änderung in der Bezirkseintheilung, e. Antrag von Rixdorf, desgleichen Zutheilung zu den Vereinen von Berlin. 8) Wahl des BundeSprästdiumS. 9) Wahl der Revisions-Commission. 10) Wahl der Bezirks- Vorstände.
Eisenach, 12. Oct. Den zweiten Punkt der Tagesordnung der Socialpolitikerversammlung bildet die Frage, welche Mißstände sich bei Gründung, Errichtung und Geschäftsführung von Actiengesellschaften gezeigt und wie die bestehende Gesetzgebung sich bewährt habe. Hierzu gestellte Anträge des Referenten Wagner ent wickelt derselbe in fast zweistündiger Rede, worau um 3 Uhr die Sitzung bis 7 Uhr vertagt wird. In der Abendsttzung polemistrt zunächst Correferent Wiener (Berlin) vielfach gegen die Ausführungen Wagners. Zn der dann aufgenommeneu Generaldebatte sprechen EraS (Breslau), Embden (Hamburg) und Samter (Königsberg), die vorhandenen Mißstände vielfach eilt räumend, gegen Wagner und Schmoller für die Anträge. Die Generaldebatte wurde um 10 Uhr ge schlossen. Die Spezialdebatte beginnt morgen 9 Uhr.
Stuttgart, 13. Oct. Der „Staatsanzeiger" publicirt das königliche Dekret, durch welches die Stände Versammlung zur Wiederaufnahme ihrer unterbrochenen Arbeiten auf den 21. October einberufen wird.
Ausland.
Wie«, 13. Okt. Die „Montags-Revue" beklagt in einem anscheinend officiösen Artikel das schroffste Vorgehen der Türkei gegen Oesterreich-Ungarn in der bosnischen Angelegenheit durch die Versendung eines Memoires an die europäischen Mächte, in welchem die Sachlage einseitig dargestellt worden sei, und weift die in dem Memoire erhobene» Anschuldigungen als grundlos zurück. Auch die Anwesenheit des Fürsten Milan von Serbien in Wien, sagt das Blatt weiter, sei türkischerseits zu einer Demonstration benutzt worden, welche aber eine energische Zurechtweisung Seitens Oesterreichs und kleinlaute Entschuldigungen Seitens der Türkei zur Folge gehabt habe. Der Artikel schließt: „Oesterreich Ungarn ist berechtigt, die dankbarsten Sympathieen des Sultans und der türkischen Regierung zu fordern. Jedenfalls wird das Wiener Cabinet der unklaren Situation ein Ende machen und ausgiebige Genugthuung beanspruchen."— Die „Wiener Zeitung" veröffentlicht heute in ihrem nichtamtlichen Theile den Rechnungsauszug aus der Gebahrung der Weltausstellung bis Ende Septeuiber 1873. Danach hätte die Weltausstellung an Staatsdodationen empfangen 15,043,315 Gulden, eine Summe, welcher die eigenen Einnahmen mit 2,681,627 Gulden gegenüberstehen, wozu noch die „fremden" Einnahmen mit 4329 Gulden kommen. Die Gesammtausgaben bis Ende 1873 betragen 14,769,933 Gulden. Dagegen hat die Welt-Ausstellung an den Staat abgeführl 2,681,627 Gulden; außerdem verfügt das Unternehmen über einen Caffastand von 277,710 gl. Das „N.W.T." macht dazu die Bemerkung: „Zieht man die Bilanz aus der Rohbilanz, so ergibt sich ein Deficit von rund 12 Millionen Gulden, was an sich betrachtet, immerhin groß genug, doch bei weitem kleiner wäre, als es nach allgemeinen Angaben veranschlagt wurde. Um so interessanter wird es sein, die gegenwärtige
Rohbillanz mit dem einstigen wirklichen Deficit zu vergleichen, wie es der Reichsrath zu decken haben wird. Dem „Haben" steht kein „Soll" gegenüber, und in dein Ausweise fehlt die wesentliche Angabe über die Raten, welche das Unternehmen noch an seine Gläubiger abzutragen hat. Die Einnahmen bis Ende September sind vollkommen verrechnet; es bleiben noch die Einnahmen des Monats Oktober und diejenigen, welche aus dem Verkaufe der Materialien nach Schluß der Weltausstellung zu erzielen sind. Hinsichtlich der Ausgaben aber, mit denen die Weltausstellung noch belastet ist, bleiben wir, da nur bereits getilgte Posten in Verrechnung kommen, vollständig im Dunkeln. Wir haben daher auch keine Vorstellung von der Höhe des wirklichen Deficits; übrigens wird es aller, seitö nur Genugthuung bereiten, wenn daffelbe so gering als möglich ausfällt."
Genf, 13. Oct. Bei den gestrigen, kirchlichen Wahlen wiesen die Listen der liberalen Katholiken 1261 Stimmberechtigte auf. Von diesen wurden Pater Hyacinth, Cononcius Hurtault und Abb« Cha vard zu Pfarrern, sowie neun Parochialräthe mit zwischen 1250 und 1256 Stimmen schwankenden Majoritäten erwählt. Die Ultramontanen enthielten sich der Abstimmung.
Pari-, 13. Oct. Bei den gestrigen Nachwahlen sind die vier von der republikanischen Partei aufgestellten Candidaten gewählt worden, und zwar: Re« musat mit 47,500 Stimmen gegen Niel mit 19,600, Turigny mit 39 800 gegen Gillois mit 28,200, Rey mond mit 59,800 gegen Faure mit 24,500 und Girot Ponzol mit 36,300 Stimmen. Die Resultate sind als fast genau anzusehen — In seiner gestrigen Nummer schildert „Bien Public" die Lage, in welche das Cabinet vom 24. Mai Frankreich gebracht, in folgender, schlagenden Weise: „Die Vortheile, welche Frankreich durch die friedliche und gemäßigte Politik des Herrn Thiers gewonnen hatte, sind durch Schuld der clericalen Reaction und der Regierung der »gens de bien« verloren gegangen. Heute ist Frankreich nicht allein isolirt, es ist auch überwacht und bedroht durch die furchtbarste moralische Coalition, welche sich emals gegen ein Volk gebildet hat. Da die Legi imisten und Ultramontanen erklärt haben, daß die Mission der Monarchie, die man wieder herstellen will, darin besteht, die Kirche zu beschützen und dem Papst eine Staaten zurückzugeben, so stellen sich alle liberalen und revolutionären Kräfte Europa's zur Verfügung der beiden direct von der reactionären Wühlerei an »egriffenen Mächte. Das nationale Gefühl der Deut- chen und der Italiener geräth bei dem Gedanken in Erregung, daß die Versailler Monarchisten und Cleri- taten sich anschicken, die Lehre, welche sie seit so langer Zeit in ihren Blättern predigen, practisch in Aus ührung zu bringen. Die Italiener sind schon seit zu langer Zeit gewohnt, von den Organen der fran- ösischcn Ultramontanen beschimpft zu werden, als daß ie sich über die Maßen zu entrüsten brauchten; aber welche Wirkung wird das Pläidoyer der „Union" zu Gunsten der Politik deS alten französischen König- thums in Berlin thun? „Das conservative Genie unserer Könige," so sagt daS legitimistische Hauptorgan, „hatte ein Deutschland gewollt, welches unter dem
auch diese Nacht wieder in dem Wohnzimmer zu schlafen, trat fte entschlossen vor ihn hin.
„Oeffne die Thür — ich will zu meinem Kindel" rief sie und au« ihrem Blick sprach die höchste Leidenschaft.
„Wenn'« Zeit ist, werde ich die Thür öffnen", erwiderte dieser.
„Ich will zu ihml" rief sie lauter und heftiger. „Du hast kein Recht, mich von ihm zu trennen! — Du willst ihn morden — wäre ich nie Dein Weib geworden!
„Du hast Recht!" entgegnete der Bauer. „Es wäre für uns Beide besser gewesen, hätten wir diesen Schritt nicht gethan — Glück ist nicht aus ihm er wachsen!"
Seine Ruhe steigerte ihren Zorn. *
(Fortsetzung folgt.)
Zur Charatterißik Bazaine'S. s
(Schluß.)
Wer die deutsche Kriegsführung in Frankreich auch nur oberflächlich beobachtet hat, wird den französischen Entschuldigungsgrund nach seiner ganzen Nichtigkeit und Bedeutungslosigkeit erkennen. Pflicht, treue und das Gefühl der Verantwortlichkeit waren im deutschen Heere in so hohem Maße vorhanden, daß selbst in den kleinsten Gefechtszwischenfällen sich ein merkwürdiges Zusammenwirken aller Factoren manifeftirte. Es geht in's Unglaubliche, mit welchem Verständniß die einzelnen Truppentheile, bis herab zu den Compagnien, in die Intentionen des General
stabes einzugehen wußten, und mit welcher Aufmerksamkeit der-Generalstab scheinbar unbedeutende Details erfaßte, um darauf seine Combinationcn zu basiren. Kann irgend ein vernünftiger Mann annehmen, daß Mollke, daß die preußischen Generale, daß dieses große Ensemble von militärischer Intelligenz eS der Willkür Bazaine's überlassen hätte, dem deutschen Heere die Verbindung mit Deutschland abzuschneiden und es damit der Vernichtung preiszugeben? Weß- halb sollte auch Bazaine gezögert haben, sich dieses Vortheils zu bemächtigen, sich unsterblichen kriegerischen Ruhm zu sichern und an der Spitze einer mächtigen Armee als der Retter deS herrenlosen Frankreich zu erscheinen? Meint man, daß Jemand solchen Ruhm, der auch der weitgehendsten Habsucht Befrie digung verspricht, sich abkaufen läßt, um sich mit dem Schimpfe einer Kapitulation zu beladen?
Die Capitulation von Metz hat ihre Mysterien, aber diese sind nicht der Art, um den Voraussetzungen der Franzosen zu entsprechen. Bazaine war überzeugt, daß durch Ausfälle die Kette der Belagerung nicht zu sprengen sei, aber er glaubte, daß die Deutschen sich in einer Situation befänden, welche sie zu Unterhandlungen und Zugeständniffen geneigt machen würde. Er machte daher Anerbietungen, um seine Armee entweder für Frankreich ober für den NapoleoniSmuS zu erhalten, vielleicht auch, um auf gut Glück egoistische und abenteuerliche Pläne zu verfolgen. Deutsch land war klug genug, auf diese Anträge nicht einzugehen, die jedenfalls die Erfolge des Feldzuges moralisch compromittirt haben würden. Würde man den Marschall anklagen, weil er mit Uckgehung militäri-
Rechte der bei der Macht Frankreichs interessirte» historischen Fürstenthümer bestand, und Napoleon Bonaparte mit seinem gleichmachenden Genie hatte zu« wenigsten ans dieser hundertjährigen Politik das zurück, gehalten, was in das Staatsrecht der germanische« Consöderationen eingedrungen war. Das Werk war groß. Aber der Geist der Revolution, der sich j, einen militärischen Despotismus umgestaltete, vernichtet! Alles und hielt das Genie Frankreichs in feiner Missio« auf . . ." Auf diese Weise haben die Motiarchistc, gegen Frankreich die Meinung des liberalen Europa wachgerufen und im voraus die von Rußland, Preuße« und Oesterreich beschloffenen Vorsichtsmaßregeln gerechtfertigt. Die Zustimmung des Königs von Italic« zum gemeinschaftlichen Programm der nordischen So«, veraine vollendet die Jsoliruug Frankreichs. Ma« kann sich darüber nicht mehr die geringste Jllusio« machen. Die europäischen Cabinette haben die Wieder- Herstellung der erblichen Monarchie in Frankreich nicht abgewartet, um sich über einen VertheidigungSplan a verständigen, der nötigenfalls eine neue Invasion zur Folge haben könnte. Die von den Royalisten geträuui- ten Allianzen sind noch chimärischer, als ihre Pläm innerer Wiedergeburt. In den protestantischen und schismatischen Staaten des Nordens reicht der Haft gegen das Papstthum hin, um die Anstrengungen da royalistischen Coterieen zu paralystren, welche die Allianz aller Conservativen gegen die moderne Gesellschaft träumen. Was Oesterreich anbelangt, so braucht diesej noch Zeit, sich zu sammeln, und in Süd-Europa sind die Revolutionären Herren der Lage, wie die Royalisten selbst anerkennen. Wird Frankreich bis zum Schluft auf der Bahn gehen, auf welche es die Clericalen und die Monarchisten seit dem 24. Mai hindrängen, oder wird eö begreifen, daß die äußere Gefahr eben so groß ist, wie die innere? Hoffentlich werden tat entscheidenden Augenblicke die Republicaner, die Bo- napartisten und überhaupt alle Vertheidiger der Natio- nal-Souverainetät nicht vergessen, daß die Lösung bei Regierungsfrage eine Frankreich dargebotene Gelegenheit ist, um sich in den Augen Europa's zu rehabilitiren.'
Madrid, 12. Oct. Die „Gaceta" tnelbet über das gestern bei Cartagena stattgehabte Seegefecht, daß Contreras bie Jnsurgenten-Fregatte „Tetuan", welche eine Besatzung von 900 Mann hat, befehligt habe. Die Jnsurgentenschiffe kehrten in ben Hafen von Cartagena,. schwer beschäbigt burch bie Geschosse deS von Lobos commanbirten GeschwaberS, nach zweistün- bigem Kampf zurück. Anbere Nachrichten nennen bie Jnsurgentenschiffe „Menbez-Nunez" unb „Numancia" als besonders schwer beschädigt. Ein fremdes Schiff oll sich zwischen die Fregatten „Mendez-Nunez" und „Victoria" gelegt haben.
London, 13. Oct. Ein Artikel der „Times' bespricht die Kämpfe der preußischen Staatsregierung gegen die römisch-katholischen Bischöfe. Dieselbe hält das Cölibat für ein Haupthinderniß, welches der Heranbildung eines echt national-gestnnten Klerus ent- gegensteht. Die Beseitigung des Cölibats sei anzu- treben und der schließliche Triumph nach schweren Kämpfen bann unzweifelhaft.
Rewyork, 13. Oct. In einer Unterhaltung am letzten Samstag hat, wie Reuters Bureau meibet scher Vorschriften sich in diplomatische Unterhandlungen mit dem Feinde eingelassen, auch sonst ungesetzliche Acte verübt hat, so würde diese Anklage thatsächlich Begründung haben, obwohl eö sich sonderbar genug im Munde Jener ausnimmt, welche der Regierung vom 4. September jede Legalität absprechen.
Aber man begnügt sich eben damit nicht, sondern, wie aus der Anklage hervorgeht, will man die Affaire so darstellen, als ob die Capitulation von Metz ohne hinreichenden Grund erfolgt, als ob der Verrath Bazaine s die Ursache der französischen Niederlage sei, als ob dieser Verrath unb nicht bie beutschen Waffen bie endgültige Entscheidung herbeigeführt hätte. Durch den Spruch bes Kriegsgerichtes wirb man das „Wenn" besiegeln lassen, um bie Bonapartisten vor betn Einzüge des Grafen von Chambord in dem Marschalle des Kaiserreichs, in Bazaine, zu demülhigen und um den Franzosen durch die Hoffnung auf den Rachekrieg die Monarchie erträglich zu machen. Der Herzog von Aumale, der Erbfeind deS BonapartismuS, wird bei dieser großartigen Geschichtsfälschung in Trianon den Vorsitz führen, ganz Frankreich wird sich an dem gerichtlich conftatirten „Wenn" sättigen; der Haß gegen Deutschland erhält neue Nahrung und der Ausführung der „Revanche" ist man um eine Etappe näher gekommen. Der Marschall Bazaine wird wohl nicht erschoffen werden und mit der Degradirung davon kommen. Vielleicht kommt er im nächsten Kriege, den man, nach der Sprache Gambetta's zu urtheilen, nicht auf einen allzusernen Zeitpunkt verlegen darf, wieder zur Verwendung.
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