1873
Zllarkurg, Freitag, den 28. November
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schäften des sächsischen Armee-CorpS beseht hat, ist die sicherste Bürgschaft für den Erfolg unsere» gemeinsamen Strebens."
Weimar, 23. Nov. Der weimarische Volks-, schulgesetz Entwurf läßt einen großen Theil der Geist» lichen nicht ruhen. Nachdem schon in einer Reihe von Versammlungen Berathungen darüber gepflogen worden, daß die geistliche Lokal-Schulaufsicht nicht zü entbehren sei und erhalten werden müsse, ist nunmehr Seitens des weimarische» Predidiger-VereinS noch eine Versammlung auf den 26. November nach Weimar berufen, um dasselbe Thema zu besprechen, und danach beim Landtag Vorstellung zu erheben. ES sollte die Vertretung der kirchlichen Interessen beim Schulgesetz der Synode überlassen werden; da diese aber erst nach dem Landtag zusammentritt, so hält der Vorstand des Prediger-Vereins die vorherige Versammlung seiner Mitglieder für nöthig. — In Meiningen wird jetzt lebhaft die EinquartierungS - Frage diScutirt. Die Kaserne reicht zur Bequartierung der Soldaten nicht auS, und es kommt deßhalb die Zuweisung in Privat« Wohnungen in Praxis. DaS ist den Bürgern eine mit Kosten verbundene Last, und sie agitiren daher für erweiterten Kasernenbau, oder für ein Quartier« hauS aus städtische Kosten. :>
München, 26. Nov. Im Abgeordnetenhause wurde heute der Herz Gerstner'sche Antrag über die den Reichstags-Abgeordneten zu gewährende Diäten berathen. Nachdem Herz den Antrag motivirt, und Jörg den Gegenantrag gestellt hatte, über den Herz'» schen Antrag wegen Inkompetenz zur Tagesordnung überzugehen, erklärt der Ministerpräsident, daß er nicht in der Lage fei, jetzt schon bestimmte Erklärungen abzugeben, welche Stellung die baierischc Regierung beim Bundesrath bezüglich der Diäten-Frage einnehmen werde. Darauf wird der Antrag Herz: eS möge die Staatsregierung aufgefordert werden, bei dem BundeS- ralhe dahin zu wirken, daß'den Mitgliedern des Reichstages Entschädigung der Reisekosten und Diäten bewilligt werden, mit 66 gegen 64 Stimmen angenommen. Der Antrag Jörg wird mit 67 gegen 63 Stimmen abgelehnt.
ruhiger — aber cS war die Ruhe vor einem gewaltigen Sturm.---
Meine Leser können sich so ungefähr denken, was stun erfolgte.
Nach einer Pause von kaum zehn Minuten schallte die gellende Stimme der Schnorpsin in einer Art und Weise durch das Haus, daß alle Insassen desselben erschrocken zusammenliefen. Sie hatte, als sie den geborgten Frack zurückgeben wollte, das Unglück ent» deckt und geberdete sich wie eine Rasende.
Anfangs versuchte SchnorpS sich zu vertheidigen und sie zu beruhigen, als er aber nach und nach aus ihren Reden den vollen Zusammenhang der UnglückS- geschichre erfuhr — als er hörte, daß er den Frack des Nachbars ruinirt hatte und der {einige schon lange vorher durch den Leichtsinn seiner Frau, die Unachtsamkeit seines Sprößlings und die Dummheit der alten Müller dm Weg des Verderbens gegangen war und jetzt alS Kaputze vegetirte, da kannte seine Wuth keine Grenzen mehr.
DaS war zuviel. Zwei neue SchniepA bezahlen und dennoch keinen besitzen, das war sein Tod — das muhte ihn unter die Erde bringen.
Ich will über die Scene, die nun folgte, den Schleier christlicher Nächstmliebe ziehen — aber noch heute erzählen die Nachbarn mit Schrecken von dem Skandal, der an jenem Tage im Schnorps'schen Hause sich abspielte. Es regnete förmlich Grobheiten und Püffe, und der arme jugmdliche SchnorpS, der den Frack an die alte Müller abgeliefert hatte, wurde jämmerlich durchgeprügelt.
Acht Tage später schickte I. M. Lindmfeld eine quittirtc Nota im Betrag von 16 Thalern für den neuen Frack des Nachbar RegieruugSsekcetär, waS wieder Veranlaffung zu einer Reihe erregter Scenen im Hause der Schnorpstaner gab und denselben Tag «eichte der Contrabassist eine Entschädigungsklage gegen
Deutsches Reich. \
Berlin, 26. Nov. Der BundeSrath hielt gestern Mer dem Vorsitze des StaatSministers Delbrück die 48 Plenarsitzung. ES wurde Beschluß gefaßt über die geschäftliche Behandlung a) der Entwürfe von Gesetzen über die Gerichtsverfassung im Deutschen Reiche für bürgerliche RechtSstreitigkeiten und Strafsachen und über die Einführung dieses Gesetzes, b) der Vorlagen des Präsidiums, betreffend die gewerbliche Freizügigkeit der Apotheker-Gehülfen innerhalb des Bundesgebiets; die anderweite Festsetzung des Porto für Vorschußbriefe; den am 30. September dieses ZahreS unterzeichneten Postvcrtrag mit Brasilien; die Auswahl von Bankhäusern zur Vermittlung der Wechsel- rc. Geschäfte für den Reichs Jnvalidenfonds; c) eine« Antrags Preußens, betreffend die Eintragung ton Nachsteuer fixirter Brauereien in die statistischen Nachweisungen; d) eines Berichts des Präsidenten der Disziplinarhoses über daS Regulativ für die Geschäftsordnung bei den Disziplinarbehörden. Es folgten Miltheilungen, betreffend die Unterbringung des Reichs-Kriegsschatzes und die portopflichtige Kor- «spondmz zwischen Behörden im Reichsgebiete einerseits, und in Oesterreich-Ungarn andererseits. AuS- schußberichte wurden erstattet über a die Auslegung einer Bestimmung deS Gesetzes über die ReichstagS- wahlen, d. die Berechnung der Ausfuhrvergütung für Spiritus in Fässern, c. die Verzollung der inneren Umschließung einer Waare, d. die Aufstellung eines Nachtrags zum amtlichen Waarenverzeichnisse, e. die Quartalübersichten über die in den freien Verkehr des Zollgebiets getretenen Maaren, f. das in kleinem Srenzverkehr freizulaffende Minimum des Zollbetrages, g. den Antrag Braunschweigs, betreffend die Behänd- hing der braunschweigischen Leihhauskassenscheine im Sinne des Artikel 18 des Münzgesetzes, h. den Abschluß einer Uebereintunft mit Belgien wegen gegen-
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fettiger Anerkennung der Rechtsfähigkeit der Aktien gesellschaften; endlich würden mehrere Eingaben vorgelegt. In der hierauf folgenden Sitzung für elsaß- lothringische Angelegenheiten wurden Ausschußberichte erstattet über die Gesetzentwürfe, betreffend den ZwangS- verkaus von Liegenschaften und betreffend außergerichtliche Theilung und gerichtliche Verkäufe von Liegen- fchaften.
Pose«, 26. Nov. Der „Kuryer Poznanski" meldet: Der Erzbischof Ledochowski erhielt vorgestern ein Schreiben deS Oberpräsidenten, worin Letzterer den Erzbischof auffordert, binnen 8 Tagen sein Amt niederzulegen, widrigenfalls er vor den Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten in Berlin citirt werden würde. Daffelbe Blatt veröffentlicht ferner ein Schreiben des Papstes an den Erzbischof, worin der Papst den Erzbischof zum Ausharren ermuntert. — Der Weihbischof Janiczewsli ist vor daS hiesige Gc richt und vor die Polizei citirt.
Dresden, 25. Nov. Nach dem „Dresdener Journal" hat Prinz Georg von Sachsen bei Ueber- nahme des Corps Commando'S an das 12. Armee- CorpS folgenden Tagesbefehl erlaffen: „Soldaten I Seine Majestät der Kaiser haben mich durch Allerhöchste Cabinetsordre vom 9. November er. zum com- mandirenden General des 12. Armee-Corps zu ernennen geruht. Indem ich den Befehl des Armee- Corps mit heute übernehme, gereicht es mir zur größten Ehre und Freude, an die Spitze der königlich sächsischen Truppen zu treten, welche in ernsten und ruhmvollen Zeiten zu commandiren mir schon ein Mal vergönnt war. Im Sinne und Geiste Eures bisherigen rühm gekrönten Führers, unseres erhabenen Königs und Herrn, werde ich es als meine höchste Aufgabe betrachten» dem Armee Corps jene Stellung zu bewahren, die es als ein würdiges Glied des deutschen Heeres zu Ruhm und Ehre unseres engeren wie unseres gemeinsamen deutschen Vaterlandes sich erworben hat. In Eurem Vertrauen, Eurem bewährten Eifer und Eurer Hingebung erblicke ich die wesentlichste Unter stützung meiner Aufgabe. Der treffliche Geist bet Pflichttreue, des Gehorsams und der Disciplin, welcher zu allen Zeiten Offiziere, Unteroffiziere und Mann-
die alte, arme Müller ein, die natürlicherweise zurück- gewiesen wurde.
Als sich beim nächsten Abonnements < Concert das Orchester auf der Bühne versammelte, entstand im Hause eine allgemeine Bewegung und alle Operngläser richteten sich auf einen der Musiker.
Auch der Herr Intendant legte sich weit auS der Loge. Er starrte entsetzt auf die Bühne und glaubte seinen Augen nicht trauen zu dürfen. War daS ein Trugbild, was er sah? Neckte ihn ein Gespenst seiner Einbildungskraft? Nein — eS war die nackte, schreckliche Wirklichkeit:
„SchnorpS, der Contrabasfiff, trug wieder den alten Schniepell" „;
Graf Mac Rah,», “ ' .5rb " ‘
Herzog von Magenta, Marschall von Frankreich, ist durch die Abstimmung der National Versammlung vom 19. d. mit 378 Stimmen gegen 310 zum Präsidenten der Republik erwählt worden; sein Titel bleibt allerdings derselbe, aber seine Stellung ist seit jenem Tage bedeutend erhöht worden. Er war durch die National- Versammlung als Nachfolger von ThierS zum Präsidenten eingesetzt worden und konnte durch die Versammlung auch wieder abgesetzt werden. Jetzt ist seine Unabsetzbarkeit auf sieben Jahre, eine Ewigkeit für französische Politik, anerkannt worden, und seine Macht ist das Einzige, was in Frankreich außer Frage steht. Die Linke hat es nicht durchgesetzt, daß zugleich mit der Verlängerung feiner Vollmachten auch die Verfassung festgesetzt werde, mit welcher er zu regieren hat. Er und seine Minister haben sich zwar bereit erklärt, eine solche Verfassung als etwas Selbstverständliches anzunehmen, aber die Verfassung ist bis j tzt nur ein unbekanntes Etwas und wird Mac Mahon auf den Leib zugeschnitten werdtn müsieu.
Der Fra« deS Musikantei», Humoreske von Fritz Brentano.
(Schluß.) : '
■ ee »ar die höchste Zeit, denn kaum war er zu- rückgekehrt, so erschien die Schnorpstn in feinem Zimmer. Nie war sie ihm so fürchterlich vorgekommen, wie in diesem Augenblick, und doch hatte er ihr nie, selbst nicht in den Flitterwochen ihrer Ehe einen so zärtlichen guten Morgen geboten, als er dies heute that. Auch s« war auffallend liebenswürdig, was fein drückendes Echuldbewußtfein noch mehr erhöhte.
„Nun, wie »ar eS beim Oberst?" fragte sie.
„O, recht gut — ja — ganz nett!" entgegnete tt verlegen. ,,
„So — fol" meinte sie und sah dabei mit spähenden Blicken, die unseren SchnorpS erbeben machten, im Zimmer umher.
„Suchst Du etwa», Trinchen?"
Sie sah ihn erstaunt an. Trinchen? So hatte et fie nur einmal im Leben genannt — als er um ihre Hand anhielt.
„Nein — das heißt, ja — Deinen neuen Frack!" „Den Frack," antwortete erzitternd, „wozu?" „Ich will ihn wieder ausheben," sagte sie möglichst sanft.
„Das ist nicht nölhig, er ist schon dort, wo er hingehört."
„Wo er hingehört?" fragte sie sehr erschrocken. -„Nun ja," entgegnete SchnorpS, „oben im Schrank." „Ach, so," sprach sie und athmeie sichtlich auf — »im Schrank! Ja, ja! Na, komme herüber zum Früh stück, Gottlieb; ich habe nur noch einen Augenblick unten zu thnn."
Mit diesen Worten ging sie hinaus und nun war die Reihe des Aufathmens an SchnorpS.
Er zog sich vollständig an und wurde dabei etwas
SÄt den Monat Deeember
.»taten atte Postauftalten und die Expedition Be- Knieu auf die „Oberh. Zeitung entgegen. Mit »ml Deeember beginnt tm Feuilleton eine höchst jwnnenöe Original-Erzählung: Der Weiberfeind ,,a Ludwig Ztemffen.
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* Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 2$ Sgr. berechnet. — Sümmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.
- Oberhessische ZeitungM