelle mitgetheilt wird, dem Herrn Geh. Medicinalrath Prosessor Dr. Esmarch ein prachtvolles Album übersendet. Dasselbe ist von einem Hand­schreiben begleitet, worin die Kaiserin ihre Gabe als „ein Zeichen Meiner dankbaren Anerkennung Ihrer Leistungen auf dem Gebiete der freiwilligen Kranken­pflege" charakterisirt.

Münster, 23. Dec. Der W. M. schreibt: „Wie wir hören, ist dem hiesigen Priesterseminar der demselben bisher gewährte Staatszuschuß entzogen."

Stuttgart, 29. Dec. Der Commandirende des 13. (k würtembergischen) Armeecorps, General der Infanterie v. Stülpnagel, hat gestern die Offiziere der hiesigen Garnison um sich versammelt nnd ihnen eröffnet, daß er vom Kaiser abberufen sei. Er nahm sodann, wie erzählt wird, in herzlichen Worten von den Osfizieren Abschied , indem er mit Befriedigung auf das gemeinsam Geleistete zurückblickte und zu fernerer Pflichttreue ermahnte. Der General war sichtlich bewegt und aus die ganze Versammlung machte der Abschied von dem gefeierten Führer einen tiefen Eindruck. General v. Stülpnagel hat sich in der kurzen Zeit seines Hierseins die allgemeine Achtung und Liebe feiner Untergebenen erworben. Seine Strenge im Dienst verletzte nicht, weil sie ausging von einem Manne, dessen militärische Bildung bei jedem Anlaß sich im glänzendsten Lichte zeigte und dessen echt humane Gesinnung bei keiner Gelegenheit sich verläugnete. Wem es bekannt ist, daß das Ver­trauen der Schwaben nicht allzu leicht zu erwerben, wild es doppelt bedauern, daß dem würtembergischen Armeecorps ein Befehlshaber nicht erhalten werden konnte, der dieses Vertrauen im reichsten Maße besaß. Noch ist die neue militärische Organisation des Armee corps nicht vollendet, aber der Nachfolger Stülpnagels wird verhältnißmäßig leichtes Spiel haben, um das von so tüchtigen Händen Angebahnte vollends zum Abschluß zu bringen.

München, 30. Dec. Das Ober-Appellations- gericht hat die NichtigkeitS Beschwerde des Bischofs von Speyer (Haneberg) betreffs der Beleidigungs- Klage der Martin'schen Eheleute als unbegründet verworfen und den Beschwerdeführer in die Kosten verurlheilt, sonach die Zuständigkeit deS ordentlichen Strafgerichts anerkannt. — Der König wird demnächst mehrere Photographen nach Versailles senden, um die Prunkgemächer Ludwig's XIV. pho «graphisch aufzu­nehmen. Nach den so gewonnenen Mustern sollen die Gemächer eines auf einer Insel im Chiemsee zu erbauenden Luftschlosses auSgestattet werden. Die fran­zösische Regierung Hal zu dieser Aufnahme bereits mit großer Courtoisie die Bewilligung ertheilt. — Nach dem neuen Jahre wird hier ein neues clericaleS „Witz­blatt" erscheinen. Daffelbe soll den Titel das „Narren­schiff" führen und als Steuerleute den Fürsten Bis

„Wie sollte ich ihn nicht! Ich bin ja die Schwester des Küsters und Lehrers zu Rehlingen, und habe, ehe wir hier die Wirttzschaft pachteten, fast ein Viertel­jahr lang bei ihm gewohnt und den Pastor saft täglich gesehen. Ach! das ist ein lieber einziger Mann! Mein Bruder und, ich glaube das ganze Dors gingen für ihn durchs Feuer, und auch in den Filialdörfern hat man ihn herzlich lieb!"

„Sie sehen," sprach Friesen zu Anni gewendet, „daß ich Ihnen den neuen Wohnort nicht aufs Gerathewohl ausgewählt. Es ist ein HauS, in dem eS Ihnen recht von Herzen wohl werden wird, und das Sie nur ungern wieder verlassen werden."

„Nicht wahr, der Herr Prediger ist verheirathet?" erwiderte Anni, beglück: lächelnd.

„Mit einer jungen vortrefflichen Frau," bestätigte Friesen; und die Wirchin setzte hinzu: „Mein Bruder schreibt uns, sie sei ein Engel au Freundlichkeit und Sanftmuth."

„O, wie freue ich mich, die herrlichen Menschen kennen zu lernen," rief Anni begeistert ans, „und wie wird sich meine gute Tante freuen, erfährt sie aus meinem ersten Briefe, wie wunderbar sich mein Schicksal gewendet hat! — Und Ihnen," fuhr sie zu Friesen gewendet, inniger fort, „Ihnen werde ich mein Lebenlang dankbar sein, daß sie in schwerster Stunde der Verlassenheit zu mir traten und Ihre schützende Hand über die arme Waise ausstreckten; mein ganzes Lebenlang!---

„Aber", wendete sie nach einer kurzen Pause der Rührung ein, und ihre Augen hingen ängstlich fra­gend an seinen Mienen, „aber unter welcher Form werde ich das Haus betreten dürfen? — Soll ich lediglich auf die Güte der lieben Predigerfamilie angewiesen sein? Könnte ich durch nichts meinen Aufenthalt im Hause zu verdienen suchen?"

marck und den Bischof RcinkenS zeigen. Die Unter­nehmer haben dem Dr. Sigl für dessen „Witzblatt" die „Bremse" ein Abstandsgeld von 4000 fl. angc- boten, dieser aber den Berkaus abgelehnt. In Folge davon werden die beiden „Witzblätter" sich wohl gegen­seitig Concurrenz machen und einander mit allerlei Wurfgeschossen von ultramontaner Reinlichkeit bom- bardiren.

Ausland.

P-st, 26. Dec. Recht unangenehm hat hie^die Nachricht berührt, daß der kroatische Landtag die Frage der Vereinigung Dalmatiens mit Kroatien aufs Tapet bringen will. Seit der Ausgleich zwischen Ungarn und Kroatien zu Stande gekommen ist, drängen die Slaaen Dalmatiens beharrlich in dieser Richtung aus ihre croatischen Brüder, da sie in dem Verbände mit Croatien mehr nationale Sebstäudig keil zu erringen hoffen, als sie jetzt besitzen. Obwohl des PrincipS wegen jede ungarische Reichstags-Adresse der eventuellen Einverleibung Dalmatiens gedenkt, so liegt doch nichts ferner dem Sinne der Ungarn, als austdic Einverleibung Dalmatiens in die tranS- leithanische Reichshälfte zu drängen und hierdurch den Mißmuth der Deutschen Cisieithaniens zu er- regen. Der BanuS Matzuranics wird hoffentlich reu croatischen Landtag auf klären, wie unnütz die Be­mühungen sind, die zu der Vereinigung Dalmatiens mit -Croatien in Scene gesetzt werden, und daß sie zu keinem praktischen Resultate, nur zur Erbitterung der kaum beruhigten Gemächer führen können. Die Vcrfassnngs- partei in Cisleithanien betrachtet Dalmatien als einen intcgrirenben Theil Oesterreichs, was die Ungarn principiell nicht anerkennen wollen; aber der Moment ist wahrlich schlecht gewählt, um einen Streit zwischen den zwei Reichshälften zu entzünden. Ungarn befindet sich gegenwärtig in einer Lage, wo es der Unterstützung Cisleichaniens bedarf, und wenn eS einen Streit geben muß, so wird eS lieber den Unmuth des croatischen Landtages ertragen, als einen Mißton zwischen Wien und Pest. Der Nationalitäten-Hader wird ohnedies wieder aufblühen, da die Vorlage über die Regelung und Neubildung der Municipien manche Sonderin- tertffen verletzt; sie ist vom Standpunkte gehalten, daß die Interessen des Staates jenen der einzelnen Provinzen vorangehen müssen; statt 81 Comitate und Distrirte sollen nur 51 bestehen, und 48 kleinere städtische Municipien sollen ausgelassen »erben.

Bern, 30. Dec Der Züricher RegierungSrath beauftragte fein Departement des Innern mit der Be- rathung der gegen den Bischof von Chur wegen der Excommunicatton des Züricher altkatholischen Pfarrers Lachbruirner zu ergreifenden Schritte.

Rom, 22. Dec. Die Kammer hat sich bis zum 20. Januar vertagt, nachdem fie alle einzelnen Budgets für 1874 bewilligt hatte. Gegenwärtig unterliegen die zu «greifenden Finanzmaßregeln der Begutachtung der ad hoc niedergesetzten (Immissionen, so daß die Kammer nach Wiederaufnahme ihrer Ar­beiten unverzüglich in die DiScusston derselben ein-

„Gewiß! gewiß!" entgegnete Friesen eifrig, und im Interesse der Sache unbedenklich eine kleine Noth- lüge wagend; „mein Freund wünsch lebhaft für seine junge Frau, die sich während seiner vielen AmtSreisen und Amtsarbeiten sehr einsam fühlt, eine gebildete, sanfte, geistesverwandte junge Dame zur Gesellschafterin und wird mir ausnehmend dankbar sein, daß ich, der ich seine Anschauungen und Grundsätze wie meine eigenen kenne, ihm die schwierige Wahl abgenommen habe. Seien Sie gewiß, daß Sie mit offenen Armen und Herzen empfangen werden, ich gebe Ihnen das Wort eines ehrlichen Mannes darauf!"

„Ach, ich glaube Ihnen so gern — nur allzugern!" versetzte mit aufsteigender Röthe das junge Mädchen, „und vertraue mich ganz Ihrer Führung. Ich bin gewiß," fügte sie mit schönem Vertrauen hinzu, „Sie wären unfähig, eine häßliche und unwürdige Handlung zu begehen!"

„Ich danke Ihnen für dieses Wort," sprach Friesen, dem in der seligen Freude seines Herzens fast das Wort versagte; „ich danke Ihnen innig und werde Ihres Vertrauens werth bleiben! — Und da Sie sich meiner Führung nun übergeben wollen, so lassen Sie mich mein Amt auch ohne Zögern beginnen. Kraft dessen verordne ich, daß Sie sich in einem stillen Stübchen, das Ihnen unsere gute Fran Wirthin gewiß einräumen wird, auf eine bis zwei Stunden.gehorsam zur Ruhe zu legen, die Folgen Ihrer Ohnmacht und der schlaflosen Nacht vorsichtig zu beseitigen. Während dieser Zeit schreibe ich einen Brief nach Rehlingen, uns anzumelden, und sende ihn durch einen Expressen zu Pferde voraus. Gegen Mittag fahren wir bann selbst, unb ich sollte benten, daß wir den Weg dort hin in zwei Stunden zurücklegten. Meinen Sie nicht? Fran Wirthin?"

treten kann. Mittlerweile hat sich der Finanzminister zur Entnahme von 30 Millionen aus der Nativnal- bank ermächtigen lassen, um den dringenssten Bedürf­nissen zu genügen. Das Generalbudget der Ein­nahmen wies eine erhebliche Steigerung der Staats­einkünfte nach. Man denkt jetzt weniger an Erhö­hungen der schon bestehendeil Steuern als an Be­schränkung der Ausgaben auf bas Allernothwenbigste, wohin unter andern dje Ausgaben für das Heer und die Marine gehören. Da» Budget, dessen Bewilligung die wenigsten Umstände gemacht hat, war das des Krieges, trotz seiner Erhöhung um 22 Millionen. Die Marine bietet nach der Darstellung deS Herrn von San - Bon, der seine Stellung in der Kammer errungen hat, ein Bild der Noch, welche die schleu­nigste Abhülfe forderte. Der Marineminister hat nach- gewiefen, daß man durch den Verkauf von 25 alten Schiffen sich die Mitted zur theilweisen Erneuerung des Materials beschaffen könne, daß dies aber nicht ausreiche, um eine mächtige Flotte herzustellen, die sich mit anderen zu messen vermöge. £>err v. San-Bon Hal sich das Vertrauen der Kenner bis zu einem solchen Grade zu erwerben verstanden, daß, er der Unterstützung derselben in allen Geldforderungen gewiß sein darf. Aber an Geld mangelt e» gerade jetzt. Hr. Minghetti weiß selbst, daß die von ihm der Kammer vorgelegten Besteuerungspläne nicht im Stande sind, das Jahres- deficit von 135 Millionen zu decken, sondern baß er zu wirksameren HülfSmitteln seine Zuflucht nehmen muß. Man beult an einen Aufschlag ber ©runbfteuer um 1 Decime, was bem Deficit allenfalls abhelfen könnte; aber die Grundeigenthümer, die ohnehin durch diese unb anbere Steuern schwer belastet stnb, zeigen sich bieser Maßregel abgeneigt.

Part-, 29. Dec. Gegen die Beschwerden wegen ber bischöflichen Hirtenbriefe kommen schnurrige Ver- theibigungSrebcn zu Staube: so beansprucht bie Liberi« für bie Bischöfe das Recht, beliebig auf bie Nachbar» länber zu schimpfen — im Namen ber Preßfreiheit! DaS Univers ist über bie Note des Moniteur sehr aufgebracht, well eS darin ein Anzeichen sieht, daß ber Staat biefelbett als Beamte behandeln wolle. Den einzig correcten Vorschlag machen bie DebatS: man solle bie Bischöfe wegen Beschimpfung befreunbeter Mächte vor Gericht ziehen ; überschreiten sie bie Gränze des erlaubten nicht, so wird ihnen dabei volle Freiheit gelassen bleiben, gehen sie aber über dieselben hinaus, so sind sie eben wie alle anderen Bürger strafbar. Ein solches Verfahren würbe bie Regierung nach innen und außen sicher stellen, während bei ber bis­herigen Art, bie Sache anzufassen, nur platonische Erklärungen zu Stande kommen, welche die Bischöfe nicht zur Ordnung bringen, unb bett auswärtigen Mächten eben auch nur ein platonischer Schall sind. Gegen Italien gehen bie Blätter seit acht Tagen etwa» säuberlicher zu Werke; gegen bie Schweiz dagegen scheint man erst recht Alles für erlaubt zu halten. Gut­gesinnte Organe bringen nachträglich noch Stellen au» Hirtenbriefen, in denen z. B. gesagt wird, bie Schweiz

„Wenigstens werben Sie nicht viel mehr Zeit gebrauchen," erroiberte bie Wegekunbige.

„Also gut! Unb nun bitte ich, sich zurückzuziehen; ehe diese Wangen nicht ihre volle Röthe unb biefe Augen nicht ihren vollen Glanz wieber erlangt haben, wirb nicht gereist!"

Die beiden Frauen lachten, unb Anni stand ge­horsam vom Stuhle auf: „Ich bin ein artiges Kind, das gern gehorcht,* sprach sie mit bezaubernd schelmi­schem Tone, ber Friesens Blut stürmisch zum Herzen trieb; „aber darf ich nicht wenigstens auf bem Sopha ruhen?"

„Sopha mag erlaubt sein", sprach er, mit einem Blick tiefster Zärtlichkeit bie ganze liebe Gestalt über» ftiegenb; „doch muß auf Kopfkissen unb Decke — etwa baS Plaid da — bestanden werden!"

„Soll gewiß geschehen!" versicherte komisch-ehrbar und einen kleinen allerliebsten Knix machend, Anni; erröthete bann plötzlich bis zur Stirn hinauf und eilte, die junge Wirthin bei der Hand ergreifend, zur Thür hinaus, Friesen in einer unbeschreiblich süßen Glückseckipfindung zurücklassend. „Der Silberblick des Lebens!" flüsterte er tief erregt mit bebender Lippe vor sich hin, „der Silberblick des Lebens! o gelobt sei Gott, daß auch meinem armen öden Dasein ein solcher beschicke»!!"

Lange schritt er, alter Gewohnheit folgend, im Zimmer auf und nieder; aber seine Bewegungen waren von seliger Freude beflügelt, seine Brust athmete tief und wonnig, unb aus feinen Augen glanzte ein höchst gesteigertes Seelenleben. „Der Silberblick des Lebens!" wiederholte' er in Lauten des Entzückens wieder unb wieder, „o fei gesegnet, du heilige Stunde! dein Glanz soll mein ganzes Dasein überstrahlen, wie die lichte Frühlingssonne!"--

(Fortsetzung folgt)