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Mr. 27L.
Marburg, Freitag, den 21. November.
1873.
Ofecrhkfsische gtüinij.
fitfieint täalich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Spedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22i Sgr., durch die Dofttimter 27 Sgr. texcl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. - 3«-rttonsgebühr für d.e gespaltene Zelle 1 Sgr. - 'Ar in der Expedition zu ertheilcnde Auskunft und Annahme von Adressen werden 24 Sgr. berechnet. - Sämmtl.che Annoncen-BüreauS nehmen Inserate an.
Deutsches Reich.
Berlin, 19. Nov. Die heutige „Prov.-Corresp." dringt folgenden, „die konservative Partei" überschrie- dmen Artikel: Die „Provinzial-Correspondenz" hatte unmittelbar nach den Wahlen dem Bedauern Ausdruck Eben, daß die konservative Partei im Abgeordnetendause eine so erhebliche Schwächung erfahren habe. Dieses Bedauern steht keineswegs im Widerspruche mit dem inzwischen in der Thronrede ausgesprochenen und in der „Prov -Corresp." näher auSgeführten An- erkenntniß, daß in der Stimmung, welche bei den Wahlen entscheidend gewaltet habe, vor Allem der Ausdruck der Billigung der Regierungspolitik zu finden sei. SS entschieden die Regierung überzeugt ein darf, daß das neue Abgeordnetenhaus in seiner überwiegenden Mehrheit bereit sein wird, ihr bei der Durchführung ihrer nächsten wichtigen Aufgaben kräftig ;ur Seite zu stehen, fo wird man doch selbst von iberaler Seite zugeben, daß vom Standpunkte einer festigen und normalen politischen Entwickelung eine entsprechende Vertretung der konservativen Elemente de« Landes durchaus wünschenswcrth und ein Zurück Neten derselben auf die Dauer nicht ohne schweren Nachtheil für die Gesammtinteresfen des Staatswesens sein würde. ES bleibt zuvörderst zu beklagen, daß die bisherige altkonservative Partei eine Haltung an- genommen hatte, durch welche ste unfähig wurde, ihre naturgemäße Stellung im Staatsleben zu be= haupten; — eS ist aber weiter zu bedauern, daß die Niederlage, welche dir konservative Oppositionspartei getroffen hat und treffen mußte, sich zugleich auf die Schuld jener Opposition auch in denjenigen Kreisen, welch« sonst konservativen Auffaffungen vorzugsweise zugänglich sind, ein tiefes Mißtrauen gegen alles konservative PaNeiwefm erzeugt worden ist, und daß demzufolge die Bevölkerung im größte» Theile des Landes, um nicht konservative Gegner der Regierung zu wählen sich gegen alle konservativeKandidaturen abweisend verhalten hat. Die Wahlen haben den schlagenden Bc weis gegeben, daß die konservative Partei Preußens in bet« jeuigen Gestaltung und Richtung, welche ihr durch einen Theil ihrer bisherigen Führer gegeben ist, nicht verbleiben kann und darf, wenn nicht die Interessen, denen sie zu die neu berufen ist, den schwersten Schaden erleiden sollen. „Die konservative Partei Preußens ist wieder einmal
«in Schrei.
Novelle von Edmund Hoefer.
(Fortsetzung.)
Und als Viecnt die letzten Worte sprach, zuckte es auch jetzt noch mit Wuth und Hohn durch sein Gesicht, und indem er sein Glas ergriff und leerte, setzte er hinzu: „Za, ihr Landkrabben, das Alles macht Euch blaß, ich weiß wohl l DaS jagt Euch vor Angst Euer Blut aus dem Herzen! Aber cs ,st unter der Sonne dort nicht so zahm wie hier, und »aö unsre Herzen und Köpfe mit Glut und ehrlichem Haß füllte, davon wärt Ihr Wickelkinder ohnmächtig geworden. DaS ist einmal nicht anders bei den Menschen.
„Als wir aus den Schwören und Fluchen heraus waren, als ich genug mit dem Fuß in die Kohlen gestoßen, die an dem Platz lagen, wo vor zehn Tagen meine Hütte gestanden, wo ich drei Jahre lang mein Haupt zum Schlaf an Teresa's Busen gelegt — da war ich's dennoch zuerst, der sich faßte. Einige Leute schickte ich in'S Land, um Alles noch genauer zu durchs suchen. Unfern Schoner ließ ich fertig zum Kamps machen, die Enternetze aufziehcn, die Kanonaden bis an die Mündung laden, und beorderte ihn dann an dm Eingang zur Schlucht, um gegen jeden Ueberfall gesichert zu sein. Und endlich brach ich selbst mit einem starken Trupp nach dem FelSgrath auf, der auf die Seitenwände der Schlucht führte. Wir hatten jene Stimme nicht vergessen, die uns begrüßte! Ein Leben war doch noch übrig! Einer konnte uns doch sagen, wie das Alles geschehen!" —
„Wer e« gewesen, fragten wir nicht, denn darüber war kein Zweifel bei unS. Niemand als die Männer von der Teresa kannten den Hasen und den Weg zu ihm hinein. Niemand als die feigen Bursche allein
bei den Wahlen dem Königthum, dessen einzige Stütze sie ist, erlegen", — so beginnt eine Wahlbetrachtung von jener Seite, welche aber von solch bescheidenem Ausgange alsbald wieder zu den heftigsten Anschul digungen gegen daS „BiSmarcksche Regiment" und gegen die im Namen des Königs in den letzten Jahren befolgte Politik übergeht. Es ist richtig: die bisherige alt konservative Partei Preußens ist dem Königthum erlegen; — aber sie ist ihm erlegen, weil sie dem Berufe, die Stütze des Königthums zu sein, in schwerer, entscheidungsvoller Zeit untreu geworden war, weil ste dm König inmitten des heftigsten Kampfes im Stiche ließ; — ste ist erlegen, weil ihre Wortführer wähnten, eine selbstständige Politik im schroffen Gegensätze zu der klar ausgesprochenen und laut verkündeten Politik des Königs durchführen zu können. Die irregeleitete alt konservative Partei ist dem Königthum erlegen, nicht, wie man behaupten will, in Folge lebhafter Anstrengungen der Regierung, sondern auf Grund der eigenen, freien Regungen und Stimmungen innerhalb der konservativen Bevölkerung. Wenn die Regierung, wie behauptet wird, bei den Wahlen mit besonderem Eifer gegen die konservative Oppositionspartei vorgegangen wäre, so hätte sie nur die Pflicht nothgedrungener Abwehr erfüllt; denn Namens jener Partei wurde noch kurz vor den Wahlen mit dreister Rücksichtslosigkeit die Parole ausgegeben, daß die gefährlichsten aller Candidaten die regierungs srmndlichen Konservativen seien, weil sie das Volksbewußtsein verfälschen und der großen „gesetzlichen Revolution" dienen. Dem gegenüber ist aber Namens der Regiemng während des Wahlkampfes nur die Nothwendigkeit ihrer kräftigen Unterstützung im Kampfe gegen Rom immer und immer wieder betont, dagegen jede ausdrückliche Bekämpfung der einzelnen politischen Parteien grundsätzlich vermieden worden. Also nicht die Angriffe der Regierung gegen die Konservativen haben deren Niederlage herbeigeführt, sondern lediglich das eigene Urtheil des konservativen evangelischen Volkes über das Verhalten der Partei. Das preußische Volk hat mit dem König und seiner Regierung die Ueberzeugung getheilt, daß der Staat durch die Angriffe RomS „in seinen Fundamenten bedroht und gefährdet ist" und daß zur Bekämpfung dieses Gegners alle diejenigen, welche ein Interesse an der Erhaltung
wäre dann davongelaufen, ohne auf unS zu warten Jeder andere Feind, der unser Lager entdeckt, wäre noch lüsterner nach unS selbst gewesen, als nach un seren Schätzen. So schloßen wir, und es war nicht falsch gewesen.
„Denn als wir den Grath passtrt hatten und oben angelangt waren, in der Gegend, von wo wir nach unserer Meinung vorhin angerufen worden, und wo man einen guten Lugaus auf die Klippen und die See hatte und vernehmen konnte, was drunten in der Schlucht passtrte — da antwortete auf unser Rufen a»S einem Gesträuch bald dieselbe Stimme, und wie wir hinzueilten, sanden wir Lionel. Es war Zeit, wie wir merkten, denn es zeigte sich mit ihm dicht vor dem Zupaffen. So aber brachte ihn unsere Hülfe wieder zu Kräften, daß er erzählen konnte."
„Ich mag Euch das Alles nicht mehr ausführlich berichten, denn ich habe sonst noch genug zu sagen", fuhr der Kapitän wieder fort, nachdem er sich eine neue Cigarre angezündet und die Arme dann Über die Brust gekreuzt hatte. „Es war, wie wir vermuthet. Vor vierundzwanzig Stunden war die Teresa eingelaufen und gleich zum Anfang sei die Sennora auf des Conde Arm gelehnt an Bord gegangen. Dann hatte sich auf des Conde Befehl, vielleicht auch ohne denselben, die Mannschaft aller unserer gemeinsamen Vorräthe und Schätze bemächtigt. Als ste bei den alten Burschen am Lande Widerstand gefunden, seien diese im Kampf getödlet ober an Bord geschleppt wor
den. Das Blut hatte sich dabei immer mehr erhitz!, es war im wilden Treiben immer weiter gekommen; die Weiber seien mißhandelt, die Hütten angezündet, die Verwüstung in der Trunkenheit vollendet worden. Und so seien gegen Abend Alle zu Schiff und davon gegangen. -
des Staats und seiner Vertheidigung haben, — alle treuen Anhänger des Königs und des preußischen Staates sich zusammenschaaren müffen". Fürst Bismarck sagte im letzten Frühjahr: „Wenn ich mich nicht täusche, so zeigen schon die kommenden Wahlen die Symptome, daß alle Parteien, welche ohne Nebenzwecke, ohne Zorn und ohne Verstimmung den Staat als solchen wollen, sich um uns schaaren und von ihrer Phalanx die Parteien ferne halten, von denen sie mit mir überzeugt sind, daß sie mit Wissm und unwissentlich Feinde dieses Staates sind. — Schmerz» lich ist eS, in diesem Kampfe die Träger so mancher Namen, deren Vorfahren in glorreicher Weise zur festen Begründung unseres Staates beigetragen haben, nicht auf der Seite zu finden, auf der ich ste vermuthete, nämlich auf bet Seite bes preußischen Staats, ben wir vertheibigen gegen Bedrohungen und Untergrabungen". Der Reichskanzler hob hervor, daß die conservative Partei, mit welcher die Regierung die engste Fühlung zu erhalten entschlossen sei, nicht zu verwechseln sei mit einem Theil dieser Partei, welcher sich unter der Leitung beredter, einflußreicher Führer von der großen conservativen Partei getrennt und die Regierung in einem entscheidenden Moment im Stich gelöffelt habe. Die conservative Oppositionspartei ist bei den Wahlen vom preußischen Volke verleugnet und gerichtet worden, und ste wird schwerlich auf den Grundlagen ihrer jetzigen Bestrebungen jemals wieder zu Geltung und Macht gelangen. Es hat sich von Neuem bestätigt, daß im alten königlichen Preußen, Dank feiner Geschichte ohne Gleichen und nach den Lehren und lieber« lieferungut aller bedeutenden conservativen Staatsmänner, eine conservative Partei im Gegensätze zur Regierung unseres Königs feinen fruchtbaren Boden findet. Je mehr die bisherige conservative Partei diese Lehre aus ihrer jüngsten Niederlage zieht und von Neuem beherzigt, desto mehr wird sie hoffen können, bei den weiteren Entwickelungen des inneren Staats- lebenS wieder zu höherer thatsächlicher Geltung zu gelangen. Die conservative Partei an und für sich kann und wird nicht untergehen: um den alten festen Mittelpunkt des preußischen Königthums werden alle wahrhaft conservativen Elemente deS Landes sich auf'S Neue sammeln, um die Aufgaben, welche eine gewaltig« Zeit unserem Staate gestellt hat, unter Hochhaltung
„AIS die Schlächterei im vollsten Gange gewesen, hatte Lionel sich mit einem Schuß im Bein falvirt und war so weit von hinnen geflüchtet, wie möglich, damit wenigstens Einer uns Kunde geben könne, lieber den Grath war der alte Bursch auf dem Bauch gekrochen, um uns von droben, wenn wir ansegelten, ein Signal zu geben. Allein dazu hatten steine Kräfte nicht genügt; er hatte in stundenlanger Ohnmacht gelegen und war eben erst wieder zu sich gekommen, als er auch schon die Stengen des Feuerstrahls in den Felspaß treten sah und uns anrief, so laut er'S vermochte."
„Von den Plänen deS Conde wußte er nur zu sagen, daß man, bevor das Plündern und der Kampf begonnen, die am Lande Gebliebenen zu verführen suchte, sich der Mannschaft der Teresa anzuschließen und mit ihnen nach irgend einem südamerikanischen Hasen zu gehen, wo man im Kampf gegen die Spanier sicher auf's Beste willkommen war. DaS brauchte ich freilich nicht mehr zu erfahren, da ich es wußte. Denn ich hatte früher gegen den Conde wohl hie und da einen Wink fallen lasten über meine eigenen, ähnlichen Absichten. Und wohin wollte auch die Bande? Durch daS Leben mit uns hatte er sich jeden ehrlichen Hafen verschlossen. Rur dort bei den Aufständischen konnte er noch Aufnahme, in einer der abgefallenen Städte vielleicht einen Wohnort finden. Aber er schien auch nichts weiter zu wollen. Teresa war ihm die Welt, wie sie'S mir gewesen.
„Ich ließ den Alten hinunterschaffen; daS Schiff ward zurückgerufen und wir gingen an Bord. Das war rasch geschehen, mitzunehmen hatten wir nichts — es war nichts da, als wir selbst. Und als wir ander Bai gingen, blieb am Lande nichts zurück als die Bäume und Pflanzen, der Sonnenschein und der See-