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gehen, den wollen wir hier vertrinken; ich habe einst am Deichhofe genug, und den muß ich erhalten!"

Wenn sein Geld nicht ausreichte, so half der Wirth bereitwillig aus. Auch er sah ihn als dm nächsten Erben des DeichhofeS an, und der durfte schon Schulden machen.

Franz lebte in dem Wahne, der Deichbauer wisse von seinem Leben nichts. Der hatte eS jedoch durch den Wassermüller längst erfahren, wollte sich indeß nicht darum kümmern. Was ging es ihn an, wenn der Bursch den letzlm Rest seines väterlichen Gutes durchbrachte. Ganz andere Sachen lagen ihm im Kopfe.

Wochen und Monate waren verflossen, und trotz aller Nachforschungen war noch nicht die geringste Spur des Mörders entdeckt. Alle Mühe schien ver gebens zu sein.

Der Richter hatte sich dieser Sache mit außer ordentlichem Eifer angenommen; er hatte seinen Kopf darauf gesetzt, den Thäter zu entdecken. Er hatte so­gar mehrere Diener der Polizei heimlich in der Gegend umhergesandt, welche Nachforschungen anstellm mußten. — Alles vergebens.

Da kam dem Wassermüller eine Aeußerung zu Ohren, welche der Waldhüter im Rausche gethan hatte, daß die Polizei noch immer nicht den rechten Mann geschickt habe, sonst müsie der Mörder schon zu entdeckm sein. Er wolle ihn schon finden, wenn dies überhaupt seine Sache sei.

Er war nnentschlofien, ob er diese Aeußerung dem Gerichte anzeigen solle. Der Waldhüter schien etwas von dem Morde zu wifien. Er war ein schlauer Kops, aber eben so hartnäckig. Mit Gewalt war er nimmer zu zwingen. zumal er seit Jahren mit dem Deichbauer in Feindschaft lebte.

Ein Verdacht, daß er die That begangen haben könne, lag nicht gegen ihn vor. So weit konnte

der Spitzen der Behörden, der hiesigen Gesangvereine und einer zahlreichen Menschenmenge das Krieger­denkmal int Nerothale enthüllt. Das Denkmal stellt die Germania dar, in der einen Hand einen Lorbeer­kranz, in der anderen einen Seepter haltend. Auf dem Postament des Denkmals find Ibie Namen der Gefallenen verzeichnet und auf Erztafeln in einer Felsengruppe am Fuße de» Postaments die Namen der in Folge des Feldzugs Verstorbenen.

Breme«, 19. Oct. In der letzten Sitzung des Volksbildungsvereins kam die beabsichtigte Gründung eines Volksschriften-VerlagSgeschäfts für das nordwest­liche Deutschland zur Sprache. Dr. Hugo Meyer schilderte die doppelte Art von Literatur, welcher dasselbe hauptsächlich Boden abzugewinnen suchen solle: die ultramontanen Tendenznovellen, welche von Mainz und Regensburg aus verbreitet werden, und deren bekanntester Verfasier Conrad v. Bolanden ist; da­neben die Mordgeschichten, Verherrlichungen großer Räuber und lüsterner Liebeserzählungen, welche na­mentlich ein Berliner Verlag (neuerdings mit eigenem Zweiggeschäft hier) colportiren läßt und in die dich­testen Massen des Volks hinein absetzt. Dr. Meyer sowohl, wie der Vorsitzende, Handelskammer-Präses Claussen forderten die Versammelten dringend auf, sich des beabsichtigten GegenunternehmenS thätig an- zunehmen.

DreSde«, 20. Oct. Das heutige Bulletin über den Gesundheitszustand des Königs lautet: „Pillnitz, 73/t Uhr Morgens. Se. Majestät haben eine sehr unruhige Nacht verbracht. Der Schlaf war durch größere Athemnoth und durch Delirien gestört. Letztere, sowie die Beängstigung dauern auch jetzt noch fort. Fieber ist nicht vorhanden, die Pulsfrequenz aber er­heblich vermehrt."

Weimar, 18. Oct. Der zweite Delegirtentag des deutschen Kriegerbundes ist heute Nachmittag unter dem Vorsitz des Generallieutenant Stockmar aus Dessau eröffnet worden. Ueber 100 Delegirte von 160 Zweig- vereinen des Bundes aus den verschiedensten deutschen Städten waren auf demselben anwesend. Die Ver­sammlung sandte zunächst Begrüßungstelegramme an Se. Majestät den Kaiser und König nach Wien, sowie an Se. k. k. Hoheit den Kronprinzen anläßlich Höchst- beffen Geburtstages unb an ben Großherzog von Weimar. Sodann begann die Berathung der Statuten, die en bloc angenommen wurden.

Stuttgart, 20. Oct. Der „Schw. Merkur" berichtet aus Heidelberg, daß eS nunmehr sicher fei, daß Professor Treitschke schon im Frühjahr k. I. nach Berlin übersiedeln werde.

München, 20. Oct. Die ganze Tragweite des Briefwechsels zwischen Papst und Kaiser wird auch in vollem Maße in Süddeutschland gewürdigt, so schreibt ein hiesiges Blatt: „Das geistliche und welt­liche Schwert, von bereit Kämpfen das Mittelalter wiederhallte, haben sich auf'S Neue gekreuzt, und durch

die ganze gebildete Welt geht die Empfindung, daß der weltliche Herrscher des neuerstandenen Deutschlands den angeblichen Beherrscher aller Getauften aus's Haupt geschlagen hat.... Daß die Unfehlbarkeit Sr. Heilig­keit sich nicht auf'S Briefschreiben erstreckt, ist jetzt unwiderleglich dargethan; die ultramontanen Blätter, welche noch dann und wann auf ben Verstand ihrer Leser Rücksicht nehmm, fühlen das ihrer Sache durch das Schreiben widerfahrene Mißgeschick recht gut und sind sehr kleinlaut. Die ganze deutsche Nation da­gegen, so weit sie diesen Namen wirklich verdient, dankt dem Kaiser die treffliche Antwort, schlicht und markig, welche der constitutionelle Monarch, der deutsche Mann, der evangelische Christ der welschen, hochmüthigen Un- wiffenheit gegeben hat. Bekanntlich spielt unter den erdichteten Hermann von Lehnin'schen Weissagungen, womit der Ultramontanismus von Zeit zu Zeit seine Gläubigen amustrt, auch die Prophezeiung eine große Rolle, daß Deutschland wieder einen König haben und dieser in den Schooß der katholischen Kirche zurückkehren werde. Ob dem Papste diese Hoffnung vorgeschwebt und er in Wilhelm L das künftige Beicht­kind gesehen, muß man dahingestellt sein lassen. Aber so viel ist eingetroffen: Deutschland hat seinen Kaiser (Germania Regem), und in dem Kampfe für Wahr­heit und Recht, Freiheit und Bildung wird das deutsche Volk und hoffentlich auch die Fürsten an seiner Spitze, Alle — fest zu dem Führer stehen, dessen neueste Kundgebung aus dem Herzen der Nation gesprochen war und Widerhall bei allen Völkern der Erde gefun­den hat, die auf Freiheit und Ehre halten."

Ausland.

Wie«, 20. Okt. Bei der heutigen vom Kaiser commandirten Truppenparade standen 8400 Mann und 88 Geschütze in der Front. Die Parade fiel glänzend aus. Sämmtliche hier anwesende Erzherzöge und fürstliche Personen waren anwesend. Beide Mo narchen wurden von einer großen Zuschauermenge lebhaft begrüßt. Unter den Klängen der deutschen Volkshymne fand das Abtreten der Fronten statt, worauf der Vorbeimarsch und schließlich einige Ca valleriemanöver folgten. — Kaiser Wilhelm wird erst am 23 d. M. Abmds mit der Nordwestbahn von hier abreifen. — Der Kronprinz von Dänemark wurde gestern vom Kaiser von Oesterreich und vom Kaiser von Deutschland empfangen.

- Nicht leicht hat eine ofsicielle Auslaffung für Freund und Feind in ruhiger staatsmännischer Weise daö Wahre und Wesentliche hervorgehoben, als dies gestern Abend durch die Begrüßungsworte der Wiener „Abendpost" geschah. Man dürfte kaum fehlgehen, wenn man diese Zeilen dem Referenten über die deutschen Angelegenheitm int auswärtigen Amte, dem Herrn von Teschenberg, zuschriebe, denn in dieser Weise vermochte eben nur ein Mann zu schreiben, der in alle Geheimnisse der leitenden Ideen, welche Oester­reich-Ungarn mit Deutschland verknüpfen, eingcweiht

Tagelang verließ der Deichbauer sein Zimmer nicht. Sinnend, brütend saß er dann da, und tage­lang war er wieder abwesend, unb Niemand wußte, wohin er gegangen war.

Früher äußerst gesellig, wich er jetzt fast allen Menschen aus. Nur zur Wassermühle ging er gern unb oft. Gertrube hatte er ins Herz eingeschlosseu, unb wenn er an ihrer Seite saß unb ihre Hand fest in der feinen hielt, bann war es ihm, als ob die Leere in feinem Herzen wieder ausgefüllt wäre, als habe er sein Kind wiedergefunden. Von Georg mußte sie ihm erzählen, und er wurde nicht müde, ihr zu- zuhören, mochte fie ihm auch fast täglich dasselbe wiederholen.

Franz war nicht mehr auf dem Deichhofe. Seine Mutter hatte die Stimmung des DeichbauerS benutzt, um ihn zu bitten, daß er Franz an Georg'S Stelle auf ben Waldhof schicken möge. Ohne Zögern hatte er eS zugegeben. Was kümmerte ihn der Waldhof noch. Er selbst betrat ihn fast nie mehr.

Franz hatte erreicht, wonach er sich längst gesehnt. Den Herrn konnte er nun ungehindert spielen. Nie­mand achtete mehr auf sein Leben. Anfangs nahm er sich etwas zusammen. Nur kurze Zeit währte dies. Er brachte die Abende und halbe Nächte bei dem Waldhüter ober in ber Walbschenke zu. Es wurde gezecht unb gespielt. Seine Mutter ließ eS ihm nicht an Gelb fehlen. Mit Thalern warf er um sich, des­halb sagten ihm die, mit denen er in der Schenke ver­kehrte, unb mit benen so leicht Niemand umgegangen fein würde, Schmeicheleien und fügten sich seinem Willen, obschon er noch ein junger Bursch war.

Früher war er still, verschlossen gewesen, jetzt lebte er in wildem, luftigen Taumel. Der Deichbauer kümmerte sich nicht um ihn, unb feine Mutter wagte nicht, ihn zu ermahnen.

„Hahl" pflegte Franz feinen Spiel- unb Fecht­genossen lachend zuzurufen, „ber Waldhof mag drauf

ist. Vielleicht wird man gut thun, jenen Passus der amtlichen Kundgebung ganz besonders zu beachten, in welchem gezeigt wird, daß das Verhältniß zwischen beiden Reichen „zugleich mit jener Anziehungskraft für die benachbarten Staaten" begabt worden ist, „welche ber europäischen Lage heute größere Sicherheit gewährt, als seit langer Zeit." Dieser Hinweis auf die Beziehungen zu Rußland und Italien wird hoffent­lich an ber Seine verstanden werden, wo man auch die Stelle beherzigen möge, welche dem „erhaltenden, wahrhaft konservativen, jede gewaltsame Strömung ausschließenden, abwehrenden Gedanken" von nun an eine bleibende Stätte anweist. Wenn sich an diesen Wink die Bemerkung schließt, daß der Besuch Kaiser Wilhelm'S, selbst wenn er ohne besondere politische Motive unternommen worden wäre, doch naturgemäß nicht ohne politische Consequenzen bleiben könne, se ist damit ein avis au lecteur gegeben, das jede wei­tere Erläuterung überflüssig erscheinen läßt. Freund und Feind wissen da genau, woran sie sich zu halten haben. Weniger freundlich gestalten sich im Innern Oesterreichs die Wahlvorgänge.

Pest, 18. Oct. Der Minister-Präsident Szlavy ist gestern in Begleitung mehrerer Minister, unter denen sich auch der ungarische Honvcdminister Szende befindet, nach Wien gereift, um heute bei dem Empfange der Minister durch den Kaiser von Deutschland zu­gegen zu fein. Gestern Mittag hat ein Ministerrath in Ofen stattgefunden, wo der Beschluß gefaßt wurde, daß die Reise der Minister zu obigem Zwecke erfolge, und zwar mit einer Motivirung, die ber Minister- Präsident nicht unterlassen wird, den deutschen Staats­männern gegenüber zu betonen. „Das ungarische Ministerium — heißt es in derselben — das aus dem Schooße der Majorität des Reichstages hervor- gegangen, ist, dem Ausgleichsgesetze gemäß, berufen, auf die äußere Politik des GesammtreicheS einen ge­bührenden Einfluß auszuüben. Die ungarische Nation betrachtet das gute Einvernehmen mit Deutschland als die Grundlage jeder vernünftigen äußeren Politik ber Monarchie, welche die Interessen Ungarns berücksichtigt, und auch dem Wunsche ber* großen Mehrheit brt ungarischen Volkes entsprechen will."

Ber«, 20. Okt. Der Bundesrach hat bas eid­genössische Bubget pro 1874 auf 36,493,000 Frs. in Einnahmen unb 36,489,000 Frs. in Ausgaben festgestellt.

Vko«, 19. Oct. Dem Cardinal Patrizzi ist officiell eröffnet worden, daß das Gencralatshaus bet Jesuiten von morgen ab auf höre, als Residenz ber Jesuiten betrachtet zu werden.

Pari-, 20. Oct. Der Präsident der Republik wird heute im Palais Elysse den Besuch des Königs und der Königin der Belgier, welche in Paris heute Früh eingetroffen sind, und hernach den Cardinal Bonnechose empfangen. — Die Losung der Fahne» frage macht dem JesuitismuS des Prätendenten alle Ehre. „Er hat", so lautet die Eröffnung, weicht

feine Feindschaft gegen den Deichbauer nicht gehen uni mit Georg selbst hätte er nie etwas vorgehabt.

Der Wassermüller theilte Homann mit, was er gehört hatte. Er erbot sich, selbst zu dem Waldhüter zu gehen und zu versuchen, etwas aus demselben her- auSzulocken.

Der Deichbauer schwieg. Mit einem Schüttel« deS Kopfes lehnte et das Anerbieten ab.

„Ich werde zu ihm gehen", sagte er endlich.

Der Müller hielt ihm entgegen, daß er mit de» Waldhüter in Feindschaft lebe.

„Deshalb muß ich selbst gehen," erwiderte Homann. „Ich kenne den Waldhüter. Es gibt nur ein Mittel, feinen unversöhnlichen Sinn zu überwinden, wenn ich selbst zu ihm gehe und chm zuerst die Hand biete.'

„Und was wollt Ihr thun?" rief ber Müller.

„Ich thäte es nicht, wenn ich mein Leben dadurch erlaufen könnte," entgegnete der Deichbauer nach kurze« Zögern; „aber ich habe dem Tobten geschworen, Alles zu thun, seinen Mörder aufzufinden, unb eher gibt's für mich keine Ruhe, bis ich biefen Schwur gelöst habe."

Noch an demselben Tage schritt er zur Ausführung feines Vorhabens.

Er war auf das schroffste Entgegentreten des Mali' Hüters gefaßt, und dennoch stand er, unwillkürlich zögernd, still, als er sich dessen Hause näherte uni dasselbe vor sich liegen sah.

Der Auftritt, den er vor Jahren mit be» Wald' Hüter hatte, stand in aller Klarheit wieder vor seiner Seele. Aus dem Hause hatte er ihn geworfen. D« hatte der Waldhüter ihm zugerufen:

„Homann, wenn Ihr je in Euer« Leben die Schwelle meines Hauses übertretet, so werde ich es machen, wie Ihr es mit mir jetzt gemacht habt; zur Thür werde ich Euch hinauSwerfen! Verlaßt Euch darauf!" L

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