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r« 23« Marburg, Donnerstag, den 23. October.

Oderhessische Zeitung.

1873.

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(SrfAeint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22j Sgr., durch die Dostämter 27 Sgr. (erd. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. ;

* Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 2j Sgr. berechnet. Sämmtliche Annoncen-Büreans nehmen Inserate an. .......

Deutsches Reich.

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1# Berlin, 21. Oct. Nach den neueren Mel-

i- Angell ist die Abreise Sr. M. de« Kaisers von A str Donnerstag Abeird bestimmt, indeß eine

Verlängerung des Aufenthalts um weitere 24 Stunden wirb hier erst erwartet. Angesichts der zahllosen Konflikte mit den katholischen Geistlichen in Posen l,ü die Regierung, wie Berliner Correspondenten be haupten, di« Einführung der Civilehe in. der Provinz Posen beabsichtigen; die ernstlichste Erwägung dieser Frage, die möglicher Weise durch weitere Zu nähme der Confiirte auch zu der qu. Maßregel führen kann, wollen wir nicht in Abrede stellen, doch dürften bis zur wirklichen Entscheidung über diese Frage auch hie entgegenstehenden Bedenken noch reifliche Erwä- !eri> jung finden; unter diesen würde wohl an erster Stelle die Frage stehen, ob bei der demnächst bevorsteheuden aiyil Einberufung des Landtag« der legale Weg nicht ab- pl4 zmvarten und ob die Einführung der Civilehe in der W» Provinz Posen wirklich so große Eile habe, um dem eUe11 LandlagSbeschlusse noch vorgreisen zu müsien, wenn um auch die Kirchengesetze das formale Recht im s. g. ltrfl RothstandSparagraphen gegeben haben. Geh. Ober« «eg.-Rath Persius im Ministerium des Innern > sich nach Königsberg und Magdeburg begeben, __am mit dem Ober-Präsidenten wegen Feststellung der lmtSbezirke zu conferiren. Auch dieKreuzzeitung" kt sich nunmehr zu einer Auslastung über den Bricf- »cchsel zwischen Kaiser und Papst veranlaßt gefunden hnb stimmt mit der liberalen Presse dahin überein, die Deduktionen deS berüchtigtenProtestanten" in derGermania" für die Herrschaft des Papstes «ich über Protestanten unvereinbar feien mit den Michren des Protestanten; auch führt sie treffende Mate, die gegen die Unfehlbarkeit und Herrschsucht Les Papstes gerichtet sind. Wenn dieGermania" mit dieser Erörterung derKreuzz." sich leidlich zu-

c Heben erklärt und siegemäßigt" findet, so erhellt V» daraus, wie bedeutend dieGermania" chre Ansprüche tr» herabgestimmt hat. Zur Lamormora-Enthüllung bringt dieGermania" in Erfüllung ihrer früheren Ankün biflung nachträglich eine Erörterung, die an den 1i Spruch erinnert:parturiunt montes narcetur ri- .... dientus mus; sie bestätigt nur, daß der qu. Brief von dem Kaiser von Oestreich nicht von der Kaiserin ilugusta, sondern von der Kinigin-Wittwe geschrieben 7», gewesen war, und daß er erfolglos gewesen.

21. Oct. Entsprechend einem von dem inter­nationalen Congreste der Land- und Forstwirthe zu Wien gefaßten Beschlüsse hat die österreichische Regie­rung eS übernommen, den Schutz der für die Boden­kultur nützlichen Vögel durch internationale Verträge mit allen europäischen Staaten unter Zugrundelegung folgender Bestimmungen zu sichern. Der Fang und das Tödten der Jnsecten fressenden Vögel ist unbedingt verboten. ist wünschenswerth, daß ein specielleS Verzeichniß der zu schonenden Vögel durch eine inter­nationale Commission von Sachverständigen ausgear beitet werde. Der Fang der größtentheilS Körner fressenden Vögel ist, außer der vom 1. März bis 15. September währenden Schonzeit gestattet. Der Vogel­fang mit Schlingen und Fallen irgend einer Art, und ebenso mit Leim, ist gänzlich verboten. Das Aus nehmen der Eier und Jungen, sowie das Zerstören der Nester aller Vögel, ausgenommen jener der schäd lichen, ist verboten. Das Zusammenstellen eines Ver­zeichnisses dieser schädlichen Vögel soll ebenfalls durch die oben genannte Commission erfolgen. DaS Feil bieten von lebenden oder tobten Jnsecten fressenden Vögeln ist jederzeit verboten, ebenso der Verkauf der übrigen Arten «ährend der Schonzeit. DaS Verbot bezieht fich auch auf den Verkauf von Nestern und Eiern der erwähnten Vögel. Ausnahmen von den vorstehenden Bestimmungen können jederzeit zu rein wissenschaftlichen Zwecken zugestanden werden.

Mit dem 1. November tritt der zwischen Deutsch­land und Italien am 11. Mai d. I. abgeschlostene Postvertrag in Kraft. Seitens des deutschen General« Postamts sind nun die Ausführungs-Bestimmungen zu diesem Vertrage anfgestellt und werden demnächst zur Kenntniß der Postanstalten gebracht werden. Der neue Postvertrag findet gleichmäßig auf den gesammten Postverkehr zwischen Deutschland und Italien Anwen­dung. Auch haben die Bestimmungen deS Vertrages Kraft für diejmigen Correspondenzen, welche durch Vermittelung der deutschen Post zwischen Luxemburg und Italien ausgetauscht werden. In den Bestim­mungen über den PostanweisungS- und Fahrpostver­kehr werden durch dm neuen Vertrag Aenderungen nicht hervorgerufen.

DerWeserztg." schreibt man:Die jüngst wieder in Anregung gebrachte Frage in Betreff des Präsidiums des preußischen Staatsministeriums ist bei Gelegenheit der Durchreise des Fürsten BiSmarck

Gegenstand vertraulicher Erörterung gewesen. Nach wie vor geht, wie man von kompetenter Seite erfährt, die Absicht in den leitenden Kreisen dahin, dem Fürsten BiSmarck die preußische Staatskanzlerwürde zu über­tragen, ihn mit dem formellen Präsidium des Staats­ministeriums zu betrauen, für die Uebernahme deS Details der Prästdialgefchäste aber einen Viceminister­präsidenten zu ernennen. Die von allen Seiten ge- wünschte Vereinigung der Leitung der Reichs- und preußischen Staatsangelegenheiten in einer Hand dürfte aus diese Weise erzielt werde». Darüber hinaus scheint eS mcht möglich, den Reichskanzler für die preußischen Geschäfte in Anspruch zu nehmen, und kommm hier zwei Umstände in Betracht, die in der Preste bisher doch nicht genügend gewürdigt worden sind. Die Merzahl der Zeitungen faßt die eventuelles Ernennung Bismarck'S zum preußischen Staatskanzler in der Weise auf, daß sie die Traditionen wach ruftr die sich aus der Zeit und Thätigkeit Hardenberg'«- an die Würde knüpfen. Dem gegenüber ist erstens- zu erwägm, daß der Gesundheitszustand und die. Arbeitslast deS Fürsten eine so eingehende Betheiligung au der Leitung deS preußischen Ministeriums nicht zulißt, wie sie die Hardenberg'sche StaatSldnzlerschaft mit sich führte. Sodann aber ist die Wiederbelebung einer solchen aus konstitutionellen Gründen heut zu Tage nicht ohne Schwierigkeit. Die Minister sind dem Landtage versastungsmäßig für ihre Restorts selbst, verantwortlich. Eine über sie hinwegragende Staats- kanzlerschaft des alten Styls würde ohne Aende- rung des verfassungsmäßigen Zustandes unmöglich sein.

Pose«, 21. Okt. Das hiesige Kreisgericht hat dm Erzbischof LedochowSki wegen Androhung der Ex­kommunikation gegen den hiesigen Religionslehrer Schröter, welcher die schlesische Adreste derStaats-' katholiken unterzeichnet halte, auf Grund des Gesetzes vom 13. Mai zu 300 Thlrn. Geldbuße, eventuell zweimonatlichem Gefängniß verurtheilt.

Paderborn, 17. Oct.' Trotz der verweigerten staatlichen Anerkennung, trotz Sperrung der Professorm- Gehäller und trotz Versiegelung der Hörsäle hat, wie dasWests. Volksblatt" schreibt, unsere philosophisch-' theologische Lehranstalt am 16. d. M. das neue Schlll- jahr eröffnet, und zwar, wie üblich, mit einem Fest-- gvttesdienste. Dem Vernehmen nach haben sich acht­zehn Studirmde eingefundm. Die Vorlesungen wer-

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n.

Der Deichbauer.

Criminal-Rovelle aus dem Volkskeben von Friedrich Friedrich.

(Fortsetzung.)

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Gelacht halte er darüber. Wie sollte er dazu kommen, desten Hütte zu betreten? Und doch stand et jetzt im Begriffe, e« zu thun, und der Waldhüter Halle seine Drohung nicht vergessen, das wußte er nur i» gut.

Wenige Sekunden lang stand er noch zögernd da, dann schritt er mtschlostm zu. Mochte es kommen, »ie es wollte, er durfte nichts unversucht lasten.

Ruhig trat er in das kleine HauS ein. In dem Zimmer war eS still, keine Stimme tönte daraus. Er kchte an die Thür. Kurz, barsch rief esHerein!" Das klang nicht freundlich.

Er öffnete die Thür und trat über die Schwelle.

Der Waldhüter lag auSgestreckt auf einer Bank. Kaum hatte er den Eintretenden erkannt, so sprang tt überrascht auf. Einige Schritte trat er vor, und lerne dunkeln Augen glühten. Auge in Auge standen sich die beiden Männer gegenüber. Der Deichbauer ertrug dm Blick des Andern, indeß zuckte auch nicht eine Miene in seinem Gesicht vor Aufregung.

Ha, Deichbauer!" rief der Waldhüter mit höh- tttubem Lachen.Die Ehre hätte ich mir nicht trau« ?len lasten. Nur Eins scheint Ihr vergesten zu haben, sonst wäret Ihr sicherlich nicht hierher gekommen; ich «eine die Worte, die ich Euch vor Jahren zugerufen tee als Ihr mich au« Euerm Hause warfet!"

Ich habe sie nicht vergesten, Dörfel," erwiderte der Deichbauer ruhig.

Und dennoch wagt Ihr, diese Schwelle zu über treten?" unterbrach ihn der Waldhüter.Dies ist mein Hans hier habe ich das Recht in der Hand und wmn Ihr zehnmal der reiche Deichbauer seid, und Ihr sollt sehen, daß ich von meinem Rechte Ge­brauch machen werde!"

Er war in der heftigsten Aufregung. WaS er so lange in sich verschlossen hatte, drängte fich nun mit einem -Male vor.

Dörfel!" rief der Deichbauer. Seine Stimme klang ernst, mahnend. Durch seine Ruhe, denn regungs­los stand er da, durch seine Furchtlosigkeit imponirte er dem Waldhüter. Seine bleichen, eingefallenen Wangen nahmen desten Zorne die Gewalt.

Das war nicht mehr die stolze, befehlende Gestalt des DeichbanerS von ehedem. Geknickt und gebrochen stand er da. »

Dörfel!" wiederholte er ruhig.Euere Drohung habe ich nicht vergesten, und dennoch bin ich hierher gekommen. Nur einen Augenblick hört mich ruhig an. Wir haben Streit mit einander gehabt, ich bin heftig gegen Euch geworden. Heute würde ich e« nicht mehr fein; denn Ihr steht jetzt glücklicher und reicher da, als ich es bin."

Der Waldhüter schwieg. Die Worte deS sonst so stolzm Bauers griffen ihm mächtig in'S Herz; er wollte den Zorn zurückdrängm, allein das ging so leicht nicht; denn seit Jahren hatte er ihn in sich genährt.

Dörfel!" fuhr der Deichbauer fort,Ihr habt gesagt, wenn daS Gericht nur klügere Latte hierher schicke, so könne es nicht fehlm, den Mörder meines Sohne« zu entdecken, Ihr seid schlau, Ihr kommt mit

vielen Menschen zusammen, wenn Ihr den Mörder auffindet und mir nennt, dann verlangt von. mir, was Ihr wollt, und Ihr sollt es haben!"

Ich mag nichts von Euch ich habe .mit Euch nichts mehr zu schaffen," erwiderte der Waldhüter, vor sich hinstarrend auf die Erde. .

Auch wenn Ihr nichts erreicht, sollt Ihr Euch nicht umsonst bemüht haben. Hier habt Ihr vorläufig hundert Thaler." , -t?

Er legte eine Geldroll« auf den Tisch. -

Des Waldhüters Augen zuckten auf. Er wollte die Hand danach ausstrecken, hielt sie aber zurück. Hundert Thaler! So viel Geld hatte er feit Jahren nicht in Händen gehabt, auf ehrliche Weise konnte er es verdienen, und dennoch sträubte sich fein alter Groll gegen den Deichbauer dagegen. .. . ;

Behaltet Euer Geld!" rief er, die Rolle zurück­schiebendwir haben nichts mehr mit einander zu schaffen!"

Auch den Bauer schien seine Ruhe zu verlosten.. Ei» leichtes Roch schoß in feine Wangen, verschwand indeß eben so schnell wieder. Er mußte sich bezwingen und beherrschen.

Seid Ihr so unversöhnlich, Dörfel?" fragte er vorwurfsvoll.Auch Ihr habt ein Kind, und ich weiß, daß Ihr es liebt Wenn irgend ein Bösewicht Euer Mädchen erschlüge, und Ihr kämt bann mit schwerem Herzen zu mir unb ich könnte Euch helfen ich will auf meine Seligkeit verzichten, wenn ich dann nicht jeden Groll gegen Euch vergesten hätte unb Alles thun würde, um Euch beizustehen. Ihr wißt nicht, was da« heißt, ein Kind verlieren, an btm. da« Herz und Leben hängt!" . of^/rL1