Einzelbild herunterladen
 

"-i

NH

len. er.

son

225

tri.

B» .3.11 ittel:

34 vev

Leo um schu t Hal d <4 Cm Dau!

«4

be 73 ittel: den reit«

nach um scheu ' bi« und >ster- 2t/

He» auf« chäs-

l.

g-r ! ßt=

!anv auf

311

>19.

>«S

am

304

icre

287 er.

„fr

Vit

1873.

ZNarburg, Mittwoch, den 15. October.

Mr. 243

OberhesMe Zeitnng.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 224 Sgr., durch die (ßoftämtet 27 Sgr. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. - Jnsertronsgebühr für die gespaltene Zelle 1 Sgr.

* Sämmtliche Annoncen-BüreauS nehmen Inserate an.

Deutsches Reich.

.. Berlin, 11. Ott. Die „Frankfurter Zei­tung", ein Blatt, dem bekanntlich die absurdeste Coniectur nicht zu schlecht ist, wenn sie eine für die Regierung mißliebige Kritik daran knüpfen kann, meint, die Festsetzung des Termins für die Einberufung des Reichstages beweise, daß derselbe noch einmal in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung berathen solle. Es braucht kaum versichert zu werden, daß von einer solchen Maßregel schon seit langer Zeit keine Rede mehr gewesen ist, vielmehr wird der Reichstag ebenso für seinen Zusammentritt erneuert werden, wie jetzt der preußische Landtag. — Die neuen Verfasiungs« bestimmungen für die evangelische Kirche unserer öst- lichen Provinzen haben Anfangs mancherlei Tadel er­fahren müssen; derselbe scheint indessen mehr voreilig, als begründet gewesen zu sein. Wenigstens zollen jetzt sogar die Mitglieder des Protestantenvereins in einem von der „Nationalzeitung" veröffentlichten Auf­rufe derselben ihren Beifall und erkennen unumwun­den an, daß damit ein bedeutender Fortschritt unseres kirchlichen LebenS bezeichnet wird. — ES ist gewiß löblich, wenn eine Zeitung dem Börsenschwindel, dessen traurige Folgen jetzt vor aller Augen liegen, energisch zu Leibe geht, nur muß dies in gerechter und unpar­teiischer Weise geschehen. Die „Germania" aber schreibt ihre anscheinend von moralischer Entrüstung dictirte Philippika nur, um nebenbei mitzutheilcn, daß der Tcufel jetzt seinen Wohnsitz ernstlich nach Berlin verlegt habe und daß man nur deßhalb das Augen­merk des Volkes auf Jesuiten und Ultramontane ge« lentt habe, um die Gründer und Speculanten desto ungestörter wirthschaften zu lasten. Das Traurigste ist, daß für Biele solche Ausführungen Orakel sind, weßhalb man nicht müde werden darf, derartige dema­gogische und agitatorische Verdrehungen und Sophis- men an das Tageslicht zu ziehen. — Die Provinzial­landtage dürften innerhalb 14 Tagen, je nach dem ihnen vorliegenden Materialien die Arbeiten beenden. Einige sind sogar bereits wieder aufgelöst worden; andere dagegen haben noch manche Aufgabe zu er- lebigen, so z. B. der schlesische.

— Zu den Berathungen über das höhere Schul­wesen Behufs der Vorbereitung eines Unterrichts­gesetzes, find folgende Personen Seitens des Mini­steriums eingeladen: 1) Dr. Klix, Provincial-Schul- rath (Berlin); 2) Dr. Gandtner, Provincial-Schulrath (Berlin); 3) Dr. Schrader, Provincial-Schulrath

(Königsberg i. Pr.); Dr. Dillenburger, Provincial- Schulrath und Geheimer Regierungsrath (Breslau); 5) Dr. Hofmann, Stadtschulrath (Berlin); 6) Dr Bonitz, Professor und Gymnasial-Director (Berlin); 7) Dr. Gallenkamp, Gewerbschul-Director (Berlin); 8) Dr. Kern, Professor und Gewerbe-Schuldirector (Berlin); 9) Dr. Jäger; Gymnasial-Director (Köln); 10) Dr. Reisacker, Gymnasial-Director (Breslau);

11) Dr. Kruse, Gymnasial-Director (Greifswald); 12) Ostendorf, Realschul-Director (Düsseldorf); 13) Dr. Tritsche, Realschul-Director (Grünberg); 14) Dr. Meffert, Realschul-OberlehHr (Posen); 15) Dr. Schäfer, Gymnasial-Oberlehrer (Flensburg); 16) Dr. Kalkhof, Oberlehrer am Andreanum (Hildesheim); 17) Dr. phil. Paur, Mitglied des Hauses der Abgeordneten (Gürlitz); 18) Dr. med. Löwe, Mitglied des Hauses der Abgeordneten und des Reichstages (Berlin); 19) Dr. Reichensperger, Appellationsgerichtsrath und Mit­glied deS Hauses der Abgeordneten und des Reichs­tags (Köln); 20) Dr. med. LuciuS, Mitglied des Hauses der Abgeordneten und des Reichstages (Klein- Ballhausen bei Gebesee); 21) Dr. Techow, Gymnasial- Director a. D. und Mitglied deS Hauses der Ab geordneten und deS Reichstags (Berlin).

Pofe», 13. Oct. Heber die Krankheit deS Erz­bischofs LedochvwStt meldet die „Pof. Ztg.": Zur HalSdiphteritiS, woran der Erzbischof Anfangs litt, trat später Ubdominal - ThyphuS, dessen Verlauf in letzter Zeit nicht intensiv gewesen, und gibt der Zustand durchaus noch nicht zu außerordentlichen Besorgnisten Veranlassung. Der „Kuryer" sagt: Die Besterung schreitet günstig fort, obgleich der Kranke noch das Bett hütet. DaS Gemüth ist ruhig, das Bewußtsein vollständig ungestört.

Sternberg, 12. Oct. Der vereinte Landtag der beiden Großherzogthümer Mecklenburg ist zum 12. November hierher zusammenberufen wordm, um über die Veränderung der Verfastung zu berathen. Daß auch diesmal wieder, eben so wie im vorigen Jahre, die Verhandlungen ganz fruchtlos verlaufen sollten, erwartet man nicht, denn auch selbst der eifrigste Anhänger deS alten Systems in Mecklenburg verschließt sich nicht mehr der Einsicht, daß die jetzige alte Feudalverfastung unverändert unmöglich noch länger fortbestehen könne. Daß aber auch bei der neu zu vereinbarenden Verfastung daS ständische Wesen eine ziemlich starke Berücksichtigung finden wird, dürfte wohl unzweifelhaft sein. Der unter ungefähr 800

Rittergutsbesitzern vertheilte Großgrundbesitz wird wohl eine eigene Vertretung finden, eben so werden die einige 40 Städte der beiden Großherzogthümer besondere Abgeordnete wählen, während der Bauern- tand und die Angehörigen der weiten Domainen der Großherzoge die dritte Elaste der Abgeordneten zu wählen haben; so dürften wenigstens die Vorlagen der Regierung lauten. Das Wichtigste und Bedeu- endste der neuen Verfastung wird aber unzweifelhaft ein, daß dadurch endlich einmal eine Aufklärung in die jetzige mecklenburgische Finanzwirthschaft, die in der That der dringendsten Reform bedarf, kommen wird und muß. Die Finanzen des einst so reichen GroßherzogthumS Mecklenburg-Schwerin gehen durch die jetzige Wirtschaft einer unausbleiblichen Zerrüttung entgegen, wenn nicht bald Abhülfe dagegen geschafft wird, und hierin muß die schleunigste Reform ge­schehen.

DreSde«, 13. Oct. Der Kronprinz von Sachsen ist vorgestern Nachts mit dem Wagen umgeworfen worden, wobei er unter den Wagen zu liegen kam. Derselbe befindet sich in ärztlicher Behandlung in Pillnitz. Die erhaltenen Verletzungen sollen nicht lebensgefährlich sein.

Weimar, 13. Oct. In Betreff des am 18. und 19. d. M. stattfindenden zweiten DeligirtentageS des Deutschen KriegerbundeS, welcher hier abgehalten wird, erfährt die „D. R. C.", daß die Zeit derartig eingetheilt ist, daß die Plenarversammlung der Dele- girten am Sonnabend, dm 18., Nachmittags 2 Uhr ihren Anfang nimmt und daß dann die Berathungm bis zum Abend dauern und nach ihnen ein Theater­besuch resp. Commers in Aussicht genommen ist. Der Sonntag Vormittag ist zur Besichtigung Weimars bestimmt. Um 11 Uhr dagegen werden die Be­rathungen wieder fortgesetzt werden, nach deren Be­endigung ein allgemeines Diner der Delegirten schließt. Die Tagesordnung für die Versammlung lautet: 1) Eröffnung des DelegirtentageS. 2) Wahl eines ge­schäftsführenden Präsidenten für den II. Delegirtentag und eines Stellvertreters. 3) Bildung des Büreaus. 4) Prüfung der Vollmachten der Delegirten. 5) Be­richt des Bundes-Präsidenten über die gegenwärtige Sage des Bundes. 6) Berathung der Satzungm des Bundes. 7) Anträge der Vereine und Mitglieder: a. Bildung einer Sterbekaffe, b. Abhaltung des III. DelegirtentageS in Berlin, c. Aufruf an die deutschen Krieger, d. Antrag von Alsfeld, betreffend eine Ber-

Der Drichbaner.

Criminal-Novelle aus dem Volksleben von

;. Friedrich Friedrich.

(Fortsetzung.)

Roch immer wagte die Fran kein Wort zu sprechen. Die Entschlostenheit ihres Mannes hatte ihr Furcht eingeflößt.

„Du wirst die Kammer nicht eher öffnen, bis ich « gesagt habe," fuhr er fort, „Du gibst ihm weder zu offen, noch zu trinken, Du sprichst auch nicht mit ihm — ich will es nicht. Hast Du verstanden?"

Sie schwieg.

„Hast Du verstanden?" wiederholte er.

„Ja."

Sie brachte dies eine Wort kaum heraus. Ge« »alstam schien ihr die Brust zusammengeschnürt. Nur ihr Auge zuckte vor innerer gewaltiger Erregung.

„Du gehst morgen auf den Waldhof!" wandte sich Homann zu Georg, welcher regungslos vor Schrecken dasaß. „ES bleibt, wie ich eS bestimmt habe. — Und Du schweigst über DaS, wa« hier vorgefallen ist, fügte er hinzu; dann verließ er das Zimmer. — Jn's Freie mußte er. Die Luft im Hause war ihm zu drückend geworden. Bändigen mußte er den Buben, der gewagt hatte, daS Messer gegen ihn zu erheben, und er sann nach, auf welche Weise dies am besten zu erreichen sei.

Schon öfter hatte sich ihm leise der Gedanke auf« gedrängt, daß er bester gethan hätte, nicht wieder zu heirathen. Seine Hoffnungen auf Glück hatten sich ja ohnehin nicht erfüllt. Jetzt kehrte ihm dieser Ge- danke offener und dreister wieder, und er scheuchte ihn

nicht zurück. Klarer war eS ihm geworden, daß seine Frau ihn nicht liebte, daß ihr Herz nur an dem Buben hing, der keine Liebe verdiente, den er selbst ohne Erbitterung nicht mehr ansehen konnte.

Er hatte den Schritt einmal gethan und konnte ihn nicht ungeschehen machen, um so unerbittlicher wollte er deshalb den Weg verfolgen, den er ringe« schlagen hatte.

Er kehrte nach HauS zurück, und den ganzen Nach mittag verließ er das Zimmer nicht wieder. Er sah, wie seine Frau unruhiger wurde und verrieth leicht, daß sie die Absicht hatte, dem Buben aus dem Zimmer helfen zu wollen oder ihm zu esten zu geben. DaS sollte sie nicht; demüthigen und bändigen wollte er ihn.

Als die Zett hcrankam, wo er gewöhnlich sich zur Ruhe zu legen pflegte, befahl er, daß seine Setten ihm in das Zimmer gebracht würden. Seine Frau blickte erstaunt auf.

„Du willst hier schlafen?"

„Ja. Ich will mich überzeugen, daß Niemand zu dem Buben eintritt"

„Franz soll die Nacht über in dem engen, dunkeln Raume bleiben?" fragte sie weiter, und das Blut stieg ihr in die Wangen.

„Er wird so lange darin bleibtn, bis ich die Thür öffne."

„Ohne Estm?"

„Ohne Esten," bestätigte der Deichbauer.

Ihre Augen zuckten glühend. Sie athmete schneller, in ihr schien es zu kochen; dennoch bezwang sie fich.

„Homann!" sagte sie, und bemühte fich, ihrer Stimme einen weicheren Ausdruck zu geben. „Franz

hat sich gegen Dich vergessen. Ich nahm ihn nicht in Schutz; aber strafe ihn nicht zu hart. Er darf die Nacht über nicht in dem Zimmer bleiben. Er hat nicht einmal ein Lager, auf dem er schlafen kann."

„Nur vergesten hat er sich, wenn er ein Messer gegen mich erhebt?" erwiderte der Deichbauer. „Glaubst Du beim, er würde weicher gebettet sein, wenn ich ihn dem Gerichte überliefert hätte? Gr bleibt, bis ich selbst die Thüt aufschließe!"

„Sei nicht zu hart!" warf die Frau ein. Sie vermochte schon nicht mehr zu bitten. ‘c

„Ich will hart sein;" entgegnete er: „denn nur Härte und Strenge vermögen ihn zu bessern)"

Er hatte diese Worte so bestimmt gesprochen, daß die Fra» nichts zu erwidern wagte. Ohne Nachtgruß verließ sie das Zimmer. Als ste die Thür hinter sich geschlossen hatte, stand sie einen Augenblick still und warf einen drohenden Blick zurück. Dann schrftt sie hastig auf ihre Kammer. ‘......•-<*

Der Deichbauer blieb ht der Ausführung seines EntschlusteS unerbittlich. Dm gcknzen folgenben Tag blieb er im Zimmer, und es war für seine Frau un­möglich , auch nur ein Wort durch die Thür mit Franz zu sprechen. Dm hörte man in dem kleinen Raume nicht. ■ ■ <' ■■

Die Angst seiner Mutter stieg mit jeder Stunde. Hätte er drinnen gelärmt, hätte er seiner heftigsten Wuth Luft gemacht, er würde sie beruhigt haben; sein Schweigen folterte sie und rief die bangsten Gedanken in ihr hervor.

Sie schwieg. Als sich ihr Mann <cker anschickte,