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1878

Marburg, Donnerstag, den 13. November.

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I Oberhessische Zeit»g

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täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Kochsche Buchdruckerei) bezogen 224 6gr., durch die Doitämter 27 Lar. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. - Jnsertivnsgebühr für die gespaltene Zelle 1 Sgr. — * Fgr in btt Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werben 24 Sgr. berechnet. — Sämmtliche Annoneen-BüreauS nehmen Inserate an-

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Ei« Schrei.

Novelle von Edmtlnd Hvefer.

(Fortsetzung.)

Er hlieb mitten im Zimmer stehm, und je weiter ich sprach, desto fester und drohender ruhte sein Blick auf mir. Als ich zu Ende war und noch einmal wiederholte: „Waö wollt Ihr eigentlich?" — trat er auf mich zu. Am liebsten, glaub' ich, wäre er über «ich hergesallen, so wüthend sah er auö.

Doch wagte er eS nicht oder beherrschte er sich — kurz, mit einem Mal warf er die Arme auf den Rücken, das verLchtliche Lächeln verzerrte noch einmal sein Gesicht, und er sagte: „Ja, habt recht, muß Euch erscheinen wie ein Verrückter oder ein altes Veib. Ja, was will ich? — Euch erzählen davon will ich, Bursch. Dann könnt Ihr selbst sagm, ob's Kinderspiel ist. Euch erzählen — kann doch nicht schlafen".

Und damit ging er ruhigen Schritts zu seinem Stuhl zurück, setzte sich, nachdem er noch stehend sein Tlas geleert und eine neue Cigarre genommen, schlug btt Arme über einander und sah mich eine lange Zeit sch und ernst an. Erst nach einer geraumen Pause begann er zu reden.

„Ihr wißt", fing er an, „ich bin drüben an der Küste geboren, eine« Schiffers Sohn und von jung auf bei meinem Geschäft gewesen, zuerst in Küsten- sahrern, dann zum Besuch auch '»mal nach England, bann in die Mittelländische See und endlich immer s» weiter. Als ich von meiner ersten Reise nach dem Cap zurückkehrte und wieder bei meinen Alten war, starb mein Vater, und da ich mich mit der alten Frau dicht recht vertragen konnte, ließ ich mich so bald als möglich von Kapitän Gering auf das Vollschiff „die sieben Schwestern" heuern zu einer Reise nach dem bazumal noch hispanischen Amerika. Wir hatten reinenwaaren, Porzellan und allerhand DerarttgeS l«r Fracht, was man drüben immer gerne hat.

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beim Zusammentritt der zehnten LandeS-Synode unser deutsches Vaterland noch in heißem Kampfe mit dem westlichen Nachbarvolk ringen mußte, die Wagschale der Entscheidung damals noch schwankte und e» noch im Dunkel der Zukunft lag, wie bald wir unS des herbeigesehnten Friedens erfreuen würden, können wir jetzt nur mit Dank gegen Gott darauf zurückblicken, daß er unsere Gebete in so reichem Maße erhört hat. Aber der Friede, den die streitenden Völker mit Gottes Hülfe geschloffen haben, hat uns in Deutschland leider noch nicht den Frieden gebracht, welcher zwischen Staat und Kirche und in der Kirche selbst nothwendig ist. Die Kämpfe, welche in dieser Beziehung vielfach die Gemüther bewegen, berühren uns in unserem engeren Vaterlande, Gottlob, zwar nicht unmittelbar, aber als Glied des Ganzen leiden doch auch wir mit, und eS wird zunächst unsere Aufgabe sein, mit allen Kräften uns unferen Frieden zu bewahren, damit der unselige Kampf nicht an Ausdehnung und Dauer gewinnt. Was insbesondere die evangelische Kirche angeht, so werden die jetzigen Vorgänge in der größten evange­lischen Landeskirche Deutschlands unser ganzes Interesse in Anspruch nehmen, und Das um so mehr, wenn darin der Keim einer größeren Einigung der gesamm- ten evangelischen Kirche Deutschlands gefunden werden könnte."

Breme«, 10. Rov.''Das Gesammtcomitv der internationalen landwirthschaftlichen Ausstellung hat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, an den Pro­teetor der Ausstellung, den deutschen Kronprinzen, die Bitte zu richten, bei der Eröffnung und bei der Prämienvertheilung anwesend sein zu wollen. Die Specialprogramme wurden simmtlich endgültig ge­nehmigt, und wird mit deren Veröffentlichung nun­mehr vorgegangen werden. Der vom Executivcomitö proponirte Weg zur Erlangung der Unterstützung fremder Regierungen wurde einsttmmig gutgeheißen. Herr v. Simpson-Georgenburg überraschte mit der Mittheilung, daß zwei ostpreußische Privatbahnen den frachtfreien Hin- und Rücktransport von Ausstellunzs­gegenständen zugesagt hätten. Vom Unionclub in

aber es geht nicht. So haltet Euch denn hübsch fest, daß Ihr nicht vom Stuhl fallt. Das Schiff, da» -uns nahm und Dreiviertel von uns über Bord spa­zieren und einen Besuch bei den Haifischen machen ließ, war der „Feuerstrahl", der dort zu Lande damals im weitsten Ruf stand, und die Mannschaft hatte weder mit Rheder, noch Cargadeur, noch sonst Jemand szu thun. Sie war das Alles selber. Und Ihr könnt die tollen Gesellen auch Piraten nennen, wenn es Euch so besser gefällt. Also — Piraten; und nun — er­schreckt Ihr nicht, armer Junge?"

Es war etwas wahrhaft Widerwärtiges in seinem Ton und Wesen, so etwas Verbissenes, Beleidigendes, und ich hatte aus der Zunge, ihm zu sagen: Mein guter Mann, wollen wir auch lieber nach Hause gehen? Allein er war in einer kurz angebundenen Laune und hätte nicht eingelenkt, sondern sich auf immer von mir geschieden. Und daS wollte ich nicht. Also zuckte ich nur die Achseln und meinte so gleich­gültig wie möglich: „Und was weiter, Kapitän? Beunruhigt Euch nicht meinetwegen; ich sorge am besten selbst für mich."

„Ihr nehmt'S kaltblütig", sprach er mich fixirend und nahm die Cigarre au8 dem Munde. ->

„Nun, sollte ich vielleicht anfangen zu schreien'und zu heulen?" war meine ruhige Antwort.

„Das nicht", versetzte er noch immer mit dem­selben starren Blick; „aber ist Euch daS etwas so Geläufiges — Piraten?"

„DaS nicht", sagte ich gleichfalls; „doch habe ich nach dem, was heut' Abend pafsirte, kaum etwas An­deres erwartet. Wmn Ihr einmal ein alter Sünder seid, was wollt Ihr denn viel anders gewesen sein? Dabei kommt eS nicht auf ein bischen auf und ab an".

„Da habt Ihr Recht" erwiderte er jetzt lachend, > „aber kaltblütig nehmt Jhr's, Gott verdamm'» I Und ; ich wollte, ich könnte das auch. Doch wir wollen , daS dumme Gezänk kaffen; und ich will weiter ke­

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rede gestellt ist, bemerken die „D. Nachr.": Wenn 1 dieß Schreiben nicht gleichfalls der Oeffentlichkeit 1 übergeben wirb, so ist der Grund dafür nicht sowohl i in Rücksichten der Courtoise, wie man vermeint, sondern hauptsächlich darin zu suchen, daß der Inhalt des ■ Schreibens lediglich private Beziehungen behandelt, welche ausschließlich die Person Sr. Majestät des Kaisers berühren und mit den politischen Dingen fast gänzlich außer Verbindung stehen. Man legt dem Ganzen so wenig irgend welche Bedeutung bei, daß eine nochmalige Erwiderung Seitens^deS Kaisers nicht er folgen dürfte. Die „Germania" weiß offenbar auch, daß noch ein zweites Antwortschreiben deS Papstes cxistirt. Der Papst, meint sie natürlich, habe die Unhalibarkeit der in der kaiserlichen Antwort enthaltenen Ausführungen Punkt für Punkt widerlegt, und weil diese Widerlegung eine schlagende sei, wage das Mi­nisterium nicht, dieselbe zu publicirm. — Eine Mit­theilung der „Nordd. Allg. Ztg." hierüber lautet: „Der Brief des Papstes vom 7. August ist veröffent- licht worden, weil ohne die Kenntniß deS Inhalts des- selben daS Schreiben seiner Majestät, das ein Gemein­gut der Nation werden mußte, nicht verständlich ge­wesen wäre. Wenn die „Germania" von einer Rück­antwort deS Papstes wissen will, deren Publikation sie für wünschenswerth erachtet, so bleibt eS ihr über­lassen, die Veröffentlichung ihrerseits zu erwirken."

Halle, 8. Nov. Die Frequenz unserer Univer­sität wird sich voraussichtlich auch in dem angetretenen Wintersemester wiederum steigern. Das Resultat der letzten Immatrikulationen am 4. November ergab an neuen Anmeldungen: Theologen 43, Juristen 60, Pharmazeuten 6, in Summa 299. Heber die Ver­mehrung der Lehrkräfte ist bereits berichtet worden. Zum Vertreter unserer Hniversttät im Herrenhause ist in der vorgestrigen Senatssitzung der Herr Geh. Re­gierungsrath Prof. Dr. Knoblauch gewählt worden.

Oldenburg, 8. Nov. Die protestantische Landes- Synode ist am 3. d. M. von Minister von Rössing mit einer bemerkenSwerthen Ansprache eröffnet worden. In derselben äußerte der Minister u. A.: „Während

„Die Reise ließ sich unglücklich an. Wir waren am Donnerstag Abend fertig mit unserer Fracht, waren ausklarirt und wollten am Sonnabend Anker lichten. Allein schon am Freitag Nachmittag, da der Kapitän eben noch einmal zur Stadt wollte — er hatte da einen Schatz — packte uns eine jähe Bö aus Nord- Nord West auf eine so rauhe Weise, daß wir auf der hundsfött'schen Rhede triftig wurden und nur die Wahl hatten, auf den Strand geworfen zu werden oder in See zu gehen. Das wollte Keinen von unS Allen zu Kopf und schien unS von übler Vorbedeutung, von dem HnglückStage ganz zu schweigen. So geschah eS auch. Eine schlimmere Fahrt als die damalige habe ich Zeit meines Lebens nicht gehabt. Und als wir endlich nach zwölf Wochen auf der Höhe von Cuba waren, wurden wir aufgebracht. Es war ein böser Tag voll Blut und Unglück; doch habe ich weiter nichts davon zu sagm, als daß unsrer Vier von Allen übrig blieben und gezwungen wurden, bei den wilden Gesellen einzutreten. Das hatte man uns auch nicht an unserer Wiege gesungen".

Ich weiß nicht, ob eS mir gelingen kann, dem Leser mit diesem Anfang seiner Erzählung denselben Eindruck zu machen, den er auf mich hervorbrachte. Er erzählte ganz ruhig, beinahe, aber sowohl in seinem Ton als auch in der ganzen Art und Weise war trotz bet klaren, einfachen Worte etwas gewissermaßen Dumpfes und Schweres, wenn ich so sagen darf — etwas wie eine bittere Resignation: so war's und so ward's einmal. — Ich bin überzeugt, daß diese Weise mich auch ohne den Vorgang des oben Erzählten gleich unheimlich berührt haben müßte. Und nun tarnen noch seine letzten Worte von den „wilden Gesellen" dazu; ich konnte mich nicht enthalten zu fragen: „Wer waren die wilden Gesellen, Kapitän? Wer brachte Euch auf?"

Da zuckte wieder jenes halb wilde, halb verächt» ; liche Lächeln über sein Gesicht, und er antwortete: „Ja, mein Püppchen, ich möcht's Euch gern ersparen,

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ItOfl ’ Deutsche» Reich.

in to Norlin, 11. Nov. Morgen wird eine neue Legis« laiurperiobe des Preußischen Landtags eröffnet werden Md daS neu- gewählte Abgeordnetenhaus wird den verfassungsmäßigen Antheil an der Gesetzgebung neh- men und mittelst derselben die legitime Einrichtung au die politische Entwickelung Preußens üben. Auch der nceuen Legislaturperiode sind große Aufgaben Vor­behalten , welche zum Theil schon in der bevorstehen- - den Session auf ihre Erledigung bringen werben. - Ofa Die auS bem Staatsinteresse sich ergebenden Noth- ten m »fflbigleiten, namentlich die auS dem Kampfe gegen den RomaniSmuS entspringenden, verlangen ihre Be­friedigung und die Kirchengesetze werden je nach dem Matze deS dringendm Bedürfniffes ihre Ergänzung finden muffen; die innere Reform ist auf der verein­barten Grundlage weiter zu entwickeln; die günstige Finanzlage gestattet ausgiebige Verwendung auf dring­liche Bedürfnisse, die auS Mangel an verfügbaren Mitteln bislang nicht auSreichmd bedacht werden konnten und ermutigt zugleich zu finanziellen Refor­men, zu welchen der Anfang schon in der abgewichenen Session gemacht worben ist unb durch die Spezial- UntersuchungScvmmission ist für die Gesetzgebung ein niches Material gewonnen worden, welches dieselbe zu verwerthen nicht unterlaßen wird. Die thatsäch lichen Verhältniffc weisen von selbst auf diese Auf­gaben hin, mit welchen sich der Landtag nach und nach zu beschäftigen haben wirb, um bie so glücklich in Fluß gebrachte Entwicklung in stetigem Fortschreiten zu erhalten, während zunächst bem Abgeordnetenhause die Berathung beS Staatshaushalts obliegen wird, hei welchen eS bie Rücksicht nicht aus ben Augen ver­lieren wirb, baß von bet mehr ober weniger expebirtm vehanblung der Budget-Berathung die Möglichkeit abhängt, aus der peinlichen parlamentarischen Conmr- lenz herauszukommen, unter deren .Druck Landtag und Reichstag gleich sehr zu leiden hatten

— Heber einen zweiten Brief deS Papste« an ben Kaiser, von welchem bie Zeitungen seit einigen Tagen reden unb dessen Existenz bisher osficiell nicht in Ab-