Mr. 300. Marburg, Smmtag, bett 21. December. * ... ■■ - 1873.
t ObeMsische Zeitung.
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Die Expedition der Oberh. Zeitung.
~ Politische Wochrn-Ueberficht.
Kaiser Wilhelm und mit ihm sein Haus erlitten einen schmerzlichen Verlust durch das Hinscheiden der Königin-Witwe Elisabeth, welche in Dresden, wo sie zum Besuche bei ihren Schwestern verweilte, einer Lungenentzündung unterlag. Die herzlichsten Be- Ziehungen verbanden die Hingeschiedene fortwährend mir den Gliedern des Kaiserhauses — und mit der Theilnahme des Landes an solchem Verluste des verchrren greisen Herrschers verbindet sich der innige Wunsch, daß die. Gemüthscrschüiterung die ferneren Fortschritte der Genesung nicht hemnren möge. Fürst Bismarck ist am Dienstag Abend nach Berlin zurückgekehrt, wo der BundeSrath inzwischen schon am vorigen Freitag mit allen Stimmen gegen vier (beide Mecklenburg mit 3 und Reuß ältere Linie mit 1 Stimme) nunmehr dem vom Reichstage beschlossenen Anträge Lasker auf Erweiterung der Reichs competenz über die Civilgesetzgebung beigetreten ist. Auch die definitive Ordnung der Standesbuchführung und der Eheschließung wird- vielleicht in nicht langer Frist von der Reichsgesetzgebung in ihren Be reich gezogen werden. Die diesm Gegenstand betreffende preußische Regierungsvorlage, die in verschiedenen Punkten den Charakter eines Nolhstands- GesetzcS trägt, ist vom preußischen Abgeordnetenhause eben deßhalb zur möglichst beschleunigten Geschäfts Verhandlung gewiesen. Die Conflicte mit dem Episkopat und die Verurtheilungen gehen ihren Weg. Ter im bisherigen bischöflichen Homagial-Eide zuge- laffme Vorbehalt deS Gehorsams gegen den Papst, der in solcher Weise mißdeutet wird, daß dadurch der ganze übrige Inhalt des Eides wieder ausgehoben wird, ist durch den Erlaß einer Allerhöchsten Verord imng beseitigt worden. In Sachsen hat König Albert gegen die Bctheiligung der Hofgeistlichkeit an einer ültramontanen Presse, welche die Gesetze des Landes geringschätzig behandelt, sein Mißfallen ausgesprochen. In Hessen wird die baldige offirielle Anerkennung des Bischof ReinkenS — der so eben die Encyklica vom 21. Nov. mit einem altkatholischcn Hirtenbrief beantwortet hat — bestimmt erwartet. Die Vorbereitungen zu den Reichslagswahlen, namentlich die Aufstellung der Candidaten, ist überall im Gange.
Um den siebenzehn Landtagen CiSleithaniens Zeit zur reiflichen Erwägung der Vorlagen der LanteS-
ausschüsse und besonders der vielgetrübten Finanzver- hältnisse der „Königreiche und Länder" zu geben, wurde nach eintägiger Unterbrechung seiner Ferien am 10. Dec. der Reichsralh wieder bis zum 21. Januar vertagt. Einige confessionelle Gesetze, für deren Vorbereitung ein Ministerausschuß, der aus Lasier, Glaser, Unger, ZiemialkowSki und Stremayr besteht, thätig ist, sind nahezu vollendet und ein Theil derselben soll dem Reichsrathe noch vor Schluß des Januars vor- gelegt werden.
In der Schweiz berieth der Ständerath über das Revisionswerk und kam durchweg zur Ueberein- stimmung mit den Beschlüssen des NationalrathS — mit bloß unwesentlichen Modificationen. An dem diesmaligen Gelingen des Werks wird nicht mehr gezweifelt. In Antwort auf die päpstliche Encyclica hat der Bundesrath — durch Note vom 12. Dec. — dem Nuntius den Abbruch der ständigen diplomatischen Beziehungen zwischen der Curie und der Eidgenofsen- schaft angezeigt und ihn um Bestimmung deS Tages seiner Abreise gebeten.
Die i t a l i e n i s ch e Kammer hat in diesen Tagen die Budgets des Handels und Ackerbaues und der Marine erledigt und ist augenblicklich mit den Etat deS Krieges und der öffentlichen Arbeiten beschäftigt. Für den Gesetzentwurf Minghctti's bezüglich der Papiercircu lation ist die Commission bereits gewählt. Die Stimmung in der Kammer ist der Vorlage günstig, und da die betreffenden Banken sich zur Annahme der von Minghetti vorgeschlagenen Bedingungen geneigt erklärt haben, so wird daS bisherige Privileg der Nationalbank bald einem anderen Privileg von sechs Banken Platz gemacht haben. Zum Besuche deS bevorstehenden ConsistvriumS sind schon auswärtige Prälaten nach Rom gekommen Der Papst hat bereits sieben Nobclgarden ausgesucht, um den auserkorenen neuen Cardinälen die betreffenden Diplome zu über- bringm.
Der Prozeß Bazaine wirbelt nachträglich noch viel Staub auf, da im Grunde in Frankreich Niemand von dem Ausgange vollständig erbaut ist, außer den Orleanisten unter Aumale's und Broglie's Leitung.-- Von 138 Ersatzwahlen, die für die Nationalversamm lung bisher Statt fanden, siegten die Republicancr in 118, die Monarchisten nur in 20, und das Land sprach sich in immer stärkeren Majoritäten für die Republik aus. Die Antwort der Regierung auf die letzten Wahlsiege ihrer Gegner bestand im Drängen auf die sofortige Vorlage deS neuen Wahigeses durch den Dreißiger-Ausschuß. Auch im Ausschüsse für das Gemeindegesetz erklärte Brvglie am Montage, es sei durchaus nothwendig, daß die Verwaltung bei der Ernennung, Absetzung und Feststellung der Anzahl der Polizei-Agenten mitzureden habe, da mehrere Gemcinderäthe sich geweigert hätten, den Commissaren eine gcnügenoe Anzahl von Polizei-Agenten zur Ver
fügung zu stellen. Der Ausschuß beschloß, daß die Polizei-Agenten von den MaireS ernannt, aber von den Präfectcn bestätigt werden sollen, und er beschloß hierauf mit 9 gegen 5 Stimmen, daß die Regierung zdie MaireS außerhalb deS Gemeinderathes und sogar außerhalb der Bewohner der Gemeinde solle wählen können.
Zur friedlichen Beilegung des Streitfalles zwischen Spanien und den Vereinigten Staaten ist der voraussichtlich entscheidende Schritt geschehen, indem der Dampfer „Virginius" mit den überlebenden Gefangenen in Bahiahonda den amerikanischen Behörden übergeben worden ist. Castelar verdient den Dank seines Vaterlandes, daß er der Stimme der Klugheit Gehör gegeben und zugleich den Muth gehabt hat, den aufgeregten Freiwilligen in Cuba mit der der Centralregierung gebührenden Autorität entgegenzutrelcn. Die kriegerischen Ereignisie im Norden Spaniens, auf welche die strategischen Märsche des Generals Mo- rioncS vorbereiteten, sind bereits eingetreten. Am 9. d. faßtm Moriones und Loma in der Nähe von Tolosa die Carlisten unter Lizarragna und Ollo und warfen sie nach heißem Kampfe auS den Ortschaften Villabona und Belabieta. Die Verluste waren beiderseits erheblich, die Republikaner aber haben ihren nächsten Zweck, die Entsetzung Tolosa's, erreicht, und gerade in dem Augenblicke, als diese Stadt, durch Mangel an Vorräthen und durch feindliche Granaten hart bedrängt, der Uebergabe nicht mehr fern zu sein schien. In Guipuzcoa- stehen stch jetzt so große Streitmächte gegenüber, daß neue Kämpfe bald zu erwarten sind. Die unseligen Anhänger der cantonalen Republik, also die Parteigenosien der in Cartagena noch immer Widerstand leistenden Anführer haben itr Barcelona einen Aufstandsversuch gemacht, find aber zum Glück erfaßt und ihre Pläne zu Schanden gemacht worden.
Durch den Tod des UnterstaatSsecretirs im Ministerium des Innern hat die englische Regierung ein tüchtiges Mitglied und das Parlament einen begabten Redner verloren. H. Winterbotham erreichte ein Alter von nur 36 Jahren; er starb in Rom, wo er eine neue Kräftigung seiner erschütterten Gesunde heit suchte. Sein Nachfolger wird wahrscheinlich I. Hibbert, der jetzige Unlerstaatssecretär im Gemeindeverwaltungs-Collegium sein. Die böse Jahreszeit hat sich für London durch einen dreitägigen abscheulichen Nebel, der viele Unglücksfälle zur Folge hatte, und für den Norden der Insel durch einen wülhenden Orkan der Kirchthürme stürzte, Häuser entdachte und mehrfach Menschenleben zum Opfer forderte, in unan-' genehmer Weise eingesührt.
Die Holländer sind durch eine Rede, die der Abgeordnete für Amsterdam, Vice-Admiral Fabius, in der zweiten Kammer vom Stapel gelaffcn hat, in eine peinliche Aufregung versetzt worden. Die Zustände
Weihnachten naht!
I „Ei sind denn Cigarren keine angenehmen Weihnachtsgeschenke, und wie kommt's, daß die vergessen find?" wurden wir, als kaum unser Schlußbericht da« Haus verlasien und wir uns zur Erholung selbst eine angemacht hatten, mehrseitig gefragt „Gut", N>ar die Antwort, „wenn das geneigte Publikum geneigt ist, noch ein recht langes Namensvcrzeichniß zu kfen, dann soll'S geschehen. Betreten wir also die Stabt vom Bahnhof aus, die beiden ehemaligen Wacht- liufer, das eigentliche und nicht eigentliche, find mit Firmen geziert, die in der HandelSwelt einen impo- nirenden Eindruck machen, Rothschild und Erlanger, doch genauer betrachtet fehlt am Ersteren »3R. A. von" und dahinter „und Söhne", bei dem änderen aber „Raphael"; thut indessen nichts, M. SR. Rothschild hat doch gute Cigarren und nur diese »srrden zunächst berücksichtigt, gefallen sie unS aber Glicht, dann gehen wir zu Schäfer, Strauß. 8aum, Neff, Klee, Zeisse oder Möller, wir werden jetzt sicher eine Sorte gefunden haben, mit wir per Dampf den Steinweg hinauf gelangen.
^hr wir oben sind, können wir noch bei Eberhard besprechen und gelangen dann zu Freudenstein
(in Paramhese gesagt hat auch allerlei gute Delicat-ffen). Ebenso ists bei Frau Möller, dann kommen wir zu Blencke, Urff, Keuscher, Kratz, Bang, Schwaner, Suppes, Fischer, Strauß, Keuscher, Wöllenstein, Körner und Schwaner. Die Einwohner der Untergaffe und der noch zu be bauenden Kasernenstraße sind absolut angewiesen, bei einem der Vorgenannten ihren Bedarf zu holen, wenn sie nicht in die Cigarrenfabrik von SoldanLRlletz gehen wollen, die freilich kein Detailgeschäfl haben, oder zu Plitt am Hirschberg. Am Grün ist's Wolf und an der Weidetihänserbrückc Emil Runkel, die in diesen Artikeln machen Noch eine Corre lur unseres zweiten Berichts sei gerade hier an bfeftr Stelle angebracht — bte Convitoreiwaaren von H. W Runkel mürben übersehen und verdienen's doch wahr ltch nicht, und ebenso die von U r f f in der Barfüßerstraße Also nun nach Weidenhausen. Bühner und Körner eröffnen hier die Reihe, denen sich Schmid tm ann, Schneider, Berdux, Niederehe, Eberhardt, Hecker und Stelzner anschließen. Hoffentlich rauchlustiges Publikum genügt dir diese Zahl. Ueber die verschiedenen Qualitäten, die überall zu haben sind, enthalten wir uns jedes Unheils, nach dem Sprich
wort eines alten lateinischen Freundes, der des Reims wegen immer zu sagen pflegte de gustibus non est disputantibus (statt disputandum). — Um unseren Nachtrag nach besten Kräften zu vervollständigen, sei weiter angeführt, daß das Brillen- und physikalische Jnstrumentenlager von Unkel, die Bürsten - waarenhandlung von Tschinkel und das Seifen-, und Parfümeriegeschäft von Wey and noch in empfehlende Erinnerung zu bringen sind, ebenso die Photographen Paar und Risse, wenn schon der Himmel phothographische Aufnahmen zur Zeit nicht gestattet. Auf eine große Freude — wenn manchmal ou4 erst sehr lange nach Weihnachten — erregende Sorte von Christkindchen |fei zum Schlüße nun noch aufmerksam gemacht. „Und das wäre?" nun so ein Lööschen, mit dem man sicher 100,000 Thaler gewönne? Und wo kauft man das? Bei Bang, H. Eichelberg, Klappert oder K. Strauß. „Ja ich meine aber das von wegen der 100,000 Thaler?" Bei wem ist einerlei, es kömmt nur auf die richtige Nummer an, und die herauszugreifen, verehrter Käufer, liegt in einer glücklichen Hand, die dir zu diesem Handel hiermit freundlichst gewünscht sei» soll. - . .