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JR(lc6utg, Sonntag, den 19. October.

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1873

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E-mt täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 224 Sgr., durch die Postämter 27 Sgr. (excl. Bestellgebühr und mcl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. gut in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden Sgr. berechnet. Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

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Politische Wochen-Uebkrftcht.

Kaiser Wilhelm hat am Donnerstag Baden-Baden verlassen und wird am Freitag Abend zum Besuche des Kaisers Franz Joseph auf Schloß Schönbrunn bei Wien Eintreffen, nachdem der Großherzog und die Großherzogin von Baden vorausgereist sind und schon am Donnerstag in Wien eingetroffen sind. Auch Fürst Bismarck hat sich bereits über Berlin dorthin begeben. DieProvincialcorrespondenz" be­tont die politische Bedeutung dieses neuen Besuches am österreichischen Kaiserhofe, den sie betrachtet als in unmittelbarem Zusammenhänge mit der vorigjährigen Drei-Kaiser Begegnung in Berlin und der neulichen Reise des Königs Victor Emanuel. Ein imReichs- Anzeiger" veröffentlichter Briefwechsel zwischen dem Papst (vom 7. August) und dem Kaiser (vom 3. Sept.) zerstört in bündigster Weise die in ultramontanen

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lkreisen noch vielfach genährte Illusion, daß der Kaiser Wilhelm den kirchenpolitischen Gesetzen und Maß­regeln seiner Regierung nicht mit vollem Einverständ- niffe zugethan sei und dieselben deßhalb nicht mit vollem Nachdrucke bis zu Ende durchführen werde. Eine nicht unbedeutende Erkrankung des Erzbischofs Grafen LedochowSki scheint Ursache zu sein, daß der AmtSentsetzungS Proceß gegen ihn noch nicht begonnen hat. Jndeß ist am Dienstag der Bischof von Fulda gestorben, und damit wird vielleicht alsbald die Frage wegen der fernem Zulässigkeit des so verfänglichen

» st < Vorbehalts in der biSherigenEidesformel praktisch werden, reib' Am Sonnabend voriger Woche (11. Oct.) hat die hessische Erste Kammer die Schnlgesetzvorlagen in einer verstümmelten Gestalt angenommen, für welche die Zustimmung weder der Zweiten Kammer, noch des gegenwärtigen Ministeriums zu erwarten ist. Mittwoch haben sich die Kammern des sächsischen Landtages constituirt, und für Mecklenburg ist zu endlicher Vereinbamng einer Verfassungsrevision der Landtag auf den 12. November nach Sternberg be- nifen.

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Stück irer.

6*

Während man in der wiener Hofburg alle Vor­bereitungen für den Empfang des Deutschen Kaisers -rifft, der am Freitag Nachmittag stattfinden wird, ist das Land lebhaft mit den Wahlen für den Reich S- rath beschäftigt, die in Triest am 9. October begonnen haben und den ganzen October hindurch die kämpfen dm Parteien in Aufregung halten werden. So weit M Stunde die Meldungen reichen, sind die Aussichten der Verfassungspartei jetzt günstiger, als es bisher dm Anschein hatte.

Der schweizerische BundeSrath hat sich au Antrag der Genfer Regierung in Paris über die Um­triebe beschwert, zu welchen Mermillod seinen Ausent. halt an der Grenze mißbraucht. Unterdeß sind am Montag (13. October) in Genf die neuen Pfarrer­wahlen durch die Mermillod abgeneigten Katholiken vollzogen. Sie wählten Hyacinth, Hurtault und Chavard zu Pfarrern, sowie neun Parochialräthe mit Majori­täten von 1250 bis 1256 Stimmen; die Anhänger Mermillod's enthielten sich der Wahl.

In Italien beginnt die politische Welt, nachdem man einige Wochen der Freude über die glückverheißende Reise des Königs gelebt hat, sich mit den Arbeiten der bevorstehenden Session zu beschäftigen. Die lau sende soll nämlich geschloffen und eine neue am 15. November eröffnet werden. Gegen das Drängen einiger Berliner und Wiener Blätter, vor allem die kirchlich- politische Gesetzgebung im Sinne der preußischen in die Hand zu nehmen, verhalten sich die maßgebenden italienischen Zeitungen ziemlich kühl.

Am Schluß der Woche wird in Versailles eine große Partei - Versammlung der vier Gruppen der Rechten stattfinden, in welcher der Sprung über den Graben, für den so lange in Frankreich gewühlt wurde, zur definitiven Entscheidung gebracht werden soll. Am 12. October wurde eine Deputation von Delegirten jener vier Gruppen vom Grasen Chambord in Salzburg empfangen, nachdem der Herzog von Nemours bereits zuvor in Frohsdors sein Heil ver­sucht hatte. So viel bis jetzt verlautet, verlangt Heinrich V.", daß unbedingt fein legitimes Thron recht anerkannt werde; bis dahin könne er sich nicht darüber aussprechen, ob er der Armee die Tricolore lassen und im Princip gewisse constitutionclle Formen zugestehen wolle. Trotz dieser Rückkehr zu seinem Princip" hofften die Fustonisten noch immer auf eine glückliche Wendung. Für bew absoluten König von Gottes Gnaden schwärmt nur ein kleines Häuf lein der legitimistischen Ultras der Rechten und der große Hause der Ultramontanen, während die früheren Orleanisten trotz ihrer Bekehrung Bedenken tragen, die schwere Verantwortlichkeit einer bornirten Restau­ration auf sich zu nehmen. Die Regierung beobachtet diesen Verwickelungen gegenüber eine höchst unsichere, der Marschall-Präsident dagegen seine bisherige zu' geknöpfte Haltung. Einen tiefen Eindruck auf das Land haben die überwältigenden Majoritäten gemacht, welche am verwichenen Sonntag die republikanischen Candidaten bei den Ersatzwahlen erhielten.

Der Sieg, den der republikanische General Morioneö bei Estella über die Truppen des Carlisten - Generals Ollo am 6. October errungen zu haben behauptete, hat sich keineswegs als ein Erfolg für die Republik Spanien herausgestellt. Don Carlos ist in die Stadt eingezvgen und enthusiastisch aufgenommen wor­den ; von weiteren Unternehmungen des Generals Mo- riones hat man aber nichts mehr vernommen. Car­tagena ist nunmehr zu Waffer und zu Lande blokirt, nachdem ein Ausfall der Jnsurgentenschiffe am 11. Oktober zurückgewiesen worden ist.

Für England war das wichtigste Ereigniß der Woche die Wahl in Saunten, welche, wie auch zuvor die Wahl in Bath, trotz großer Anstrengungen der Gegenpartei für die Liberalen günstig ausfiel. Der liberale Candidat, der General-Advocat Herr Henry James, ward mit ansehnlicher Majorität gewählt. Für den von seinem Amte nach fünfzigjährigem Staats­dienste zurückgetretenen Hrn. Hammond ist Lord Ten- terden zum Unter-Staatsfecrelär im auswärtigen Mi­nisterium ernannt worden. Der Kirchen-Congreß, welcher bei sehr lebhafter und zahlreicher Betheiligung in Bath stattgefunden hat, hat beschlossen, sich als eine ständige Verbindung zu orgauisiren.

Rußland hat sich nun doch den Theil von Khiwa, welcher auf dem rechten Ufer des Amudarja liegt, angeeignet und bereits einen eigenen Gouverneur, den Obersten Jvanow, eingesetzt. Die Truppen der Expedition sind bereits heimgekehrt. Das Orenburger Corps hat am 9. bis 11. September (28. bis 30. August a. St.) Urga verlassen und dürfte jetzt bereits den Embaposten resp. Orenburg erreicht haben. Das Mangyschlaker Corps war schon am 21. August von Khiwa und am 2 September von Kungrad abgerückt. Der Großfürst-Thronfolger nebst Gemahlin hat sich am 9. d. M. von Zarskoje Selo »ach der Krim begeben. Die Regierung von Japan hat den Kaiser von Rußland ersucht, in einem Streit, in den sie mit Peru wegen des KulischiffesMaria Luz" geraden, den Schiedsspruch zu thuu. iiS *

Deutsch-» Reichs

Berlin, 17. Okt. Ueber die Ankunft des Kaisers in Wien hat der Telegraph hierorts Nach­richt gebracht und alle sonstige Nachrichten aus Wien wie die Mehrzahl der Wiener Blätter selbst stimmen darin überein, daß die Dortige Bevölkerung die hohe Bedeutung dieses wiederholten Besuchs zwischen un- eren Höfen vollkommen erkannt hat. Der Empfang,

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Der Deichbauer.

Criminal'Novelle aus dem Volksleben von Friedrich Friedrich.

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(Fortsetzung.)

Da trat der Waffcrmüller zu ihm.

. »Ich habe ihn heute Morgen zuerst hier gefunden," *8te er.Er lag da, wie er noch jetzt hier liegt "och ist keine Spur deö Mörders entdeckt."

^bensglück meines Mädchens ist nun dahin. Ich mit Euch handeln, der er zeigte auf den

*®bten soll gerächt werden, daS habe ich hier schworen bei seinem Blute!"

Der Deichbauer blickte ihn starr an. Noch keine -pur! Er mußte eine Spur haben mußte den "lieber finden I

. »Noch ehe ich Euch holen ließ," fuhr der Waffer- 1 ' fort,habe ich einen Boten zum Gericht ge

4 » Ichickt es muß bald kommen. Homann mich ____ [>fft's fast eben so schwer, als Euch; denn auch das

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Er erfaßte die Hand des Ermordeten und preßte * fest. Es konnte ihm nicht näher an's Herz gehen, wäre eS fein eigener Sohn gewesen.

_Ich habe nur noch eine Lebensaufgabe, seinen Mörder zu finden," erwiderte der Deichbauer;bann t auch für mich ber Tod das Beste!"

, Mehrere der Umstehenden wollten den Tobten auf» $«t, um ihn zum Dorfe zu tragen. Der Wasser- Wler hinderte eS.Laßt ihn liegen," sagte er,bis * Gericht dagewesen ist"

ä Schon sah man vom Dorfe her einen Wagen

schnell herbeirollen. Er brachte den Richter, einen Actuar und den Kreisphysicus.

Sie drückten dem Deichbauer die Hand.

Es hat Euch schwer betroffen," sagte der Richter.

ES ist Euer einziger Sohn."

Homann nickte bejahend mit dem Kopfe.

Der Arzt hatte mehrere Gerätschaften au6 dem Wagen genommen und auf den Rasen ausgebreitet. Er wollte den Sohlen zu untersuchen beginnen.

»Herr Doktor," sagte ber Richter,gestatten Sie mir, erst einige Fragen zu thuu." - G

Der Arzt hielt inne. . .. nko r.-i.

Wann ist.ber Tobte aufgefunden?" fragte der Richter.

Der Waffermüller übernahm eS, zu antworten. Es mögen ungefähr drei Stunden fein," erwiderte er.Ich selbst habe ihn zuerst gesehen."

Wie fandet Ihr ihn?" . :

Ich wollte zum Walde gehen." S

Sag er auf dieser selben ^Stelle?"

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Ist der Todte noch nicht angerührt?"

Doch. Sein Vater warf sich im ersten Schmerze neben ihm nieder und auch mein Mädchen, es war mit ihm heimlich versprochen." -- '

Wie lag der Leichnam?" .1 k

Genau so wie jetzt." '

Habt Ihr ihn nicht angerührt?"

Ich habe nur feine Hand angefaßt, um zu prüfen, ob er schon lange tobt sei sie war kalt."

Bemerktet Ihr nichts weiter?" .. ,. .

Nichts. Das Gras schien mir etwas zertreten zu sein, als hätten Zwei mit einanber gerungen. Hierin kann ich mich auch getäuscht haben, ich war zu sehr erschreckt."

Selb Ihr bei dem Leichnam geblieben?"

»Za.

Der Richter schwieg einen'.Augenblick. Er schien nachzusinnen. Dann forberte er ben PhystkuS durch eine Bewegung der Hand auf, den Tobten zu unter­suchen.

Dieser kniete neben dem Leichnam nieder, UM die Kleidung zu öffnen.

Bei genauerer Untersuchung sanden sich an der linken Seite der Brust in der Kleidung zwei Löcher, beide von einem scharfen Instrumente herrührend; denn das Zeug war zerschnitten. Da« geronnene Blut hatte sie verdeckt.

Der PhysikuS öffnete die Weste des Tobten und schlug das Hemd auf ber Brust zurück. Mit einem Schwamm wusch er die Wunde aus.

Beide Stiche in'S Herz", sprach er.Eine sichere Hand. Der Tod ist zum wmigstm ein schneller gewesen." j

Er untersuchte die Wunden und maß ihre Schluß­öffnungen.

Beide.einen Zoll lang", bktirte er dem Actuar ber bas Protokoll aufnahm.Die Räuber glatt ge­schnitten scharfes Instrument. Wahrscheinlich ein breites Meffer mit starkem Rücken vielleicht ein Jagdmesser."

----- ----- " (Fortsetzung folgt.) L 15ui , V-,