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gegen 10 Stimmen abgelchnt.

Gießen, 10. Okt. Die Bürgerversammlung zu

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doch gegen das Vorjahr eine Mehreinnahme. Für den Aschantikrieg wird noch fortwährend gerüstet, und die Thätigkeit in den Arsenalen von Woolwich ist eine sehr lebhafte. Die Nachrichten von der Gold­küste sind in Beziehung' auf den Gesundheitszustand günstiger; von militärischen Bewegungen verlautet noch nichts.

Ein aus dem niederländischen Indien eingetroffenes Telegramm meldet, daß holländische Truppen Venting und Groß Edi besetzt haben, weil man den dortigen Radja gegen die Feindschaft der Bevölkerung, die den Atschinesen günstig gestimmt, schützen will.

Der dänische Reichstag ist am 6. d. in ge schästlicher Einfachheit, ohne daß eine Thronrede ver­lesen worden wäre, eröffnet worden. Tags darauf legte der Finanz-Minister dem Folkething, das sich Krabbe zum Präsidenten erwählt hat, einen Antrag auf gesetzliche Kündigung der Anleihe von 1864 vor. Ebenfalls am ß. d. wurde in Kopenhagen das Stand­bild des Königs Friedrich VII., der daö Grundgesetz vom 5. Juni 1849 gegeben, feierlich " enthüllt.

Der nordamerikanische Gesandtschaftsposten am russischen Hofe ist durch den bereits in Peters­burg eingetroffenen Mr. Marshall Jewell wieder be­setzt worden. Der früher ins Ausland entwichene, jüngst aber nach Warschau zurückgekehrte Domherr MiloSzewski hat der russischen Regierung in einer Denkschrift, welche von einer theologischen Commission geprüft werden soll, Vorschläge gemacht zur Emanei- pation der katholischen Kirche Polens von der römi­schen Curie und zur Gründung einer allgemeinen slawischen Kirche, in welcher die Orthodoxen und Katholiken vollständig geeinigt sind.

Der König von Griechenland hat sich von Athen nach Korfu begeben, wo er seine Gemahlin er­warten will, welche, von der Krim zurückkehrend, am 7. d. in Wien eingetroffen ist. DaS Ministerium hat eine strenge Untersuchung der Amtsverwaltung sämmtlicher Behörden des Königreichs eingeleitet.

Die Suezkanal-Conserenz, in welcher nur Nord­amerika und Portugal nicht vertreten sind, hat am 6. d. in Konstantinopel ihre Sitzungen eröffnet und Ethem Pascha zum Vorsitzenden gewählt. Ter griechische ökumenische Patriarch hat sein Amt nieder­gelegt, nachdem die Synode ihm ein Mißtrauensvotum gegeben hatte.

Der Schah von Persien hat seinen nach Rescht verwiesenen Großvezier wieder in Gnaden zurück­gerufen und dafür dessen Anschwärzer in die Ver- bannung geschickt.

Deutsches ftenj.

#* Berlin, 10. Oct. Dem Preußischen Provinzial- Landtag wird diesmal die Entscheidung über eine für die Provinz hochwichtige Angelegenheit über die Tren­nung in eine östliche und westliche selbstständige Provinz obliegen. Die Umstände, welche für diese Trennung sprechen, haben bekanntlich schon lange und vielfach zu Erörterung der Frage an maßgebenden und näher dabei interessirten Kreisen Anlaß gegeben; eö fragt fich, ob eS den Antragstellern und Freunden der Tren­nung gelingen wird, auch die entgegenstehenden Be­denken im Provinzial-Landtag erfolgreich zu bekämpfen; die Entscheidung des Landtags wird bei der Regierung der bereitwilligen Erwägung sicher sein, da kein beson­derer Grund zu ablehnendem Verhalten im Voraus entgegensteht. — Die Allerhöchste Cabinetsordre zur Beurkundung der Anerkennung des altkatholischen Bischofs ReinkenS gibt den päpstlichen Preßorganen zu Ausstellungen und Bedenken Anlaß, zu denen die mit Aufwendung reichen Combinationstalents herbei­geschafften Eventualitäten von Collisionen den Vorwand liefern muffen. Merkwürdiger Weise sind gerade die extremsten Fanatiker des päpstlichen unfehlbaren und allmächtigen Absolutismus, für welche die Unterwerfung unter jeden clericalen Zwang und die Verzichtleistung auf jede selbstständige Glaubens- und Gewissensregung erste Pflicht ist, dagegen dem Staat gegenüber ungemein begierig auf Erhaltung ihrer Selbstständigkeit. Diesen Anhängern des Cadavergehorsams ist der Passus in der Anerkennungsurkunde, wonach allen Untertanen befohlen wird, den neuen Bischof anzuerkennen, ein Stein des Anstoßes. Allerdings wird man voraus­setzen dürfen, daß dieses Verlangen und Gebot der allgemeinen Anerkennung keine leere Phrase fein, son­dern dem neuen Bischof volles und gleiches Recht, gleichen Schutz zusichern soll, welche andere neukalho lische Bischöfe beanspruchen und genießen. — Zur Wigerlegung der von der schleswig-holsteinischen Landes­partei aufgestellten 22 Beschwerdepunkte ist eine ohne Zweifel aus Regierungskreisen stammende Brochurc erschienen, durch welche in überzeugender Weise die Grundlosigkeit der Beschwerden nachgewiesen, und na­mentlich die Behauptung von Vermehrung der Steuer­

hauses, sowie eine Bekanntmachung des Ministers des Innern, wonach der 28. Oktober zum Termin der Wahl der Wahlmänner und der 4. November zur Wahl der Abgeordneten festgesetzt sind.

— 10. Okt. Der „Staats-Anzeiger" publicirt die Ernennung v. Bülow zum Staats - Seeretär im auswärtigen" Amte mit dem Range eines Staatsmini­sters. — Die „Nordd. Allg. Ztg." hebt hervor, daß die Staatsregierung durch die erfolgte Vereidigung des Bischofs Reinkens, sowie durch das eingeleitete gesetzmäßige Verfahren, um den Erzbischof Ledochowski für die Erzdiöccstn Gnesen und Posen unschädlich zu machen, ihr Eintreten für die Autorität des Gesetzes bewiesen habe. Dieser imposanten Festigkeit gegenüber möge auch die Bevölkerung an Energie der Pflicht­erfüllung hinter dem Beispiele der Regierung nicht zurückbleiben. Das Vertrauen der Bevölkerung dürfe kein lediglich passives bleiben; die Regierung könne den im Interesse des Staates und der allgemeinen Cultur unternommenen Kampf nur dann glücklich be­enden, wenn ihr eine Landesvertretung zur Seite stehe, die, eines Sinnes mit ihr, die durch das Bedürfniß des Augenblicks beanspruchten Mittel gewähre.

Königsberg, 9. Oct. Die „Hartung'sche Zei­tung" veröffentlicht einen Abschiedsbrief des Feld­marschalls v. Manteuffel für die Provinz Preußen an den Oberpräsidenten, worin er sagt: Er habe die Söhne der Provinz in den Krieg geführt, ihr Blut fließen sehen, aber auch ihr Siegeshurrah gehört. Ihrer, unübertroffenen Tapferkeit danke er mit die hohe Auszeichnung, die ihm vom Kaiser geworden, mit allen Vibern seines Herzens sei er an die Pro­vinz Preußen gefesselt, er möchte daS jeden ihrer Bewohner wissen laffen.

Göttingen, 8. Okt. Bei dem letzten Gottes­dienst in der hiesigen St. Johanniskirche hat, wie die „Germania" berichtet, Superintendent Rocholl, der sich auch schon früher gegen das Schulaussichts gesetz erklärt hat, für die renitenten Geistlichen der Provinz Hessen öffentlich gebetet. Es soll eine Unter­suchung gegen den genannten Herrn deßhalb angestrengt werden.

Unna, 7. Oct. Hier wurden dieser Tage bei S. Levy, vormals Kerb, 6000 Waffenröcke nach preußischem Muster für Rechnung der spanischen Re­gierung bestellt.

Arolsen, 9. Oct. Wie man hört, hat die gegenwärtig versammelte Landessynode den Antrag des Consistoriums wegen Annahme eines Nachtrags zum Gesangbuche gutgeheißen. Der „Wald. Anzeiger" ist damit wenig zufrieden, weil dieser Nachtrag durchaus unnöthig und das bisherige Gesangbuch in jeder Weise durchaus genügend sei. Das genannte Blatt schließt seinen Artikel sogar mit den scharfen Worten: „Wir.würden es aufrichtig bedauern, wenn die Landessynode noch mehr derartige Beschlüsse fassen sollte, welche ihr nicht die Sympathien der Gemein­den sichern, vielmehr geeignet sind, Mißtrauen und Unzufriedenheit zu erregen."

Dresden, 8. Octbr. Der demnächst zusammen- tretenbe Landtag wirb in Folge ber neuerlichen Er­krankung bes Königs voraussichtlich burch Kronprinz Albert eröffnet werden — Wie gemeldet, hat König Victor Emanuel, als er auf der Reife nach Berlin die sächsische Stadt Zittau passtrte, dem Köniz Jo Hann sein „lebhaftes Bedauern" per Telegrapy aus drücken lassen, in Sachsen nicht verweilen zu können. Die Gründe, welche den König von Italien von einem Besuche des mit ihm doch in so nahen verwandtschaft­lichen Beziehungen stehenden sächsischen Hofes abge­halten, scheinen erst unterwegs zur Geltung gekommen zu sein, denn daß hier sein Besuch erwartet worben, dürfte schon daraus zu entnehmen sein, baß kurz vor­her die Königin Wittwe Marie ihren Weinberg ver­ließ und nach Possenhofen — ber Wiege ihrer Kind­heit — ging, um bann, nach Victor Emavels Rückkehr in seine Staaten, die Wiener Weltausstellung zu be­suchen.

Leipzig, 9. Oct. Bei der heutigen Wahl eines Vertreters der hiesigen Universität in der ersten Kammer deS sächsischen Landtags wurde Profeffor Zarncke mit 30 von 42 Stimmen gewählt. Derselbe lehnte die auf ihn gefallene Wahl ab, ebenso die Professoren Stobbe und Brockhaus, welche bet den nothwendig gewordenen anderweiten Wahlen die Majorität erhalten hatten. Im vierten Wahlgange vereinigten sich 31 Stimmen auf Profeffor Friedberg, der die Wahl annahm.

Darmstadt, 10. Oct. Die erste Kammer be­riech heute über das Schulgesetz. Ministerpräsident Hofmann und Minifterial-Director v. Starck ber» theidigten den Regierungs-Entwurf gegen Dom Capi- tular Moufang und Graf Görtz. Die Artikel über die eonfessionslose Gemeindeschule ''wurden mit 16

Mailand, 9. Oct. Der Prinz und die Prinzessin Karl von Preußen sind in Begleitung des italienische« Kronprinzen-Paares hier eingetroffen.

Paris, 10. Okt. Der „Rappel" meldet: D« vier Mitglieder, welche „die Commission der Studien' (den fusionistischen Wohlfahrtsausschuß) bilden, sind nach Brüssel a>.gereift, wo der Gras Chambord mit ihnen gleichzeitig eintreffen soll. — Nächstens erscheint eine Schrift von Grsvy unter dem Titel: „Eine nothwendige Regierung." — Graf Flavigny, Präsi­dent ber Hülssgefellschaft für Verwunbete im Kriege, ist gestorben. — Die Polizei hat gestern 22,000 Photographieen des kaiserlichen Prinzen mit Beschlag belegt. — „Bien Publik", bas Organ von .Thiers, schreibt: „Einige unter unseren Gegnern wissen, was sie thun, unb werden durch große Ueberzeugungen ge­leitet. Sie glauben an die Nothwenbigkeit einer ab­soluten Umgestaltung, um baö Auslöschen deS Prin- cips und ber Folgen ber Revolution zu erlangen. Das sind ernste Männer, aber die Anderen? Was kümmern sie sich um Grundsätze? Was kümmert ft bas Recht der Nation oder das Recht des Prinzen, der bei zweifelhaften Abenteuern compromittirt wird. Was liegt ihnen an Larven, doppelzüngigen Phrasen, gewagten Neuigkeiten? Sie leben davon; ihre Poli­tik lebt nur davon. Ihre Berechnungen gehen nicht weiter als die Wahrheit so :iel wie möglich zu ver­bergen und eine Lösung zu eskamotiren." — Der „Monde" ruft heute aus: Man spricht von Bürg­schaften, die man von He! ich V. erlangen wolle, während wir nach Bürgschaften suchen, die ihm er- laubten, nach Frankreich zurückzukehren!" Brogsie läßt den Fusionisten, seinen lieben Freunden, durch bie „Opinion Nationale" sagen: „Man ist, wie wir zu wiffen glauben, hohen OrteS entschlossen, der Un-

besucht, und die vorgelegte Adreffe wurde einstimmig angenommen und unterschrieben. Man hat es vorge­zogen, diese zweite Adreffe von Gießen an das Mi­nisterium zu richten mit Anerkennung und Dank 1) für Vervollkommnung unb Vermehrung ber An­stalten bes Volks - Unterrichts (obligatorische Fortbil- bungs - Schulen. 2) Neubilbung ber Aufsicht burch Heranziehung des bürgerlichen unb fachmännischen Ele­ments, 3) freiere Ausbildung der Lehrer und würdigere amtliche Stelle, 4) Verbürgung des unveräußerliche« Rechtes der Schule auf konfessionellen Frieden.

Stuttgart, 10. Oct. Der „Schwab. Merkur' meldet aus Sigmaringen, der Präses des dortige« St. Fidelishauses sei durch ein Schreiben der Regie­rung vom 4. Oktober benachrichtigt worden, daß die besagte Anstalt als Erziehungs-Anstalt für den geist­lichen Berus auf Grund des Mai-Gesetzes keine neuen Zöglinge aufnehmen dürfe.

Ellwangen, 7. Oct. Das Schloß zu Mazen- bach ist gestern ein Raub ber Flammen geworben. Mazenbach gehörte dem Deutschorden und kam 1806 an Württemberg.

München, 10. Oct. An Stelle des verstor­benen Frhrn. v. Lerchenfeld ist der Ministerialrats im Cultusministerium, Baron Hugo Hermann, zu«i Präsidenten ber Kreis Regierung von Oberfranken ernannt worden.

Ausland.

Bern, 10. Oct. Ein Aufruf des Central- Comites deS schweizerischen Volks-Vereins fordert die Sectionen auf, den Bundes-Revisions-Entwurf ber Nationalraths-Commission zu prüfen, ob demselben beizustimmen ober eine gründliche Bundes Reform an­zustreben sei, und das Resultat ihrer Prüfung bü zum Zusammentritt der Bimdesversammlung betn Ceniral-Comite einzusenben, welches, darauf gestützt, Weiteres beschließen werde.

Genf, 10. Oct. Dem „Journal de Gonöve'I zufolge hat der Genfer Siaalsrath bei dem Bundcö- rathe in Bern Klage über die Umtriebe Mermillob'« in ber Nähe des Cantons geführt und gebeten, durch den eidgenössischen Gesandten in Paris, Dr. Kern, dem französischen Minister des Auswärtigen von diesem Gebühren Anzeige zu machen. — Dasselb: Blatt verzeichnet ein Gerücht, wonach der Graf v. Chambord sich in Saconnex, vier Kilometer von Genf, wo er bereits früher refibirt hat, niederzulassen gedächte.

Rom, 10. Oct. Die Nachricht deö Paris« „Moniteur", daß die italienische Regierung beschlosst« habe, ein erklärendes diplomatisches Rundschreiben bezüglich der Reise des Königs zu erlassen, entbehr! der Begründung. Es ist keinerlei Zweifel aus Anlaß ber Reise beS Königs möglich unb keinerlei Nöthigung für die Diplomatie, darüber Aufklärungen zu ver­langen. — Die „Opinione" bementirt des Geruch! von der Ernennung Sella's zum Finanzministcr. „Opinione" sagt, Sella in Folge einer Einladung Diinghetti's nach Rom gekommen, welch letzterer mit ihm über den Rückkauf römischer Bahnen zu conft rtren wünsche.

last berichtigt wird.

— Der „Staats-Anzeiger" enthält die Allerhöchste 3„

Beiordnung über die Auflösung des Abgeordneten-!Gunsten des Volksschulgesetzes war außerordentlich