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entgegennahm. Beim Dejeuner im Kaiser-Pavillon wurde aus dem Hofkeller eigens der Lieblingswein des Kaisers, Heidstk Monopole, servirt. — Der Kaiser verlieh gestern als am Jahrestage der Schlacht bei Leipzig dem Deutschen Kaiser daS Husaren-Regiment Friedrich Wilhelm III. König von Preußen Nr 10, welches Regiment zur Erinnerung an die Befreiungs­kriege diesen Namen auf immerwährerrde Zeiten zu behalten hat.

Trieft, 19. Oct. Prinz und Prinzessin Carl von Preußen sind heute Nacht incognito hier ein­getroffen.

Bern, 18. Oct. Der Bundesrath genehmigte heute die Traktandenliste für die am 3. November zu sammentretende Bundesversammlung. Dieselbe enthält außer der BundeSreviston noch 32 Nummern.

Rom, 17. Oct. Die Abreise NigraS von Paris ist, der „Agenzia Stefani" zufolge keineswegs durch politische Motive veranlaßt. Nigra trat einen regel- mäßigen lange erbetenen Urlaub an und bleibt bis zur Einweihung des CavourdenkmalS in Italien.

EF. Genua, 16. Okt. Bon befreundeter Seite geht uns folgende Mittheilung zu: „Als wir vor einigen Tagen auf unserer Durchreise von Genf nach Turin die französische Zollstation Bellegarde passiren mußten, wurde uns, sowie allen andern Mitreisenden der Paß abverlangt und wir aus diesen selbstverständ lich als PrussienB erkannt. Auf die Frage, ob wir Cigarren oder Tabak bei uns führten, zeigten wir sogleich unfern ganzen Borrath, bestehend aus nur 50 Stück Cigarren vor und bekamen zu unserem nicht geringen Erstaunen mit verbissenem Gesichte einen Zettel überreicht, wonach wir für diese 50 Cigarren die enorme Summe von 7 Francs und 27 Centimes Einfuhrsteuer zu zahlen hatten, also weit mehr als der effektive Werth derselben war. Auf unsere Be­merkung, daß wir nur durch Frankreich reisten, also die Cigarren schon wieder in Modane nach Italien auösührten und nur eine Nacht in Chambery bleiben müßten, weil der Zug nicht weiter ginge und außer, dem die 50 Cigarren nur zum eigenen Gebrauche feien, wurde uns gesagt, daß wir dieselben nebst dem Steuerzettel am Ausfuhrplatz vorzeigen sollten und dann unser Geld höchstwahrscheinlich erhalten würden. Bei unserer Ankunft in Modane, Sitz der französischen und italienischen Zollbehörden, brachten wir unsere Sache zur Sprache und bekamen nicht nur mit grin- zendem Lächeln französischerseits die Rückzahlung ver­weigert, sondern noch obmdrein an die italienffche Zollbehörde eine Einfuhrstmer von 4 Fr. 72 C., also nur etwas über die Hälfte als man uns in Frankreich abgmommen hatte, nachzuzahlen. All unser Protestiren half nichts und so mußten wir nolens ▼ölens, nachdem auch dieses bezahlt war, abziehen. Ob man uns recht behandelt hat, können wir nicht beurtheilen, glauben jedoch dieses zur Notiz anderer Reisender, welche gerne eine thmre Cigarre rauchen wollen, veröffentlichen zu müssen.

Parts, 18. Okt. Das Protokoll der Bureaux der Rechten sagt: Dieselben hatten sich in einmüthigem

Einverständniß befunden und anerkannt, daß die An- nähme der von der „Commission der Neun* vorbe reiteten Vorschläge gebieterisch durch das Interesse des Landes erheischt würde. Diesen Vorschlägen ge­mäß würde die Monarchie wieder hergestellt, alle bürgerlichen, politischen und religiösen Freiheiten, welche daS öffentliche Recht Frankreichs ausmachen, garantirt, die Trikolore beibehalten, wobei indeß Mo difikationen würden angebracht werden können. Die Initiative des Königs bleibe indeß intakt. Die von diesen Bureaux vertretenen Fraktionen werden unver­züglich berufen werden. — In der heutigen Sitzung derselben erstattete Chesnelong Bericht über die in Salzburg mit dem Grafen von Chambord gepfloge­nen Verhandlungen. Hierbei wurde konstatirt, daß völlige Einigkeit zwischen der konservativen Majorität und dem Grafen von Chambord bestehe. Die Vsr sammlung beschäftigt sich augenblicklich mit der Frage, ob die beschlmnigte Zusammenberufung der National­versammlung geboten erscheine. — Die bereits ange­kündigte Brochüre des früheren Prästdenten der Natio­nalversammlung Grevy, betitelt „Die dem Lande noth- wendige Regierung", ist heute erschienen. Der Ver­fasser setzt die Nothwendigkeit für Frankreich aus­einander,sich eine den socialen Verhältnissen entsprechende Verfassung zu geben, damit das Land nicht fortdauernd in Revolutionen gerathend, seinem Verderben enigegcn- treibe. Dargelegt wird ferner die Ohnmacht der mo narchischen Parteien und gleichzeitig auf die Ansprüche hingewiesen, welche die republikanische Regierung sich auf das Vertrauen des Landes erworben habe, sodaß der Umsturz der republikanischen Verfassung das Sig­nal zu furchtbaren Krisen geben würde. Die Bro chüre schließt: Die monarchische Restauration wäre eine Pause zwischen zwei Stürmen, nur in einer re rublikanischen Verfassung würde das Land Sicherheit inden. — Die Zeitungen veröffentlichen ein Programm der Rechten, sowie eine Erklärung des rechten CentrumS, vom Februar 1872 datirt, welche als Grundlage für die Vereinigung der Rechten mit dem rechten Centrum auf der Basis der konstitutionellen Monarchie anzu- ehen sein dürfte. Die betreffenden Dokumente waren noch nicht veröffentlicht. DaS Programm sagt: Wir wollen eine erbliche, präsumtive, konstitutionelle Mo narchie, welche dem Lande das Recht gibt, in die Handhabung der Geschäfte einzugreifen, unter der Garantie der ministeriellen Verantwortlichkeit steht, alle nvthwendigen politischen, bürgerlichen und religi­ösen Freiheiten, Gleichheit vor dem Gesetze, den Zu­tritt Aller zu allen Aemtern, Ehren, Würden und Vortheilen, endlich die fortgesetzte Besserung der Lage der arbeitenden Klasse auf friedlichem Wege sichert.

— Aus die am 10. Oktober von 27 Pariser Mu nicipal- und Generalräthem an die Pariser Mitglieder der Nationalversammlung gerichtete Adresse haben 18 Pariser Deputirte durch ein Manifest geantwortet, worin sie gleichfalls gegen die Versuche, die Monarchie wieder herzustellen, protestirm und erklären, dieselbe energisch bekämpfen zu wollen. — Casimir Perier hat eine Versammlung der konservativen Republikaner

auf den 23. Oktober berufen. — Die „Commissi, der Studien" hatte sich gestcm versammelt und einig,, sich über die Redaktion des Berichtes, welcher ba heutigen Versammlung der Bureaux vorgelegt werd,, soll. Die Redaktion ist noch unbekannt, es wird ab« versichert, daß keine der großen Fragen ohne d« Einverständniß des Königs und der Nationalversanm lung geregelt werden wird und daß der Entmin, einer Constitution, welcher der Nationalversammlum vorgelegt werden soll, die Aufrechterhaltung aller ni thigen Freiheiten garantiren wird.

Triano», 18. Oct. Prozeß Bazaine.' Verhör über den Kriegsrath vom 24. Oktober und die Mif sion Changarniers und CisseyS. Bazaine sagt, dch als er die von den Deutschen gestellten harten dingungcn erfahren habe, cm Ausfall unthunlich j(; wesen sei. Er leugnet daß er demoralisirende Nch richten habe verbreiten lassen, er habe vielmehr h entgegengesetzten Sinne gehandelt. Das Kriegsmaterial habe er auS Besorgniß vor der Rache des Feind« nicht zerstört. Der Präsident fragt, ob man no§ größere Härte habe fürchten können. Bezüglich de Hahnen sagt Bazaine, daß er öffmtlich und in fßm lscher Weise dem General Soelli den Befehl ercheK habe, dieselben zu verbrennen. Die Nachlässigkeit da Offieiere sei allein zu tadeln. Nach einigen andern kurzen Fragen wird das Verhör geschlossen. Di VernehnWng der Zeugen beginnt Montag.

Madrid, 18. Oct. Ein englischer Aviso-Dampf, der hi Alicante angekommen, bringt die Nachricht, des die Rebellm - Fregatte „Numancia" den Rebellen Dampfer „Fernando el Catolico" in den Grund gt bohrt habe; man wisse nicht, ob zufällig oder absich lich. Der Marineminister hat den Oberbefehl üb« das Regierungs-Geschwader vor Cartagena, einschlich lich der Panzer - Fregatte „Zaragoza", übernommen

Loudon, 19. Oct. John Bright ist bei da Abgeordnetenwahl in Birmingham einstimmig wieder gewählt »erben.

Kopenhagen, 18. Oct. Im Folkething verl-t। der Eonseilpräsident einen offenen Brief des Königs deS Inhalts, daß, da die Ablehnung der zweit« Lesung des Finanzbudgets ein Zusammmwirken be Regierung und des Folkethings unmöglich mache, btt Folkething aufgelöst und gleichzeitig die Vornaha von Neuwahlen zum 14. November angcordnet werde Die Versammlung ging unter Hochrufen auf da König und die Grundgesetze auseinander.

Koustanituopel, 18. Oct. Ein Rundschreiba deS Ministers des Aeußem an die Vertreter d« Pforte im Auslande benachrichtigt dieselben von da auf Befehl dcS Sultans nach eingehendem Studiu, durchzuführenden Reformen behufs Verbesserung da Lage der Reichsfinanzen. Der Sultan hat ein Gefch anctionirt, wonach nur im Budget verzeichnete Aus­laden gemacht werden dürfen. Das Budget bd nächsten Jahres wird das StaatShaushaltSgleichgewich und einen Einnahmeüberschuß klar darlegen.

Washington, 18. Oct. Dem OctoberberiP deS landwirthschaftlichen Ausschusses zufolge ist bet

beigeholt und der Tobte mit einem großen Tuche ver­hüllt auf den Deichhof getragen.

Die Kunde deS Mordes war im ganzen Dorfe schon verbreitet und fast alle Bewohner desselben standen an dem Eingänge um den Trauerzug zu er­warten. Aus den Thrinen, welche in fast Aller Augen standen, «ar zu ersehen, wie beliebt der Er­mordete gewesen war.

Auf den Arm des Wassermüllers gestützt, neben dem Richter, dem Physikus und dem Actuare, schritt Homann hinter der Bahre her. Er vermochte sich kaum aufrecht zu halte». Seine kräftige Gestalt er­schien mit einem Male geknickt.

AlS sie auf dem Deichhofe ankamen, stürzte seine Frau ihm entgegen. Sie erfaßte seine Hand — aber ihre Augen hatten keine Thränm.

„Der Leichnam wurde in eine Kammer geschafft, und noch einmal nahm der PhysikuS in Gegenwart deS ActuarS eine Untersuchung desselben vor.

Der Deichbauer faß in seinem Zimmer, zusammen gebrochen, vor sich hinstarrend, theilnahmloS gegen

Der Richter zog den Wassermüller auf dieSeite.

„Ihr kennt die Verhältnisse besser als ich", sagte er. „Rache oder ein ähnliches Motiv scheint die That veranlaßt zu haben. Hatte der Ermordete Feinde?"

„Er war allgemein gern gesehen", erwiderte der Müller. „Ich habe ihn wie meinen Sohn geliebt."

„Ihr sagtet, daß er mit Eurer Tochter versprochen gewesen sei — Hat vielleicht noch ein Anderer sie ge­liebt?" ; -

„Ich weiß nichts davon/ Ich glaube eS nicht." „Habt Ihr gar keinen Verdacht?"^' i;!' - ■> i Der Müller zögerte. '?,u-

„Man kann sich nur zu leicht irren", entgeg» riete er.

„Seid ohne Besorgniß. Ich frage Euch im Ver­trauen."

„Er hatte gestern in der Waldschenke beim Tanze Streit mit seinem Stiefbruder."

„Ist das der Bursch, der mit draußen war? Der nehm Euch stand?" '

Ja."

"Der Bursch gefällt mir nicht", fiel der Rich­ter ein. Sein Benehmen ist mir aufgefallen.*

„Es ist zwischen den beiden Burschen kein freund­liches Verhältniß gewesen — und es steckt böses Blut in dem Franz. Ich will ihm nicht zu nahe treten, ihn noch weniger beschuldigen — ich erzähle Ihnen nur, was vorgefallen ist."

„Ruft den Deichbauer", bat der Richter. „Ich muß ihn allein, zum Wenigsten nur in Eurer Gegen­wart sprechen."

.Der Wassermüller holte den Tiefgebeugten. Der Richter schob ihm einen Stuhl hin.

„Setzt Euch", sagte er. „Nur einige Fragen will ich an Euch richten. — Euer Stiefsohn hat mit Eurem Sohn in Streit gelebt?"

„Sie find wenig zusammen gekommen. Sie wichen einander aus — aber ich weiß , daß er ihn gehaßt hat."

„Er hat gestern mit Eurem Sohne Streit gehabtl — er hat einen bösen Sinn."

„Einen bösen Sinn?" wiederholte der Deichbauer. „Er wäre einer solchen That schon fähig; denn in der Leidenschaft hat er gegen mich selbst schon das Messer gezückt."

Der Richter horchte auf.

„Ich habe ihn deßhalb hart gestraft, und da-

scheint ihn gebessert zu habend, fuhr Homann fort „Ich selbst habe ihn heute Morgen im ersten Schmerzt für den Mörder gehalten — aber et ist es nicht."

„Woher wißt Ihr daS?" warf der Richter dl „Er ist'S nicht gewesen. Er hat die Nacht dies HauS nicht verlassen. Früh kam er gestern Abend heim und legte sich zeitig zur Ruhe. ES fiel mir auf und einen andern Grund vermuthete ich dahinter. Mit einem Mädchen hatte er ein LiebeSverhältniß/ und heimlich geht er des Abends zu ihr. Das wird es sein, dachte ich. Als ich mich gegen zehn Uhr zur Ruhe begab, blickte ich auf seine Kammer — er lag im Bett und schlief. Ich selbst schlief ein. Bald wachte ich wieder auf. Ich stand auf und ging hinai in das Zimmer. Im Vorbeigehen blickte ich wieder auf seine Kammer; er schlief fest. Es war 11 Uhr. Der Schlaf wollte mir nicht »ieberfommen. Die Lust hier im Zimmer erschien mir drückend.

„Ich nahm einen Stuhl und setzte mich auf btt Hausflur. Bis nach 1 Uhr habe ich dort gesessen — bann legte ich mich wieder schlafen. — Er hat das Haus nicht verlassen", sagte der Deichbauer.

„Konnte er es nicht auf einem andern Wege?" „Er mußte die Treppe hinab", erwiderte Homann- „Konnte er nicht aus dem Fenster gestiegen sein?' Der Bauer schüttelte mtt dem Kopse.

Der Richter schwieg. Er schien nachzufinnen.

„Habt Jhv irgend einen Verdacht?"

„Nein", engegnete der Deichbauer. „Ich weiß Niemand, der das meinem Jungen und mit hätte zur» Leid Ihun können".

„Laßt Euren Stiefsohn dennoch rufen", sagte der Richte». Ein neuer Gedanke schien in ihm aufgestiegea zu fein. ! ... „ üikti

(Fortsetzung folgt.) “ ;ü iäj . j r<ff