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JUarßurg, Dienstag, den 11. November.
1873.
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Oberhessische Zeitung.
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Berlin, 8. Nov. lieber die bekannten neuesten Vorgänge in Cartagena, von welchen deutsche Unter» chanen und deutsches Eigenthum bctrosten worden sind, äußert eine (wie eö scheint osfieiöse) Mittheilung in der „Nordd. Allg. Ztg.", die sogenannte Cantonal ngierung in Cartagena habe in den^ letzten Octoberlagen, als die Verhältnisse in den spanischen Gewässern einigermaßen beruhigt schienen, sich Uebergriffe gegen Personen und Eigenthum deutscher Untertanen erlaubt. Das Jnsurgcnlenschiff „Nnmancia" habe den spanischen Handelsdampfer „Estremadura" gekapert und dabei deutsches Eigenthum, in 30 einem deutschen Kaufmann in Malaga gehörigen Kisten Leinen- und Wollenstoffen bestehend, weggenommen. Der deutsche Konsulats Verweser Spottorno nebst mehreren deutschen Unter thanen und Consulatsdienern seien durch die Cantonal- regierung gefangen gesetzt worden; über den Grund der Verhaftung habe nichts verlautet. Hierauf sei die kaiserliche Gesandtschaft in Madrid telegraphisch ermächtigt worden, den deutschen mit den vereinigten Kriegsschiffen vor Malaga liegenden Geschwaderchef zu Maßregeln zu rcquiriten, die nach Lage der Dinge und gemäß früheren Instructionen zur Wahrung der deutschen Interessen erforderlich sein muffen, sowohl bezüglich der Freilassung der Gefangenen, wie der Herausgabe des deutschen gekaperten Eigenthums. Am 3. November sei die Ankunst der Kriegsschiffe „Friedrich
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Carl" und „Elisabeth" vor Cartagena gemeldet wer den, und gleichzeitig habe Spoltorno die Freilassung der Gefangenen angezeigt. Ueber die definitive Erledigung der EigenthumSfrage lägen noch keine amtlichen Nachrichten vor, doch sei der Erfolg der bezüglichen deutschen Reclamation zweifellos. Wenn die Handlungshäuser deutscher Seeplätze zum voraus ausreichende Gewähr verlangten für jede Unternehmung in spant schen Gewässern, wo die Verhältnisse sehr complicirt seien, so habe ein Hinweis auf diese Verwickelungen den Charakter einer wohlmeinenden Warnung. Die deutschen Interessen würden gleichwohl dort mit starker Hand geschützt. Anfeindungen der Deutschen in Cartagena seien unverkennbar eine Nachwirkung der Irritation, welche da« von der deutschen Regierung gewiß billigte Verfahren des früheren Commandanten des Geschwaders hervorgerufen habe. — Wie der Berliner „Actionär" erfährt, sind in den letzten Tagen in dem Handelsministerium Verträge abgeschlossen worden,
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Hi» Schrei.
Novelle von Edmund Hoefer.
(Fortsetzung.)
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Einige Tage daraus traf ich ihn wieder, als ich ■it einigen Bekannten an die See ging, um uns ein Boot zu einer'Segelfahrt zu suchen. Er saß dies »al auf der Mole, so wett am »ordern Ende, wie er gelangen konnte, und sah durch ein langes Fernrohr «ach dem Dänen draußen, der eben Jagd auf einen armen Küstenfahrer macht, welcher ihm jedoch zu ent- schlüpfen schien. Ich grüßte ihn, und er dankte.
„Nehmt Euch in Acht", sagte er dann zu mir, ba wir neben ihm ins Boot fliegen. „Macht Euch nicht zu weit hinaus. ES spielt so in der Lust, daß der Wind sicher umschlägt, ehe eine Stunde vergeht, “nb dann könnt ihr ihm grade in die Zähne laufen".
„Ohne Sorgen, Kap'tän," entgegnete unser Boots Bann, indem er an seine Mütze langte; „ich will schon aufpassen. Wir kriegen so was von Nord-Nord- ost, vielleicht kann's auch Nord geben, und damit haben wir ihn zum Narre»."
„Oder auch West," bemerkte er, „und bann spielt tt mit Euch."
„Ne, Kap'tän, West wird'S heut' nicht," war die Antwort, und wir fuhren ab.
Nun erfuhren wir auch von ihm. Er hieß Georg Sicent, war ein Landeskind, aber bereits vor fo langer Zeit zur See hinausgegangm, daß er, da er inzwischen nie von sich hören ließ, für tobt oder verschollen erklärt und sein geringe» Erbtheil an andere Verwandte bertheilt wurde. Erst vor einem halben Jahre sei er plötzlich angelangt, habe sich legitimirt und ein kleines HauS am Hafen erftanben. Er sei nach langen
welche eine Betheiligung der hier mündenden Privatbahnen, mit Ausnahme der Berlin - Görlitzer Bahn, an dem Stadtbahnunternehmen sichern.
— Das „D. W. B." hört, baß Herr von Blankenburg allein sichere Aussicht für den Posten eines landwirthschastlichen Ministers habe. Das Blatt erinnert an die alten und vertraulichen Beziehungen des Herrn von Blankenburg zu dem Fürsten Bismarck, ferner an den Umstand, daß er vor einem Jahre die Bildung einer nationalconservativen Partei sich zur Aufgabe gemacht habe, ein Plan, der durch die etwas übereilte Gestaltung der neuconservativen Partei bereiten worden sei; endlich an den Einfluß, dessen sich Herr von Blankenburg |bei der konservativen Seite des Herrenhauses erfreue, während Graf Eulenburg seit der Kreisordnungscampagne sich dort eine heftige Gegnerschaft heraufbeschworen habe. — Die „Schief Z." erhält nun zwar von einem Freunde, auf dessen Mittheilungen sie Gewicht legt, ein Schreiben, wonach der Ausfall der Wahlen die Entscheidung wieder hinauSgeschoben und ganz andere Kombinationen in den Vordergrund gestellt habe. Es scheine die Einsicht zu reifen, daß durch ein der Mehrheit deS Abgeordnetenhauses conformeS Ministerium nicht nur nichts gewagt, sondern sehr viel erreicht werden könne. Sie spricht von einem möglichen Eintritt des Herrn von Forckenbeck, auch wohl des Herrn von Bennigsen in das Ministerium. Indessen diese Angaben scheinen uns doch vorläufig noch sehr auf dem Gebiete der Conjecturalpolitik zu liegen.
Pofen 8. Nov. Man sagt, daß ein hiesiger geachteter polnischer Bürger, gleich nachdem die Pferde und die Kutsche des Erzbischofs verkauft waren, zu ihm ging und sich erbot, diese Gegenstände für ihn zurück zukaufen. Der Herr Erzbischof soll jedoch dies Anerbieten mit dein Bemerken abgelehnt haben, daß, trotzdem er für die Kutsche allein 1000 Thlr. bezahlt habe, er webft sie noch auch die Pferde zurückkaufen wolle, da sie ihm doch wieder abgepfändet werden würden.
Wiesbaden, 7. Nov. Die hiesigen Altkatholiken haben heute in einer Versammlung beschlossen, den altkatholifchen Verein dahier als Pfarre zu erklären, und den Bischof ReinkenS zu ersuchen, dahin zu wirken, daß die Regierung die Gemeinde als eine mit Cor- porationSrechten auSgestattete anerkennt. Vorläufig wirb bie altkatholische Gemeinde keinen eigentlichen Geistlichen anstellen, sondern sich vielmehr mit einem Diensten Kapitän eines nordamerikanischen Wallfisch- fängers ober eines großen KauffahrerS geworden, und dabei nach und nach zu so viel Vermögen gekommen, daß er behaglich davon leben könne. Das war Alles.
Der Wind ging richtig um, der Däne fing uns aber nicht und wir tarnen nach einigen Stunden fröhlicher Fahrt heiter zum Hafen zurück und wie gewöhn lich und natürlich so hungrig, daß mir nur rasch in eine nahe kleine Schenke eilten, um uns mit derber Seekost zu stärken. Da trafen wir den Kapitän wieder, wie er mit dem dicken Wirth, auch einem früheren Schiffer, in vertraulicher Unterhaltung Dar. Wir setzten uns an feinen Tisch, tarnen in ein lebhaftes Gespräch, luden ihn endlich zu unserem Getränk ein, und fanden dann in den folgenden Stunden immer mehr, daß wir es mit einem Menschen zu thun hatten, der vielleicht nicht Viele seines Gleichen haben mag.
Von allen Fachern, die man nur aus Büchern erlernen kann, wußte er augenscheinlich gar nichts. Dagegen hatte er sich ebenso augenscheinlich durch sein wechselvolles reiches Leben, durch seinen Verkehr mit allen möglichen Leuten eine Art Bildung angeeignet, die ihn zu befähigen schien, in jedem Kreise mit Ehren zu bestehen. Man wußte nicht, sollte man sich mehr verwundern über dies endlose, unermeßliche Umher- Ireibcn aus allen Meeren und in allen Ländern, oder über bie wunberbare Weise, wie er beobachtet und in sich ausgenommen, wie er eS wieder heraus zu geben verstand. Und wieder wußte man nicht, sollte man mehr bie Talente bewundern, die in diesem Graukopf sich regten, oder mehr beklagen, daß sie nie zur rechten Ausbildung und Vollendung gelangt, nie ihn auf die paffende und gebührende Stelle geführt. Und wie ich
Provisorium begnügen, aus welchem sie hoffentlich bald herauskommt.
Dresden, 8. Nov. Dem vom Abgeordneten Ludwig gestern eingebrachten Anträge gegenüber, das bischöfliche Vicariat wegen der Verlesung des Hirtenbriefs üher das Unfehlbarkeilsdogma von den katholischen Kanzeln zur Rechenschaft zu ziehen, bestreitet das „Dresdener Journal" officiöS, daß durch die Verlesung des Hirtenbriefs von den Kanzeln eine Verkündigung des Unfehlbarkeitsdogmas in Sachsen stattgefunden. Auch sei das bischöfliche Vicariat hierbei keineswegs eigenmächtig ober gesetzwidrig verfahren, ba bie Verlesung bce Hirtenbriefes von den katholischen Kanzeln benselben bnrch Verorbnnng bes früheren Cultus-Ministers gestattet worben sei.
Karlsruhe, 6. Nov. Ueber bie Aufgaben des badischen Landtags schreibt die „Bad. Corr." : „Wir sind nicht eingeweiht in die Absichten der Regierung, allein so viel ist bekannt geworden, daß im nächsten Landtage die Vorlage sehr bedeutender Gesetzentwürfe zu erwarten ist. Wir erinnern nur an die Slädte- Orbnung, die Steuergesetze, insbesondere die Einführung der Einkommensteuer, die Gesetze über Fortbildungsschulen und Benutzung des öffentlichen Wassers. Hierzu kommen zwei wichtige Fragen, welche die Kammer nölhigensalls aus eigener Initiative anregen muß. Das ist die weitere Auseinandersetzung zwischen Staat und Kirche, wenn eö auch nicht gerade nöthig ist, daß dabei genau das Recept der preußischen Kirchengesetze befolgt werbe, unb zweitens eine grundsätzliche Stellung zu unserem Eisenbahnbau - und Staatöbahn- Wesen, welche gefordert wird durch die bevorstehende Inanspruchnahme der Steuerkraft des Landes zur Verzinsung der Eisenbahnschuld."—Demnächst soll hier ein weiteres politisches Blatt erscheinen. — Die beiden in der letzten Tagung der Schwurgerichte in Mannheim und Offenburg gefällten Todes- Urtheile sind auf dem Wege der Gnade in Zuchthausstrafe umgewandelt worben.
Stuttgart, 8. Nov. In ber Abgeordnetenkammer wird der Antrag Hölder u. die Aufhebung des geheimen Rathes betreffend nach einer Begründung durch Hölder an eine, durch 4 Mitglieder zu verstärkende staatsrechtliche Commission verwiesen. Im Weiteren Verlauf der Sitzung der Abgeordnetenkammer wurde der Antrag Schmid u. (Sen., die Regierung zu ersuchen, bei dem Bnndesrathe dahin zu wirken,
bereits am ersten Tage bemerkt hatte, es sprach sich in seinem Wesen und Reden zwar ein ruhiges Selbstgefühl, eine gewisse Sicherheit und Bestimmtheit aus, aber es zeigte sich nicht eine Spur von Hochmuth ober Prahlerei unb Aufschneiderei, diesem fast durchgängigen Fehler „vielbefahrener" Seeleute. Ruhig unb bescheiden kam's heraus und so klar und so — porträtirt, will ich jagen, daß Jeder von der Wahrheit unb Richtigkeit feiner Mittheilungen unb Ansichten überzeugt fein mußte.
Es begreift sich von vornherein, baß ich dies Alles an diesem ersten Abend unseres Zusammenseins wohl in seinen Grundzügen herausfand und verstehen lernte, daß ich aber, um voll in sein Wesen einzudringen und das eben Gesagte wirklich sagen zu können, erst länger unb oft mit ihm verkehren mußte. Das geschah benn auch nach biesem Zusammensein.
Ich bin in meinem Leben oftmals in ziemlich seltsame Gesellschaft und in einen nicht selten wunderlichen Verkehr mit allerlei Leuten gerathen, ohne daß ich mehr als nur hie und da anzugeben wüßte, wie das zuerst so gekommen, wie und weshalb es später so weiter gegangen, so freundlich und zutraulich geworden. Hin und wider freilich bin ich auch Einem wohl wie ein Liebhaber auf Schritt und Tritt nach, gelaufen unb habe mich an ihn gehängt. Bei Vicent war das aber nicht der Fall. Mit dem war ich knall und fall vertraut. Er besuchte mich in meiner Wohnung, ich kam zu ihm in fein sauberes kleines, echtes Schifferhaus; wir liefen TagS zusammen umher und saßen Abends an einem Tisch vor unseren Gläsern. Nur zu einem Geschäft war er nie mein Gefährte — bei den Segelfahrten im Boot; doch war das nichts