nischer Sprache abnahm. Der Eid wurde diesmal
selbst die „Presse" verdreht die Augen über das Martyrium, welches Kaiser Wilhelm die deutschen Katho likm erdulden lasse! Die liberalen Journale können
Marburg, 18. Oct. Zur Feier des heutig« Geburtstages unseres Kronprinzen ist vielfach in hi» siger Stadt geflaggt. Der hiefige Krieger- und Land wehrverein feiert denselben durch eine gesellige Zusa» menkunft in seinem Vereinslokale. — Als Fest- uni Gedenktag ist der 18. October jetzt ein doppelt frei diger. Die großen Hoffnungen, die an die Erfolg dieses Tages vor 60 Jahren sich knüpften, der gegen wärtigen Generation sind sie erst zur Wahrheit gf worden, und Preußens Kronprinz, den heute das & sammle Deutschland den Seinen nennt, hat an dö Erfüllung jener Hoffnungen einen ruhmreichen Antheil Die glorreiche Geschichte unserer Tage überhebt uni der Erinnerung an die Dienste, welche der Pris wiederholt seinem Vaterlande geleistet hat, eö bedaii zu seinem Lobe nicht der Mahnung an WeißenbuY und Wörth, Sedan und Paris, welche mit seine« Namen ewig unzertrennlich verbunden bleiben. NiH dem Städte- sondern dem Herzengewinne! wie ihn eine süddeutsche Stimme vor wenig WochS mit freudigem Willkommgruß genannt hat, gelten di Wünsche und Grüße, welche heute in aufrichtig Verehrung und Huldigung ihm von seinem dankbares Volke dargebracht werden. Mit tiefem Verstände für den Pulsschlag der Zeit, voll Hingebung für di Ziele seines Landes und Volkes, getreu den Tradition^ seines Hauses und ehrfurchtsvoll auf das Beispiel u" erschütterlicher Pflichttreue, schlichter Selbstverläuznudt und erhabener Seelengröße blickend, durch welche fe*1 allverehrter kaiserlicher Vater im wahrsten Sinne de Wortes der Stolz der Naston geworden ist, Hs Kronprinz Friedrich Wilhelm frühzeitig ’ den Herzen des deutschen Volkes einen hohen Pl» eingenommen. Bewährt als Feldherr und doch de«
zum erstenmal in abgekürzter Form geleistet. Büsten verewigter Lehrer der Hochschule können in Zukunft nur nach 5 Jahren und nicht wie bisher nach 2 Jahren aufgestellt werden. Das neue Universitäts- BibliothekSgebäude wird im Frühjahr 74 in der Dorotheenstraße bezogen werden. Auch reiche Dotationen flössen der Universität im abgelaufenen Jahre zu. Mit einer Ansprache an die.studircnde Jugend Seitens des neuen RectorS schloß die Feier.
DreSde«, 17. Oct. Das „Dresd. Journal" bestätigt die eingetretene Verschlimmerung.in dem Befinden deS König«. Asthmatische Zufälle stören den Schlaf und wiederholen sich während deS Tages, wodurch der Kräftezustand geschwächt wird.
Leipzig, 16. Okt. Vom 1. November ab wird I in Leipzig ein neues Blatt, die „Reichszeisung", erscheinen. DaS Blatt wird als „Organ für die föderative Partei Deutschlands" bezeichnet; sein Programm ist im Wesentlichen ein konservativ - particula- ristischeS, es verabscheut „alle agitatorischen Tendenzen, welche den starren Centralismus bezwecken und die allmählige Herstellung des Einheitsstaates anstreben", ebenso wie „alle ultra-demokratischen Bestrebungen, deren Verwirklichung die Zersetzung unserer staatlichen und gesellschaftlichen Einrichtungen zur Folge haben muß"; es gedenkt auf möglichste Schonung der Steuerkraft deS Volkes, namentlich Beschränkung des Militärbudgets und Herabsetzung der Dienstzeit hinzuwirken und predigt in religiösen Dingen vollständige Toleranz. Der Leitartikel der ausgegebenen Probenummer, der über „die politischen Parteien" handelt, kanzelt die Nationalliberalen in bündiger Darlegung ab.
AuSlaud.
Wie», 17. Oct. Gestern Abend ist der Groß- Herzog und die Großherzogin von Baden hier eingetroffen und vom Kaiser auf dem Westbahnhofe empfangen worden. Die Herrschaften fuhren nach erfolgter Begrüßung und Vorstellung der Suiten nach der Hofburg. — Die Morgenblätter begrüßen in Leitartikeln die Ankunft des deutschen Kaisers in Wien. Die „Neue freie Presse" hebt hervor, daß das österreichische Volk die bedeutenden Ehren begreift und würdigt, welche Kaiser Franz Joseph seinem hohen Gaste bereitet. Die „Presse" betont, daß der deutsche Kaiser die Unbilden der vorgerückten Jahreszeit und die Anstrengungen der Reise nicht scheue, um dem Kaiserhause und Volke Oesterreichs zu bezeugen, welchen Werth er auf die innige Freundschaft zu ihnen lege. Zugleich begrüße man in Kaiser Wilhelm einen der erlauchtesten Vorkämpfer der Grundsätze, auf denen daS heutige Staatsleben beruhe. Die Deutsche Zeitung hebt hervor, der Besuch deS deutschen Kaisers sei eine abermalige Gewähr, daß Regent und Volk von lautester Gesinnung der Freundschaft und Treue durchdrungen seien und daß der Zusammenhang zwischen Oesterreich und dem deutschen Reiche dadurch nicht gelockert worden, daß an die Stelle des politischen Bandes das geistige, die Gemeinschaft der Cultur, getreten sei. Sämmtliche Blätter betonen die hervorragende Friedensbcdeutung des kaiserlichm Besuches.
Paüs, 17. Oct. Einer Meldung des „Soir" zufolge, hoben die in Salzburg gepflogenen Unterhandlungen folgendes Resultat gehabt: Die National- Versammlung. soll die Monarchie ohne Einschränkung prvclamiren, der König sofort nach Annahme der Krone die Versammlung mit Abfassung der Constitution betrauen, worin die Stellung des Königs zum Lande festzusetzen ist. — Dem „Siöcle" zufolge ginge aus den in einer gestrigen Versammlung der Linken und des linken idmtrums über die gepflogenen Ermittelungen erstatteten Berichten hervor, daß die Majorität gegen die monarchischen Projecte gesichert ist Der „Figaro" will wissen, daß gestern Abend wegen sofortiger Einberufung der National-Versammlung lebhaft agirt worden sei. DaS Blatt glaubt, daß ein darauf abzielender Beschluß in der heute stattsindenden Versammlung der Rechten gefaßt werden wird. — DaS „Journal officiell" veröffentlicht acht Aenderungen im Präsecten - Personal und zahlreiche Ernennungen von Unter-Präfecten. Daffelbe publicitt ferner mehrere Decrete, betreffend die Organisation der militärischen Territorial-Divisioueu.
— Mitten in der Aufregung, welche das fusioni stische Treiben hcrvorruft, macht sich die auswärtige Politik seit gestern wieder, mehr geltend. Der Briefwechsel zwischen dem Deutschen Kaiser und dem Papste bildete gestern daS Tagesgespräch. Die Blätter haben aber wenig über denselben geäußert. Das „Univerö" droht, aus ihn zurückzukommen; die Zeitungm der Majorität stellen sich auf die clericale Seite und
abtretende Rector Profeffor Gneist den Eid in latei-^ irgendwo Recht zu geben, und so finden denn auch nischer Sprache abnahm. Der Eid wurde diesmal die Debats, daß der Kaiser wohl in gewissem Sinne
einen Standpunkt mit Grund vertheidige, daß aber auch der Papst berechtigt sei, im Namen seiner Unter- gebenen ein milderes Vorgehen zu verlangen. — He» Nigra ist abgereist, wie man allgemein sagt, auf Wunsch seiner Regierung, weil Herr Fournier sein», eits auf dem auswärtigen Amt ersucht worden ist, einen Urlaub zu verlängern. Ist diese Version richtig, o würde die französische Regierung ihrer Verstimmung über die deutsche Reise Victor Emanuel's in einen ziemlich ungünstigen Moment Ausdruck gegeben haben. — Ueber die Instructionen, welche Dr. Kern, bet Gesandte der Schweiz, mit hergebracht, ist in bei letzten Tagen Manches hin und her geschrieben uni dementirt worden. Die Wahrheit ist daS, was bai „Journal de Genöve" angezeigt hat: die Schwei; findet es unangemessen, daß Mr. Mermillod von bet Gränze aus ihre Unterthanen zum Ungehorsam gege, die Gesetze aufrufen kann, und daß er dabei noch bk Unterstützung französischer Unter-Präfecten findet; fit glaubt mit Recht, daß Frankreich selbst sitz ein solch« Verfahren von Seiten benachbarter Länder verbitte, würde, und ihr Minister hat die Vollmacht, dies ge s legentlich und in einer von den Umständen abhängige« Form zur Sprache zu bringen.
Versailles, 17. Oct. Die „Agence Hava«' meldet: Die Delegirten der Rechten und des rechtet Centrums haben die Mittheilungen der von Salzbmz zurückgekehrten Unterhändler entgegengenvwmen. Die vom Grafen Chambord gegebenen Erklärungen scheinet geeignet, die letzten Schwierigkeiten zu beseitigen. Em vollständige Uebereinstimmung zwischen dem Grafei Chambord und den monarchistischen Fraktionen sehest erzielt zu sein.
Brüssel, 15. Oct. Der Brüsseler Gemeinderats hat heute einstimmig einen Beschluß gefaßt, der ihn zur Ehre gereicht und auch von der Überwiegendti Mehrheit der Bevölkerung gutgeheißen werden dürfte, obgleich derselben daraus nicht unbeträchtliche Ops« erwachsen werden. Der Minister des Innern hat näm sich der Stadt Brüffel sehr bedeutende Hilfögelder st den Elementar-Unterricht angeboten, sofern dlesest ein auf Grund des Unterrichts-Gesetzes von 1845 ii Jahre 1846 erlassenes Decret zur Ausführung bring« wollte, das den Elementarschulen die Pflicht aufet legt, täglich wenigstens eine Stunde dem religiös« Unterricht und dem Gebet zu widmm. Wir übet gehen einige andere unwesentliche Forderungen. D« erste genügte, um den Brüsseler Gemeinderath zu bk stimmen, ohne Bedeuten daS Anerbieten des klerikal« Ministers von der Hand zu weisen und dabei gleich zeitig zu beschließen, zehn neue Zusatz - Pfennige zi beantragen, damit vermittelst der auf diese Weise ach gebrachten Summe den Elementar - Schulen eine eba so große Entwickelung gegeben werden könne, oll wenn die von der Regierung angebotene Summe e» genommen worden wäre — Aus Tervneren hört man daß die Ex-Kaiserin Charlotte int letzten Stadilw ihrer Geisteskrankheit sich befindet und lichte Auge» blicke gar nicht mehr eintreten.
bett unser Kaiser in Wien gefunden hat, soll daher auch der freudigen Zustimmung und Theilnahme recht sichtbaren Ausdruck gegeben haben. Ebenso wie der Kaiser eben persönlich in Wien Gelegenheit gefunden hat, sich von der sympathischen Stimmung der Bevölkerung auch außerhalb Deutschlands zu überzeugen, und wie seine persönliche Anwesenheit dort ihm noch viele Herzen gewonnen hat, so ruft gleichzeitig die kaiserliche mannhafte Antwort an den Pi pst in der ganzen civilisirten Welt die Aeußerungen lebhaftester Zustimmung und Bewunderung hervor. Namentlich in England hat die gesammte liberale Presse die aus. sührlichen zustimmenden Besprechungen kundgegeben, wie tiefen Eindruck die kurzen aber treffenden und bedeutungsvollen Worte des Kaisers dort hervorge- bracht haben. Die ersten Blätter erkennen unumwunden an, daß, was Deutschland zur Befreiung vom päpstlichen Absolutismus thut und gewinnt, auch für England mit gethan und gewonnen wird; daß alle civilisirten Staaten solidarisch die Pflicht haben, ihre Selbstständigkeit gegen römische Priesterherrschaft zu sichern. Allgemeine Heiterkeit erregte heute der berühmte „Protestant" der Germania mit seinen krampfhaften Versuchen, alle Protestanten dem Papste zu überliefern. — Das General - Postamt hat eine Verfügung an die Postämter erlassen, daß ein Postmandat, wenn der Absender deffelben ein dahin gehendes Verlangen ausgedrückt hat, nach einmaliger ver gebsicher Vorzeigung sofort zum Protest weiter zu bc fördern ist. Wenn der Absender den Fälligkeitstag auf dem Postmandate angegeben hat, so ist die Vor zeigung beim Adressaten an dem bezeichneten Tag auch stets zu bewirken. Für Sonn- und Festtage tritt der nächstfolgende Wochentag ein. — Der Polizei- Präsident von Madai ist von seinem Besuch in Wien wieder hier eingetroffen; die Meldung, daß er die Ankunft des Kaisers in Wien hätte erwarten wollen, hat sich demnach nicht bestätigt. — Die Schulconfe- reuzen im CultuSministcrium finden in der Presse ernste Betrachtung; man weiß die darin sich dveumen- tirenben Bemühungen des Ministers Falk um die Hebung deS Schulwesens vollkommen zu würdigen.
— Der Unterrichtsminister Dr. Falk hat der „C. S." zufolge ben Mitgliedern der Commission, welche zu Con- ferenzen Über das Unterrichts wesen bei ihm versammelt ist, die bestimmte Versicherung gegeben, daß dem Landtage in der zweiten Session der neuen Legislaturperiode ein vollständiges Unterrichtsgesetz vorgelegt werden wird. — Die „Nord. Allg. Ztg." beginnt in ihrem zweiten Blatte heute mit dem Abdruck eines Wahlaufrufs an die Katholiken Deutschlands, welcher denselben staatsfreundlichen und patriotischen Kreisen (die „Sp. Ztg." nennt ben Grafen Fred Frankenberg als den Versaffer) entstammt, die die bekannte Adresse vom 14. Juni an Se. Majestät den Kaiser gerichtet hatten. Für den Augenblick bemerkt das genannte Blatt, begnügen wir uns, auf diese, nach der Veröffentlichung deS päpstlichen Briefes vom 7. August noch ungleich bedeutsamere Kundgebung aufmerksam zu machen. Eine eingehendere Würdigung derselben werden wir der vollständigen Reproduktion deS Aufrufes folgen lasten, der in so überzeugender Sprache den Beweis führt, daß man ein guter Katholik und doch ein treuer und ehrlicher Deutscher sein könne.
— Der Entwurf der Strafprozeßordnung mit ben Motiven, wie die Commission deS BundesratheS beide ausgearbeitet, ist erschienen; er umfaßt 18 Bogen Lexiconformat und gibt namentlich in den Moliven sehr beachtenSwerthe Ausführungen. Dieses Prozeß recht wird auch von Einfluß auf das Militär-Stras. Prozeßgesetz sein, welches letztere von einer eigenen Commission vorberathen wirb, bie in ihren Arbeiten schon ziemlich weit vorgeschritten war.
— Die Berliner Universität hat unter dem Rectoratsjahr des Prvfestor Gneist durch ben Tod die Professoren Dr. Rudorf, Dr. v. Raumer, Dr. v. Romberg, Dr. Rose, sowie die Privatdocenten Dr. Brook und Dr. Eckert. Ferner in Folge von Ver setzung resp. Beförderung die Professoren Dr. Saatfeld, Dr. Weingarten, Dr. v. Holtzendorff, Dr. Quincke, Dr. Bernstein und Dr. Behrend verloren. Nene Lehrkräfte erwuchsen derselben durch den Eintritt von 12 neuen Lehrern. Jmmatrikulirte Studirende verließen die Universität im abgelaufenen UniversttärSjahre 1349 und zwar 159 Theologen, 466 Juristen, 277 Mediziner und 477 Philosophen; dagegen wurden immatrikulirt 1011 unb zwar 87 Theologen, 376 Juristen, 184 Medieiner, 464 Philosophen. ES sind im Ganzen 315 Privaivorlesungen von 9895 Zuhörern unb 277 öffentliche Vorlesungen von 6176
Zuhörern besucht worden. — Gestern Mittag fand unter großer Betheiligung der Studirenden die Jn- augaration des neuen Rectors Professors Weyerstraß statt. Derselbe wurde unter üblichem Ceremoniell, gefolgt von fast sämmllichen Professoren der-Hoch- , — --------- --------
schule, in ben großen Saal geleitet, woselbst ihm der s cs ihrerseits nicht über's Herz bringen, Deutschland
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