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Marburg, Donnerstag, den 27. November

Ur. 279

1873.

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JÜUilif. J

n.

Depesche vor der andern zu verhindern, werden die Depeschen zunächst durch eine sehr sinnreiche kleine Maschine mit laufenden Nummern und der Zeitan gäbe versehen. ES wird hier jede Depesche in einer Sekunde abgefertigt, so daß eine Verzögerung in der Beförderung der Depeschen nicht eintritt, zumal dem telegraphirenden Beamten die Zeitbestimmung dadurch abgenommen wird. Jeder Telegraphen-Apparat steht mit einer bestimmten End-Telegraphen-Station in Ver­bindung, so daß jede Störung, welche bei Umwechse- lung de« End-Befördexungspunktes eintreten würde, vermieden wird. Wie ungemeine Kräfte bei der telegraphischen Beförderung anfgewendet werden, ist auch daraus zu ersehen, daß im Gebäude der Central­station zu Berlin so viele telegraphische Apparate vor­handen sind, daß sie aneinandergestellt 45 Q.-Ruthen, also l/i Morgen auSfüllen. Der Geh. Ober Reg.- Rath Dr. Knerk feiert am 1. Dezember sein 50jäh- riges Dienstjubiläum.

25. Nov. DieNorddeutsche Allgemeine Zei­tung" ronstatirt den in der letzte» Zeit eingetretenen Umschwung der öffentlichen Meinung Englands zu Gunsten des Kampfes Deutschlands gegen den Ultnr montaniSmuS und weist die Verdächtigung, daß be zügliche für Deutschland günstige Artikel großer eng­lischer Zeitungen von der Preßleitung deS Fürsten Bismarck künstlich hervorgerufm oder beeinfluß seien, als eine Absurdität zurück.

Posen, 25. Nov. Das Kreisgericht verurtheiltr den Erzbischof Ledochvwski wegen eigenmächtiger An­stellung von Geistlichen in 9 Fällen zu 5400 Thalern eventuell 2 Jahren Gefängniß. Der Staats-Anwalt hatte nach dem höchsten Strafmaß 9000 Thaler be­antragt. Am 22. Abmd« begab sich der hiesige Executions-Jnspector, von zahlreichen Polizcibeamten begleitet, nach dem erzbischöflichen Palais, um eine Pfändung vorzunehmen. ES handelte sich um die Beitreibung von 600 Thalern, welche gegen den Erz­bischof in der ExcommunicationS-Angelegenheit gegen den Geistlichen Schröter erkannt waren. 300 Thaler betrug noch ein Ueberschuß der versteigerten Pferde und Wagen, so daß noch 300 Thaler und an 20 Thaler Kosten beizutreiben waren. Der ExecutionS Jnspector ließ drei verlassene Salon« im ersten Stock ausräumen, wobei der bischöfliche Hauswart stets an­gab, welche Gegenstände Privat-, welche Kircheneigen»

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdrucker«i) bezogen 224 Sgr., durch die Postämter 27 Sgr. lexcl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 2j Sgr. berechnet. Sämmtliche Annoncen-BüreauS nehmen Inserate an.

: Deutsche» Reich.

Berlik», 25. Nov. In der Presse find in der letzten Zeit öfter Klagen über Vernachlässigung bei tet Beförderung telegraphischer Depeschen aufgetaucht. Wenn ähnliche Beschwerden bei der deutschen Teie- graphen-Verwaltung geführt wurden, konnte immer nachgewiesen werden, daß sie nicht gerechtfertigt waren. Es wird in der Presse verlangt, daß die telegraphischen Leitungen und Linien vermehrt werden. Diese Auf­gabe hat sich die Verwaltung fortlaufend gestellt und gelöst. ES ist dies bei einer Vergleichung deS Um­fangs des Telegraphennetzes der letzten mit früheren Jahren sehr leicht erkennbar. Bei dem sich in ra pidcr Weise steigenden telegraphischem Verkehr wird « aber wohl kaum möglich sein, allen Auforderungen, die oft in ungemessener Weise austreten, immer sofort zu genügen. Im nächsten Jahre werden wieder viele neue Leitungen und Linien angelegt werden, wodurch abermals ein nicht unerheblicher Theil der dargethanen Ansprüche Befriedigung finden wird. AIS ein Bei­spiel, welche außerordentliche Anstrengungen die deutsche Telegraphm-Verwaltung im Interesse des telegraphischen Verkehrs macht, kann die Berliner Börse gelten. Die Verwaltung hat dem Ansuchen der hiesigen Kaufmann­schaft genügt und in dem Börsengebäude selbst ein Telegraphen-Bureau eingerichtet und dieses so ausge­stattet, daß eS dem Umfange des dortigen telegraphi­schen Verkehrs zu genügen vermag. In der Zeit von 1221/2 Uhr Mittag« werden ea. 3000 telegraphi­sche Depeschen entsendet und ca. 2000 von auswär­tigen Stationen empfangen und vertheilt. Es sind sirr die Beförderung der aufgegebenen Depeschen 15 Apparate thätig. Damit ein zu großer Andrang an einer Stelle bei der Aufgabe der Depeschen vermieden wird, ist die Einrichtung getroffen, daß bei einem Be­amten die Marken zum Aufkleben auf die zu entsen­denden Depeschen gekauft werden dieser nimmt täg­lich -ra. 600 Thlr. ein, bei einem anderen die in lernen und bei einem brittcn die nicht interne* De­peschen aufgegeben werden. Um das Bevorzugen einer

Der Frack >c6 Mufikante».

- HmnoteÄe von Fritz Brentano.

(Fortsetzung.) ""

Mp*-

Und siebesorgte" das richtig. Denn als sie nach einigen Tagen wieder kam, war aus dem eiten Frack «ine neue Kopfbedeckung geworden, die zwar etwas stark mit Litz«» und Besatz überleben, aber gerade deshalb so recht nach dem Geschmack der geschmacklosen Frau Schnorp« war. Ihr Mann meinte srejlich, jetzt sitze man erst, daß der Frack noch lange nicht so schlecht und daS Geld für den Neuen wohl noch zu timten gewesen seiallein Geschehener war nun einmal geschehen, der tyrauutsche Intendant hatte es I» gewünscht und ;

die er mit Vielen auS dem großen Geschlecht der Nassauer und Freiberger gemein hatte.

Er machte an dem fraglichen Tag ganz ungewöhn liche Anstrengungen, seine Toilette in anständige Ver­fassung zu versetzen. Er erlaubte sich, obwohl eS erst Donnerstag war, den Luxus eines reinen Hemdes, kaufte sich und daS war ungeheuer ein Paar weißbaumwollene Handschuhe und bürstete sogar mit einiger Energie fein schwarzes Beinkleid, waS er sonst nie that, damitdas Tuch nicht abgerieben werde".

Lege mir dm Frack zurecht, Trine," sagte er am Abend und diese ging, um dem Auftrage ihres Gatten zu entsprechen, nach der Oberstube.

Jetzt aber ereignete sich etwas Entsetzliches! . . .

AIS die Schnorpfin den Schrank öffnete und hinter dm Wust der UrgroßvaterSgarderobe griff, schrie sie ordentlich auf, denn wie ein Gespenst aus längst ver­gangenen Zeiten grinste ihr der alte Sch niepel im vollen Glanze seiner Unversehrtheit entgegen. Sie drehte ihn nach hinten und vorn und glaubte1 den Verstand zu verlieren es war unzweifelhaft und unleugbar derselbe Frack, dm sie längst gewendet und aufgefrischt, als Kaputze auf dem Kopfe zu tragen vermeinte. Krampfhaft wühlte sie in dem- Schrank umher rechts und links flogen die Röcke und Bein­kleider heraus allein von dem neuen Frack keine Spur, und mit überzeugender Gewalt drängte sich ihr die Gewißheit auf, daß die alte dumme Müller das neue Kleidungsstück statt des alten zerschnitten und zur Kopfbedeckung verarbeitet habe.

Darum also sah dieselbe so gut auS? O, jetzt war Alles, Alles klar . ..

Wenn das der Alte erfährt, bringt er mich um", stöhnte die Schnorpsin , und soviel stand-bei ihr fest,

Für de« Monat Deeember

«etmen alle Postanstalten und di« Expedition Be- «ellungen auf dieOberh. Zeitung" entgegen. Mit »em 1. Deeember beginnt im Feuilleton eine höchst spannende Original-Erzählung: DerWeiberfeind »,n Ludwig Ziemsfen.

thum seien. Hauptsächlich nahm der Executor Schränke, Sopha, Sessel re., zwei vom Hauswart dringlich als Privateigenthum bezeichnete Bilder des Kaisers und der Kaiserin ließ der Executor indessen hangen. Vor der Pfändung begab sich der ExecutionS-Jnspector zu dem Herrn Erzbischof, welcher sich auf seine früheren Proteste bezog und Zahlung verweigerte. Die Nach- suchung nach Werthobjectm in ben Privatgemächern wollte bet Erzbischof nicht gestatten, als ihm indessen die Eröffnung gemacht wurde, daß dieselbe eventuell mit Gewalt durchgeführt werden würde, protestirte er und fügte sich. Wie die Ostdmtsche Zeitung hört, ist nur noch eine Mobilarexecution möglich, da der Werth der noch vorhandenen Gegenstände gering ist. Während des Ausladens der Möbel versammelte sich eine große und zum Theil erregte Volksmenge vor dem erzbischöfliche« Palais und dm Beamten wurden die Worte:Spitzbuben! Räuber!" in polnischer Sprache zahlreich zugerufm. Trotz dieser bedmkiichm Volksstimmung ist doch kein Tumult vorgekommen.

W-sel, 24. Nov. Gestern wurden die beiden Ufer des alten RheineS am Römerwart der Schau­platz eines imposanten und großartigen Festes. Mik dem Glockenschlage 12 Uhr eröffneten auf dem linken Rheinuser 12 Kanonenschüsse die Feier der Schluß- fteinlegung des Rheinbrückenbaues auf Strompfeiler Nr. 3 Auf dem 50 Fuß hohen Strompfeiler standen die Baumeister, am rechtm Ufer die Capelle des 57. Infanterie Regiments und an 500 Arbeiter. Deutsche und preußische Flaggm wehtm auf dm Hauptpfeilern; große Stille herrschte rings umher, als bet letzte Stein mit Inschrift und Rede gelegt wurde. Kaum war das letzte Wort verhallt, da tönten Jubelklänge, die Dampfer fahren hin und her und schossen Feier- schüsse. Nachdem dies geschehen, wurden sämmtliche Arbeiter vom rechtsseitigen Ufer zum linken gefahren/ wo in dem großen Arbeiterspeisesaal ein fröhliche- Mahl alle Festtheilnchmet bi« zum Abmd in der heitersten Stimmung beisammen hielt. Die Eismbahn- Direction hatte zu diesem Zweck 600 Thaler ouSge-! tvorfen. Um 8 Uhr zog die große Schaar bet Sr«; beiter mit Fackeln über ben Rhein durch die Stadt' zu den Wohnungen der verschiedenm Baumeister und brachim letzteren al« Schluß der Feier eine fest­liche Serenade.

Frankfurt, 24. Nov. Auf gestern Abend «atm daß diese Schauergeschichte für ben Augenblick auf alle Fälle vertuscht werden mußte. " - 1

Aber wie wie?«

Da fiel ihr Blick durch da« Fenster- auf da« Nach­barhaus gegenüber und ein rettender Gedanke blitzte ihr durch den Kopf. Leise schlich sie die Treppe hinab durch bk Hinterthüre, stürzte hinüber zu der Frau Sekretär und erzählte der treuen Alten in fliegender Hast das Unglück, sie beschwörend, ihr für heute Abend wenigsten« den Frack ihre« Mannes zu leihen.' Morgen werde ihr ja irgmd ein Auskunftsmittel eins fallen, nur heute heute müsse Rettung beschafft werden. 'Vi

Das leuchtete der gutmütigen Sekretärin denn auch ein, und eine Stunde später wanderte SchnorpS' wohlgemuth und ahnungslos in dem fremden SLniepel nach dem Hause des Obersten, währepd dessen Bursche' ihm bett riesigen Contrabaß nachschleppte.

Der Frack saß etwas eng, was seinen Träger beim Anziehen zu bet Bemerkung veranlaßt hatte, et werde trotz feiner mäßigen Lebensweise immer dicker.

Armer harmloser SchnorpS!n: "

'. > 3. b-n") ui ' K

Die musikalischen Genüsse waren zur höchsten Zu­friedenheit deS alten Obersten ausgefallen, und nicht minder zufriedm waren feine Gäste mit dem auf die­selben folgenden vorttefflichm Souper. Der Contra» bassist besonders schwelgte in Speise und Trank und hieb mit einer Ausdauer ein, als habe et sich durch ein vierzehntägiges Fasten auf diesen Festabend seine« Magens vorbereitet. Nichts blieb von ihm verschont, ein guter Bissen, ein Glas des famosen Meines nach btm andern verschwand in der unergründlichen Tiefe-

- Oberhessische Zeitung

Glücklich ist, «er vergißt, i'-tnr-a- us.'/ ; n 3J.-1 Wa« doch nicht zu ändern ist! --7,7-n .-J£ Bl« der Herbst herankam, prangte die Frau Hof- «nsikus stolz in ihrer neuen Kaputze, und zu derselben Zeit erhielt ihr Gatte eine Einladung zu dem alten Oberst v. Meyern, der ein großer Musikfreund und berühmt wegen seiner JunggesellensoupetS mar, die seinen musikalischen Abmden so große Anziehungskraft berliehen. Der Alte hätte feit Jahren den Gottlieb SchnorpS gerne bei sich gesehen, ba et ihn al« Musiker hoch verehrte, aber et wat ihm stets zu schäbig ge wesen unb die diesmalige Einladung hatte der Contra- bassist nut seinem neuen Frack zu danken.

SchnorpS empfing dieselbe mit großem Vergnügen und leckte sich bereits die Lippen ab bei dem Gedanken att die kulinarischen Genüsse, die seiner nach der Musik Parteien. Denn ginnte er sich auch daheim nichts Gutes, so verstand er eS doch desto besser, auf frembe Kosten zu essen und zu trinken eine Eigenschaft,