Ur 237.
Marburg- Frettag, den 31. October.
1873.
FundL n UrI em all. i aut t durch Hande« vorhs n vor- issionr- geleitet [2442
Oberhessische Zeitung.
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^°Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 24 Sgr. berechnet. — Sämmtlrche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.
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— von ihm geht Alles
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mehr abgeschwächt und verwischt worden; in der Landesvertretung und in der Reichsvertretung hat sich aus den alten Parteien heraus eine Gemeinschaft des praktischen Strebens für positive Staatszwecke heraus« gebildet, und indem die Regierung selbst sich in den Mittel punkt dieser Bestrebungen gestellt hat, ist die Entwickelung mehr und mehr dem unruhigen und hastigen Drängen und Treiben des einseitigen Parteiwesens entzogen worden. Durch eine wahrhaft innere Gemeinschaft und durch ein gereiftes Einverständnis zwischen Regierung und Landesvertretung sind alle Ergebnisie der letzten Sessionen erreicht worden. Deshalb tragen dieselben die Bürgschaft der sicheren und erfolgreichen Ausführung in sich, wie keine der früheren in Sturm und Drang angebahnten Reformen. Preußische Patrioten werden daher vom konservativen ebenso wie vom liberalen Standpunkte eine weitere gedeihliche Entwickelung Preußens am sichersten wahren, wenn sie zur Wahl von Abgeordneten mitwirken, welche entschlossen sind, in aufrichtiger Gemeinschaft mit sder Regierung und frei von allem schroffen Parteiwesen, die Interessen des Landes praktisch wahrzunehmen. In dem Vordergründe aller Aufgaben der Regierung und der Landes Vertretung steht aber zunächst die Durchführung des Kampfes gegen die Uebergriffe der geistlichen Gewalt. Es handelt sich dabei um die Wahrung des bürgerlichen Staatswesens überhaupt, um die Wahrung der Würde und des Ansehens der preußischen Krone, um die Wahrung des eigensten Wesens und der höchsten geschichtlichen Aufgabe ges preußischen Staats. Auch bei der Ersüllung dieser Aufgabe weiß sich die Regierung unseres Königs mehr und mehr gestützt und getragen von allen Parteien und Kreisen deS Volkes, soweit sie nicht den zwingenden Einflüssen der römischen Priestergewalt unterliegen. Immer entschiedener zeigt sich, daß auch erleuchtete Katholiken, welche an dem Glauben der römischm Kirche unbedingt festhalten, doch die großen Gefahren, welche die jetzigen römischen Herrschaftsgelüste für die katholische Kirche selbst bereiten, klar erkennen, und Viele, selbst unter den Bischöfen und Priestern, die vor dem Vatieani- schen Coneil ihre Besorgnisse offen aussprachen, jetzt aber in ihrem Herzen verschließen muffen, mögen nm
der Zukunft ihrer Kirche selber willen wünschen, daß dem unheilvollen Streben der schroffen Partei, welche den römischen Stuhl zur Zeit beherrscht, ein Ziel gesetzt werde. Die Regierung unseres Königs darf nicht bloö im Interesse des Staates, welches sie zunächst wahrzunehmen hat, sondern zugleich im wohlverstandenen Interesse der Kirche selbst und ihrer weiteren Wirksamkeit erwarten, daß Alle, denen eine heilsame Gestaltung unserer Gegenwart und Zukunft am Herzen liegt, sich bei den Wahlen vereinigen werden, um sie bei der Durchführung ihrer Aufgabe für die Wiederherstellung des kirchlichen Friedens und damit für die Sicherstellung eines wirklich gesegneten kirchlichen Lebens zu stützen und zu fördern.
— 29. Okt. Heute Vormittag haben im Sitzungssaale der Eisenbahnabtheilung des Handelsministeriums die Conferenzen der Sachverständigen begonnen, welche der Handelsminister „über die zur Erhöhung der Sicherheit im Eisenbahnbetriebe zu ergreifenden Maßnahmen" berufen hat. ES sind hierzu die Direktionen der preußischen Staats- und Privatbahnen aufgefvrdert worden, einen technischen Commissarius, welchem thun- lichst ein höherer Maschinen-Techniker beizuordnen ist, zu entsenden. Als Programm für die Reihenfolge der Besprechungen bient, wie bereits gemeldet, ein Fragebogen , der jedoch nut als allgemeine Grundlage betrachtet wird, und weitere bezügliche Fragen nicht aus- schließm soll. Da es sich wesentlich um die Erzielung praktischer Resultate handelt, so wird vorzugsweise darauf hingewirkt werden, daß die bisher gewonnenen Erfahrungen für die Zukunft eine einheitliche Ver- Wendung finden. Die Dauer der Berathungen wird auf 2 bis 3 Tage geschätzt. Der Fragebogen umfaßt 32 Fragen, welche in vier Hauptkategorien zerfallen, nämlich: A. Oberbau a) auf der freien Bahn, b) auf den Bahnhöfen. In letzterer Beziehung verbreite« sich die Fragen namenllich über die Konstruktion der Weichen, die Herstellungsweise der Weichenvorrichtungen, . deren Instandhaltung und Controle. B. Signalwesen zum Zweck der Betriebssicherheit namentlich bezüglich der Haltesignale, im möglichen Fall der Unterbrechung einer telegraphischen Verbindung re. C. Betriebsmittel. Hier betreffen die Fragen das Bremsen, Vorkehrungen
auf die Oberhesstsche 3ei- tuttfl für die Monate Ro- uMMbcr und Teecmber werden von allen Postanstalten ^n, »er Expedition entgegengenommen.
gegen mich aus."
Noch mehrere Fragen — sie leugnete beharrlich, lor er dennoch zuletzt die
richtete der Richter an fie So ruhig er war, so ver- Geduld. Er kannte solche
Der Deichblluer.
Criminal-Novelle aus dem Volksleben von Friedrich Friedrich.
(Fortsetzung.)
„Ja!" erwiderte sie kurz.
Er verließ das Zimmer. Gleich nach ihm trat der Deichbauer ein. Die Frau stand am Fenster und sah schweigend durch. Er warf kaum einen Blick auf sie.
Nach wenigen Minuten fuhr sie erschreckt vom Fenster zurück. Sie hatte zwei Gens'barmcn auf den Hof treten sehen - ihr ahnte, was geschehen sollte. Das hatte sie nicht erwartet - das durste nicht geschehen. Die Schande — lieber wollte sie sterben. — Sie eilte zur Thüre.
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„Ja, ich möchte einige Fragen an Euch richten", sagte der Richter, ruhig, sanft, um sie von vornherein nicht abzuichrecken.
Sie verrieth nicht das geringste Zeichen der Furcht.
„Ihr wißt, welches Verbrechen Euer Sohn begangen hat?" fragte der Richter.
„Nein."
Sie sprach die« ruhig, aber mit voller Bestimmtheit.
„Ihr habt noch nichts davon gehört?"
„Gehört habe ich es, aber ich glaube es nicht. ES kann nicht wahr sein!"
„Weshalb nicht?"
„Er ist einer solchen That nicht fähig!" antwortete sie.
„Ich will Euch nur auf eins aufmerksam machen: je offener Ihr die Wahrheit bekennt, um so bester ist eS für Euch selbst."
„Ich spreche die Wahrheit!"
.Euer Sohn ist doch bei Euch gewesen, in der
„Ein gottloser Bube ist er!" fiel der Deichbauer ein. Aus mich selbst hat er das Mester gezückt!"
„Laßt — laßt!" wies ihn der Richter zurück. Unterbrecht mich nicht! — Es ist erwiesen, daß er Georg erstochen und den Waldhüter vom Stege gestoßen hat", fuhr er zu der Frau gewendet, fort
Sie blieb ruhig. „Ich glaube es nicht!"
„Ihr habt aber darum gewußt!" beschuldigte sie der Richter bestimmt.
„Nein."
Naturen, welche von dem Wahne befallen sind , ihr Leugnen müßte ihnen helfen, selbst wenn die unzweifelhaftesten Beweise und Zeugen gegen fie vorhanden sind.
„Ihr beharrt asto bei allen Emen Aussagen?" fragte er noch einmal.
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Deutsches Reich. •
Berlin, 29. Oct. In einem Artikel „Nochmals den Wahlen" schreibt die heutige „Prov.-Corresp.":
Die jüngsten Wochen haben dem preußischen Volke neue erhebende Beweise der hoch angesehenen mächtigen Stellung gebracht, welche unser Kaiser und König vermögender Erfolge seiner Politik erreicht hat. Nicht die Waffensiege und der KriegSruhm allein haben ihm diese Stellung bereitet. Bloße KriegSerfolge hätten die fremden Regierungen und Völker vielmehr von Preußen und Deutschland abgewandt und zu gemein- ferner Vorsicht dem Eroberer gegenüber veranlaßt, wenn nicht die Politik unserer Regierung gerade auf Grund der gewaltigen Kriegserfolge ihre ganze Kraft, Umsicht und Staatskunst daran gesetzt hätte, das Deutsche Reich zum Mittelpunkt und Träger einer aufrichtigen und mächtigen Friedenspolitik zu machen. Jndesten die große Verehrung, deren sich unser Kaiser überall erfreut, beruht überhaupt nicht bloß auf den Erfolgen der Kriegs- und Friedenspolitik nach außen; sie wurzelt zugleich in der Anerkennung des hochherzigen Strebens und Waltens des Kaisers in den inneren deutschen und preußischen Angelegenheiten. Die Regierung unseres Königs hat zunächst in Preußen und sodann auch im neuen Deutschen Reiche eine Ausgleichung ber früheren politischen Gegensätze und Parteistand- punkte in so ausgedehntem Maße erreicht, wie es selten einer Regierung zumal in Zeiten mächtiger Be- wegung und Erregung der Geister gelungen ist. Während bei der mannigfachen Fortbildung der Gesetzgebung in Preußen und ebenso bei den neuen Schöpfungen im Reiche mit conservativem Sinne der Zusammenhang mit altbewährtem Bestehenden möglichst gewahrt worden ist, hat die Regierung zugleich nach allen Richtungen einen offenen Sinn' für die Bedürfnisse und Forderungen einer stetig fortschreitenden Entwickelung bewährt und auf allen Gebieten freisinnige Reformen angebahnt. Hierdurch ist der frühere schroffe Gegen- ,atz eonservativen und liberalen Parteiwesens mehr und
Aus's Neue fiel der Deichbauer ein und rief: „Das ist nicht wahr!"
Der Richter bat ihn, sie für kurze Zeit allein zu lasten. Die Gegenwart des ManneS schien die Frau noch immer trotziger zu stimmen.
„Gesteht doch!" wandte er sich ruhig an sie, als Homann das Zimmer verlassen hatte. „Das Leugnen hilft Euch nicht« — zu viele Beweise liegen gegen
„Nein!"
„Er ist hier im Hause gewesen."
„Davon weiß ich nichts." ,
„Ihr seid um dieselbe Zeit aufgestanden — habt Eure Kammer verlasten."
„Nein."
„Euer Mann hat es deutlich gehört"
„Er hat sich geirrt"
Wieder wollte der Deichbauer, der seine Aufregung nicht verbergen konnte, einfallen, ein Blick deS Richters hielt ihn zurück.
Ihr habt Eurem Sohne zur Flucht verhalfen I
Nein."
^Woher wußtet Ihr, daß er fort war, ehe noch Jemand eine Ahnung davon hatte?"
„Ich habe eS nicht gewußt!"
„Und doch habt Ihr nicht den geringsten Schrecken gezeigt, als es Euch mitgetheilt wurde."
„Ich war erschreckt."
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Euch vor."
„Ich habe nichts zu gestehen!" erwiderte fie. „Ich habe die Wahrheit gesagt."
„Ihr verschlimmert Eure eigene Lage dadurch, und werdet mich zum Aeußersten zwingen!"
„Ich habe nichts zu gestehen!" wiederholte.fie. „Mein Mann haßt mich ■ ' _
Einige Stunden später fuhr Homann mit dem Richter nach dem Torfe zurück. Er wurde finsterer, je mehr er sich demselben näherte. Noch vor wenigen Wochen hätte er eS für eine Unmöglichkeit gehalten, daß es dahin fornmen könne, wohin es jetzt kommen mußte. — Die Deichbäuerin stand am Fenster, als er auf den Hof fuhr. Sie zuckte leise zusammen, als sie den Richter neben ihm im Wagen erkannte. Gleich darauf war sie wieder gefaßt. Kam er ihretwegen so war sie entschlossen, ihm mit ganzer Stärke und Hartnäckigkeit entgegen zu treten. ^Vv.. ... —, — —, ------
Sie blieb im Zimmer, als ihr Mann und ber reI6m sRa*t ,n welcher er den Mordversuch aus den Richter eintraten. Ruhig erwiderte sie den Gmß des ausgeführt hat", sagte ber Richter,
letztem. . _
Einige Minuten sprach Kemer em Wort. Die Frau wollte jetzt bas Zimmer verlasten.
„Bleib!" befahl ihr ber Bauer. „Der Herr Richter hat mit Dir zu sprechen."
Sie blieb.