Marburg, Sonnabend, den 15. November,
1873
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eine Vorlage der Regierung, Gesctzversammlung 14 Tage
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die kräftige Unterstützung der Landesvertretung rechnen dürfe. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß der Beifall, welchen die Landesvertretung den Kundgebungen der Regierung gezollt hat, in dem gesammten Volke einen lebhaften Wiederhall finden wird. Namentlich dürfte der Geist des vertrauensvollen Entgegenkommens und der Versöhnlichkeit,, der aus jeder Zeile der Thronrede hervorleuchtet, nicht verfehlen, einen tiefen wohlthuenden Eindruck im Lande zu machen.
— 13. Nov. Das Herrenhaus ernannte in seiner heutigen Sitzung, nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheit, seine Schriftführer, und vollzog die Constituirung der Abteilungen und mehrerer Commissionen. Ein Antrag von Lippe, wonach die in einer vorhergehenden Sitzungsperiode bei einem der Häuser des Landtags unerledigt gebliebenen Gesetzesvorschläge, der Staatshaushaltsetat ausgenommen, innerhalb derselben Legislatur-Periode bei dem nächsten Zusammentritt des Landtages von demjenigen Hause zu berathen sind, bei dem sie anhängig blieben, und
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dem auswärtigen Amt an seinen Nachsolger ergangene Befehl, auf Grund dessen dieser den Herrn Felix Gi- raud, Handlungsgehilfen des deutschen Hauses EhlerS, aus den Händen der Junta zu Cartagena gewaltsam befreit hat."
Sigmaringen, 12. Nov. Von dem Criminal- rath wurden in der gestrigen Sitzung wegen Zuwiderhandlung gegen das Gesetz über Anstellung von Geistlichen der Erzbisthums-Verweser Kübel in Freiburg zu 200 Thlrn. eventuell 40 Tagen, der Pfarr Verweser Stopper in Bärenthal zu 10 Thlrn. eventuell 2 Tagen Gefängniß verurtheilt.
Darmstadt, 13. Nov. In Folge eines Antrags des Abgeordneten v. Rabenau ist der zweiten Kammer ein Gesetzentwurf vorgrlegt worden, welcher die Betheiligung von Beamten an der Verwaltung von Erwerbs Gesellschaften von der Genehmigung der Regierung abhängig macht und, wenn mit jener Betheiligung ein Vermögens-Vortheil verknüpft ist, dieselbe ganz untersagt. Der Gesetzentwurf geht insofern weiter als die betreffende Bestimmung des Reichsbcamten- Gesetzes, als er sich auch auf sogennannte Gründungs- ComiteS erstreckt, und ferner die Bestimmungen enthält, daß auch Pensionäre zum Eintritt in die Verwaltung von Erwerbsgesellschaften unter Umständen der Genehmigung der Regierung bedürfen. Rückwirkende Kraft soll der Gesetzentwurf nicht haben. — Die zweite Kammer genehmigte den Staatsvertrag mit Preußen wegen des Baues einer Eisenbahn von Mainz nach Wiesbaden, bezw. der Pinie Frankfurt- WieSbaden-Camberg.
Stuttgart, 11. Nov. Am kommenden Freitag wird hier eine Bürgerversammlung stattfiuden, in welcher der Reichstagsabgeordnete der Stadt, G. Müller, seinen Wählern Rechenschaft ablegen und ohne Zweifel auch andere Reichstagsabgeordnete über die letzte Berliner Session Bericht erstatten werde». Ursprünglich nur in retrospectiver Absicht eingeleitet wird diese Versammlung zugleich als Anfang des neuen Wahlfeldzuges dienen. Vom Ministerium des Innern ist Weisung an die Oberämter ertheilt, die Ausstellung der Wahllisten derart zu beschleunigen, daß die Wahlen zwischen Weihnachten und Neujahr vorgenommen werden können. ES scheint, daß die verschiedenen Parteien von dieser Nähe des Wahltermins
Gesetzeskraft erhalten, wurden an die Justiz-Commission verwiesen. Der Termin der nächsten Sitzung ist unbestimmt.
— In Sachen des CapitänS Werner theilt Folgendes die „Augöb. Allg. Ztg." mit: „DaS gegen den Capitän Werner eingeleitete kriegsgerichtliche Ver fahren wegen seines Verhaltens in den spanischen Ge wässern scheint für den Angeschuldigten einen günsti- gern Verlauf genommen zu haben, als sich nach den tendenziösen Darstellungen der „Nordd. Allg. Ztg." erwarten ließ. Nachdem, was über die dem Herrn Werner ertheilten Instructionen bekannt geworden ist, wäre auch eine Verurtheilung desselben wegen ver meintlicher Unbotmäßigkeit schwer zu begreifen, da alle seine Handlungen doch nur auf den Schutz der deutschen Interessen hinausliefen, deren Wahrungen seine Instructionen ihm zur Pflicht gemacht hatten. Wie wenig die Reichsregierung bei Ertheilung dieser Instructionen sich von dem Gedanken hatte leiten lassen, daß der Ches des deutschen Geschwaders den Vergewaltigungen der Deutschen durch spanische Aufrührer mit verschränkten Armen zusehen solle, beweist der von
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Deutsches Reich.
Berlin, 13. Nov. Wenn auch das Ceremoniell der gestrigen Eröffnung des Landtages in Folge der durch Unpäßlichkeit nölhig gemachten Abwesenheit Sr. Majestät des Kaisers weniger feierlich war, als eS sonst der Fall zu fein pflegt, so ist doch das ganze Boll ebenso wie seine Vertretung von der hohen Bedeutung gerade deS diesmaligen ActeS tief durchdrungen. Nicht nur haben die Neuwahlen die Physiognomie des Hause« so sehr verändert, daß der Schwerpunkt aus dm Händen der konservativen Partei in die der liberalen übergegangen ist, weshalb zum ersten Male »ieder seit einer langen Reihe von Jahren der Versuch gmiacht werden muß, ob die liberale Majorität bereit sein wird, die Regierung ebenso zu unterstützen, wie die frühere Majorität zum Wohle des Vaterlandes eS gelhan hat: sondern die äußere wie die innere Lage des Staates läßt auch ei» einmüthigeö Zusammen- gehen der Landesvertretung und der Regierung wün- schenSwerther erscheinen denn je. Die Regierung er strebt und wünscht ein solches Einventehmen ihrer ausdrücklichen Erklärung zufolge auf das Lebhafteste und zweifelt nicht an der Erfüllung dieses Wunsches, da sie so wenig Grund hat, in der liberalen Majorität eine oppositionelle zu sehen, daß sie vielmehr den Aus- s-ll der diesmaligen Wahlen für eine Zustimmung des Volkes zu der von ihr bisher befolgten Politik zu halten sich berechtigt glaubt. Das Bestreben der Regierung ist von jeher darauf gerichtet gewesen, eine Abschwächung der schroffen Parteigegensätze zu erzielen; der von ihr strikt inne gehaltene Standpunkt hat ein so besriedigendeS Resultat ergeben, daß sie nur in der auti-nationalen Partei die unversShnliche Oppositionspartei erblicken darf, »ährend der nationale Gedanke die Basis einer Verständigung mit allen übrigen Parteien an die Hand giebt. — Diejenigen Stellen der Thronrede, in denen die Regierung erklärt, daß sie entschlvffen ist, die in der Gesetzgebung betretene» Bahne» ruhig und fest weiter zu versolgen, sowie diejenigen, welche die finanziellen Fragen und den Conflict nut der römischen Kirche berühren, wurden von der Versammlung mit großem Beifall ausgenommen, der sich zu der lebhaftesten Zustimmung in dem PassuS steigerte, in welchem die Regierung die Ueberzeugung ausspricht, daß sie in dem Kampfe gegen die Uebergriffe der Hierarchie auf
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Ei» Schrei.
Novelle von Edmund Hoefer.
i (Fortsetzung.)
„Wißt Ihr," ur»erbrach er sich und legte die Arme auf den Tisch und sah mich forschend an, „wißt Ihr, »vran ich zumeist denke, wenn ich mir diese Historie einmal wieder recht in's Gedächtniß rufe? Seht das ist nicht daS allmächtige Glück, das mir damals auf« zugehen schien, wie ein ganzer glorreicher Frühlingstag, sondern daS ist das Grübeln: Wie sah es in ihr aus, al« sie sich mir so an den Hals warf? War eS Wahr Veit, war sie es selbst, ihr Herz und ihre Seele, was sich mir enthüllte? Oder war eS eine Komödienscene? Liebte sie mich eigentlich ganz und gar nicht und hatte dabei nur irgend einen — der Teufel weiß, welchen Zweck?
„DaS sind böse Gedanken, mein Junge, die Einem das Leben ruiniren können, wenn es nicht sonst schon tuinirt ist. Ich bin auch erst nach und nach dazu gekommen, seid ich älter ward, mir die Welt um die Ohren schlug und ich anfing nachzudenken. Damals »ar eS noch nicht so weit. Ich war ein rauher ungeschlachter Bursch, wenig im Verkehr gewesen mit honetten Leuten; ich that, ich fühlte nach meiner Natnr, nach der Eingebung deS Augenblicks, und nachdenken >hat ich gar wenig. Da war eS denn wohl begreiflich, M ich sie dazumal nicht erst lange fragte: „Wie kommt Ihr dazu?" oder: „Ist das auch gewiß und wahrhaftig so Eure Herzensmeinung?" sondern ich hielt sie in meinen Armen, und mir war, als dürften die nach solcher Herrlichkeit nie mehr Anderes halten. Dieme Augen sahen nur sie und mein Herz war voll den ihr. —
„Ich habe sie geliebt, Kamerad, unmenschlich — unmenschlich hab' ich sie geliebt!" sagte er und schlug
daS Auge zu mir auf, und eS war so groß, als ob sein nächster Blick sich in Thränen brechen würde. Aber es kam kein Tropfen, kein Hauch, sondern nur ein Lächeln, doch es war so sanft, so erinnernngStief, möchte ich sagen, so schwermüthig, daß es mich bis in's Herz ergriff und mir ward, als sei er wieder der wackere, mir hochwillkommene Geselle, der er vor den Begebenheiten dieses Abends für mich gewesen So was macht viel wieder gut am Menschen. Und als ich ihm in der ersten Regung meine Hand über den Tisch hinbot, ergriff er sie und preßte sie in seine harte Faust wie in einen Schraubstock.
„3a", sprach er dabei, „so ist'S wahrhaftig ge wesen; und es war das waS Andres, als wen» Einer von Euch ehrbaren Leuten sich eine Frau nimmt und sich vom Pastor mit ihr die Hände zusammensplissen läßt, und sich mit ihr lieb hat, wie'S im Buch steht. Und wenn Jemand sich an ein Weib hingt und ihm nachläust, Jahr ein und aus, und Unsinn »macht und für sie Alles in die Schanze schlägt — das mag schon seine Art haben. Aber gegen das bei mir dazumal kommt'S so wenig auf, wie Eure Sonne hier zu Lande gegen die, welche dort Himmel und Erde und See mit Feuer füllt. So was läßt sich nicht schildern, nicht malen.
„Alles um mich her war anders — lauter Duft und Glut. Ich träumte nicht — den Teufel auch, ich wußte wohl, daß ich lebte; aber ich kam wir wie ausgetauscht vor, es schien mir nicht möglich, daß ich »och derselbe Mensch sei wie vordem. Wa« ich sprach — eS war anders; waS ich that und trieb, e« hatte eine andre Manier — es flog, es sprang, eS blitzte Alle« nur so hin. Ich war wie in einem steten Rausch, wenn ich bei ihr war, und wenn ich mit dem Schiff und den Gesellen zu einem neuen Zuge
auSlief und meine klaren fünf Sinne beieinander haben und — so zu sagen — aufwachen mußte — da halt' ich keinen Katzenjammer, wie «S sonst den Trunkenen passirt, sondern war leicht und frisch, keck und froh wie ni« zuvor. WaS ich unternahm — es gelang, als ob eS nicht anders sein könne; das Schiff glitt wie eine Möve durch die jähste Bö, eS stieß wie ein Falke auf den Feind. Ich war barmherziger gegen die Ueberwundenen als je Einer meines Gleichen. Aber wir hatten auch Glück wie noch nie. Und eine lustigere, keckere, gehorsamere Mannschaft hat kein Kapitän befehligt, als meine Piraten waren. Sie beteten mich an, Mann für Mann; ich hätte sie in die Hölle führen können, ohne daß mir Einer entwichen. Aber ich führte sie nur zu Beute und Lust.
„Teresa begleitete mich anfangs ein paarmal, halb freilich gegen meinen Willen, halb aber, weil ich ihr nicht widerstehn, sie nicht entbehren konnte. Dann aber hörte das auf; sie schenkte mir einen Knaben, und ich lernte auch einsehen, daß diese Fahrten nichts für sie seien, sie waren zu gefährlich; und ich liebte sie mehr von Tag zu Tag, jeder Tropfen ihres Blutes war mir lieb, jedes Haar ihres Hauptes mir heilig. Wie sollte ich sie und mein Kind da leichtsinnig den Gefahren aussetzen, die uns trotz alles Glück'S doch stets umdrohten? — So blieb sie denn vom zweiten Jahr unseres Zusammenseins an mit den andern Weibern am Lande zurück, beschützt von einem Häuflein treuer altrr Gesellen, verehrt und angebetet, wie eine Königin. Und ich kann Euch das nicht beschreiben, Junge, wie mir war, wenn ich »ach einem Streifzugc zurückkehrte und de« Weibes Herz und Arme für mich geöffnet wußte! Denn Ihr könnt mir's glauben, sie liebte mich dazumal und war mein bis in den letzten Schlag ihres Herzens. Freilich", setzte er