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JRfltßurg, Freitag, den 10. October.
1873
OteMsische Zeitung
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hülfe, deren ganzes Bestreben unter der Führung Roms auf den Kampf gegen die Staatsgewalt gerichtet ist. Wenn die Katholiken Preußens den kirchlichen Frieden und eine weitere ersprießliche Entwickelung der katholischen Kirche, wie sie von unseren Königen stets freudig gefördert worden ist, von Neuem sichern wollen, — so mögen sie sich davor hüten, Männer zu wählen, deren ganze Wirksamkeit that- sächlich zur Zerrüttung des öffentlichen Friedens und zugleich zur Zerrüttung der Kirche führt. — Die „Prov. Corresp." bestätigt ferner,' daß unser Kaiser in Gemeinschaft mit seiner Tochter der Großherzogin Luise und dem Großherzoge von Baden die Reise nach Wien machen wird und nach bisheriger Bestimmung am 16. daselbst eintreffen werden. — Der Unterrichts-Minister Dr. Falk hat zur Berathung über mehrere das höhere Schulwesen betreffende Fragen eine Konferenz berufen, zu welcher eine Anzahl von Schulräthcn, von Gymnasial- und Realschul-Direktoren und Oberlehrern, sowie mehrere Mitglieder der LandeS- vcrtretung, welche sich für das Schulwesen besonders interessiren, zugezogen worden sind. Die Konferenz wird am Mittwoch (8.) im Kultus-Ministerium eröffnet werden. '
— Die Urkunde über die landesherrliche Anerkennung des Professors Reinkens in Breslau als katholischen Bischofs lautet, wie folgt: „Wir Wilhelm von Gottes Gnaden, König von Preußen rc. thun kund und fügen hiermit zu wiffen, baß Wir den ordentlichen Professor in der katholisch-theologischen Facultät der Universität zu Breslau, Dr. Joseph Hubert Reinkens auf Grund der am 4. Juni d. I. in Cöln stattgefundenen Bischofswahl und der ihm am 11. August d. I. in Rotterdam durch den Bischof von Deventer ertheil- tcn Consecration als katholischen Bischof hiermit und in Kraft Dieses anerkennen. Demgemäß befehlen Wir Unseren Ober-Präsidenten, Präsidenten und Landes- Collegiiö, wie auch Allen und Jeden Unserer Basallen und Unterthancn, weß Namens, Standes, Würden und Wesens sie sein mögen, hiermit so gnädig als ernstlich, daß sie gedachten Joseph Hubert Reinkens als katholischen Bischof anerkennen und achten, auch
denselben Alles dasjenige, was an Ehren und Würden, Nutzung und anderen Vortheilen von seinem Amte abhängig, dazu gehörig oder sonst erforderlich sein mag, geruhig, vollkommen und ohne Jemandes Einspruch besitzen, haben und genießen lassen, bei Vermeidung Unserer Königlichen Ungnade und schwerer unausbleiblicher Ahndung, jedoch Alles Uns und Unseren Königlichen und Oberlandesfürstlichen Gerechtsamen in alle Wege unbeschadet. Dessen zu Urkund haben Wir gegenwärtige Anerkennungs-Urkunde Höchsteigenhändig vollzogen und mit Unserem Königlichen In- siegel besiegeln lasten."
— Die Worte, welche Bischof Reinkens nach seiner Vereidigung im Sitzungssaale des Cultusministers gesprochen hat, waren im Wesentlichen folgende: „ES ist mir ein Tag der Freude, an dem ich durch den eben geleisteten Eid Alles daS zu üben, was ich längst als meine Pflicht erachtete, nun ein heiliges Recht erlangt habe. Dieser Eid ist mir keine Schranke des Handelns, denn er verspricht nur das, was ich frei zu thun mich freudig angetrieben fühle. Es ist mir aber eine Freude, Angesichts der Thatsache daß Diejenigen, welche berufen sind das Volk zu belehren über die heilige Pflicht des Gehorsams gegen die Obrigkeit und ihre Gesetze, die Massen aufregen und mit Abneigung gegen diese Pflicht erfüllen, an dieser Stelle fcierlichst das Zeugniß abzulegen, daß jener Gehorsam eine wahrhaft religiöse Pflicht ist, daß, wer ihn verletzt, sich gegen Gott versündigt. Ich erkläre aber auch, daß ich für die Führung meines Amtes keinen Widerstreit mit dieser Pflicht besorge; ich blicke ruhig und zuversichtlich in die Zukunft, denn die gegenwärtige Staatsregierung folgt in der Gesetzgebung wie in der Verwaltung Principien, welche nicht nur dem vernünftig denkenden Geiste angemessen erscheinen, sondern auch, als dem Geiste des Christenthums entstammend, durchaus christliche sind. Sie hindern mich daher nicht, sondern sie fördern mich in der Erfüllung der mir zugefallenen Aufgabe. Sollte ich aber den- - noch gegen alle Erwartung mit meinem Eide in Con- flict gerathcn, so würde ich in demselben Augenblicke eher mein Amt niederlegen, als im Geringsten gegen
folgen werden. Die Wahlen der Wahlmänner wer- bm voraussichtlich am 28. Oktober, die Abgeord- netcnwahlen am 4. November stattfinden, so daß die Berufung deö Landtags noch in der ersten Hälfte des Monats November wird erfolgen können. — In einem Artikel „die Bischöfe und das Wohl der katholischen Kirche" schließt dasselbe Blatt: Die katholische Bevölkerung Preußens würde diese Gefahren und Nvthstände der katholischen Kirche unzweifelhaft »och steigern, wenn sie bei den bevorstehenden Wahlen die Zahl der ultramontanen Abgeordneten vermehren
Deutsches «eich.
Berlin, 8. Oct. Ueber die Auflösung des Abgeordnetenhauses schreibt die „Prov.-Corresp.": Das gegenwärtige Haus der Abgeordneten ist am 14. Dezember 1870 zum ersten Male zusammcngetreten; der dreijährige Zeitraum, für welchen dasselbe gewählt worden ist, geht daher am 14. Dezember d. I. zu Ende. Die Berufung des Landtages der Monarchie wird aber im Laufe des MonatS November erfolgen muffen, einestheils um den Staatshaushalt für das Jahr 1874 rechtzeitig berathen und feststellen zu können, anderentheilS um die dringendsten Aufgaben des Landtages vor der demnächst erforderlichen Berufung des Reichstages zu erledigen. Der Landtag wird sonach einige Wochen vor dem Ablauf der Vollmachten des jetzigen Abgeordnetenhauses zu berufen sein. Die bevorstehende Session würde aber kurz nach ihrem Beginn wieder abgebrochen werden müssen, wenn noch das jetzige Abgeordnetenhaus berufen und erst nach Ablauf der Vollmachten desselben ein neues gewählt werden sollte. Es entspricht deshalb dem allseitigen Interesse, daß die Neuwahl für daS Abge ordnctenhaus schon vor"dem Beginn der neuen Session vorgcnommen werde. Die Staatsregierung wird zu diesem Zwecke von der dem König nach Artikel 51 der Verfassung zustehenden Befugniß, das Abgeord nctenhaus vor Ablauf des dreijährigen Zeitraumes aufzulösen, Gebrauch machen. Eine allerhöchste Verordnung wird unverweilt die Auflösung des Abgeordnetenhauses verkünden, worauf die Anordnungen Behufs
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Der Deichbauer.
Criminal-Novelle aus dem Volksleben von Friedrich Friedrich.
lFortsetzung.)
Diesen hatte des Burschen verschlossener, unfreund- licher Sinn wenig gekümmert. Er kannte seinen Charakter, hielt ihn indeß noch ju sehr für einen Knaben, um Rücksicht auf ihn zu nehmen. Durch Strenge hoffte er, noch vortheilhaft auf ihn zu wirken.
Franz hatte sich anfangs geweigert, seinen Väter lichen Hof zu verlassen und mit seiner Mutter auf den Deichhof zu ziehen. Ein strenges Wort seines künftigen Vaters hatte seinen Willen gebrochen und scheinbar fügte er sich mit größter Ruhe und weniger ungern.
. Der Deichbauer war an diesem Tage in freudigster Stimmung. Die Waldbäuerin sah in dem reichen Hochzeitöschmuck so frisch und blühend auS; aus Manchem Munde hatte er gehört, daß sie doch eine schöne Frau sei — da schlug auch sein Herz noch in prgendlicher Frische und er glaubte, noch inniger zu neben, als einst, «o er als junger Bursche halbe Tage aus der Lauer gesessen, nur um sie zu sehen.
Er fühlte sich glücklich. An irdischen Gütern schlte ihm nichts, und jetzt war auch das Weib sein, Kelches er liebte.
Des Deichbauers Heiterkeit schien alle Gäste an- [ustecken, deshalb ging es so lustig zu. Auf dem Tanzboden drängten sich die Burschen und Mädchen, dorthin führte auch der Deichbauer seine Frau.
, „Komm, Gertrude", sprach er zu ihr. ES ist 5?ge her, daß wir mit einander getanzt haben. Ja, früher war ich schneller auf den Beinen, ich denke ^deß, es soll auch jetzt noch gehen."
Die Bäuerin lächelte. Ihr war es schon recht.
sah noch eben so frisch und jung aus, als manche ^nne, welche ihre Tochter hätte sein können, und ,Ätt sich jung hält, bleibt jung", pflegte sie zu sagen.
Und in Wirklichkeit, sie war auch eine hübsche, fast schöne Frau. Auf ihrem Gesichte war noch keine Falte bemerkbar, ihre Farbe war noch frisch und blühend. Das dunkelbraune Haar zeigte eine seltene Fülle, die Stirn war hoch und frei, der Mund fein geschnitten, und zwei Reihen glänzender Zähne schimmerten zwischen den Lippen hindurch, wenn sie lächelte.
Nur der Ausdruck ihrer Augen paßte nicht zu dem hübschen Gesichte. In ihrem dunkeln, schnellen Blickej, der flüchtig über einen Gegenstand hinfuhr und ihn doch scharf fixirte, lag etwas unheimlich Glühendes. Wie eine tiefinnerliche dämonische Macht leuchtete eS daraus hervor.
Als der Deichbauer mit ihr auf den Tanzboden trat, wurden sie mit einem lauten Hurrah empfangen. Die Burschen und Mädchen hörten auf zu tanzen, um dem neuen Ehepaare Raum zu machen.
„Komm, Gertrude", rief Homann. „Me Mädels möchten sonst denken, es ginge mit uns Beiden nicht mehr. Vor 20 Jahren hättest Du jeden zu Tode getanzt."
Er erfaßte ste und schwang sie mit lautem Jubelruf im Tanze. Und es ging noch immer gut.
Man ließ sie allein tanzen und Aller Augen waren auf das stattliche schöne Paar gerichtet.
Zwar rötheten sich des Deichbauers Wangen und der Athem schien ihm auszugehen, als er einigemal herum getanzt war; indeß fiel dies Niemand auf.
„Ungewohnte ArbeitI" rief er, als der Tanz zu Ende war, indem er die nasse Stirn abtrocknete. „An mir liegt die Schuld nicht. Der Schuster hat mein Schuhwerk nicht zum Tanzen eingerichtet. Das
Er lachte laut und Alle fielen in das Lachen ein.
An einem Pfeiler gelehnt stand Franz, eine kleine, cheinbar sehr schwächliche Gestalt. Er war nicht häßlich zu nennen, und doch machte sein Gesicht einen
unangenehmen Eindruck. Um seinen Mund glitt ein spöttisches Lächeln. Er allein hatte nicht mit eingestimmt, als seine Mutter und der Deichbauer mit lautem Hurrah begrüßt wurden. Fest hatte er die Lippen aufeinander gepreßt.
Auch jetzt rührte er sich nicht. Nur fein Blick folgte den Bewegungen des DeichbauerS.
Dieser sah ihn und trat an ihn heran.
„Nun, Franzi" rief er in freundlicher Weise.
„Was stehst Du da?" Tanz' Junge!"
„Ich tanze nicht", erwiderte Franz kurz, fast abstoßend.
„Ein Bursch wie Du und nicht tanzen!" rief Homann, den bittern Ton seiner Stimme ganz überhörend. „Wart, ich will Dir eine Tänzerin holen, wie Du sie Dir nicht schmucker wünschen kannst".
Er erfaßte die Hand eines in der Nähe stehenden hübschen Mädchens, mit welchem fein eigener Sohn Georg getanzt hatte, und zog sie hin zu Franz.
„Es ist mein Pathe, Franz", sagte er, „da kannst sie schon nicht zurückweisen. Nun rühr' die Beine, das« Mädchen nimmt es mit dem flinksten Burschen
Unwillig stieß Franz die Hand deS Mädchens zurück. „Ich tanze nicht!" erwiderte er und warf? dem Bauer einen Blick zu, der den ttefsten Groll verrieth. *
Hoho, Junge!" rief Homann. „Nur nicht so hitzig! Du solltest froh sein, daß ich Dir solch eine Tänzerin bringe; denn Deine Schönheit wird so leicht keine Dirne verlocken!"
Er sprach die Worte halb in bitterem Tone, halb lachend. Den Burschen dadurch zu beleidigen, lag nicht in seiner Absicht. Dieser preßte die Sippen fest aufeinander. Seine Augen glühten.
„Wartet doch, bis ich Euch um eine Tänzerin bitte", sagte er. „Bis dahin kümmert Euch um Euch selbst". '