1873
ZNarKurg- Dienstag, den 14. October,
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Oderhessische Reifung
firfieint tSalich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 224 Sgr.. durch die ^ Lftihntet 27 gar. lexcl. Bestellgebühr und iml. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. - Jnsertronsgebühr für die gespaltene Zelle 1 Sgr.
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Kraftlos ließ er ihn auf den Tisch sinken, nur Mester hielt seine Hand noch fest; starr war Auge aus den Deichbauer gerichtet.
Dieser war erbleicht, aber nicht einen Zoll
vor Franz hintrat. Ich bin neugierig, wie weit er eS treibm wird. Run?"
Er schien ruhig zu sein. Mtt einem Male brach eS aber in ihm los.
den neueren Sprachen hinneigten, von denen trennen müssen, welche die sogenannten humanistischen Fächer für sich gewählt hätten, alle aber seien auf der gemeinsamen Grundlage so weit gefördert, daß man die einen so gut wie die andern zu den Universitätsstudien zulassen könne. Hieraus erhielten einige Mitglieder den Auftrag, versuchsweise den Lectionsplan für eine solche höhere Lehranstalt auözuarbeiten.
— Die Gesammt-Ausprägung der ReichSgold- münzen stellt sich bis zum 27. September d. I. auf 935,071,810 Mark, wovon 805,004,680 Mark in Zwanzigmarkstücken und 130,067,130 Mark in Zehnmarkstücken bestehen.
— Wie der „B. B.-C." aus zuverlässiger Quelle vernimmt, ist die Beseitigung der finanziellen Schwierig« keilen der Vereinsbank Quistorp u. Co. in Berlin und der damit in enger Verbindung stehenden Institute schließlich dennoch gescheitert. Bekanntlich hatte ein aus der Direktion der Discontogesellschast, der Bank für Handel und Industrie, der Berliner Handelsgesellschaft und dem Bankhause S. Bleichröder gebildetes Comits sich geneigt erklärt, neben dem von der Preußischen Bank bereits gewährten Wechselcredit einen weiter erforderlichen Vorschuß zu gewähren, und die Preußische Bank war bereit, diesen Wechselcredit aufrecht zu erhalten, falls eine Prolongation destelben durch die betreffenden Wechselverpflichteten herbeigesührt würde. Leider hat sich bald, nachdem das Comits seine Arbeiten begonnen hatte, herausgestellt, daß diese Prolongation verweigert, resp. an Bedingungen geknüpft wurde, die unerfüllbar waren, insbesondere an die Gewährung besonderer hypothekarischer Sicherheiten, welche zum Separatvortheil der einzelnen zufällig im Fälligkeitstermin ihrer Forderungen voranstehenden Gläubiger, und also zum Nachtheile der übrigen in loyaler Weise nicht bewilligt werden konnten. In Folge dessen mußten die betreffenden Wechsel unter Protest gehen und von diesem Augenblicke an mußte die Hoffnung einer allmäligen Abwickelung der schweben- den Verbindlichkeit schwinden. — Die Vereinsbank Quistorp beruft unter Hinweis auf die nothwendig gewordene ZahlungSsuspendirung ihre Gläubiger auf den 14. d. M. behufs Herbeiführung eines außergerichtlichen ArragementS eventuell zur Beschlußfassung über die Wiederausnahme der Zahlungen. Die West- endgesellschast und der Centralbauverein berufen ihre Gläubiger auf den 15. d. M. zu demselben Zwecke.
Iserlohn, 8. Okt. Ueber den Einsturz eines
Deutsches Strich.
Nerli«, 11. Oct. Die Conferenz über das höhere Schulwesen diskutirte in ihrer gestrigen Sitzung runächst die Stellung, welche der Staat gegenüber den höherm Unterrichtsanstalten einzunehmen habe, namentlich was die Gymnasien und Realschulen erster Ordnung betrifft, von denen man die Progymnasten erster Ordnung unterschied. Diese Anstalten seien keine selbstständigen Organismen und erreichten keinen Abschluß, sondern machten auf der Mitte des Weges Halt Für sie zu sorgen, habe der Staat ebendeshalb gar kein Interesse, ganz anders stehe er dagegen den Realschulen erster Ordnung gegenüber, die ein wirkliches Bedürfnitz und nicht durch Ministerialver- sügungen ins Leben gerufen seien; sie wurden von sehr konkreten Verhältnissen gefördert, wie der Eifer der Städte, solche Anstalten zu gründen, und die wachsende Zahl ihrer Schüler beweise. Von verschie. denen Seiten wurde als tadelnöwerth hervorgehoben, daß der Unterrichtsplan der Realschulen den klassischen Sprachen des AlterthumS zu wenig Platz einräume. ES werde doch kaum ernstlich behauptet werden können, daß man die Jugend ohne das Griechische durch das Medium des Lateinischen in die volle und belebende «enntniß der alten Welt und ihrer Schätz- einführen könne; wer das sage, wüste konsequenter Weise auch zugeben, daß dazu das Lesen guter Uebersetzungen genüge. Der Genuß der klassischen Schönheit muffe selbst erarbeitet werden, und dabei falle dann auch der Jugend die Hebung in den Tugenden des Fleißes, der Ausdauer und der Pflichttreue zu, Tugenden, die für späteres Leben eine Stütze und eine Zierde seien. Man komme aus der Schwierigkeit und Unklarheit des jetzigen Zustandes nicht anders heraus, als wenn man der vaterländischen Jugend die Einheit der höheren Bildung zurückgebe, welche sie früher besessen habe, und damit werde zugleich am besten die alte Streitfrage wegen der Zulassung der Realschul-Abi- turimten zu den Universitätsstudien gelöst. Von An- beten, welche sich für das Princip der Einheitsschule nicht begeistern konnten, wurde der VermittelungSvor- schlag gemacht, beiderlei Anstalten, Gymnasium und Realschulen, zwar zu einer zusammenzuziehen, aber Himer der Sekunda eine Theilung der Arbeit eintreten zu lasten und der Prima einen propädeutischen Charakter zu geben; da würden sich dann auch die Wege derjenigen, welche sich zu mathematischen und naturwissenschaftlichen Studien und zur Beschäftigung mit
wäre Dir geblieben, wenn Alles hätte sollen bezahtt werden".
Franz zitterte. ' Seine Augen schloffen sich halb, und dennoch blickten sie funkelnd. Ohne zu zucken ertrug er den Blick seines Stiefvaters. Alles schien an ihm bis auf'S Aeußerste gespannt zu sein.
„Und ich will nicht, daß Georg auf meinem Hofe befiehlt I" rief er bebend.
„Du willst nicht? Haha! Seit wann hast Du einen Willen, wenn ich befehle?" entgegnete Homann lachend. Sein Lachen war aber nur ein Zeichen jäh ausschießenden Zorns; denn heftig fuhr er fort: „Bursch, noch ein solches Wort zu mir und Du sollst fühlen, daß ich noch Macht über Dich habe!"
Franz war seiner Aufregung, seiner, Sinne nicht mehr mächtig. Schnell, krampfhaft faßte er nach dem Mester, welches neben seinem Teller lag. Sein Arm zuckte empor.
Mit lautem Aufschrei fielen seine Mutter und Georg ihm in den Arm und hielten denselben zurück.
Der Deichbauer.
Criminal-Novelle aus dem Volksleben von Friedrich Friedrich.
(Fortsetzung.)
Absichtlich unbefangen wollte Homann das Gespräch auf einen anderen Gegenstand bringen. Länger vermochte die Bäuerin sich nicht zu hallen.
„Franz ist älter als Georg", sagte sie und ihre Stimme zitterte, weil sie ihre Aufregung zurückhalten wollte.
„DaS weiß ich", entgegnete der Deichbauer ruhig. „Das Alter allein thut'S nicht. Der Waldbauer war ein guter Mann, er stand mir an Jahren gleich; aber die Wirthfchaft verstand er dennoch nicht. Er hat wenig Glück damit gehabt. Es bleibt, wie ich bestimmt habe".
Die Frau schwieg.
Da sprang Franz aufgeregt empor.
„Der Waldhof gehört mir!" rief er. Mehr ver- mvchte er nicht hervorzubringen.
Roch immer blieb der Deichbauer ruhig.
„Glaubst Du, daß Georg Dir etwas davon Nehmen wird?" erwiderte er. „Ich denke, er wird an dem Hofe genug haben, den ich ihm einst hinter- toffen werde".
„Niemand hat auf dem Hofe zu befehlen — außer mit!" rief Franz, immer heftiger werdend.
„Ruhig, Bursch!" unterbrach ihn der Deichbauer. »Danke Gott, daß ich mich des Hofes angenommen habe, sonst hättest Du können in wenigen Jahren mit dem Bettelstab einherlaufen. Ohne mich wäre er längst durch daS Gericht verkauft und nicht ein Hemd
er zurückgewichen, obschon des Wahnsinnigen Arm hätte erreichen könnm. Seine Lippen preßtm fest auf einander. Seine Augen glühten.
„Laßt ihn — laßt ihn!" rief er, indem er dicht
TheileS der katholischen Kirche wird der „Rh.- u. R.-Zt.g" von einem Augenzeugen folgendes berichtet: Sett ungefähr 3—4 Wochen war man mit dem Abbruch der Kirche, welcheZvon dem Bauunternehmer Liesenhoff in Lethmathe angekauft ist, beschäftigt, und man hatte das Dach bereits bis zur Hälfte fortgeräumt, als die Katastrophe 53/< Uhr Abends eintrat. Die oben befindlichen Arbeiter, 9—10 an der Zahl, waren eben m Begriffe, einen schweren Balken herunter zu lassen, als drei derselben bemerkten, daß der Boden unter ihren Füßen schwankte und sich bedenklich neigte. Jhrm Kameraden einen Warnungsruf zustoßend, und dann selbst dem Thurme zueilend, welcher noch fest steht, «ar das Werk eines Augenblicks, doch leider war es für die Andern zu spät. Das Dachgestmse hatte seinen Stützpunkt in Gestalt eines Balkens als Träger verloren, und so fiel die ganze Balkenlage mit Allem, was draus und dran war, im wüsten Chaos hinunter in die Kirche. Ein fürchterlicher, weithin hörbarer Krach verkündete das entsetzliche Er- eigniß, während eine dichte Staubwolke fürs erste jeden Einblick in das Innere der Kirche unmöglich machte. Dr. Franz, welcher der Kirche gerade gegenüber wohnt, war einer der ersten auf dem Schauplatz des Unglücks. Erschütternde Hülftmfe ertönten aus dem Innern der Kirche. Trotz der drohenden Gefahr eines neuen Einsturzes würben die Unglücklichen in unglaublich kurzer Zeit hervorgezogen, und auf dm Platz hinter der Kirche vorläufig zum ersten Verbände sorgsam auf Kissen gebetttk Dm vereinigten Doktoren Franz, Schulte und Gräve gelang eS, sämmtliche »Unglückliche wieder ins Leben zurückzurufen, doch bei einigen nur für kurze Zeit. Der Eine verschied auf dem Wege zum Krankenhause; derselbe war im Falle mit dem Kopf auf einen Balken geschlagen, wo er liegen blieb, bis ein anderer nachstürzender Balken ihn auf die andere Seite des Kopfes traf, so daß ihm das Gehirn aus Nase, Mund und Ohren drang. Ein anderer ist noch gestern im Krankenhause verschieden. Ein dritter hat schwere innere Verletzungen davongetragen und soll wohl auch nicht wieder aufkommen. Auch die Uebrigen erlitten bis auf Einen theilweise schwere Verletzungen. Letzterer rettete sich dadurch, daß er von der Umfangsmauer der Kirche direkt hinabsprang und dadurch mit dem Schrecken davon tarn.
Hamburg, 8. Oct. Am 4. und 5. d. war hier im großen Saale des Konventgartens der erste „nordwestdeutsche Schuhmacherkongreß", bestehend aus
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„Sieh Bursch I" rief er, indem er Franz im Nacken faßte und mit überlegener Kraft emporhvb, als wäre er ein Kind von drei Jahren. „Sieh, Durch, ich könnte Dich dem Gericht überliefern, weil Du mit dem Messer nach mir gezuckt hast; in das Zuchthaus würdest Du kommen, und dort würde Dein Sinn schon gebändigt werden. Aber ich will’« nicht thun; ich selbst werde Dich schon zähmm und bessern".
Ohne Mühe zog er ihn vom Tische fort, stieß ihn in eine kleine finstere Kammer neben der Stube, schloß die Thür zu und steckte ben Schlüssel zu sich.
„Hier sollst Du sitzen, bis ich Dir selbst bie Thüre wieder öffne!" rief er, und schritt mit hastigen Schritten im Zimmer auf und ab.
Regungslos und bleich faß seine Frau am Tische. Kein Wort hatte sie einzuwerfen gewagt. DeS Burschen leidenschaftliche Hitze hatte ihr selbst Ent- setzm eingeflößt.
„DaS sind die Folgen Deiner Erziehung!" wandte sich der Bauer an sie. „Du hast ihn immer in Schutz genommen, hast ihn verhätschelt und verwöhnt. Sein Wille hat gegolten; nun siehst Du, wohin das führt. Ich mag ihn nicht in’« Zuchthaus bringen, aber ich befürchte, er wird auch ohne mich noch dorthin kommm".
(Fortsetzung folgt)
Zur Charakteristik Bazaine's.
DaS Schloß Trianon, so schreibt das „N. W. Tagebl.", an das sich so viele romanttsche Erinne- rungen knüpfen, wo Ludwig XV. zu dm Füßen der
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