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der vollbrachten Thatsachen stellt. — Die neuen Cav dinalSernennungen werden am 22. d. M. publicirt werden. Das bei solchen Gelegenheiten sonst üblich gewesene geistige Gepränge, die Auffahrten der Car- dinäle u. s. f. unterbleiben mit Rücksicht auf die „Lage" deS heiligen VaterS und die Möglichkeit gewisser nationaler Demonstrationen, die allerdings dem Vatikan nicht unwillkommener sein könnten, als der italieni schen Regierung. Bekanntlich hat Pius IX. dem wiederholt angeregten Gedanken neuer Promotionen lange Zeit beharrlichen Widerstand entgegengesetzt, trotz der namhaften Lücken, die im heiligen Collegium eingetrrten waren, und trotz der nahen Aussichten auf die Nothwendigkeit eines Conclave. Der Schlag- anfall, der zwei der hervorragendsten Mitglieder deS Cardinalcollegiums, die Cardinäle Capalti und Sivestri, in jüngster Zeit getroffen hat, scheint ihn zuerst in seinen Entschlüssen wankend gemacht und zu den 6e- vorstehenden 11 Ernennungen bestimmt zu haben. Daß kein deutscher Kirchenfürst des Purpurs würdig befunden wird, findet verschiedenartige Deutungen. Leider ist die wohl die ungerechtfertigtste, die aus der Thatsache aus eine bevorstehende oder schon vollzogene Emanzipation des hohen katholischen Klerus in Deutsche land von römischen Einflüssen einen Rückschluß ziehen wollte.

Grap, 20. Dec. Der steiermärkische Landtag hat beschlossen, daß vom 1. Januar 1874 ab an sämmtlichen Volksschulen des Landes kein Schulgeld mehr erhoben werden soll.

Ber», 20. Dec. Der Ständerath «buchte die von dem Nationalrath für ein Referendum als noth- wendig angenommene Zahl von 50,000 stimmberech­tigten schweizer Bürgern oder 8 Cantonen auf 30,000 schweizer Bürger oder 5 Cantone. Die Initiative des Volkes wurde gleich dem Beschluß des National- raths gestrichen.

Rom, 16. Dee. Dem Entschlüsse deS Papstes, im bevorstehenden Conststorium eine Anzahl von Cardinälen zu ernennen, wird von allen politischen Parteien mit Recht eine besondere Bedeutung beigelegt Welche und wie viele Prälaten er dazu ausersah, ist gleichgültig, für die Würdigung der Lage genügt es, daß eS zur Ernennung kommt. Bisher hieß es dem Papste fehle das nöthige Maß von Freiheit, den Be­dürfnissen der Kirche vorzustehen; nun fällt auch diese Anklage dahin. Die katholischen Regierungen sahen es ungern, daß die Zahl der vacanten Hüte sich mehrte, und auch die nicht katholischen hätten cS aus Gründen der inneren Politik lieber gehabt, wenn ihre Wünsche, diesen oder jenen Prälaten mit dem Purpur begleitet zu sehen, erfüllt würde, den jallyi deuchte doch schließlich, die Besetzung Roms und seine neue politische Wandlung wären mit schuld an dem langen Widerstreben deS Papstes. Die Zeit sollte auch diese Frage ohne eine gewaltsame Krisis herbeizuführen, still und geräuschlos lösen. Seit zwei Monaten wird an der Liste der Candidaten deS Purpurs geändert, noch vorgestern wurde gestrichen und wieder hinzugethan. Nach« stehendes dürste als zuverläsiges Verzeichniß gelten: Monstgnor Chici, Falcinclli, Franchi, Oreglia, Nuneicn zu Paris, Wien, Madrid, Lissabon, Guibert, Erzbischof von Paris, Simor, Erzbischof von Gran, Tarnocztz, Erzbischof von Salzburg, Barrio y Fernandez, Erz­bischof von Valencia, Regnier, Erzbischof von Cambrai, Pater Tarquini, Jesuit, Pater Martinelli, Augustiner.

Agenten erwies und von diesem würdigen Manne manch anerkennendes Wort „über des Herrn Shute nants sachverständigen Blick" erntete.

Doch war auch Friesen schließlich durch die Be­sichtigung des ganzen Grundstücks befriedigt und, nach­dem einige von der Gegenpartei sofort als billig zu. gestandene Aenderungen in dem Kaufverträge vorge­nommen waren, geschah der Abschluß (zu großer Ge- nugthuung des jungen Cavalleristen, der sich einen nicht ganz geringen Antheil an dem Gelingen der Sache beimaß und auf das verheißene Frühstück, als auf einen wohlverdienten Lohn seiner Tugend hinblickte) noch im Lause desselben Vormittags.

„So wäre denn nun,“ sprach Friesen als er bei sinkender Sonne unter den Linde» seines Gartens nachdenklich auf- und niederwandelte, „so wäre denn nun die zweite Stufe, die nach der Meinung des t«fflichen jungen Collegen zum Lebensglück führte erstiegen: ich habe mich redlich bemüht, als Mensch und Künstler mich tüchtig und der Welt brauchbar zu machen; ich habe ein Eigenlhum erworben (und er warf einen sinnenden Blick auf daS in mildem Herbstsonnenschein reizvoll daliegende Hänschen) wohl groß genug für zwei Menschen und wohl geeignet, um darin glücklich zu sein; aber wo bleibt daS Glück selbst? — Ach, eS beschleicht mich die Sorge, datz nur für mich „jener Silberblick des Lebens" niemals ausglänzt.“

(Fortsetzung folgt.)

PariS, 20. Dec. Das „Journal officiel" ver­öffentlicht die Ernennung von 14 Präfecten und 10, Unterpräfecten; unter den ersteren befindet sich Tracy für Marseille, Valavielle für Montpellier, Limbourg für Lille. — Die Gerüchte von dem bevorstehenden Rücktritt des Finanzministers Magne werden dementirt. — Pater Hyacinthe hat einen Brief an die Redaction des „Temps" gerichtet, in welchem er den Ausführungen einer Correspondenz desselben entgegentritt. Er sagt, daß die Geistlichkeit der Genfer Kirche in keiner Be­ziehung oder hierarchischen Abhängigkeit zu dem Bi­schof Reinkens stehen wolle und protestirt gegen die Behauptungen, daß man in der Schweiz die gegen* Rom gehorsamen Geistlichen durch religiöse Angestellte zu ersetzen suche, welche den weltlichen Behörden unter-- thänig seien. — Die „Agence Havas" erfährt aus Madrid vom heutigen Tage, die spanische Regierung habe vom nordamerikanischen Eongreß eine Mittheilung erhalten, worin erklärt sei, daß der „VirginiuS" nicht das Recht gehabt habe die amerikanische Flagge anf- zuhissen. Der Ministerrath hatte darauf beschossen, die Rückgabe des „VirginiuS" und der Besatzung zu reelamiren und wäre von dem Minister des Aus­wärtigen bereits eine diesbezügliche Note an den nord- amerikanischen Gesandten General Sickles gerichtet worden. — Die Rede BiSmarck's sowie die Feldzugs­pläne der deutschen Ultramontanen für die nächsten Reichstagswahlen werden in pariser Blättern und Ge- jellfchaften in erregter Weise besprochen. Namentlich ist man entzückt von dem Vorschläge, den Bischof von Metz zum Abgeordneten zu wählen. Die verschiedensten Parteien sind hierüber einig und sehen den Erfolg der Ultramontanen als ein französische Nalionalsache an. Man äußert selbst ein Verbot des Papstes dürfe in diesem Falle die Bischöfe nicht hindern, sich wählen zu lassen. Paris jubelte gestern, daß damit ein An griffspunkt gewonnen sei, der zum Sturze der Reichs­regierung führen werde.

Haag, 20. Dec. Die Regierung hat eine Depesche aus Penang vom gestrigen Tage erhalten, wonach die Atschinesen am Abend vorher ihre Stel­lungen im Osten von Atschin geräumt haben ohne den Kampf auszugeben. Die Truppen befinden sich aus einem schwierigen morastigen Terrain und sind bemüht in südlicher Richtung ein günstigeres Terrain für ihre Operationen gegen die Stadt aufzufinden.

Kopenhagen, 20. Dec. In seiner Antwort auf die Anfrage des Folkethings sagt der König: Er beschränke sich gegenwärtig zu antworten, daß er über den Inhalt der Adresse mit dem Ministerium berath- schlagen werde. — Sämmtliche hiesige 300 GaSar- beiter haben heute Abend die Arbeit eingestellt.

Belgrad, 21. Dec. Die officielle Zeitung ver­öffentlicht eine fürstliche Verfügung, wonach die Strafe der körperlichen Züchtigung in der Armee aufgehoben wird. — Die Skuptschina hat den ehemaligen Kriegs- Minister Obersten Belimarkovig in Anklagezustand versetzt und einen aus 9 Mitgliedern bestehenden Aus­schuß zur Untersuchung ernannt.

Penang, 19. Dec. Die Hölländer haben das Land links des AtschinflusseS mit einer Moschee in Besitz genommen und marschiren südwärts. Das Land ist unwegsam, die Atschinesen leisten lebhaften Widerstand.

Rewyork, 20. Dec. Dem Dampfer „Sant- jago" ist es gelungen eine Expedition FlibutierS in Cuba zu landen. ^Die Insurgenten überraschten 500 Spanier, tödteten deren 200 und nahmen 200 gefangen.

j *^Warh«rg, 20. Morgenzeitung, Frank- furter Journal und Frankfurter Zeitung enthalten über wie kürzlich auf dem Rathhause stattgehabte, Versamm- flung der s. g. liberalen Wähler von ihren verschiedenen Standpunkten aus Mittheilungen, aus welchen sich ergiebt, daß die Versammlung von der Parthei der „Nationalliberalen" berufen war und in einer ziemlich unliebsamen Weise andre Partheien, welche unter dem vieldeutigen Worte „liberal" sich mitverstanden glaubten, auSgeschieden hat. Lasker, den ein ausgestreu- tzeS Gerücht als Gastredner erwarten ließ, war nicht er- Ichienen, dagegen hielten verschiedene Herren, Dr.Schmidt, Prof. Dr. Meyer, Kaufmann Ludwig Matthaei und der ürzlich aus Göttingen hierher berufenq'PröflEneccerus ängete Borträge. Der letztere schloß seine Rede, die m Wesentlichen eine Lobrede seiner eigenen Parthei war — wie man allgemein erzählt — mit der pikanten »egen feine politischen Gegner gerichteten^Bemerkung, >aß bei ver Schlußabstimmung im Reichstage über he Jesuitenpetitionen ein Mitglied den Saal verlassen, d. h. sich der Abstimmung entzogen habe. Man hat im Publikum einer alten bestimmt widerlegten Zeitungs- Ente sich erinnernd, dieser Aeußerung eine naheliegende exjönliche Beziehung gegeben. Da von den Hessischen Abgeordneten bei der Haupt- und Schlußabstimmung über die Jesuitenpetitionen nur Dr. Bähr als „fehlend" in den stenographischen Berichten aufgeführt ist, letzter«

aber dem Herrn Professor, wie aus sicherer Quelle gekannt ist, zur Disposition gestanden haben, daneben? seine Beziehung der Schlußworte auf Dr. Bähr gänzlich außer dem Bereiche des Möglichen liegt, so rcftrbt; Herr Eneccerus durch eine öffentliche Mittheilung seiner Schlußworte mit Anführung de« Namens bete betreffenden Reichstagsmitgliedes der Wahrheit« einen Dienst erweisen. Man würde andernfalls im! Publikum glauben können, er habe durch eine bet<| steckte Anspielung auf eine ihm als unwahr be=l kannte Thatsache derselben zum Anscheine der Wahr­heit verhelfen wollen. ' Daß ^schkichkch in bet Versammlung der in Berlin beim O.-A. Gericht an- gestellte Rechtsanwalt Fenner als Candidat bet „nationalliberalen Parthei" aufgestellt worben, ist bereits bekannt, bagegen werben mit Ausnahme einiger extremen Richtungen bie übrigen Partheien an bet Canbidatur des dem Wahlkreise angehörigen Herrn Dr. Grimm, des bisherigen Reichstagsabgeordneten, festhalten und hat man sich namentlich auch in den Städten des Wahlkreises und auf dem platten Lande allgemein auf da« bestimmteste für dessen Wahl er« klärt.

Marburg, 22. Dec. Der 70jährige Taglöhner Dörr von hier wurde gestern Morgen von einem Flurhüter, tobt auf einem Strohhaufen liegend, im Deutschen Hause ge- funben.

Bs» Landtage.

Berlin, 20. Dec.

Abgeordnetenhaus. In bet heutigen (24.) Sitzung wurde von dem Eingang des Gesetzentwurfs, betreffend bie Betheiligung ber Staatsbeamten an ber Gründung und Verwaltung von Actien-, Commandit- und Bergwerksgejellschaften Kenntniß gegeben. Die zweite Berathung des Gesetzentwurfs, betreffenb bie Beurkundung des Personenstandes und die Form der Eheschließung, war vor dem 4. Abschnitt (von den Sterbcregiftern) stehen geblieben. Zu §. 42 hat ber Abg. Dr. Virchow im Jmereffe ber Statistik bie An­gabe der Todesursache und der Abg. Philippi die Aus- nähme einer Bemerkung beantragt, ob der Verstorbene verheirathet gewesen sei ober nicht. Beide Anträge wurden vom Hause genehmigt. In §. 48 wurde auf Antrag deS Abg. Philippi die Berichtigung ein«« Jrr- thumS in den Standesregistern von Amtswegen oder auf Antrag eines Betheiligten durch den zuständigen Staatsanwalt angeordnet. Der Antragsteller erinnerte an thatsächliche Jrrthümer, an bereit Beseitigung bie Behörde ein Interesse habe, z. B. wenn ein Frauen- name aus Versehen statt eines männlichen eingetragen und bei der Aushebung zum Militärdienst der Jrrthum entdeckt werde. Der §. 51 überläßt den bisher mit Führung der Kirchenbücher und StandeS- regifter betraut gewesenen Behörden die Ertheilung von Attesten über die bis zur Wirksamkeit des neuen Gesetze- eingetragenen Fälle. Der Abg. Dr. Mommsea bean­tragte, die Register den nach dem neuen Gesetz ernann­ten Behörden auszuhändigen. Einmal sei zu fürchten, daß oppositionelle Geistliche, denen das Recht, Atteste zu ertheilen, zustehe, dies verweigern würden, ferner aber liege eS im Jntereffx ber Verwaltung, wenn auch hier eine Gentralifation eintrete. Der Staat-Minister Dr. Falk erklärte den Antrag für wenig motioirt. Conflicte seien in bieser Hinsicht kaum zu fürchten, nöchigensalls könne bie Ausstellung des AttesteS von der Regierung erzwungen werden. Eine Centralisation fei aber bei der beständig fiucluirenden Bewegung der Bevölkerung ganz unnütz. Dagegen habe der Antrag erhebliche Nachtheile zur Folge Zunächst liege eS doch auch im Jmereffe der Kirche, im Besitz der frag­lichen Bücher zu fein; bann aber würben sich auch erhebliche finanzielle Schwierigkeiten Herausstellen. Wenn ber Staat bie Herausgabe der Bücher verordne, bann liege ihm auch bie Entschädigungspflicht für die nun wegfallenden Gebühren der AttestauSstellung ob, und daß diese nicht gering seien, beweise der Umstand, daß im Gebiet des Ober - Kirchenraths allein 100,000 Thaler dafür eingenommen seien. Es empfehle sich darum, den Antrag abzulehnen. Nachdem sich auch der Abgeordnete von Mallinckrodt gegen den Antrag erklärt 'hatte, zog der Abgeordnete Mommsen denselben zurück. ^)er §. 51 wurde unverändert angenommen. Der Rest der Vorlage wurde unverändert genehmigt, so daß sich das HauS den ber Budget-Commission überwiesenen §§. 4 und 12 nebst Kostentarif zu- avenden konnte. Der §. 4 wurde in ber Fassung ber Budget-Commission mit zwei von bem Abg. Miquel eingeschalteten Zusätzen (Aliena 2 unb 4) genehmigt, so daß er lautet: ben auf Grunb ber Bestimmungen des §. 3 ernannten Stanbesbeamten ist von ben, zu dem Bezirk ihres Hauptamts nicht gehörigen ©enteinben, [für ihre Müheverwaltung eine Entschädigung zu ge­währen, welche im Mangel einer Vereinbarung zwischen »en betreffenden Gemeinden und ben Beamten in bem Geltungsbereich der Kreisordnung vom 13. Dezember st872 von dem Kreisausschuß, in dem übrigen Thei