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JRarßurg, Sonnabend, den 11. October
1873
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Der Deichbauer.
Criminal-Novelle aus dem Volksleben von Friedrich Friedrich.
(Fortsetzung.)
Durch ein dichtes Gebüsch sich Bahn brechend, stand er nach kurzer Zeit vor einem kleinen ärmlichen Hause, dessen Fenster spärlich erhellt warm, Alles ringsum war still. Leise trat er vor eins der Fmster und warf einen Blick in das Innere. Dann trat er entschlossen in daö Haus ein.
Nur zwei Mmschen befanden sich darin. Ein Mann von etwa 40 bis 50 Jahren, eine mittelgroße, kräftige Gestalt mit verwitterten Zügen. ES lag etwas Rohes, Wildes in seinem Gesichte, während die kleinen dunkeln und funkelnden Augen ihm einen schlauen und mtschlossmm Ausdruck gaben.
Die Kleidung des Mannes, wie die an der Wand aufgehängte alte Waidmannstasche, eine Büchse und mehrere ohne Ordnung angenageltc Rehgehirne ver- riethen, daß er mit dem Walde und dem Waidmanns Handwerke etwas zu schaffen hatte. Er war der Waldhüter.
Ihm gegenüber, durch einen Tisch von ihm getrennt, saß ein junges Mädchen, ungefähr in demselben Alter wie Franz. Auf den ersten Blick erkannte man, daß eS des Waldhüters Tochter war. Daffelbe funkele, funkelnde Auge. Und doch wie unendlich verschieden war dies Mädchen von seinem Vater. Es schön zu nennen. In seinen Zügen lag eine Feinheit, die überraschen mußte.
, Das Mädchen sowohl wie sein Vater hoben überrascht den Blick empor, als der Bursch so hastig in °as Zimmer trat. An diesem Tage hatten sie ihn Echt erwartet.
«Nun, Franz"! rief der Waldhüter, „ist die Hoch- jrit auf dem Deichhofe schon zu Ende? Ich hält' ein
Deutsches Reich.
Berlin, 9. Oct. Die Berathung der gestern zusammengetretenen Konferenz über die höheren Lehranstalten bezieht sich zunächst auf folgende allgemeine Punkte: 1. In Folge der allmäligeu Entwickelung des höheren Unterrichtswesens in Preußen bestehen gegenwärtig als nach Lehrplan und Ausdehnung verschiedene Schulkategorien neben einander: Gymnasien, Progymnasien, Realschulen erster und zweiter Ordnung, höhere Bürgerschulen mit und ohne Latein. Eine große Zahl dieser Anstalten ist mit einer elementaren Vorschule versehen. Es fragt sich nun: Ist eine dieser Kategorien für entbehrlich zu erachten, oder ist es zweckmäßig, daß sie alle, vorbehaltlich etwaiger Veränderungen im Lehrplan und in der Bezeichnung, ferner neben einander bestehen? Ist insbesondere die Stellung der Realschulen zwischen den Gymnasien und den technischen Lehranstalten für ein Bedürfniß anzusehen? Oder ist im nationalen Interesse größerer Einheit der Bildung darauf Bedacht zu nehmen, daß die jetzt vorhandene Trennung deS höheren Unterrichts in eine gymnasiale und realistische Richtung beseitigt, und beide Richtungen in einer und derselben Anstalt vereinigt werden? Sind ebenso um eine allgemeine Volks- und Elementarschule herzustellen, die Vorschulen der Gymnasim und Realschulen aufzuheben und die Errichtung solcher Anstalten ferner nicht zu gestatten? Ist die Kombination von Gymnasial- und Realklaffen nach dem sogenannten Bisurkationssystem ferner zulässig? 2. Welche Veränderungen des Lehrplans der Real- und höheren Bürgerschulen erscheinen, sofern diese Schulkategorien fortbestehen, nach den seit Anordnung der Unterrichts- und Prüfungsordnung vom 6. Oktober 1859 gemachten Erfahrungen noth- wendig? 3. Bedürfen die jetzt geltenden Bestimmungen über die Zulassung der Realschul-Abiturienten zu Universitätsstudien einer Abänderung? 4. Welche Veränderungen in der gegenwärtigen Organisation der Gymnasien hinsichtlich der Lehrgegenstände der auf jedm derselben verwandten wöchentlichen Stundenzahl und des Eintritts der Gegenstände auf den verschiedenen Klassenstufen, lassen sich als nothwendig bezeichnen? Die weiteren Fragen beziehen sich auf die Stellung des Religionsunterrichts in dem Lehrplan
„Das hilft Dir nichts mehr. Dein Vater ist er bereits, und gieb Acht, er wird Dir zeigen, daß er eS ist."
„Seid ruhig von ihm", wiederholte Franz noch heftiger. „Er hat eö mir bereits gezeigt; er mag es indeß nicht zum zweiten Male versuchen."
Er erzählte den ganzen Vorfall mit dem Deichbauer auf dem Tanzboden. Wiederholt schüttelte der Waldhüter den Kopf und ein höhnendes Lächeln zuckte um seinen Mund.
„Du hättest freundlicher mit ihm sein sollen", sagte er endlich.
„Ich will und kann eS nicht!" erwiderte der Bursche grollend.
»Franz, Franz!" fuhr der Waldhüter warnend fort; Du weißt, ich kenne den Deichbauer; bring ihn nicht in Zorn, dann ist eS aus mit ihm, dann giebt er nimmer nach, und Du mußt Dich fügen oder er zwingt Dich."
Der Bursch antwortete nur mit einem spöttischen Lächeln.
„Er zwingt Dich", wiederholte der Mann. „Es heißt immer, er sei gutmüthig — ich kenne ihn auch. Einen Kopf von Eisen hat er, wenn er eS darauf anlegt, seinen Willen durchzusetzen." .
nimmermehr!"
„Haha, mein Junge!" lachend und die funkelnden
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willst Du denn heute hier? Ist Dein neuer Vater nicht freundlich gegen Dich gewesen?"
„Seid von dem Deichbauer ruhig!" rief Franz heftig, mit dem Fuße auf die Erde stampfend. „Ich will nichts von ihm hören
der höheren Schulen, ferner auf die Mittel zur Pflege deS Bewußtseins deutscher Nationalität, auf die Bestimmungen über den Umfang der Schulen, die Klassenzahl und Frequenz, über die Kursusdauer, die Zahl der wöchentlichen Lehrstunden, über die etwaige Beseitigung des Nachmittagsunterrichts, über die Ferienzeit u. s. w. Den Mitgliedern der Konferenz ist freigestellt, noch andere Gegenstände von dem Gebiet des höheren Schulwesens zur Erörterung zu bringen und zu dem Behuf ihrerseits bestimmte Vorlagen zu machen. Die Berathungen sollen zur Vorbereitung des künftigen Unterrichtsgesetzes dienen.
— Der Handelsminister hat von den Handelskammern Gutachten über einen Gesetzentwurf, betreffend die Abänderung einiger Bestimmungen der Gewerbeordnung eingefordert, nachdem dieselben auch über die hinsichtlich der Bildung von Actiengesellschaften etwa zu treffenden gesetzlichen Veränderungen vernommen worden sind. Verschiedene Gutachten schließen sich in letzterer Beziehung den von dem Ausschuffe des Eisenacher volkswirthschastlichen Congreffes aufgestellten Forderungen im Wesentlichen an und beantragen eine Bester- stcllung der Actionäre und die Einführung einer geregelten Controle.
— Die „Nordd. Allg. Ztg." vernimmt, der Herzog von Aumale habe der deutschen Regierung den Wunsch zu erkennen gegeben, Metz und die Schlachtfelder der Umgegend aufzusuchen und bemerkt dazu: „Wäre ihm nur daran gelegen, dieselben incognito in Augenschein zu nehmen, so wäre er einfach hingegangen. Das Nachsuchen einer Erlaubniß lasse die Absicht einer „mise en scene“ erkennen. Obwohl uns solche gleichgültig ist, so wäre eö doch nicht erwünscht gewesen, daß unvorsichtige Personen Veranlassung geboten würde, sich zu compromittiren, und da der Herzog weniger als andere Leute mit Tact begabt ist, so würde grade er leicht Andere mit den Gesetzen in Collision bringen."
— 7. Oct. Nach hier eingegangenen Nachrichten über den Ausfall der Getreide - Ernte in Italien war der Ertrag von Weizen in 659 Gemeinden ein sehr guter, in 2460 Gemeinden ein guter, in 2977 Gemeinden ein mittlerer, in 1114 Gemeinden ein schlechter. Die Ernte deS Hafers erwies sich Jahr meiner Löhnung verwettet, daß Du auf dem Tanzboden seiest, und nun kommst Du hierher. Was
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in 284 Gemeinden als eine sehr gute, in 1078 Gemeinden als eine gute, in 1163 Gemeinden als eine mittlere und in 370 Gemeinden als eine schlechte. Weitere Getreidearten sind nicht aufgeführt, dagegen wird von der Ernte des Leines gesagt, daß sie in 299 Gemeinden eine sehr gute, in 1177 Gemeinden eine gute, in 1051 Gemeinden eine mittlere und in 351 Gemeinden eine schlechte war. In diesen drei Fruchtgattungen ist mithin in Italien eine gute Mittelernte gewonnen worden.
— ES ist an die General Ausstellungs-Direktion in Wien daS Verlangen gerichtet worden, die Welt- Ausstellung noch über den bestimmten Endtermin derselben (31. October) hinaus zu verlängern, um hierdurch einerseits eine höhere Einnahme zu erzielen, andererseits noch weitere Gelegenheit zum Besuche der Ausstellung zu bieten. Die Angelegenheit wurde von der General - Direction vielfach erwogen, aber, dem Vernehmen nach, ist der Antrag schließlich abgelehnt worden. — Nach dem amtlichen Verzeichniffe der land- und forstwirthschaftlichen Aussteller des deutschen Reiches, welchen von der internationalen Jury der Welt-AuSstellung in Wien Ehrenpreise zuerkannt worden sind, haben Ehren-Diplome 16 und sonstige Auszeichnungen 268 Aussteller erhalten. Auch find an 22 Mitarbeiter Medaillen verliehen worden.
— Gestern Nachmittag fand eine Sitzung des Geschäftsführenden Ausschusses des HülfsvereinS für die Ueberschwemmten an der Ostsee in einem Abtheilungs- saale des Reichstagsgebäudes unter dem Vorsitz des Staatsministers a. D. v. Boni» statt. Die Versammlung beschloß, durch die Preffe einen Aufruf zu erlaffen und um Sammlungen aufzufordern für die Verunglückten in Jmmenstadt und zu Gunsten dieser die Thäligkeit des Ausschusses wieder aufzunehmen. Diese Thätigkeit soll sich an die der bereits bestehenden Hülskomites in Augsburg anschließen. Dieser Aufruf wurde sofort redigirt. Demselben geht zunächst ein Aufruf des Vorsitzenden des Augsburger Komitss, Reichstagsabgeordneten Dr. Völk, voran, das auf die Verheerungen, welche am 28. Juli d. I. die Wasser- fluth in dem baierischcn Gebirgsstädtchen Jmmenstadt im Allgäu hinweist. Diesem Aufruf schließt sich sodann ein Schreiben des geschäftsführenden Ausschusses
„Ich fürchte ihn nicht!" entgegnete Franz. „Und wir wollen sehen, weffen Kopf der härtere ist. Noch einmal soll er mich anrühren und —"
„Junge, treib’ es nicht toll!" unterbrach ihn der Waldhüter lachend. „Dein Schädel mag eben so hart sein, als der seinige, aber Du richtest nichts aus gegen ihn. Sei klug! Jetzt hast Du ihn noch nöthig. Der Waldhof ist in einem schlechten Zustande; nur wenige Jahre noch, und er wäre unter den Hammer gekommen, und Dir wäre nichts geblieben. Du weißt, ich bin des Deichbauers Freund nicht; aber das muß ihm selbst sein Feind lasten, daß er der Mann dazu ist, dem Waldhofe wieder aufzuhelfen. Er hat die Einsicht und das Geld dazu, und hat die Sache schon kräftig angefaßt. Sei klug, füge Dich und laß ihn gewähren. Steht der Waldhos erst auf festem Grunde, dann — nun dann werdet Ihr Euch schon mit einander vertragen."
Sein Lächeln bewies, daß die letzten Worte ihm nicht aus dem Herzen kamen.
Franz blickte ihn forschend einige Sekunden an. Des Waldhüters Worte schienen ihm einzuleuchten; aber er hatte noch mehr im Sinn, das er nicht auszusprechen wagte.
„Und wenn es mit dem Waldhofe noch so gut geht, der Dcichhof bleibt immer zehnmal so groß," antwortete er. „Darauf ist er stolz. Deshalb glaubt er Barmherzigkeit an mir zu üben — aber ich will es nicht. Weil « reicher ist, sehen die Leute den Georg mit ganz anderen Augen an, als mich, und deshalb mag ich auch mit ihm nichts zu schaffen haben!"
„Also dahinaus läuft es nun wieder!" lachte der Waldhüter. „Junge, Junge! Ick habe Dich auf dem Arm getragen, als Du noch nicht laufen konntest; ich kenne Dich seit dem ersten Tage Deiner Geburt, und Du weißt, daß ich Dich gern habe; aber beklagen