1878
Marburg, Sonntag, den 16. November.
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und schlagenden Ausdruck gab. Die mit der Liquidation der römischen Klostergüter betraute Commission setzt ihre Arbeit mit großer Raschheit und ohne irgend welchen beträchtlichen Widerstand fort.
Der historische Verlauf, der zur gegenwärtigen Lage Frankreichs führte, ist folgender: Am 7. wurden in den fünfzehn Bureaux die Ernennungen für die Mitglieder deS AuSschuffeS zur Prüfung von Changarnier'S Antrag auf zehnjährige Verlängerung der Vollmachten Mac Mahon'S vorgenommen; von zwölf Bureaux wählten fünf gegen, sieben für den Antrag. Am 8. wählten die zurückgebliebenen drei Bureaux sämmtlich gegen de» Antrag, so daß die Majorität dadurch der ßinten' zufiel und das Ver- hältniß 8 zu 7 war. Schon sogleich am Morgen des 8. reichten simmtliche Minister ihre Entlassung ein, aber Mac Mahon erklärte sie zu Besitzern seines Vertrauens, und sie beschloßen nun, ihre Portefeuilles bis nach ausgetragener Sache zu behalten. Am 9. wohnte Mac Mahon mit sämmtlichen Ministern und mehr als 400 Deputirten in Versailles dem Gottesdienste zur Erleuchtung der Arbeiten der National- Versammlung bei. An demselben Tage erklärte sich das Organ von ThierS, „Le Bim Public", für die Berufung ans Volk, da man aus einer durch die Umtriebe der Reaction geschaffenen „revolutionären Lage" nur durch ein „revolutionäres Mittel" herauS- kommen könne. ThierS wollte mit dieser Concesston Rouher anziehen, der für daS Plebiscit ist und überhaupt wieder eine zwar maskirte doch sehr eiikfluß- reiche Rolle in der jetzigen Phase spielt. Am 11. nahm der Fünfzehner-Ausschuß mit 8 gegen 7 Stimmen den Antrag Casimir Perier'S an, welcher die Abstimmung über die Vollmachtsverlängerung mit der Abstimmung über die constitutionellen Gesetze verbinden und die betreffenden Beschlüße in der ersten Hälfte des Januar erzielen will. Der Ausschuß beauftragte zugleich seinen Vorsitzenden, Remusat, eine Audienz bei Mac Mahon nachzusuchen. Remusat ward vom Marschall Präsidenten empfangen und verabredete eine Conferenz deS Ausschußes mit dem Chef der Executive, welche dann am 12. Statt gefunden und die Vereinbarung sichtbar gefördert hat.
sich ausgesprochen. In Stuttgart hat die Regierung selbst das Eingehen des auswärtigen Ministeriums für Würtemberg beantragt und zugleich eine $er- faßungS - Revisionsvorlage eingebracht, durch welche verschiedene veraltete Beschränkungen der würtem- bergischen Landesvertretung aufgehoben werden.
Für Oesterreich iff das Ereigniß der Woche der am 11. im Abgeordnetenhause vorgelegte Gesetzentwurf über Aufnahme einer Silber-Anleihe von 80 Millionen und über die Errichtung von Vorschuß- kaffen. Die Vorschüsse sollen ausnahmsweise auf ein Jahr zu mindestens 8 pCt. gewährt werden. In seiner Begründung hob der Finanzminister besonders hervor, der jetzt vorhandenen Handelskrisis solle durch die gegenwärtige Gesetzvorlage vorgebeugt werdm; die Krisis aber hat bisher den befriedigenden Zustand der Staaisfinanzen nicht• merklich zu berühren vermocht. Trotz dieser gewagten Behauptung von der befriedi genden Finanzlage des Staates wurde die Rede des Herrn Deprctis nicht ungünstig aufgenommen, doch wird dies schwerlich verhindern, daß die Debatte über diese Vorlage einen höchst ungemüthlichen Charakter annehmen dürfte. — In Ungarn trat am 8. Novbr. der Reichstag nach viermonatlicher Vertagung wieder zusammen. Minister Präsident Szlavy entrollte ein trübes Bild der Lage, besonders der finanziellen.
Die schweizerische Bundes-Versammlung ist rüstig- mit der bundesräthlichen Verfassungs-Revision beschäftigt, zunächst der Nationalrath. Die schwierigen neuen Artikel 18—20, welche das Heerwesen betreffen, sind vorläufig erledigt, die letzten Tage bewegte sich der Kampf heftig um den nicht minder wichtigen Schulartikel (Art. 25), der insbesondere die Eman zipation der Schule von der Kirche im Auge hat.
In der frühern Hauptstadt deS Königreichs Sardinien ist am 9. d. M. das Denkmal des Begründers der i t a l i e n i s ch e n Einheit, des Grafen Camillo Cavour, eingeweiht worden. Außer dem Hauptvertreter des königlichen Hauses und des ganzen offiziellen Italiens wohnte die bei der italienischen Re gictung beglaubigte Diplomatie und ein ganzes Bataillon der römischen Nationalgarde dem Feste bei, das der fest begründeten 'nationalen Einheit einen recht beredten
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Ei« Schrei.
Novelle von Edmund Hoefer.
(Fortsetzung.)
„Darüber verständigte ich mich schon während der ersten Nacht mit meinem Steuermann, und wir kamen überein, den Gesellen auf diese und jene Stelle zu bringen, bis wir seinen richtigen Platz gefunden. Es sand sich auch bald eine Gelegenheit. Die „Teresa" hatte im Gefecht einen ihrer Officiere verloren; ich schickte einen von meinem Bord hinüber und ließ den Heinrich Paulsen, so nannte sich unsre Requisition — bei mir in eine OsficierSstelle rücken. Es ging noch bester, al« wir gedacht; der Bursch hätte in jedem Eeedienst der Welt Ehre eingelegt. ES war ent- schieden ein Seemann ersten Ranges, wenn auch der kleine Dienst ihm nicht ober doch weniger geläufig war und ein Schiff zu führen verstand Niemanv besser als er. Und in den acht Wochen unseres diesmaligen Kreuzens ward er auch im kleinen Dienst so gewandt, daß er auf jedem Posten zu verwenden gewesen wäre. Lernen konnte man was böi uns.
„Auch im Uebrigen", fuhr der Kapitän nach einem tiefen Zuge aus seinem Glase fort, „schickte sich der Mann zum Officier, wenn auch nicht grabe bei uns. Er hatte etwas Vornehmes an sich, äußerlich nicht nur, fonbern auch im Innern stolze Manieren unb kühles Wesen, unb wie freundlich und kameradschaftlich et auch mit der Mannschaft verkehrte — überall zeigte sich'S, daß er nicht zu ihnen gehörte, zumal er auch durch eine tüchtige Schule gelaufen sein mußte, da er sich allenthalben daheim zeigte, so daß er selbst die Besten von unS übersah. Haß erweckte er dadurch nicht — er blieb, wie gesagt, kameradschaftlich und stet« in den Schranken seiner Stellung; allein übersehen ward sein Wesen nicht, und bald hieß er an Bord allgemein nur et Conde das heißt: „der Graf", »ein Junge.
und leben, wo ich wollte. Denn ich will Euch was sagen, mein Junge", unterbrach er sich und schaute mich ernst an — „so sehr ich auch Seemann war und so wenig ich mir sonst auS den Gefahren machte, die' es grabe bei meinem Geschäft gab — wenn mau so glückselig ist, wie ich dazumal, sehnt man sich nach einigem Bestand seines Glücks, nach Ruhe, und Beides gab es aus diese Weise für mich nicht, wo, wie ich wissen mußte, im Fall eines Unglücks für mich überall eine Schlinge am Rock parat war. Und das ist ein verflucht kitzliches Gefühl, Knabe, zumal für einen Hais, der sich gern von ein paar weichen Armen um- fchlingett läßt.
„ES war da« .so' Stil bei uns — »ernt wir Neulinge an Bord 'hatten, segelten wir die Klippen vor unfern Hafen stets zur Nacht an, traten Morgens früh in daS enge Fahrwasser zwischen ihnen, ließen bann bis zum Abenb wieder den Anker fallen und gingen erst in der nächsten Nacht in den Hafen selbst hinein. So ,blieben die Meisten über den Ort im Unklaren, unb nur wir Offiziere unb ein paar alte Gesellen wußten genau Bescheid. Bis ein Neuer ein» geweiht wurde, darüber konnte lange Zeit vergehn und er mußte erst seine vollen Proben abgelegt haben. Nur auf diese Weise konnten wir unS sicher halten und waren'S bisher geblieben. Es war, wie Ihr Euch selber sagen könnt, kein Spaß damit; Überall saßen unS die verdammten englischen Kreuzer auf den Hacken, und vor Verrath der eigenen Genossen konnte man nie ganz ruhig sein. So aber wußten sie nichts, ober nicht genug, unb ließen ben Verrath hübsch bleiben".
„Unb fürchtetet Ihr nie, daß ein Fremder sich bei Euch anwerben ließ, nur um Euch und Eure Schlupfwinkel auszuforschen?" fragte ich, indem ich an irgend einen Roman dachte, wo ich einmal sy EtwaS gelesen.
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Politische Wachcn-Uekerficht.
Am Mittwoch wurde der neue preußische Land tag zu seiner ersten Session Namms des Kaisers und Königs durch Herrn Camphausen, als den nunmeh men Vicepräsidenten des Staatsministeriums mit einer ton parlamentarischen Elemente warm entgegenkommen- dm Thronrede eröffnet. Die Genesung deS Kaisers schreitet zwar regelmäßig, doch bezüglich der Hebung des Allgemeinbefindens leider nur langsam fort, so daß der- Wbe sich die persönliche Landtags Eröffnung zu seinem Bedauern versagen mußte. Dagegen sind die Allerhöchsten Erlasse wegen Uebertragung der preußischen Minister Präsidentschast an den Reichskanzler Fürsten Bismarck und der Vice-Pristdentschaft an den Finanz Minister Camphausen am Montag vollzogen worden. Inzwischen ist denn auch General v. Kameke als wirklicher Kriegsminister an Stelle des sich gänzlich zv- rückziehenden Grafen Roon eingetreten. In ben Reihen der Bischöfe scheint einige Neigung zum Ein- lenlen sich einzufinden. In Oldenburg haben in Folge Concessionm des Bischofs von Münster 16 Geistliche unter Leistung deS geforderten staatlichen AmiSeidS die lange verzögerte definitive Anstellung erhalten, und in Schlesien hat der Fürstbischof von Breslau für die Gemeinde Lähn bas Falk'fche Gesetz durch Anzeige an den Ober Präsidenten — ausnahmsweise — in Anwendung bringen helfen. Was hier auSnahms- «eise zulässig befunden wurde, dürfte bei fortgesetzter Festigkeit der Regierung bald allgemein werben I In Hachsen verwahrt sich, aus Anlaß einer Interpellation des Abg. Lubwig, bie Regierung bargen, baß bic »aticanischm Dekrete im Laube verkündet worben seien und Geltung hätten. In München und Stuttgart herrscht auf ben bortigen Landtagen die nationale Politik vor, und zwar mit Entgegenkommen der Regierungen. In München, wo die Fortschrittspartei Mb ihre Freunde gegenwärtig die Majorität haben, hat im Gegensätze zu dem zweideutigen Auftreten der sächsischen Regierung und ersten Kammer die baierische Kammer der Abgeordneten mit unumwundener Zustimmung deS Justizministers Fäustle (am 8. Nov.) auS eigener Initiative (Antrag Herz-Völk) für die bekannte LaSker'sche Erweiterung der Reichscompetenz
Mich selbst zog eS bald gor besonder« zu ihm; ich weiß nicht, war es fein Wesen und Behagen, seine Tüchtigkeit als Seemann, sein fester Muth und seine eiserne Entschlossenheit bei allen Vorfällen oder ent« lich seine Menschlichkeeit nach dem Kampf, mit der er meinen Willen unterstützte. Denn eS gab bei uns noch immer genug wilde Gesellen, deren Hauptplaistr im Blutvergießen, im Hinschlachten, in thörichten Grau sarnkeiten bestand, und die nur mit Gewalt davon zu- rüözuhalten waren. Dagegen stand er mir und den Meinen wacker zur Seile. Genug, ich hätte ihm gern schon vom ersten Tage an vertraut, und ich thesi es wirklich beinah, al« wir erst einige Zeit mit einander gefahren waren.
„Nur in einem Punkt hatten wir endlich noch ein Geheirnniß vor einander; ich erfuhr einen Theil seiner Vergangenheit nicht, und er kriegte nicht zu wissen, daß ich ein Deutscher fei. Weßhalb? Das weiß ich eigentlich nicht zu sagen, es müßte denn sein, daß mir sein Gesicht zuweilen bekannt erscheinen wollte, ohne daß ich jedoch anzugeben vermocht hätte, wo, wann und bei wem ich diese Züge einmal schon gesehen. Am Ende dacht' ich auch nicht viel nach; Ihr wißt wohl selbst, wie leicht man Ähnlichkeiten findet. Hier in dem Nest läuft mehr als ein Gesicht umher, daS ich vor Zeiten an Orten gesehen, von denen der hiesHx Besitzer desselben nie auch nur ben Namen gehört'^
„Wir -fuhren 'nach achtwöchigem Kreuzen unb nach einigen weiteren Juten Fängen wieber nach Haus, schwer beloben unb in ber besten Laune von ber Welt; es war kein Mann an Bord, ber nicht zufrieden gewesen mit dem Erfolg und mich erhoben sie bis in ben siebenten HimmeiL Mir selbst war zu Muthe, als sei ich bereits barin* ich ging meinem Weibe entgegen , unb wenn ich' noch eine ober zwei ähnliche Fahrten machte, konnte' ich mich zurückzuziehen suchen
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