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ZNarkmrg, Dienstag, den 16. December.
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OberhesMe Zeitung.
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DieVerurtheilung deS Marschall-Bazaine, obgleich allseitig von Anfang als wahrscheinlich erachtet, macht doch jetzt, nachdem dieselbe zur Thatsache ge morden ist, einen mächtigen Eindruck auf die öffentliche Meinung der ganzen Welt, und die Umwandlung der Todesstrafe in zwanzigjährige Einschließung und die Abschwächung der Wirkungen der Degradation «Hb wahrhaftig nicht dazu angelhan, diesen Effect zu mildern. Die lcitendm Organ? Deutschlands und Englands, die sich bisher über das Ereigniß geäußert haben, erblicken ohne Unterschied der politischen Partei stellung in der Verurtheilung deS Vertheidigers von Metz ein dem Götzen der National-Eitelkeit — dieses unheilbarsten Krebsschadens der Franzosen — darge- brachtcS Opfer, und dieses einstimmige Urtheil fällt um so schwerer ins Gewicht, als die öffentliche Meinung in allen Ländern entschieden gegen den Marschall wegen seines Verhaltens in Mexiko gestimmt ist. Alle Welt gesteht willig zu, daß die oberste franzö- stsche Kriegsleitung eine verfehlte war, und daß diesem Umstande zum Theil die Größe der Niederlage zugc- schrieben werden muß; der öffentliche Gerechtigkeitssinn empört sich aber nicht allein dagegen, daß bei dieser Sachlage ein einzelner Heerführer zum Sünden bock gemacht wird, während die Generäle, welche die Schlachten von Wörth und Sedan verloren, oder die, welche die anderen Festungen nicht gehalten haben, ungestraft davon kommen, sondern die Ucbcrzeugung ist auch eine allgemeine, daß der öffentliche Haß sich auf den Unrichtigen gestürzt hat, daß, wenn ein Einziger das Nationalunglück fühnen mußte, nicht Bazame die Kugel verdient hätte, sondern Gambetta. In Deutschland glaubt Niemand an einen Verrath Ba- zaine'S; die öffentliche Meinung coincidirt in dieser Beziehung vollständig mit dem Urtheile des Prinzen Friedrich Carl. Das Bewußtsein, besiegt zu fein, ist de» Franzosen viel unerträglicher, als die Niederlage selbst und ihre Folgen; die nationale Eitelkeit ruht nicht eher, als bis sie die Last der eigenen Vergehen auf einen Anderen gewälzt hat, um dann sich wieder
Deutsches Keich.
** Berlin, 13. Dec. Der „Staatsanz." ter öffentlicht ein Bulletin über das Befinden deS Kaisers, welchem man besonderen Werth beilegt, weil eS die fortschreitende und fortgeschrittene Besserung der Gesundheit entschiedener constatirt, als bisher aus den Berichten der Aerzte herausgelcsen wurde; über das Befinden der Königin Wittwe Elisabeth in Dresden ist weniger Befriedigendes zu melden; wenn auch Momente der Erleichterung ab und zu eintreten und gemeldet werden, so bleibt doch der Auftand'im Ganzen Besorgniß erregend. — Tas Eintreffen des Fürsten Bismarck von Varzio ist zwar schon für heute ange- meldct worden, auch ist seine Abreise von Varzin er« folgt, indessen hat der Reichskanzler unterwegs bei einem Freunde kurzen Aufenthalt genommen und bis zu diesem Augenblick ist keine Meldung über seine Ankunft gebracht worden. Der Geheime Rath Becker ist bereits hier. — Dem Bundesrath ist vom Reichskanzler-Amt der Gesetz-Entwurf über den LandeShauS- halt von Elfaß-Lothringen überreicht worden, welcher pro 1874 mit einer Einnahme nnd Ausgabe von 52,786,240 FrcS. abschließt. Davon sind 9 Millionen FrcS. als außerordentliche Ausgaben ausgenommen Der Gesetzentwurf über die Beurkundung des Personenstandes und die Form der bürgerlichen Eheschließung nebst Motiven ist unter den Drucksachen dem Landtag übergeben worden. Die Begründung der Vorlage stützt sich hauptsächlich auf den Nolh- stand, welcher durch die Auflehnung des römischen
aufspreizen zu können.
Während die Verurtheilung Bazaine S in Deutschland einen deprimirenden Eindruck macht und allseitig als ein neuer 6e rübender Beleg für den gefahrvollen Zustand des öffentlichen Geiste« und für die Unver- defserlichkeit der Nation angesehen wird, berichten die Pariser Correfpondenten der deutschen Zeitungen, datz die Verurtheilung des Marschalls mit grausamer Freude ausgenommen wird, und daß die chauvinistischen Tendenzen durch dieselbe eine bedeutende Anregung cr- sahren. Man glaubt dem Ruhme Deutschlands eine Schlappe beigebracht zu haben und läßt nun den Rus nach Rache um so lauter erschallen. Die Wildheit der Franzosen, ihre Vorliebe für blutige Schaustucke, zeigt sich bei diesem Anlaß wieder in wahrhaft Abscheu
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erregender Weise. Ein Correspondent der „National- Zeitung" versichert, mehrfach es als „Befürchtung" gehört zu haben, daß der Marschall Mac Mahon eine Begnadigung eintreten laffen könnte, und die Hinrichtung nicht vollstreckt werden dürfte. Einige wünschten sogar, nach demselben Gewährsmann, daß die Hinrichtung ein Jahr aufgeschoben werden möge, damit sie in „Metz" erfolgen könne, welches dann unfehlbar bereits wieder an Frankreich zurückgefallen sein würde. . , •
Wichtiger als diese wilden Ausbrüche nationaler Erregtheit und wahnwitziger Selbstüberschätzung sind unfraglich die Eindrücke, welche die Verurtheilung des Marschalls in der Armee hervorbringen wird. Unserer Ansicht nach muß das Ereigniß nicht nur dazu beitragen, den Geist der Autorität und DiSciplin in dem Heere zu lockern, sondern eS ist auch ein bedenklicher Schritt zur Uebcrsiedelung spanischer Zustände nach Frankreich, zur Einführung des Parteigeistes in die französische Armee. Der Herzog von Aumale dürfte wider seinen Willen die Chancen des Bonapartismus, die ohnehin nach glaubwürdigen Nachrichten sich bessern, wesentlich gefördert zu haben, und zwar sowohl durch die Verurtheilung als die Beantragung der Begnadigung.
CleruS gegen die Gesetze und Behörden des Landes herbeigeführt worden ist und auf das Bedürfniß einer gesetzlichen Regelung der Verhältnisse, welche durch die eingetretene Spaltung der römischen Confessio» in Folge des neuen Dogma's der Unschlbarkeit sich gebildet haben. — Den Versuchen, namentlich der römischen Geistlichkeit, die Bestimmungen des Gesetzes vom 11. Mai d. I. über Vorbildung und Anstellung der Geistlichen zu umgehen, wird durch einen Erlaß des Cultusministers an die Oberpräsidenten voraussichtlich wirksam entgegentreten. Nach den qu. Erlaß sind die Bestimmungen des Gesetzes nicht allein für die Geistlichen maßgebend, welche an den vom Staat anerkannten Kirchen, Stiftungen und Anstalten ange- tellt sind, sondern auch alle zu geistlichen Aemtern und Functionen an andere» dem öffentlichen Gottesdienst und kirchlichen Zwecken gewidmeten Gebäuden Berufene sind dem Gesetz unterworfen. ES soll keine Uebertragung geistlicher Functionen im Allgemeinen oder besonderer der Seelsorge und dem geistlichen Amt gehöriger Dienste ohne Beobachtung des Gesetzes vom 11. Mai gestattet sein.
— 13. Dec. Bezüglich des Zustandekommens des CivilehegesetzeS schreibt die Nordd. Allg. Ztg.": Die Nachricht, daß die Zustimmung deS Fürsten Bismarck erst Montag telegraphisch aus Varzin erfolgt sei, ist erdichtet. Der Vicepräsident des StaalsministeriumS hatte allerdings eine Audienz beim Kaiser, aber nur. um die Beschleunigung der Vorlage zu erreichen, worauf der Kaiser am selben Abende seine Genehmigung ertheilte. Von weiteren Kämpfen ist nicht die Rede gewesen.
Bochum, 13. Dec. Die „Westphälische Volkszeitung" meldet, der CultnSminister habe wider den Bischof von Paderborn wegen Nichtbesetzung der Pfarre Olm die Temporaliensperre verhängt.
Weimar, 12. Dec. Für den Landtag bereiten die sämmtliche» Volksschullehrer deS Landes eine Denkschrift vor, in welcher aus Grund statistischer Ermittelungen Nachweise geliefert werden sollen: 1) über die Lohn-Verhältnisse anderer BerufS-Zweige; 2) über die früheren und gegenwärtigen Preise der wichtigsten Lebensmittel. Auf Grund dieser Ermittelungen wird der Nachweis über das Unzureichende der bisherigen GehaltS-Erhöhungen geführt und dargethan werden, wie hoch die Besoldungen normirt werden müssen, um dem Nothstande der Lehrer abzuhelfen.
München, 13. Dec. Auf die Vorstellung, welche der bayerische EpiScopat bezüglich der königl. Verordnung betreffend die Errichtung von konfessionell gemischten Schulen an den König gerichtet hatte, ist eine abschlägige Entschließung des CultuSministeriumS ergangen.
Straßburg, 13. Dee. Das Knaben Seminar in Zillisheim (im Oberelsaß) ist auf Befehl des Ober-
Wkihnachtcn naht!
Reges Leben herrscht in unserer alten Musenstadt, doch nicht der Wissenschaft allein ist eS gewidmet, wenn schon vor Weihnachten der eine ober andere Candldat sich beeilt, den „Doctor" den harrenden »Hnren Eltern" zum Christkindchen mitzubringen, vielmehr tft eS eingekehrt in unseren Kaufläden, die den Schau- und Kauflustigen mit bekannter Kunstfertigkeit ihren Waarenreichthum gern zur Verfügung stellen. Darum, verehrtes Publikum, nicht lange gewählt, sondern rasch gekauft. Die geistige Nahrung steht nun einmal in cultivirten Staaten immer vorne an, d. h. wir meinen diejenige, die unsere Buchhandlungen bieten, und deren Läden sind bereits reich geschmückt, die Elwertfche Ehr Hard t'sche (Haupt- nnd Filiale), Braun und Eipmann, sie alle haben Vieles und Schönes — zum Bestellen für NichtvorräthigeS ist eS aber die höchste Zeit, denn eS könnte immerhin fern, daß das, was gerade Söhnlein oder Töchterlein wünscht, doch nicht vorräthig wäre. Nur nicht erwähnen darf man in solcher Zeit etwas, denn da reiht sich gleich eins an's andere, das Töchterlein und die Gattin, die „theuere", sie haben ihren Wunsch nicht auf Literatur und Kunst gerichtet, weit lieber sind ihnen diesmal unsere reichlich ihre Dedürfnisie befriedigenden Manu-
faclurwaaren-Läden; da ist es K l a p p e r t, Bücking, Bersch, Eichelberg, Eberhard und Andere, die mit willigen Händen spenden, was verlangt wird. Verrathen darf man um'S Himmels Willen jetzt nichts, selbst wenn man Augen- und Ohrenzeuge gewesen; nur zum Unterschied, wie rasch es geht, wenn „der Alte" sich selbst auf die Beine macht, sei erzählt, daß vorgestern so ein Papachen in einen bekannten Laden am Heumarkt trat, vettraulich den Chef bei Seite nahm und fragend: „Haben Sie nichts gemerkt?" erhielt er rasch die Antwort: „O ja, sie Beide haben gewählt, Frau Gemahlin scheint diese Reseda-Robe und Fräulein Lina jenes Ballkleid (auf den reichgeschmückten Erker zeigend) aber auch noch jenen Mantel dort als ihr angenehmstes Christkindchen in Aussicht genommen zu haben." „Dann legen Sie es zurück; es macht?" — und da< Geschäft war gemacht. Es geht aber nicht immer so, am wenigsten in den Stickerei - und Kurzwaaren- und dergleichen Handlungen; „ach," hörten wir da seufzen, „wie Manches muß herbeigeholt werden, bis etwas Passendes gesunden ist!" das komm: aber davon, wenn man zu viel Auswahl hat, und ist eS nicht so bei Braucr's, Schacht'S, Pfannen» schmid's, Staubesand'S, Bauerfeld'S und bei Erlangers? Geht man schon hin um zu kaufen,
und weiß doch oft nicht was, aber man geht nicht fehl; hat man einmal angefangen zu wählen, dann, nun bann, liebe Leserin, ist's um'S Portemonnaie geschehen, es wirb gründlich geleert. — Sollten wir für heute miS noch den Besuch der Spielwaaren - Lager vornehmen, bann müßten wir ber Freude eines niedlichen Mädchens uns erinnern, das da fragte, als es in S ö m m e r i n g'S Puppenlager blicken durfte: „Nicht wahr, hier ist ber Himmel?" „Warum bann?" „Ja, weil das Christkindchen im Himmel wohnt, und hier wohnt'S doch!„ Doch mehr, noch viel mehr als Puppen waren zu sehen, lausend Sächelchen von unbeschreiblichem Werch für die Kleinen, und erst die Freude, wenn sie das Christkindchen wirklich bringt! Unsere Spielwaaren-Fabrik von A. Weber macht zu Weihnachten eine Ausnahme von der Regel, sie thut, was sie sonst nicht thut; von ihrem reichhaltigen Lager, das sonst in die fernsten Gegenden diesseits und jenseits des OeeanS nur wandert, kannst Du, glückliches Ehepaar, jetzt Deinen Weihnachtstisch schmücken, Dich aber vorher an vielem Schönen weiden. M. S ch w a n e r, Marburgs ältester Spielwaarengeschäft, will ausverkaufen; auch so etwas läßt sich benutzen; wir aber werden uns zu sagen erlauben:
„Auf Wiedersehen bis morgen!"