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]fr« 246» Marburg, Sonnabend, den 18. October. 1873.

। Oberhessische Zeitrrg.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22$ Sgr., durch die Postämter 27 Sgr. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. —

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 2$ Sgr. berechnet. — Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

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Verlin, 16. Oct. Die Urtheile der deutschen wie vieler ausländischen Zeitungen — mit Ausschluß der Ultramontanen — über die Anmaßung des Papstes und die entschieden feste Zurückweisung derselben durch gaijet Wilhelm begrüßen die letztere mit »armen Zu­stimmungen So schreibt die „Köln. Ztg.": „Beide Schreiben werden im ganzen deutschen Vaterlande mit tiefer Erregung gelesm werden. Zwei und ein halbes Jahrtausend aus einander liegende Weltanschauungen flohen da vor unserem geistigen Auge in unmittel­barer Gegenwart aus einander. Das erste Gefühl, das uns bei den ebm so grundlosen wie dreisten An­klagen des päpstlichen Schreibens heftiger das Blut erregt, ist das der Entrüstung; ein Gefühl, das uns an jenes erinnert, welches uns im Juli 1870 bei der ersten Kunde von dem Auftreten Benedetti's in Ems ergriff. Indem wir aber weiter lesen, überwiegt ver­wundertes Staunen, und bald dann, nachdem wir die kaiserliche Antwort gelesen, athmen wir auf in Be­friedigung und Zuversicht. Die Theorie der berufenen Bulle von Bonifaz VIII., die vor mehrerm Jahren in einem Schreiben des Bischofs Martin von Pader­born in einigen evangelischen Kreisen eine entrüstete, bei den meisten Lesern aber damals nur eine heitere Verwunderung erregte, tritt hier in dem feierlichen Schreiben de» Papstes selber gegenüber dem evange­lischen Kaiser und Könige eines in der Mehrzahl seiner Glieder evangelischen Volkes. Man müßte erwarten, zum Schluffe einer Vorladung nach Canossa zu ver­nehmen; aber eS folgt nur eine ganz moderne Ent­schuldigungswendung, die nicht anders klingt, als wie ein üsibewußt entschlüpfter eigener Zweifel an dem dorangegangenen Wellrichter-Anspruch. Die Antwort unferes Kaisers steht mit festen Füßen auf dem Boden der nüchternen Thatsachen und des lichten Gewiffens unserer Tage und unseres Volkes. Wir fühlen uns beim Lesen aus einer phantastischen Traumwelt in die Welt der heutigen Wirklichkeit versetzt und wir ge­winnen die Zuversicht, daß an dem Felsen des deut­schen Gewissens jene wüsten Träume wie Schäume zerfließen werden. Und es ergreift uns mit dieser Zu-

Der Deichbauer.

Criminal-Novellc aus dem Volksleben von Friedrich Friedrich.

(Fortsetzung.)

Am folgenden Morgen war Alles auf dem Deich. Hofe wieder in voller und gewohnter Thätigkeit. Waren die Knechte auch erst gegen Morgen aus der Wald­schenke heimgekehrt, zur rechten Zeit mußten sie dennoch jur Hand sein, und lässig in der Arbeit durften sie sich noch weniger zeigen. Auch Franz war wieder bei der Arbeit.

Es war ein schöner, sonniger Morgen. Der Deich­bauer stand in der Thür seines Hauses und überblickte den Hof, wo seine Leute arbeiteten. Er gedachte des Gespräches, welches er am Tage zuvor mit dem Waffer- ®üUer gehabt hatte. ES war ihm lieb, daß Georg gerade an diesem Mädchen Gefallen gefunden hatte. Gr trachtete nicht nach Geld, und doch erfüllte ihn btt Gedanke mit Freude, daß fein Sohn noch mach tiger dastehen werbe, als et selbst, wenn er den Reich- chum des Waffermüllers mit dem Deichhofe verband.

Ein Knecht von dem Waldhofe stürzte auf den hvf. Er war bleich, erschreckt. Er sah den Deich- dauer nicht und fragte nach ihm. Wenige Worte thoilte er den Arbeitern mit, und auch sie erschraken uad blickten angstvoll nach dem Deichbauer.

„Was gibt'S?" rief dieser. „Hier bin ich, wenn Du mir etwas mitzutheilen hast! WaS ist los?"

i Scheu, zaghaft trat der Knecht näher.

„Was giebt's?* wiederholte der Deichbauer ruhig; beim was konnte eS sein? Irgend ein Unfall in der Tirthschaft — nun, das schlug ihn nicht sogleich nieder.

„Herr, Herr —* stammelte der Knecht. Mehr brachte er nicht hervor.

„Nun, was ist denn?" rief Homann ungeduldig. »Es wird uns nicht sogleich ante Leben gehen — jWchL? t! .■ v • <• >

verficht zugleich auch ein mächtiges und freudiges Be­wußtsein der Pflicht, — dem Kaiser in der Erfüllung seiner Aufgabe, „den inneren Frieden zu schützen und das Ansehen der Gesetze zu wahren" mannhaft zur Seite zu stehen mit allen Kräften, die unS Gott ver­liehen!"

— Seitens der Justizverwaltung sind die sämmt- lichen Gerichtsbehörden aufgefordert, darüberErhebungen anzustellen, auf tote hoch sich der Stempel von der Eigenthumsübertragung von Immobilien durch Ver­trag für den Zeitraum eines Jahres, vom 1. April 1872 an gerechnet, beläuft. Bekanntlich ist von Mit­gliedern des Abgeordnetenhauses wiederholt eint Er­mäßigung des Jmmobilienstempels in Anregung ge­bracht worden, da die Erhebung von einem Prozent der Kaufsumme bei Besttzveränderungen den gegen­wärtigen Verhältnissen in keiner Weise mehr entspricht. Das Resultat der angcorbneten Erhebungen, das dem­nächst dem Landtage vorgelegt werden soll, dürste da­her zu einer Herabminderung der Stempelsteuer führen.

— Die „N. Pr. Ztg." schreibt: Auf neuliche Auslassungen der „Nordd. Allgem. Ztg." gegen den Capitain zur See Werner hat dieser an die Redaktion der „N. Allg. Ztg." eine Erwiderung gerichtet, welche dem Blatte Sonntags früh zugekommen sein swird. Da dem Gesuch nm Aufnahme derselben von Seiten der genannten Redaktion bis jetzt nicht entsprochen worden ist, so veröffentlichen wir die zu diesem Zweck uns rnitgetheilte Kundgebung in ihrer für den Re badeur bet „Norbb. Allg. Ztg." bestimmte» Faffung: Sie lautet: „Herr Redakteur! Auf Grund des Preßgesetzes ersuche ich Sie ergebenft um die Auf­nahme der nachstehenden Entgegnung. In Ihrer Zeitung vom 10. September sagen Sie in einem die Vigilante-Affaire behandelnden Leitartikel: „Die Ab­berufung des Kapitain Werner kann nur der bedauern wollen, wer die militärische DiSciplin abgeschafft sehen möchte." Zugleich motiviren Sie diese befremdliche Behauptung mit der Berufung auf einen Theil meiner Jnftruttionen, gegen den ich ungehorsam gewesen fein soll und der nach Ihrer Angabe lautet: „ich hätte mich übet den Schutz der Deutschen hinaus jeder

„Der Georg, Euer Sohn —" wieder stockt« der Knecht.

Der Deichbauer zuckte erschreckt zusammen.

„Georg — Georg — sprich — was ist mit ihm?"

„Er liegt draußen — am Walde — auf dem Wege von der Wassermühle

Der Deichbauer erbleichte.

„Ein Unglück!" rief er. „Was ist ihm geschehen? — Sprich — sprich!"

„Todt —" erwieberte bet Knecht.

Das war zu viel — barauf war er nicht vor­bereitet. Tobt — an ben er soeben mit voller Lebens­freude gebacht.

Seine große, kräftige Gestalt schwankte. An den Thürpfosten versuchte er sich zu halten, seine Kräfte reichten nicht aus. Bewußtlos brach er zusammen.

Das »ar ein Schlag, der einen noch Stärkeren vernichtet haben würde. Die Knechte und Arbeiter stürzten herbei. Auch Franz.

Der Deichbauer war nicht tobt, aber schwer hatte es ihn getroffen. Seine Brust athmete mühsam, röchelnd. Seine Hände zuckten, als fühle er selbst noch im be­wußtlosen Zustande den furchtbaren Schmerz nach.

Die Knechte hoben ihn empor, um ihn in s Haus zu tragen. Dort kam er wieder zu sich. Emm Augm- blick laug schim er Alles nur für einen schrecklichen Traum zu haltm. Das Entsetzen in den Mimen der ihn Umgebenden nahm ihm diese Täuschung.

Er wollte sich empor richtm, sank aber kraftlos zurück. Einige Secundm lag er regungslos da, dann raffte er sich gewaltsam zusammen und sprang auf.

Ohne ein Wort zu sprechen — ohne eine Frage zu thun, stürzte er fort vom Hofe, dem Walde zu. Ein erschütternder Anblick. Wie er mit bleichen Wangen, mit starrem Auge dahineilte, um das Furcht­barste zu sehen.

Er brauchte nicht zu fragen, nicht zu suchen, Wo

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Demonstration, welche die Leidenschaften erregen könnte, sowie jeder Parteinahme an den inneren Kämpfen Spaniens zu enthalten." Woher diese Jnformattonm Ihnen auch zugegangen sein mögen, so erkläre ich fie für falsch; meine Instruction enthält nichts davon. Ihre BeweiSfühmng geht deßhalb von falschen Bor» aussetzungm aus und ist damit hinfällig. Anderer­seits ist eS mir völlig unverständlich, wie der Tact eines einflußreichen Blattes, wie das Ihrige, es ge­statten tarnt, daß ein Osficicr eines schweren militäri­schen BergehmS beschuldigt und damit seine Ehre ver­letzt wird, ehe noch einmal diejmigen zuständigen Be­hörden, denen allein ein competentes Urtheil über mi­litärische Angelegenheiten zusteht, ihren Spruch gefällt haben. Ich kann es deßhalb nur höchst übereilt und bedauerlich finden, daß Sie auf falsche Informationen hin sich erlaubt haben, mich öffentlich anzugreifen, um so mehr als Ihnen nicht unbekannt sein konnte, daß dimstliche Rücksichten mir bis jetzt nicht gestatten, Ihnen auf dieses Gebiet zu folgen und mich auch öffentlich zu veriheidigen. Berlin, 11. Oktober 1873. R. Werner, Kapitän zur See."

Bade», 13. Oct. Lieutmant Stumm hatte die Ehre in einstündiger Audienz dem Kaiser als ein An­denken an dm russischen Khiwaftldzug die Waffen zu überreichen, die ihm zu diesem Zwecke von dem Höchst» Commandirmden der russischen Khiwatruppen, dem General v. Kaufmann, zum Geschenke geMcht worben waren; sie bestehen in einem langen asiatischen Gewehr und einem uralten khiwefischm Dolche, beides Gegen­stände aus dem Privat« und Familienbesttze des re­gierenden Khans. Das Gewehr —• Luntenschloß mit gezogenem Lauf — soll eine Jagdflinte im elegantesten, modernsten khiwestschen Geschmak fein. Der Dolch ist ein altes Cabinetstück eine Art Relique der KhanS« samilie und war schon Hunderte von Jahren in dem Besitze der Regenten. Die Scheide ist von gediegenem Silber mit reichen Goldornamenten und altafiatischen Steinverzicrungm im altiranischen Geschmack. Die grausame Verwendung zu Privat - Hinrichtungen und schrecklichen Verstümmlungen, welche die Khane von Khiwa als eine Art Sport meist selbst zu verrichtm

sein Kind lag. Ein Haufe Mmschen dicht vor dem Walde zeigte ihm die Stelle. Wie ein zum Tode Verfolgter stürzte er darauf zu. Der Waffermüller trat ihm entgegen, entsetzt, erschreckt. Er versuchte, ihn zurückzuhaltm, um ihm vielleicht eine Minute länger den Anblick seines Elends zu ersparen.

„Homann — tretet noch nicht heran," sagte er.

Der Deichbauer hörte nicht. Die Menschen traten zur Seite, um dem Vater des Todten Raum zu geben. Da lag sein Sohn vor ihm — in feinem Blute — ermordet.

„Allmächtiger Gott — ermordet!" rief er mit entsetzlichem Schmerzensschrei.

Er bedeckte das Gesicht mit beiden Händen. Er zitterte. Jeden Augenblick drohte er auf's Neue zu­sammenzubrechen. Der Waffermüller unterstützte, hielt ihn. Die Thränm rannen ihm unter ben Hänbm hervor. Hier lag sein ganzes Glück zu Grabe ge­tragen. Mit all seinem Reichthum konnte er nicht einen einzigen lebenbigm Blutstropfen in das bleiche Antlitz des Todten zurückrufen. Bemitleidenswerther als der Aermste auf der Erde stand er da.

Die Thränm hatten die erste Gewalt des Schmerzes gebrochen. Er kniete nebm dem Todten nieder und hob seinen Kopf empor.

„Mein Sohn, mein Georg!" rief.er und beugte sich über ihn.

Manch harte Natur wandte stch ab, um diesen Schmerz des Vaters nicht zu sehen. Tief in'S Herz hinein griff er.

Noch vermochte der Deichbauer nicht, stch in seinem Schmerze zu fassen. Niemand wagte, ihn zu stören.

Da stürzte ©ertrube herbei. Vergebens hatte man ihr baS entsetzliche Unglück verbergen wollen. Verge­bens suchten ihr Vater und ihr Bruber sie zurückzu­halten. Schüchtern, heilig hatte sie bie Liebe zu Georg in ihrem Herzen getragen, verborgen vor ber Welt hatte sie biefelbe gehalten — jetzt dachte fie nicht