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1873
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"scheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdrucker er) bezogen 224 Sgr., durch die Postämter 27 Sgr. lexcl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zelle 1 Sgr. — Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 24 Sgr. berechnet. — Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.
König hat durch ein Wort, das auf einen Soldaten nie seinen Eindruck verfehlt, diese meine Bitte verwirklicht, und ich bin herzlich erfreut, daß er sich dazu verstanden hat, diese arbeits- und mühevolle und, wie ich fürchte, auf die Dauer wenig dankbare Stellung in seinem Alter zu übernehmen, und ich möchte Sie bitten, die Unterstützung, die Sie dem Ministeriun! unter meinem Präsidium gewährt haben, ihm auch unter dem jetzigen Präsidium nicht zu versage»; denn es ist in der That kein anderes. Nachdem aber der bisherige Minister Präsident FeldmarschallGrafvonRoon aus dringenden Gesundheitsrücksichten nunmehr sein Abschiedsgesuch angclegentlichst erneuert hatte und Se. Maje stät ihm die Entlassung nicht ferner zu versagen vermochte, trat von Neuem der lebhafte Wunsch in den Vordergrund, daßFürstBismarck selbstdasPräsidium wieder übernehme. Es konnte dies selbstverständlich nur geschehen, wenn ihm die unerläßliche Erleichterung, welche er zuvor nur in der Niederlegung des Präsidiums finden zu können geglaubt hatte, durch eine andere Einrichtung im Präsidium selbst, durch eine wesentliche Abbürdung der Geschäftölast desselben gewährt wurde. In solcher Absicht ist neben dem Präsidenten des Staats-Ministeriums noch ein Vize-Präsident desselben eingesetzt und zu dieser Stellung der Finanz-Minister Camp Hausen miter Belassung an der Spitze der Finanz- verwallung berufen worden. Es handelt sich bei dieser Einrichtung vor Allem darum, dem Reichskanzler die obere Äitung der preußischen Verwaltung im Zusammenhänge mit der Reichspolitik 311 ermöglichen, ohne daß die tägliche Sorge und Verantwortung für die mannichfachen besonderen Aufgaben des preußischen Ministeriums seine Kraft zersplittere und aufreibe. Der Präsident des Staats-Ministeriums wird der preußischen Verwaltung auch ferner Ziel und Richtung in Uebereistimmung mit den Ausgaben der allgemeinen Politik anweiscn; dem Vize-Präsidenten wird im steten Einvernehmen mit dem Präsidenten die bedeutende und ehrenvolle Ausgabe zufallen, den Gang in allen Zweigen der Vcrwalttung in steter Harmonie mit den leitenden Gesichtspunkten und den Erfordernissen der Gesammtpolitik zu erhalten.
— 12. Nov. Bei der Eröffnung des Landtages
waren etwa 300 Mitglieder gegenwärtig. Der königliche Hof und die Diplomatie waren nicht vertreten. Das Ministerium erschien unter Vortritt Camphausens um 12 Uhr. Die bereits auszüglich mitgetheiltc Thronrede lautet vollständig: „Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden Häusern des Landtags! Se. Majestät der Kaiser und König haben mir den Auftrag zu ertheilen geruht, den Landtag der Monarchie in allerhöchst ihrem Namen zu eröffnen. Se. Majestät bedauern lebhaft, diesen bedeutungsvollen Act nicht allerhöchst selbst vollziehen zu können, um so mehr, als das Hans der Abgeordneten aus neuen Wahlen hervorgegangen ist. Namens Sr. Majestät spreche ich den Wunsch und die Hoffnung aus, daß der Staatsregierung bei der weiteren Durchführung ihrer wichtigen Ausgaben die vertrauensvolle Unterstützung des Landtages nicht fehlen und der Ernst und die Gemeinschaft des Strebens zur Quelle segensreicher .Entwicklung der Staatseinrichtungen werde. In der Stimmung, welche bei den jüngsten Wahlen entscheidend gewaltet hat, glaubt die Regierung Sr. Majestät den Ausdruck der Billigung der in der Gesetzgebung betretenen Bahn finden zu dürfen; fie ist entschlossen, diese Bahnen ruhig und fest weiter zu verfolgen. Aus dem Entwürfe zum Siaatshaus- Haltö-Etat für 1874 werden Sie ersehen, daß die Finanzlage Preußens eine durchaus befriedigende ist. Die Staatsschuld ist durch die Finanzmaßregeln der letzten Jahre beträchtlich vermindert worden. Ein er hcblicher Ueberschuß steht aus dem abgelaufenen Finanzjahre zur Verfügung. Durch die Erleichterung in den Steuerleistungen der untersten Volksklassen wird allerdings mit dem nächsten Jahre ein Ausfall in den Einnahmen eintreten und weiter führt die Steigerung der Arbeitslöhne und des Preises fast aller Materialien zu einem Anwachsen der Ausgaben, welches bei wichtigen Zweigen des StaaiSeinkommeuS die Erträge schmälert. Gleichwohl lassen die zur Verfügung stehenden Mittel cs zu, auch für das Jahr 1874 den hervorgetrclenen erweiterten Bedürfnissen auf allen Gebieten der Staatsverwaltung in reichem Maaße gerecht zu werden. Insbesondere wird es möglich sein, große Summen für die Verbesserung der dem
Deutsches Reich.
Berlin, 12. Nov. Die heutige „Prov.-Corresp." schreibt über die vorgegangene Veränderung im Prä sidium des Staatsministeriums: „Do hat denn der Reichskanzler Fürst Bismarck, nachdem er unterm 21. Decembcr v. I. auf seinen Antrag von dem Vorsitze jm Staatsministerium entbunden worden war, nun mehr auf den Wunsch des Kaisers uuh Königs denselben wiederum übernommen. Se. Majestät hatte bereits tu dem Schreiben vom 1. Januar d. I. an dm Fürsten ausgesprochen, mit wie schwerem Herzen er dem Anträge desselben gewillfahrt habe, wie er aber nach der geistigen und körperlichen Anstrengung, welche in den zehn Jahren dieser Stellmrg von ihm verlangt worden, nicht habe anstehen können, dem Fürsten die beantragte Erleichterung zu bewilligen. Wenn der König genehmige, daß derselbe die mit so sicherer und fester Hand geführte Verwaltung Preußens niederlcge, so werde er mit derselben doch unter Fortführung der politischen Aufgaben Preußens in Verbindung mit dmcn der deutschen Reichskanzler Stellung in engstem Zusammenhänge bleiben. Se. Majestät sprach schließ lich den Wunsch aus, daß die dem Fürsten gewährten geschäftlichen Erleichterungen die Kräftigung seiner Gesundheit sichern möchten, damit er noch länger dem engeren und weiteren Vaterlande seine bewährten Dienste widmen könne. Der Feldmarschall Graf von Roon wurde in Ucbereinstimmung mit den Wünschen des Fürsten Bismarck damals mit dem Präsidium des Staatsministeriums betraut. Der Fürst äußerte' sich über diese Aenderung am 25. Januar d. I. in folgen dm Worten: „Der jetzige Minister-Präsident ist mein ältester College, er ist mein Freund von meiner frühesten Jugend her, zwischen uns ist volle Offenheit und gegenseitiges Vertrauen. Ich bin vollständig überzeugt, daß er seinerseits das Minister-Präsidium nicht weiter führen möchte, wenn er die Wetterführung um den Preis eines politischen Bruches mit mir erkaufen sollte."----„Ich habe Se. Majestät den
König sehr lange bitten müssen, ehe mir die Eileich- terung gewährt wurde; ich habe den jetzigen Minister- Präsideuten sehr lange bitten müssen, daß er sein Abschiedsgesuch zurücknahm, und Se. Majestät der
Ei« Schrei.
Novell« von Edmund Hoefer.
(Fortsetzung.)
„Als ich am achtzehnten Tage Morgens vor der Sonne aus's Deck taumelte, wo die Wachen betrunken lagen, war mit'S, als spürt' ich einen leisen Hauch. Ich schrie nicht — ich heulte auf vor Entzücken, so daß die halbe Mannschaft mir nachstürzte und dann in einen gleichen Schrei ausbrach. Denn ja — es regte sich die Luft! — Und als ich dann zu Mast lief und vom MarS meinen Ausguck nahm — da sah ich drüben in Nord Nord ost eine schwere, mählig aussteigende Bank, .und grade vor ihr her kam mit allem Tuch, das es tragen konnte, ein Schiff.
„Mein Ruf, mit dem ich das meldete, wirkte wie ein Donnerschlag, so schrieen sie auf, so stürzten sie en die Arbeit. Die Kranken waren gesund, die Trunkenen nüchtern, und in zehn Minuten waren alle Segel gesetzt und die Karronadcn geladen und schuß- sertig und die Waffen parat. Und wär'S eine Fre gatte gewesen — diesmal hätten wir sie angegriffen. Wir mußten einen Kampf haben und — Blut, Blut!
„Aber eS kam keine Fregatte — es war unser Spaniole, wie er leibte und lebte, wie man ihn uns beschrieben. — Und da faßte auch uns die Brise, der Schoner folgte dem Steuer, wir kamen los von dem derfluchten Fleck und zu ihm hinan, der sorglos niederkam.
„Ich seh es noch, wie er in seinem stetigen Lauf schwankte, als ihm unser erster Schuß über die Spieren fuhr, damit er beilege. Doch er fuhr wieder stetig weiter und die englische Flagge ging in die Höhe. Allein das irrte unS nicht; unsere nächste Kugel kostete ihn die Fockraa und die Leesegel kamen herunter wie dne Wolke. Aber wenn wir ihn damit zu haben gedachte», hatten wir arg in die Kohlen geschlagen. Zm Nu hatte er gewendet und daS Wrack vom Halse,
und dann lief er hin vor der sich stets frischenden Brise, so stolz, so leicht, daß wir wohl sahen, wie Don Christobal so unrecht nicht hatte; das Schiff war edel und seine Mannschaft mit ihrem Kapitän so brav, wie eine auf der Welt.
„Zu einer andern Zeit hätt's mich ihrer jammern können, aber damals war auch ich nur voll heißer Gier. Und unser Schoner war jetzt auch lebendig und that, was in seinen Kräften stand. Dagegen konnte denn kein ander Schiff aufkommen. Und dennoch jagten wir ihn vom Morgen bis zum Mittag, vom Mittag bis zum Abend, und vom Abende wieder bis zum Morgen, ohne ihn recht fassen zu können, denn es war ein trefflicher Segler. Doch am folgenden Morgen erreichten wir ihn mit unserer langen, achtzehnpfündigen Karronadc, knickten ihm eine seiner Federn nach der andern, und eine Stunde nach Sonnenaufgang hing er matt an unfern Enterhaken.
„Ich will Euch nicht-davon erzählen. Die Zeit vorher hatte uns erhitzt; die Jagd hatte uns nicht abgckühlt. Der Spaniole ergab sich auch nicht wie ein seiger Hund, sondern wehrte sich mannhaft. Und bei uns war Niemand, der da kalt geblieben. Kurz, es war eine Stunde voll Blut, und es blieb nicht ein Leben an seinem Bord von Allen, die wider uns gekämpft. Das habe ich öfter erlebt — und dabei wär nichts, das mich dran besonders gedenke» ließe. Es war ein Spiel: Du oder ich — und so war's wett. Aber nun!" —
Er holte tief Luft und schwieg einen Augenblick.
„Als es still droben war, als das Geschrei, das Schießen und Klirren verstummt war, da kam von unten ein gellender Ruf, und indem fiog es schwarz die Leiter herauf, und auf dem Verdeck stand ein Weib in dunklen Gewändern — glühend — entsetzt — zitternd vor Schreck und Angst — ein paar wilde Gesellen stürzten hinter ihr drein — und sie sah wild
nach dem Blut und den Leichen, und sie sah entsetzt auf die wilden, geschwärzten, blutigen Bursche umher, und indem heftete sich ihr Blick auf mich, und mit einem neuen Rus stürzte sie sich durch die Menge und warf sich mir zu Füßen und umschlang meine Kniee und drückte das Gesicht dagegen — „Don Jorge!" rief sie stöhnend, „Don Jorge!"
„Wie durchfuhr es mich! ES war Donna Teresa, die Gattin eines deutschen Kaufmanns in Cadix, in dessen Hause ich auf zwei meiner frühem Fahrten mit meinem Kapitän oft genug gewesen und daselbst sehr viel Gutes empfangen hatte. So waS vergißt ein armer Matrose nicht.
„Hätt' ich mich besonnen, ich weiß nicht, was geschehen ; denn klug war meine Einmischung nicht. Ich riß mich los und warf mich vor sie und schrie den wilden Burschen entgegen: „Wehe dem, der sie anrührt! Dies Weib ist mein!" Und in der einen Pistole hatte ich noch einen Schuß und mein Degen war noch scharf. So stand ich vor.ihr, und bei Gottes Donner, ich hatte nicht im Sinn zu spaßen.
„Da stellt sich der Kapitän vor mich hin, mit untergeschlagenen Armen, mit höhnischem Gesicht — ich seh' sie noch die böse, mit Blut besudelte Fratze — und so starrt er mich an, ganz stumm, waö die Stimme anbelangt, aber die Augen lebendig wie leibhaftige Teufel. Und endlich sagte er: „Ei, ei, Don Jorge, was Ihr für charmante Bekanntschaften habt — hätt's Euch gar nicht zugetraut!"
„Damit schweigt er zwar wieder, allein ich merk' es schon, wohinaus es mit den Worten soll, und ich spreche auch kein Wort, sondern halte nur mein Pistol fest in der Hand, den Finger am Drücker. DaS sieht er, fein Gesicht färbt sich noch röther, die Stirne runzelt sich noch mehr, und mit einem Male bricht er aus: „Aber, mein Bursch, neue Moden führst Du hier nicht ein. Bekanntschaft hin und her --