Mr. 264
Nkarkurg, Sonntag, den 9. November.
1873.
Oterhessische Zeitig
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ffrftfceint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Kochsche Buchdruckerel) bezogen 22| Sgr., durch bie Postämter 27 Sgr (cxcl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.
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Politische Wochen-Uebersicht.
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Welt-Ausstellung ohne festlichen Sang und Klang, doch unter dem Getöse aller im Gebäude verfügbaren Ton- Werkzeuge. Am 4. November wurde die erste Session des Reichsraths in beiden Häusern eröffnet, nachdem am 3. eine Tagsatzung von Delegirten der Verfaffungs- gegner, der Czechen und Slovenen, der Feudalen, ültramvntanen aus Obcrösterreich, Steiermark und
Tirol und einiger Polen abgehalten, aber kein einheit- licher und bindender Beschluß erzielt worden war, so daß der Eintritt in den Reichsrath jedem einzelnen Abgeordneten anheimgestellt blieb und von den meisten
haltenen Thronrede, deren Leitton das Viribus unitis Franz Joseph's ist, wurden Gesetze angekündigt, um Handel und Industrie fortan vor den verderblichen Folgen der Erschütterung des Vertrauens zu bewahren, ferner Gesetze zur Steuer Reform, zur Regelung der Nationalbank, „um die Herstellung der Valuta zu erzielen", ferner volkswirthschastliche Gesetze, konfessionelle
lebendige Reichsbegeisterung zu vergessen. Auch in Braunschweig ist der Landtag wieder zusammenge- tretcn. Im Großherzogthum Mecklenburg-Schwerin ist der Eintritt der Reichsmarkrechnung auf den 1. Januar 1874 verkündet worden.
Am 2. November erfolgte der Schluß der W ien e r
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nicht demonstriren, mein Herr, da Ihr kein Seemann seid. Aber ein SeemannSaug', das zumal auswärts aufgepaßt und die Engländer und Amerikaner angesehen, kann das im Augenblick erkennen."
Er zog bei den Worten sein roth und gelb geblümtes Taschentuch heraus, nahm den Hut ab und wischte sich den Schweiß von der Stirn, denn die Sonne brannte heiß. Dabei sah ich, daß vom Schädel herab über die gefurchte hohe und, gegen das Ge sicht, wunderbar weiße Stirne eine furchtbare Narbe
fang nicht sah, war sie doch selbst am ober» Stirn» rand noch so tief, daß man bequem einen Finger hineinlegen konnte.
Ich konnte mich meines Ausrufs nicht enthalten. Die Wunde mußte so schrecklich gewesen sein, daß ich nicht begriff, wie er sie überlebt haben konnte. „DaS ist ein grausamer Hieb", sagte ich, denn dafür mußte ich es halten. „Wo hat Sie der getroffen?"
„Kein Hieb — es fiel mir eine Spiere auf den Kopf", versetzte er. „Allerdings war's hart. Ich
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„Ja, und alle Welt sieht nicht oder will nicht ct bestimmt. „Ich kann Euch das
So war cö denn sehr begreiflich, daß ich bei der entschiedenen, oben angeführten Rede des alten Seemanns halb unwillkürlich und halb neugierig zu meinem Nachbar mich umsah. In der Thal stieß ich diesmal auf einen kleinen verächtlichen Zug, und zugleich zuckte er die Achseln. Doch blieb eö nicht dabei, er sprach auch.
„Tröste Dich, mein Junge," sagte er mit einer ein wenig heiseren Stimme; „mit dem Fahrzeug da holst Du den Dänen nicht ein und führst Du ihm auch nach rund um die Erde. Zum Korn- und Kohlenschleppen ist daS Ding gut genug, aber ein Flieger wird'ö in Ewigkeit nicht. Ich weiß nicht, Wo Ihr Euere Augen habt." Und er deutete mit »usgestreckler Hand so unbestimmt gegen daS Schiff, das eben in's Gleiten kam, daß mir, dem Unerfahrenen, nicht verständlich ward, was er meinte.
Der vorige Sprecher hatte sich zuerst ziemlich erzürnt nach dem Widersacher umgesehen, dann aber, al« ob er ihn erkenne, seine Mütze gelüftet und sein Auge der angedeuteten Richtung folgen lasten. In- zwischen ward eine Zustimmung oder Widerrede jetzt durch den eben beginnenden Tumult wieder abge- schnitten; daS Schiff glitt stolz und glücklich hinab und schoß in's Waster. Dann Hurrahrufen und Trvmpettnschmettern, Kanonenschüste und Drängen umher und Lärmen -r- ich zog mich sacht aus dem Treiben. Der alte Seemann hatte es ebenso gemacht. Dir standen fünfzig Schritte rückwärts wieder neben einander.
gaben zu widersprechenden Auslegungen Stoff und von allen Seiten ward der „Roy" aufgefordert, selbst das Wort zu nehmen und zu erklären, ob er zum parlamentarischen Systeme schwören oder bleiben wolle, wie er sei, und das dann folgende Manifest „Heinrich'« V.", das aus Salzburg vom 27. October datirt ist und am 30. in der Union veröffentlicht wurde, ließ an Unumwundenheit so wenig zu wünschen übrig, daß die monarchistischen Gruppen wie vom Donner gerührt waren. Jndeß Männer von solcher Beweglichkeit, wie 'die Broglie, Audiffret - PaSquier, Changarnier und Genossen, brauchten den Fall nur eine Nacht zu beschlafen, um schon am andern Morgen inS Geschäft zu eilen und den zerissenen Königsmantel in einen Dietatormantel umzuschneidern. Verlängerung der Vollmacht des Marschall-Präsidenten auf 10 Jahre! heißt die neue Parole, für welche man die erschütterte monarchische Majorität von Neuem, womöglich auch durch Neubekehrte vom linken Centrum, ins Feuer zu bringen hofft. Noch kracht dieser neue Bau in allen Fugen, doch das Mitgehen der in der Wolle gefärbten Rechten ist bezeichnend, da« der Bonapar- tisten noch bezeichnender, aber aus dem linken Centrum spricht man von einer strammeren Haltung als bisher. Mac Mahon will sich die Ehre einer diktatorischen Gewalt gefallen lassen, wenn er auf eine Reihe von Jahren ernannt und durch ronstitutiouelle Gesetze zu einer freieren Mitwirkung ausgerüstet wird; das Ministerium ist für die Kräftigung nach Zeit und Gewicht, der Neuner-AuSschuß desgleichen, und so ist es nach der Wiederöffnung der Session am 5. dS., die sofort durch die Botschaft des Präsidenten eingeleitet und durch einen Dringlichkeits-Antrag in Schwung versetzt worden ist, unverzüglich zum Klappen gekommen. Jndeß werden in Paris und im Lande wieder republikanische Petitionen für Auflösung der Natwnal-Ver- sammlung, bonapartistische für das Plebiscit unterzeichnet, und die Stimmungsberichte lauten von den meisten Seiten günstig für eine definitive Befestigung der Republik.
Die spanische Regierung ist bemüht, alle Kräfte des Landes anzustrengen, um die beiden Aufstände niederzuschlagen. Ihr neuester Beschluß geht dahin, alle waffenfähigen jungen Leute, welche das Alter von 20 Jahren erreicht haben und zur Reserve gehören, unter die Fahnen zu berufen, wodurch die bis jetzt lag über ein Vierteljahr in Raserei, und noch jetzt spür ich'«, wenn das Wetter sich ändern will. Auch habe ich erst seit einigen Jahren die silberne Platte weglassen dürfen, die ich bis dahin tragen mußte. Und ich war doch noch ein junger Mensch, da e- mich traf."
„Sic find viel in der Welt umher gewesen?" fragte ich. „Und die Amerikaner und Engländer, von denen Sie vorhin redeten, kennen Sie aus eige* ner Erfahrung?"
Er lächelte und schüttelte den Kopf. ■ „Mehr als das", erwiderte er dann. „Ich bin die Hälfte meines Lebens bei Ihnen an Bord gewesen, und kenne daher die Flieger!" setzte er wieder lächelnd hinzu.
Ich weiß es noch heute nicht recht auszusprechen, was eigentlich mir an dem Wann so auffällig war. Denn etwas Besonderes zeigte sich gar nicht an ihm, es müßte denn dies ganz eigenthümliche, oft wieder- kehrenvc Lächeln gewesen fein, das ich nie sonst an einem Menschen seinesgleichen bemerkt hatte, so spöttisch war es und doch wieder so ruhig und selbstbe- ! wußt, ohne den geringsten Zug von Hochmuth oder : Einbildung. Zum Spott aber und zum Selbstgefühl gehört unabweislich eine gewisse Bildung, gleichviel, ■ woher sie geschöpft sei — und die zeigte sich denn auch in feinen Reden und in feinem Wesen vielleicht mehr, als man sie zu erwarten berechtigt war.
Inzwischen begann das Volk sich zu verlausen, und nach einigen gleichgültigen Worten bemerkte er, i es sei auch für ihn an der Zeit, nach Hause zu gehen. : Und fo entfernte er sich langsam mit einem höflichen Gruß. Ich fragte ein paar mir bekannte Leute nach i seinem Namen; sie kannten ihn nicht und wußten auch I nichts von dem Mann selbst, als daß er ihnen ^feit
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Gesetze über die durch Lösung des Concordats entstandenen Lücken, Gesetze zur Reform des Strafrechts, zur Errichtung eines Verwaltungs-Gerichtshofes, und endlich Vorlagen für Jnvaliden-Versorgung, Militär- Bequartierung und Verwendung der Gendarmerie. Der Ausweis der Ausgaben in Ungarn für das Quartal Juni bis September ergab 49 Millionen (9 Millionen mehr als in der gleichen vorjährigen Periooe), die Einnahmen 31 Millionen (3 Millionen weniger als im Vorjahr und 5 Millionen weniger als im Voranschläge).
Die schweizerische Bundesversammlung ist zur Berathung der bundesräthlichen Verfaffungsrevistons Vorlage am Montag (3. Nov.) zusammengetrcten und der Nationalrath hat bereits die artikelweise Berathung begonnen. Zwischen dem Fürsten Gortschakow mto dem Bundespräsidenten (Serefole sind die Ratifikationsurkunden des schweizerisch-russischen Niederlassutigs- und Handelsvertrages ausgetauscht worden.
Nach der Reise Victor Emanuel's ist ein Zustand von politischer Beschaulichkeit in I t a l i e n eingetreten, wie er heut zu Tage nur wenigen glücklichen Völkern beschiedcn ist. Das Land hat Ruhe und Sammlung, um an die wichtigen Probleme seines staatswirthschast- lichen Lebens zu denken, und die auf finanzielle Fragen bezüglichen Vorlagen der Regierung werden einen großen Theil der nächsten Session einnehmen.
In Frankreich ist endlich die große Seifenblase der monarchistischen „Verschwörung" geplatzt. Durch die Absendung von Unterhändlern nach Salzburg und besonders durch das Zwiegespräch unter vier Augen zwischen Chcsnelong und dem Grafen von Chambord war die Ungeduld aufs äußerste gespannt worden; die Aussagen eines Vetrauensmanncs im Neuner-Ausschüsse
Er grüßte mich mit höflichem Lächeln, da er mich erkannte.
„Ja, ja," meinte er dann und sah zum Schiff hinüber, das sie eben zu seinem ersten Ankerplatz zogen, wo eö seine volle Ausrüstung erhalten sollte; „das Alles ist brav gemacht, es war gut aufgelegt, der Meister versteht seine Sache. Aber einen rechten Flieger hat er auch gar nicht bauen wollen."
„Und doch behauptete das vorhin alle Welt," bemerkte ich.
In Preußen haben am Dienstag die Wahlen der Abgeordneten zum Landtage, der inzwischen auf Msien Mittwoch (12. Nov.) einberufen ist, stattge- „ . _ .
funben, und das Ergebnis» erscheint, wenn sich auch Deputieren erfolgt ist. In der am 5. November ge- bie künftige Stärke der einzelnen Fraktionen wohl 'fr*-—-*>• k«*■-’" v’rihna nn,hs
noch nickt in bestimmten Zahlen mit voller Zuvcrläs . figfeit angeben lassen möchte, jedenfalls einem festen AZ Fortgänge der innern Politik in seitheriger Richtung durchaus günstig, wennschon das ultramontane Centrum in bedeutender Verstärkung seiner Sttmmenzahl zurück- . Mt. Kaiser Wilhelm hat sich bei der Enthüllung litt ’btf Denkmals für die Gefallenen der Garde Artillerie Ja» Eine Erkältung zugezogen, welche ihn hinderte, seinem
Wunsche gemäß an dem Leichenbegängnisse des Königs , Johann in Dresden Theil zu nehmen und ihn nöthigte, llgei mehrere Tage das Bett zu hüten; jedoch ist bereits eine entschiedene Besserung eingetreten utld darf eine baldige völlige Herstellung gehofft werden. Der bairische Landtag ist am Dienstag im Namen des Königs durch den Prinzen Luitpold eröffnet worden. Eine neue „blauweiße" Rede des Königs Ludwig II. welche in Garmisch an eine Deputation gehalten sein soll und ein Seitenstück zu der vorjährigen füssener Rede bil bet, hat nicht verfehlen können, in der ultramontan- particularistischen Presse hervorgehoben und belobt zu werden und in reichsfreundlichen Kreisen dagegen eiui-
Ein Schrei, smao- ^ Novelle von Edmund Hoefer. (Fortsetzung.)
gcs nicht gerade angenehme Aufsehen zu machen; in- deß darf man sich daran gewöhnen, solche vereinzelte All Mißklänge zu überhören und über der bisher that- sächlich reichstreuen Gesinnung des Königs eine ge- ftgemliche unfreundliche Verstimmung gegen die auch IP innerhalb bet blauweißen Grenzpfähle stellenweise.recht