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Marburg, Dienstag, den 28. October.

OberhesMe ZeitM

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Kammer zurückfordern werde sie that cs nicht. In einem andern Zimmer begab sie sich zur Ruhe.

Fester und Fester hatte sich bei ihm der Gedanke gesetzt, daß sie das Geld entwendet habe. Er glaubte es noch auf ihrer Kammer verborgen und hatte am Tage nicht den Muth gehabt, die Kammer zu durch­suchen. Sie war seine Frau der Gedanke an die Schande hatte ihn erzittern gemacht.

Aber weßhalb konnte sie diesen Schritt gethan haben? Für sich nicht, denn er hatte sie nie in ihren Ausgaben beschränkt. Er dachte an Franz. Er wußte, daß derselbe ein ausschweifendes Leben führte, daß er mit schlechten Gesellen in der Waldschenke zechte und spielte; er wußte, daß sie ihm öfter Geld gegeben hatte. Er hatte darüber geschwiegen, weil er sich der wenigen Thaler wegen nicht ärgern wollte. Sollte sie ihm das Geld geben wollen?

Von diesen Vermuthuugen geleitet, hatte sich in dem Deichbauer die feste Ucberzeugung ausgebildet, daß Franz in dieser Nacht kommen, otzer daß seine Mutter versuchen werde, das Geld von der Kammer zu holen, oder, wenn sie cs an einem Orte verborgen hatte, aus dem Hause zu schaffen.

Auch er begab sich endlich in seine Kammer und löschte das Licht aus. Er legte sich indeß nicht zur Ruhe. Angekleidet, wie er war, setzte er sich auf das Bett und lauschte.

ES war so still im Hause, daß ihm kein Ton ent- gehen konnte, selbst das leiseste Geräusch nicht. Es blieb auch still. Stunde auf Stunde verrann. Kein Schlaf kam ihm in die Augen. Aber das aufmerk­same Lauschen spannte seine Nerven an. Er wurde immer mehr aufgeregt

So brach der Morgen herein und sein Wachen und Lauschen hatte zu nichts geführt. Er war ver­stimmt. Seine Frau trat in das Zimmer, bleich und mit eingefallenen Wangen. Hätte sie ihm Alles ge­

- Der Deichblwer.

Criminal-Novelle aus dem Volksleben von Friedrich Friedrich.

(Fortsetzung.)

Homann blieb allein. Er war noch unschlüssig, was er thun sollte. Noch hatte er dem Gerichte keine Anzeige von dem Diebstahle machen lasten. Was konnte es ihm nützen? Alles Vertrauen zu demselben hatte er verloren, da es nicht einmal eine Spur besten, der seinen Sohn erstochen, aufzufinden ver­mocht hatte. .

Einen Tag wollte Homann doch zum Welligsten noch abwarten und selbst die Augen offen behalten. Er verließ deßhalb das Haus nicht. Am Nach mittag erfuhr er, daß der Waldhüter, wahrscheinlich m der Trunkenheit, von dem Stege gestürzt sei und sich auf dem Gestein den Kopf arg zerschlagen habe. Besinnungslos sei er ausgcfundm und nach seinem Hause gebracht worden. Noch liege er in demselben bewußtlosen Zustande, und der Arzt habe erklärt, daß es sehr schlecht mit ihm stehe, und wenig Hoffnung für sein Durchkommen vorhanden sei.

In der Aufregung, in der er sich befand, machte die Nachricht wenig Eindruck auf ihn. Auch die Hoff­nung, die er auf dm Waldhüter gesetzt hatte, daß es ihm gelingen möge, dm Mörder seines Sohnes zu entdecken, schien jetzt gescheitert. Wohl sagte er sich selbst, hättest Du ihm kein Geld gegebm, so würde e» vielleicht anders gekommen sein, er würde sich keinen Rausch angetrunken haben; allein sich selbst konnte er keinen Vorwurf über das Unglück des Manneö beimestm.

Ruhig ging der Tag hin. Mit seiner Frau sprach er kein Wort. Sie setzte sich am Mittag und Abend mit zu Tisch, rührte aber keine Speise an. Ihre Züge waren fast verzerrt von Kummer. Der Deichbauer erwartete, daß sie am Abend den Schlüstcl zu ihrer

vieler deutschen Vaterlandsfreunde entsprechen würde. Ob indessen Dänemark die nothwendigen Bedingungen einer solchen Lösung anzunehmen bereit wäre, müßte erst festgestellt werden. Wie weit das Ganze that- sächlichen Boden hat, wird sich, wie bemerkt, bald zeigen. Bis jetzt sind außer den Zeitungsnachrichten keine genügende Anhaltspunkte vorhanden, die eine thatsächliche Begründung jener Angaben irgendwie ver- bürgen lassen können.

Pose», 25. Okt. DieOstdeutsche Zeitung" meldet: Die gegen den Officialcanonicus Dorszewski geführte Untersuchung hat ergeben, daß die Unter schlagungen in der Domkapitelkaste zu Gnesen bisher die Höhe von 9000 Thalern erreichten.

Wiesbaden, 25. Oct. Der Communal-Landtag wurde gestern Abend geschlossen.

Hamburg, 23. Okt. Die preußische Regierung hat die als Ersatz für die s. Z. confiScirten schles­wig-holsteinischen Waffen vereinbarte Vcrgleichssumme nunmehr bei der Norddeutschen Bank zur Disposition der Liquidationskommission für die schleswig-holsteinische freiwillige Anleihe gestellt. Die Einlösung der Ohli- gationen dieser Anleihe wird demnach Anfang Novem­ber beginnen, und zwar bei der Norddeutschen Bank in Hamburg und bei der Vereinsbank in Kiel. Näheres darüber wird noch bekannt gemacht werden.

Braunschweig, 25. Oct. Der von der Re­gierung zur Vorlage für den am 4. November zu­sammentretenden Landtag gefertigte Reformvorschlag des Wahlgesetzes vermindert die Zahl der Abgeord­neten von 46 auf 33, führt das directe geheime Wahl- verfahren ein, beseitigt die besondere Vertretung der Geistlichkeit, behält dagegen den früheren Wahlmodus- insofern bei, als die Hälfte der Abgeordneten durch sogenannte allgemeine Wahlen, die Halste durch Höchstbesteuerte und durch wissenschaftliche Berufs­stände gewählt werden soll.

Leipzig, 25. Okt. Gestern Abmd 11 Uhr stieß ein Personenzug bei der Einfahrt in den Thüringer Bahnhof auf einen dort haltenden Güterzug. Ein Bremser blieb tobt, der Lokomotivführer wurde er heblich verwundet, einzelne Passagiere contussionirt. Lokomotive, Tender und einige Güterwagen wurden

Deutsches Reich.

Berlin, 25. Oct. Bischof Reinkens wird heute Nachmittag 3 Uhr vom Kronprinzen hier empfangen werden. Der Kaiser trifft um 51/2 Uhr hier ein. Die hiesigen Abendzeitungen bringen den italienischen Text deS von dem Papst an den Kaiser gerichteten Briefes. Die Börsenblätter halten die Erhöhung des DiScontS der preußischen Bank am Anfang der nächsten Woche für wahrscheinlich. DerBörsen kurier" hört, die Prioritätsanleihe der Dortmunder Union sei von einigen der Gesellschaft nahe stehenden Häusern fest übernommen. In finigen Blättern ist im Laufe dieser Woche mehrfach von der Wieder­aufnahme der nordschleswigschen Angelegenheit ge­sprochen worden, in Anlaß theils des wiederholten Besuches deS kronprinzlichen Paares in Wien, theils des Besuches Sr. Majestät auf Schloß Muskau beim Prinzen Friedrich der Niederlande, Großvater der Kronprinzessin von Dänemark. Zu gleicher Zeit mel­det ein aus Wien datiries Telegramm in englischen und belgischen Blättern, der Kronprinz von Dänemark bemühe sich wegen eines Arrangements, und es sei nicht unmöglich, daß Fürst Bismarck, Angesichts der mächtigen Constituimng deS einigen Deutschlands, und weil französische Operationen in Schleswig jetzt im Kriegsfälle weniger zu befürchten wären, die rein dänischen Districte abzutrcten geneigt sein könnte. So jene Angaben, über welche die anerkannt officiösen Stimmen in der Presse bis jetzt Stillschweigen beob­achtet haben. In hiesigen nichtpreußischen politischen Kreisen ist von aus die nordschleswigsche Frage bezüg­lichen Unterhandlungen bis jetzt nichts bekannt. Os- ficielle Unterhandlungen sind danach schwerlich eröff­net, und noch weniger wird schon ein Abkommen er­folgt sein, wie das von einigen Seiten vorausgesetzt wird. Die Möglichkeit ist allerdings vorhanden,- daß zwischen den Höfen vorbereitende Besprechungen statt- gcfunden haben könnten. Wäre das der Fall, würden bald noch mehr Symptome davon hervortreten. Die Bestätigung nach der einen ober onbern Seite hin würde danach abzuwarten sein. Es bedarf nicht der Bemerkung, daß eine billige und die deutschen Jnter- efien wahrende Lösung der Frage den Wünschen auch

zertrümmert. Zn der hiesigen Centralhalle haben gestern und heute die Delegiiten des Allgemeinen deutschen Arbeiterbundes ihre Sitzungen abgehalten. Die Versammlung war durch 170 Delegirte beschickt, tagte unter dem Vorsitze deS Schneidermeisters Köppcn (Berlin) und beschloß u. 81., einen Verein von selbst­ständigen Handwerkern und Fabrikanten mit einheit­licher Leitung ins Leben zu rufen, der sich über ganz Deutschland erstrecken soll. Ferner wurde beschlossen, für rege Betheiligung an den politischen Wahlen zu wirken und bei den Wahlen nur Vertreter oder Freunde des Handwerkerstandes zu berücksichtige».

Arolsen, 22. Okt. Bekanntlich ist die Wal- deck'sche LandeSsynode mit dem unbestimmten Hinweis auf einen in geheimer Sitzung vorgekommenen bedenk­lichen Zwischenfall geschlossen worden. Der Sachver­halt ist folgender: Der Abg. Lentrodt hatte folgenden Antrag gestellt:Die LandeSsynode protestirt mit aller Entschiedenheit gegen die vom Herrn Confisto- rialrath Schramm in seinem Vortrage überdie bleibende Bedeutung Jesu" ausgesprochenen Anschau­ungen und Grundsätze, beklagt auf das Tiefste das Aergerniß, welches unserer Kirche damit gegeben, und bekennt sich mit ganzer Ueberzeugung nicht nut zu dem ganzen apostolischen Glaubensbekenntniß, sondern auch zu den Bekenntnissen unserer Landeskirche über­haupt und hält es für ihre Pflicht, darüber zu wachen und dafür einzutreten, daß dieser Glaubensschatz un sercr Kirche und unserem Volke nicht verkümmert und genommen werde." In den Motiven zu dem Anträge heißt es, daß in jenem Vortragedie Grundwahrheiten deS ChristcuthumS, der Stern und Kern auch unserer evangelischen Kirche, nämlich die Lehren von der Gott­heit Christi, von der Versöhnung und Erlösung auf Grund deS Lebens, Leidens, Sterbens, und der Auf­erstehung Christi neben anderen Fundamentallehren unserer Kirche offen und frei geleugnet und als ab» gethaner Jrrthum verworfen werden." Es fei zu be­fürchten , daß der Consistorialrath Schramm es sich zur Aufgabe mache, dieser neuen Lehre und diesem neuen Glauben in der waldeck'schen Landeskirche Ein­gang zu verschaffen und sich dieselbe in seiner kirchen- regimentlichen Thätigkeit und Stellung als Norm urld

standen, er würde ihr vergeben habenihr Leugnen, ihr Trotz, dem sie den Mantel des stillen DulheiiS und Leidens umgelegt hatte, erbitterte ihn.

Bald darauf kam der Wassermüller, der war sein vertrautester Freund geworden. Am Tage zuvor war er verreist gewesen und hatte erst am späten Abend bei seiner Rückkehr deS DeichbauerS Geschick erfahren. Dieser erzählte ihm jetzt Alles.

Und Du hast noch keine Anzeige beim Gerichte davon gemacht?" fragte der Müller.

Nein."

Und hast auch keinen Verdacht?"

Doch doch," erwiderte der Deichbauer mit bitterem Lächeln,ich--*

Er wurde durch einen Knecht vom Waldhofe un­terbrochen, der in das Zimmer trat.

WaS willst Du?" rief er, unwillig über die Störung, dem Eingetretenen zu.

Herr! Der Franz ist schon seit zwei Nächten und gestern nicht heimgekommen, erwiderte der Knecht, und Niemand weiß, wo er ist."

Der Deichbauer sprang auf. Eine Ahnung durch­zuckte ihn.Er ist fort?" rief er.

Niemand weiß, wo er ist," wiederholte der Knecht.

Seit wann ist er fort?"

Seit vorgestern Abend," gab der Knecht zur Antwort.Da ist er in der Waldschenke gewesen bis gegen Morgen und bann ist er mit bem Wald­hüter heimgegangcn. Nach Haus ist er indeß nicht gekommen. Man erzählt," fügte er hinzu dann stockte derselbe.

WaS erzählt man?" fragte der Deichbauer.

In der Waldschenke soll er mit dem Dörfel des Spieles wegen Streit gehabt haben und man er­zählt, er wisse vielleicht um den Unfall beö Wald- hütcrö und sei deshalb nicht heim gekommen!"