Marburg, Sonnabend, den 1. November.
1873
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wertheS Prognostikon für die Zukunft des neuen Königreichs, das man anstrebt. Die Auspicien für
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Der Deichbamr.
Criminal-Novelle aus dem Volksleben von Friedrich Friedrich.
(Fortsetzung.)
b.G. b.
Majestät Sich am 18. Mai zum Gebrauch der Cur nach Bad Ems und kehrten, befriedigt von dem Er-- folge der Cur, am 18. Juni von dort zurück. Ende Juli zeigten sich jedoch die. alten Leiden wieder; am 30. Juli constatirte ein ärztliches Bulletin, daß bei Sr. Majestät eine Bedenken erregende Abnahme der Kräfte eingetreten sei, und aus Anlaß dieser Erkrankung wurde von Sr. Majestät nnterm 3. August Se. König!. Hoheit der Kronprinz zu Allerhöchstdero Stellvertreter bezüglich aller Regierungsgeschäfte bestellt. Am 7. August wurden die ärztlichen Bulletins wieder eingestellt, und die Besterung in dem Befinden Sr. Majestät schritt in so erfreulicher Weise fort, daß Allerhöchstderselbe unterm 22. September mit der eigenen Besorgung der Regierungsgeschäfte wieder beginnen konnte. Da verbreitete sich Mitte October unerwartet die betrübende Kunde von der Wiedererkrankung des allgelicbten Königs, und am 17. Oct. verkündete ein ärztliches Bulletin, daß in dem Befinden Sr. Majestät Veränderungen eingetreten, die zu ernster Besorgniß Anlaß gäben. Sc. Majestät waren Sich Ihre« gefahrvollen Zustandes vollkommen bewußt und haben am Sonntag den 19. October, bei vollständig klarem Bewußtsein und im Beisein sämmt- licher Glieder der Allerhöchsten Familie, durch bett Präses Hofcaplan Bernert daö Sacrament der letztm Delung empfangen, auch an demselben Tage Abends im Vorgefühle des nahen Endes von Ihren Umgebungen Abschied genommen. Mit König Johann ist ein Gott ergebener, gerechter und weiser, von Hoch und Niedrig verehrter Fürst, das leuchtendste Vorbild eines Familienhauptes, einer der besten und edelsten Menschen zur ewigen Ruhe eingegangen".
Ausland.
Wie»., 28. Oct. Während die Regierung hofft, in jedem Fall durch den Ausfall der Wahlen in allen Verfassungsfragen einer Zweidrittel - Majorität sicher zu sein, verhehlt sie sich augenscheinlich nicht, daß ihr Angesichts der schwer compromittirten wirthschaftlichen Lage des Landes eine sehr schwierige Stellung dem ReichSrathe gegenüber bevorsteht. Schon jetzt bemüht sie sich daher, durch alle ihr zu Gebote stehenden Canäle nach Möglichkeit zu beruhigen, und so wird
auf die Oberhesfische Zei- *önteuungeil tttH8 für »ie Monate No- nembcr und Tecember werden von allen Postanstalten «nd der Expedition entgegengenommen.
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die Restauration müffen in der Thal so lange als wenig günstig betrachtet werden, als sich die Freunde der Monarchie über das Wesen und das Programm der künftigen Regierung in den Haaren liegen. Unter selchen Umständen kann man in den politischen Kreisen des Auslandes kein rechtes Vertrauen zu der Dauer
Diädchens sein würde.
Ueber das Geschick seiner Frau und Franzens Wie er noch kein Wort gesprochen, nicht danach ge
Deutsches Strich.
«# Berlin, 30. Oct. Von verschiedenen Seiten wird gemeldet, daß der Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten sich bei seinem demnächstigen Zusammentritt nicht bloß mit Angelegenheiten untergeordneter Art beschäftigen, sondern auch tief eingreifende Beschlüsse zu fassen haben werde. Diese Nachrichten dürsten begründet sein, da die Regierung durch das Verhalten der katholischen Bischöfe sich in die Noth- wendigkeit versetzt sieht, die Maigesetze,zur strengsten Anwendung zu bringen. Die ersten Schritte dürften sich gegen den Erzbischof Lodochowski richten, da dieser als der Führer des Widerstandes gilt. Wenn nicht schon seine Entsetzung vom Amte beantragt worden ist, so hat er das bloß seiner schweren Erkrankung zu danken. — Nach den neuefttn Nachrichten aus Frankreich beschäftigt die dort einander gegenüber' stehenden Parteien der Monarchisten und Republikaner immer noch vorzugsweise die Berechnung der muth- maßlichen Stärke, mit welcher sie für ihr Votum werden auftreten können. Sicher ist, daß die monarchistische Partei die Herstellung der Monarchie um jeden Preis versuchen wird. DaS „Journal des Debats", welches neuerdings die Sache der konservativen Republik ausgcgeben hat und der konservativen Monarchie das Wort redet, beklagt den Streit inner;
wolle, hat die „Spenersche Zeitung" selbst ein Dementi entgegengesetzt. Die Regierung hat in der Thal den Ankauf der genannten Zeitung ebensowenig beabsichtigt, als sie mit dem Gedanken umgeht, ein anderes neues Regierungsorgan zu gründen.
— 30. Oct. Gestern Mittag trat im Plenar- sttzungösaale des königl. Obertribunals der Gerichtshof für die kirchlichen Angelegenheiten zur Berathung zusammen. Den Vorsitz führte der Präsident Heinec- cius. Es handelte sich im Wesentlichen nur um innere Organisationsfragen. Im Uebrigen wurde ein Pro- test des Bischofs von Paderborn entgegengenommen, welcher sich auf das gegen diesen Prälaten gerichtete Verfahren bezog, ohne demselben Eintrag thun zu können. Man wird sich erinnern, daß sich ein Priester bei dem Gerichtshof über den Bischof Martin beschwerte, und derselbe aufgefordert war, sich über sein Verfahren zu verantworten. Ueber den nächsten Zusammentritt des Gerichtshofes, welcher heute die ihm vorliegenden Geschäfte erledigt hat, ist eine Bestimmung noch nicht getroffen. Die Angabe, daß der Gerichtshof sich mit der Angelegenheit des Erzbischofs Grafen Lcdöchowski zu beschäftigen haben würde, erweist sich als verfrüht. Bisher sind noch nicht die Vorstadien beschnitten. — Die stattgehabte Sitzung der Subkom- misston für das Reichstagsgebäude hat auch noch zu keinem bestimmten Resultat geführt. Es sollen zunächst durch Vorlegung von Plänen rc. Schritte gethan werden, um die kaiserliche Genehmigung zur Erlangung eines Bauplatzes in den Gärten des Reichskanzler- Amtes rc. an der Königgrätzer Straße zu erwirken. Man glaubt indessen nicht, daß es gelingen wird, die bezüglichen Projekte zu verwirklichen. In der Commission macht sich immer mehr die Ansicht geltend, daß man noch einmal versuchen müsse, die Erwerbung des Kroll'schen Grundstückes vorzuschlagen. Man hofft, bei dem neuen Reichstag damit durchzudringen.
Dresden, 29. Oct. Das „Dresd. Journal" schreibt über die letzte Krankheit des verstorbenen Königs: „Der hohe Entschlafene wurde im letzten Winter öfters von katarrhalischen Leiden heimgesucht, zu denen sich im Frühjahr ernstere asthmatische Beschwerden gesellten. In Folge besten begaben Se.
Und als seine Genesung weiter vorgeschritten war, erzählte sie ihm und las ihm vor. Dann kam auch der Wastermüller täglich mit seiner Tochter zu ihm, und die beiden Mädchen wetteiferten, ihn zu pflegen.
Er war alt geworden. Der Gram und die Krankheit hatten fein Haar schnell völlig erbleichen lasten. In seinem Gesichte hatten sich tiefe Falten eingegraben. Aich sein Charakter schien sich verändert zu haben. Sein früher, leicht erregbarer, ungeduldiger Sinn war geschwunden. Er war sanft und gütig. Unb °ft, wenn bte beiden Mädchen an seinem Bett saßen und ihm erzählten, glitt ein zufriedenes Lächeln über
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Krs-beiut tüglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 224 Sgr., durch die Posttimter 27 Sgr. sexcl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland exel. Stempel 22 Sgr. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. — * Fgr in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 24 Sgr. berechnet. — Sämmtliche Annoneen-Büreaus nehmen Inserate an.
fragt. Es schien, als ob er nicht wage, das Gespräch daraus zu bringen.
Es war ein heiterer, milder Spätsommernachmittag. Die Lust war von wunderbarer Klarheit und Reinheit. An dem weiten, blauen Himmel war auch nicht die kleinste Wokke zu entdecken. Die Blätter des nahen Waldes hatten sich bereits gefärbt und fingen schon an zu fallen; die Felder waren eingeerntet. Alles deutete auf den nahen Winter hin und doch konnte der schönste Frühlingstag sich kaum mit diesem Tage messen.
An diesem Nachmittage trat der Deichbauer, auf Mariens und Gertrud'S Arm gestützt, zum ersten Male ins Freie.
Da trat der Wastermüller, der bei diesem ersten Ausgange seines Freundes sein wollte, in den Garten. Mit herzlicher Freude schüttelte er dem Wiedergenesenen die Hand.
„Nun wird auch bald die alte Kraft wiederkehren, nun Du wieder frische Lust einathmen darfst I" rief er. „Es geht doch nichts über den blauen Himmel und frische Luft. Und der heutige Tag ist so mild und warm, als habe ihn der Schöpfer besonders für Dich gemacht."
Der Deichbauer lächelte und erwiderte, daß er sich auch neu belebt fühle.
Der Wastermüller setzte sich zu ihm, und die beiden Mädchen eilten in das Haus, um das Zimmer des Kranken in Ordnung zu bringen.
Seitdem er erkrankt, war der Deichbauer mit dem Müller nicht wieder allein gewesm. Ihn hatte danach verlangt.
„Wie steht es mit dem Buben — dem Franz?" fragte er. „Ist man ihm nicht auf die Spur gekommen?"
„Laß das heute, Homann", erwiderte der Müller, der diesem Gespräche anSweichen wollte. „Freue Dich
des schönen Wetters und rege Dich nicht auf. Später will ich Dir Alles erzählen".
„Ich habe noch nicht danach gefragt", entgegnete der Bauer; ,.jetzt möchte ich eö wissen. Ich bin ruhig, Steffens, und die Ungewißheit wird mich mehr aufregen, als wenn ich weiß, wie Alles steht!"
Der Müller zögerte; als der Genesende ihn aber ungeduldiger drängte, erwiderte er:
„Nun, ich will Dir Alles erzählen. Die Polizei hat die Spuren des Burschen aufgefunben und bis Hamburg verfolgt. Dort hat sie die Gewißheit erlangt, daß er nach Amerika gegangen ist. An Mitteln hat es ihm nicht gefehlt; benn in Hamburg hat er mit Geld um sich geworfen und viel verthan".
„ES ist bas mir gestohlene Gelb 1" warf Homann ein.
„Es wirb ihm wenig Segen bringen!" fuhr der Müller fort. „Drüben wird er es bald verthun, und wenn er dort fortfährt, wie er hier aufgehört hat, wird er seinen Lohn bald erhalten".
„Du bist heute in der Stadt gewesen?" fragte Homann. „Was macht meine Frau? — Wie steht es mit ihr?"
Der Müller zuckte mit den Achseln.
„Ich bin bei dem Richter gewesen — ste leugnet Alles mit derselben Hartnäckigkeit. Nur das Eine hat ste eingestanden, daß Franz in derselben Nacht, in welcher der Schrank erbrochen war, bei ihr gewesen sei. Sie habe ihm Geld und auch ihre Schnmcksachen gegeben, weil er gesagt, er habe Schulden gemacht. Alles Andere leugnet sie. Sie will um die Thal des Burschen nicht gewußt haben".
„Und was meint der Richter?"
„Er glaubt, ste werde freigesprochen, weil zu wenig Beweise gegen sie vorliegen". — Der Deichbauer schwieg. Dennoch zeigte die leichte Röthe auf feinen Wangen, daß er nicht ganz ruhig geblieben war.
sagt
[241 halb der monarchistischen Fraktionen als ein bedauems-
Unb auf den Kranken selbst hatte eö einen wohl- thvenben Eindruck gemacht, als er, zum ersten Male nach überstandener Krisis wieder zur Besinnung ge- kommen, das Mädchen hatte an seinem Bett sitzen sehen.
Marie war sanft und ruhig. Die Trauer um ihren Vater lag auf ihrem Gesichte noch wie eine stille Wchmuth. Sie lauschte dem Kranken seine Bedürfnisse und Wünsche ab, ehe er ste aussprach.
Der Deichbauer beobachtete sie Anfangs ganz im Stillen, denn der Arzt hatte streng untersagt, viel zu sprechen und sich in irgend einer Weise aufzuregen. Damals schon faßte er den Entschluß, sie nie wieder von sich zu lassen und für sie zu sorgen, als ob sie sein eigenes Kind sei.
5 36-1 sein Gesicht. Er hatte nie eine Tochter besessen, jetzt 9 2t4J empfand er erst, wie glücklich er durch den Besitz eines 11 49'' wlibApnä l»in ttiitrh»
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litungl des von den französischen Monarchisten angestrebten Island Werkes fassen, auch wenn dasselbe für den Augenblick wirklich gelingen sollte.— Den verschiedenen Gerüchten, daß die Regierung die „Spenersche Zeitung" ankaufen