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1878.

Marburg, Donnerstag, den 18. December.

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diesem Umstand liegt auch zugleich die Widerlegung । der unbegründeten Annahme einer ausschließlichen Ver- • Wendung zu Preßzwecken, weil auch andere RessortS, I denen die Ueberwachung der Presie nicht obliegt, An 1 theil an die Fonds haben, und für die Lösung der Aufgaben, bei denen die Presse zu benutzen ist, nur । der kleinere Theil bestimmt zu werden pflegt. — DaS Gerücht, daß die Regierung zu Gunsten deS Marschall Bazaine intcrvenirt habe, ist vollkommen unbegründet. Man hat zur Begründung des falschen Gerücht« so gar den General Stichle eine Denkschrift ausarbeiten and die Herausgabe des v. b. Goltz'schen Werkes be schleunigen lassen. Auch diese Details sind unwahr. — Die Beschlüsse des Abgeordnetenhauses wegen Verwei­gerung der Rechte als Abgeordnete den Herren Kryger und Ahlmann gegenüber namentlich wegen Entziehung des Wortes werden von der „Rhein. Ztg." als ein Attentat auf die Volksvertretung mit großem Auf. wand von Sophistik und Dialektik dargestellt. Diese Auffassung wird übrigens schwerlich in weiteren Kreisen der politischen Welt Eingang finden. Selbst wenn für sic etwa der Buchstabe dir Geschäftsordnung un­bestritten geltend gemacht werden könnte, wird man bei unbefangener Erwägung der Sachlage dem Gewicht der LaSker'schen Argumentation sich nicht entziehen können, welchem auch das Abgeordnetenhaus mit Recht nachgegeben hat. Rein formalen Bestimmungen der Geschäftsordnung zu Liebe, kann eine Körperschaft, welcher daS Recht der Selbstbestimmung in ihren Angelegenheiten zur Seite steht, nicht sich verpflichtet fühlen, da« klare und gewichtige materielle Recht aus- zuopfcrn. Die Rechte, Pflichten und Aufgaben einer VolSvertretung schließen durch sich selbst die Theil- nahme und Ausübung der Rechte derjenigen Gewählten aus, welche durch Verweigerung der Grundbedingungen ihrer Thcilnahme und ihres Eintritts in die Körper schäft, sich in absoluten Gegensatz zu der Gesammt- aufgabe gestellt und von vornherein durch diesen Gegensatz die Unmöglichkeit der Pflichterfüllung dar­gelegt haben. Ohne Uebernahme der Pflichten können

: auch die correspondirenden Rechte nicht erlangt werden, ; die Ausübung derselben auch gar nicht in Frage : kommen. Selbst wenn für solchen Fall formale Be : ftimmungen die Entscheidung nicht klar begründen ! sollten, läßt das Wesen der Sachlage hier keinen Zweifel vom rechtlichen und moralischen Standpunkte aus auskommen. Auch für diesen Fall gilt der Satz:

schieden!--

Sie sehen, wie viel Veranlafiung ich hatte, zu sprechen, wie ich that; sürwahr, ich würde alle meine Lebenserfahrungen verleugnen, wollte ich dulden, daß vor mir die Ehe herunter gesetzt würde, ich würde nicht werth sein, ein Glück, wie die Bekanntschaft mit dem edlen Rode'schen Ehepaar, empfangen zu habm, könnte ich das weibliche Geschlecht unserer Tage herab- setzen hören, ohne ein Wort des Protestes dagegen zu erheben. — Rein, ich beklage den Manu auf'S Tiefste, der, was Sie, bester Herr College, in Scherz und um mich zu versuchen, üb?r Eh«n. und Frauen

„Der Buchstabe tödtet und der Geist macht lebendig* I Der Geist der Verfassung ist auf Seiten des Majori« tätSbeschlufies und nicht einmal der Buchstabe der Geschäftsordnung steht ihm zweifellos gegenüber.

— 16. Dec. Fürst Bismarck wird heute Abmd 6 Uhr von Varzin hier eintreffen. — Die Leiche der Königin Witwe wird in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch nach Potsdam bis zur Wildparkstation, von da nach Park Sanssouci und nach Schloß Sanssouci gebracht Hier findet die Ausstellung der Leiche statt. Das Begräbniß erfolgt am Samstag in der FriedmS- kirche neben Friedrich Wilhelm IV. Die Schlösser Sanssouci bei Potsdam und Charlottenburg, welche der Hingeschiedenen Königin als Witwensitze bestimmt waren, kommen nun wieder an die Krone zu unbe­schränktem Gebraucbe zurück. Seit 1805, da die Mutter König Friedrich Wilhelm'« IH. hier gestorben, hat in Preußen kein Todesfall einer verwitweten Königin stattgefunden. Im Jahre 1797 war Fried­rich'- des Großen Witwe, fast 82 Jahr« alt, gestorben. Man vermuthet, daß die Armee auf einige Zeit Trauer -

seinem Verhalten zu Grunde legt. Sein Dasein wird öder und freudenleerer sein, al- ich eS meinem bitter-

Lebenskrast zusammen, und bald folgte er iht in'« Grab, mit der die Sonne aus seinem Lebm ge-

sten Feinde wünschen möchte! —"

Friesen fühlte sich gerührt und erhobm zu gleicher Zeit: „Sie sind ein Ehrenmann", sprach er mit warmer Empfindung, „und ich rechne eS mir als schönen Gewinn, Sie kennen gelernt zu haben. Nehmen Sie meinen Dank für ihre «ackeren Worte!"

Die beiden Männer schüttelten einander herzlich die Hände und leerten auf fernere gute Bekanntschaft ihr GlaS. Das Gespräch aber nahm, der Gelegen­heit entsprechend, allgemach einen leichteren Schwung.

„Nach den von ihnen geäußerten Grundsätzen", begann Friesen lächelnd, „darf ich wohl schließen, daß auch Sie sich baldmöglichst eine Lebensgefährtin suchen werden. Habe ich recht?"

„Sie habm recht; doch braucht man die Lebens­gefährtin nicht zu suchen!— Ich habe viel darüber nachgedacht und bin dessen gewiß: eine höhere Fügung — andere sagen der Zufall — führ: sie uns zu, und wir haben nur nöchig, den Augenblick des Glücks zu erkennen, zu begreifen, zu nutzen! Es ist ein Mommt — ebenso schön wie rasch verschwindmd — der „Silberblick" unseres Lebens, deffen Benutzung, deffm Vernachlässigung das Wohl und da« Wehe unseres Daseins bestimmt. Was mich übrigen« betrifft, so ist eS ein Dreifaches, wonach ich im Leben strebe: einmal mich selbst tüchtig zu machen in Allem, was die Welt von mir zu fordern berechtigt ist; sodann ein Grunveigenthum, HauS und Garten, zu erwerben, gleichviel ob auch noch so einfach und bescheidm, denn e« ist mir ein gergdezu unerträglicher Gedanke,

Der Weitzerfeintz.

Novelle von Ludwig Ziemssen.

(Fortsetzung.)

anlegen werde.

Pofe«, 16. Dec. sDer Erzbischof LedochowSki st heute wegen gesetzwidriger Anstellung eine« Geist­lichen in eine Geldbuße von 800 Thalern verurtheilt worden. Die eventuelle Substituirung einer Gefäng- nißstrafe ist Vorbehalten worden, da die bisher ausgesprochenen bereits da« höchste gesetzliche Maß erreichen.

Hannover, 15. Dec. Bei der heutigen Neu­wahl von 8 Bürgervorstehern fand ein heftiger Wahl­kampf statt; gewählt sind 5 Partikulariften und drei Nationalliberale. Die Partikularisten verloren einen Sitz; Brnel ist ganz durchgefalleu.

Trier, 15. Dec. In der heutigen Sitzung de» Zuchtpolizei-GcrichtS wurde Bischof Eberhard wegm gesetzwidriger Anstellung von 32 Geistlichen zu einer Geldbuße von 6400 Thalern bezw. zwei Jahren Ge- sängniß verurtheilt. Die bis jetzt gegen den Bischof ergangene Geldstrafe beträgt 10,000 Thlr.; derselbe hat, wie sei» Amtsbruder von Paderborn, schon längst dafür gesorgt, daß ihm nicht« gepfändet werden kann.

Dre-de«, 15. Dec. Die feierliche Einsegnung der Leiche der Königin-Wittwe Elisabeth von Preußen findet heute Abend UNI 6 Uhr im hiesigen Residenz- schlosse durch ben Hofprediger Heym au« Poisdam statt. Ein Eptrazug der Leipzig -TreSdener Eisen-

Ein Thor--" wiederholte Friesen erregt,

und "eine heiße Röche stieg langsam in seinem Antlitz auf- in der That, Sie schließen mit eigenartiger Schärfe! — Wollen Sie bestreitm, daß unsere modcme weibliche Jugmd (und nicht bloß die Jugend möchte ich hinzusetzen) durch ihre grenzenlose Eitelkeit, Gefallsucht, Genutzgier, durch ihre geistig- Verflachung, ihre Abneigung gegen Alles, was schlicht und tüchtig und bildend ist, jeben ernst denkenden Mann vor dem Gedanken an eine Verbindung für da« ganze Leben wahrhaft zurückschrecken macht?"

Gnviß leugne ich da«; wie könnte ich anders! In "eine so summarische Verurtheilung einstimmen, würde mir wie Frevel bcdünkm l — E« ist auch nicht Ihr Emst, um einiger häßlicher Ausartungen

bedarf, denk' ich, nur der Erinnerung, daß auch Ihre Mutter demselbm angehört, um Sie zu milderem Unheil zu bestimmen. Aber mögen der widerwärtigen Ausnahmm zur Zeit auch noch so viele fein, so sind noch immer, wie zu den besten Zeiten, Sanftmuth, Keuschheit, Selbstlosigkeit, Arbeitsamkeit, Liebe und Treue bi« ,nm Tode da« köstliche Eigenthum des weiblichen Geschlechts; noch immer ist daS W«b die Krone der Schöpfung, noch immer die Eh« der Gipfel wie der Anfang der Äulnir!"

Sie find zu jung, um au« Erfahmng so sprechen zu können", warf hier Friesen fast gereizt ein.

Ein melancholische« Lächeln flog über da« ernste Antlitz de« jungen Manne«, uub einen Augenblick

Deutsches «eich. 1

<# Berlin, 16. Dec. Bereits die gestrige Nro. । D« „StaatS-Anz." hat in besonderer Ausgabe die gnorbnungen wegen der Hof- und Landestrauer in ' ?olfle des Ablebens der Königin Wittwe von Preußen i möffentlicht. Die Mehrzahl der Berliner Blätter hat in loyalster Weise der Theilnahme an diesem herben i Strluft, welcher die König!. Familie betroffen, Aus­druck gegeben und mit höchster Achtung der Verdienste »dacht, durch welch« die hohe Verblichene sich den Anspruch aus die Liebe und Verehrung deS Landes in rfnern immer dem Guten und Edlen gewidmeten Leben erworben hat. Selbst diejenigen Organe der Presie, welche ihrer Parteistellung nach bisher weniger geneigt waren, den Einfluß der ehemaligen Königin auf die Geschicke be« Landes unbefangen zu würdigen, haben sich mit wenigen Ausnahmen nicht abhalten Men, dem allgemeinen anerkennenden Urtheil sich mehr oder weniger anzuschließen. Ein Beweis nicht allein für den Werth der Persönlichkeit, sondern auch von dem lebhafter gewordenen Bewußtsein der Gemein­samkeit zwischen Fürsten und Volk in allen Interessen! — Die Antwort, welch« von der Regierung auf die Juterpellation, die Ercheilung deS katholischen Reli­gionsunterricht« in der Provinz Posen betreffend, ge achen worden ist, hat bereit» ben Weg in bie Blätter gefunden. Die Erklärung deS CultusministerS, daß öden Geistlichen gegenüber die Autorität des Staates durch Wahrung be« Gehorsams gegen das Gesetz hoch gchalten werden solle, ist mit Beifall aufgenom men worden. Die Beantwortung einer anderen Inter­pellation über die V-rwaltüng und Verwendung deS s. g. WelfenfondS, welche vor der Budgetcommisston von der Regierung gegeben worden ist, hat der Natur der Sache nach nicht in gleicher Ausdehnung wie die obiae Aussicht auf Zustimmung in allen liberalen Krrisen; die „Vossische Z" findet die Antwort dürftig und scheint sich dem nahe genug liegenden Verständnis m verschließen, daß der Zweck be« in Rede stehenden Fond« eine detaillirte Veröffentlichung unbedingt auS- schließt und damit auch formell wie materiell den An- jpruch auf diese. Durch die qu. Antwort ist übrigens unsere frühere Angabe bestätigt worden, daß nicht einzelnen Mitglledern de« Ministeriums die Verwen­dung überlassen ist, sondern daß in der Plenarsitzung des Staatsministeriums durch Beschluß desselben auf Grund spezieller Vorlagen die Verfügung erfolgt. In

Oberhefsislhe Zeiivnz.

blieb er die Antwort schuldig. Dann fuhr er fort: äußerten, als wirkliche Lebensanschauun^ hegt und „Ich habe eine leideuSvolle Jugend gehabt, und die lehrt, früh das Leben ernst auffassen, in seine Tiefen schauen; sie hat mich vor allem gelehrt, die Ehe als den wahren Hort des Lebens zu betrachten. Durch das tiefe Düster meiner Knabenjahre leuchtet ein mildes, versöhnendes, unaussprechlich köstliches Licht: Die- innige Liebe meiner Eltern zu einander, wie zu uns Kindern. So lange sie einander hatten, ertrugen sie vergleichungsweise leicht, waS ihnen das Geschick Schweres, ja Grausame» auf die Schultern gelegt; so lange ein« des andern Hand fassen, ihm in'» Ange sehen, fein ermuthigendeS Wort vernehmen konnte, hatte da« Unglück nur halbe Macht über sie. Als aber das schöne Band durch ben Tod der Mutter zerrisien wurde (sie hatte noch mit fast schon ver­sagender Hand bis zum letzten Augenblick für daS Wohl von Maun und Kindern gewirkt und holden