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Hug und Locomotivbeamten, welche Züge »ach Frank, «ich dienstlich zu befördern haben, sowie den auf französischen Grenzstationen stationirten Repräsentanten, Stations- und Expeditions-Beamten befohlen, die von ihnen während des Dienstes zu tragende Uniform ab­zulegen, wenn sie zur Besorgung nicht dienstlicher An­gelegenheiten außerhalb der Bahnhofsbczirke zu ver­kehren genöthigt sind. Alle anderen Beamten haben

auf französisches Gebiet nicht anders alS*in Ci vilkleidung zu begeben und hier unter keinen Umstän­den auch nur einzelne Uniformstücke z. B. die Dienst­mütze zu tragen.

Auslaud.

Wien, 4. Oct. Gute Privatnachrichten aus Paris stelle» außer allem Zweifel, daß die dortigen Leiter der monarchischen Jntrigue in ihren Combi- Nationen die Möglichkeit einer revolutionären Bewegung nicht außer Acht gelassen und schon jetzt allerhand Vorsichtsmaßregeln getroffen haben, um durch einen gewaltsamen Ausbruch des Volksunwillens nicht über­rascht zu werden. So hat man die Garnison von Paris und seiner Umgebung zum größeren Thetle aus Regimentern zusammengesetzt, hie sich vorzugsweise aus den alt-königstreuen Provinzen recrutirten. Im Ferneren läßt man es nicht an einer Propoganda auf breitester Grundlage fehlen, um die Armee für daS Bourbonenthum zu gewinnen, indem man ihr einmal die dreifarbige Fahne auch weiterhin verspricht, auf der einige Lilien im weißen Felde prangen sollen, und indem man andererseits zugleich auch mit Zu» sicherung wie Austheilung von Beförderungen, Aus­zeichnungen, Geldmitteln und Spirituosen eben so verschwenderisch vorgeht, wie dies einst Louis Napoleon vor der dunklen Septembernacht aus der Ebene von Satory gethan Die republikanische Partei, hofft man, verfüge über viel weniger Waffen als zu einer erfolgreichen Erhebung von Nöthen sein würden, und so dürfte sie, zwischen das Dilemma eines Aufstands Versuches vor Vollziehung der Restauration und eines solchen nach der Rückkehr der Bourbonen gestellt, sich ohne Zweifel für die letztere Eventualität ent» scheiden, um der Umsturzbewegung zugleich ein greif­bares Ziel bieten zu können. Seien aber erst vol­lendete Thatsachm geschaffen, so meint man, werde man mit den Republicanern, selbst wenn sie nach dem Revolutionsausdruck „auf die Straße herabsteigen", schon fertig zu werden wisfen. Im Uebrigen ver­sprechen die royalistischen Führer den liberalen Par­lamentariern goldene Berge von einem verfassungs« mäßigen, modernen Regiment, welches selbst das Louis-Philippe'sche Gouvernement au aufrichtigem Con- stitutionalismus übertreffen solle. In Wien glaubt man in de» maßgebenden Kreisen, daß cs den Roya­listen gelingen werde, ihre Projekte zu verwirklichen. Man hält jedoch nach den einlaufenden Berichten da­für, daß Frankreich viel schwächer und viel weniger actionssähig sei, als man sich dies für gewöhnlich verstelle, so daß selbst Italien, geschweige denn Deutsch­land, nicht das Miudeste unmittelbar von der Re­stauration Heinrich's V. zu befürchten hätte. Eine Action nach der einen oder der anderm dieser beiden Richtungen scheine nur möglich, wenn eS Frankreich gelänge, eine Allianz mit Rußland und Oesterreich gegen Italien und das Deutsche Reich zu Stande zu bringen. Die legitimistischen Kreise arbeiten aller bings an einer solchen Constellation, und alle ihre Kreuzzugs- und Revanchehoffnungen basiren einzig und allein in der geheimen Ueberzcugung, eS werde dem Königthum gelingen, diese erforderlichen Bünd Nisse in Petersburg und Wien für Frankreich zu er­werben. So weit man indeß für die nächste Zukunft die Stellung namentlich des wiener CabinetS zu über­sehen vermag, haben die französischen Legitimisten von Kaiser Franz Joseph eben so wenig etwas zu erwarten, wie vom Zar Alexander.

Ber«, 7. Oct. Der Bundesrath beschloß in Rücksicht auf die Cantonal-Souveränetät die Abweisung des Recurses der Minderheit deö Neuenburger Großen RatheS gegen das neue Neuenburger Kirchengcsetz.

Rom, 2. Oct. Beim Eintreffen des Minister- Präsidenten und deS Ministers des Auswärtigen hatte die officielle Welt auf dem Bahnhof zum Empfange stch eingefunden. Die Begrüßungen wollten nicht tnben, Händedruck, Umarmung und Kuß nach rechts Bnb links, wobei besonders Minghetti durch sein frisches, heiteres Ansehen Aller Blicke auf sich zog. Die Clericalen hättm in seinem sicheren und festen Auftreten nur die jchlimmsten Vorbedeutungen für ihre Sachen entdecken müssen, meint Arbib, dmn in seinen dienen war volle Zufriedenheit zu lesen. Auch Vis­conti Venosta machte den günstigsten Eindruck und die Liberalen schwören darauf, er und Minghetti hätten in ihren Mappen wichtige Abmachungen mitgebracht. Die Dpinivne hingegen will sich vorläufig über daS Ergeb- diß der Königsreise keinen Träumereien hingeben; sie erklärt, „wir wollen uns lieber im Innern stark und

groß machen als auf die Bündnisse mit dem Fremden I vertrauen". Die anwesenden Minister hielten heute im Ordenskloster der Dominicaner Sitzung. Die Wiedereröffnung des Parlaments dürfte nicht vor Mitte November erfolgen. Es war Absicht der Re­gierung die gegenwärtige Session nicht vor Erledigung verschiedener wichtiger Gesetzvorlagen zu schließen, doch Rücksichten auf die allgemeine politische Lage ließen sie davon abstehen.

Paris, 7. Okt. Bei dem gestern in Neuville-» le-Bon anläßlich der feierlichen Eröffnung der dorti- gen Eisenbahn stattgehabten Banket hielt der Herzog von Broglie, in Erwiderung eines Toastes, eine Rede, worin er, nachdem er von lokalen Angelegenheiten ge­sprochen, an die Ruinen der ehemaligen mächtigen Abtei Hellouin anknüpfend, sagte: „Wie sollte man in Gegenwart der Spuren solcher Macht nicht un­willkürlich Betrachtungen anstellen über -die socialen Revolutionen, welche jene Macht zuerst so hoch er­hoben hatten und sie hernach zerstörten! Diese Herr­schaft der Geistlichkeit im Mittelalter und währenv des ancien regime, durch die Geschichte erläutert und oft durch ihre Wohlthaten gerechtfertigt, sie ist ver­schwunden zu einer durch die Vorsehung gewollten Stunde mit den außerordentlichen Thatsacheu, welche sie hervorgebracht hatten. Nichts, unbedingt nichts, was dieser Erscheinung von nahe oder von ferne gleicht, könnte in unseren Tagen entstehen. (Lebhafter Beifall.) Ich sage dies nicht, um die Zuhörer dar­über aufzuklären, welche einer solchen Versicherung nicht bedürfen, sondern ich sage es, damit sie es den Bevölkerungen wiederholen, deren unruhige Empfäng­lichkeit die Verläumdung unter unseren Augen irrezu­führen sucht. Ich sage es, damit meine Stimme, welche kein Echo fürchtet, bis zu ihnen bringe. Nichts, was der gesetzlichen Macht ber Geistlichkeit gleichsieht, könnte eines TageS wicber erscheinen. Es ist so lächerlich, ihre Rückkehr zu fürchten, wie es lächerlich sein würde, sie zu hoffen. Die würdigen und aus­gezeichneten Priester, welche hier unter uns sitzen, werden mir nicht widersprechen, wenn ich sage, baß sie eine anbere Ueberlegenheit über uns behaupten können. Diejenige, welche ihnen von ihren Tugenden und ber Erhabenheit eines -Glaubens verliehen wirb, ber ihre Geister über bie irdischen Dinge erhebt. Das reicht hin, baß sie über unsere Herzen eine Herrschaft üben, welche in unseren Gesetzen sie von jetzt ab Weber anstreben können noch wollen. (Langer einmüthiger Beifall.) Welches also bie Regierung sein mag, welche bie Nationalversammlung Frankreich gibt, kraft ber constitnirenden Gewalt, bie sie von Ihnen in Hänben hat, kein Opfer wirb von ben socialen Ver­hältnissen verlangt werben, an welche wir alle gleich­mäßig gebunben sind. Wir Alle wollen eine dauer­hafte und starke Regierung, welche stets bereit wäre, Revolten und Anarchie zu unterdrücken, aber zugleich über den Parteien stände, ben Arbeitern die Frucht ihrer Arbeit vom vorigen Tage sicherte unb ihnen ihren Lohn für den kommenden Tag verspräche, eine Regierung, welche in unserer durch so viele Revo­lutionen bewegten Vergangenheit alle ruhmvollen Er­innerungen sammelte, ohne deren eine einzige zu ver­leugnen , und unseren Hoffnungen bie Zukunft ver­bürgte. Wir wollen eine Regierung, welche ben be­rechtigten Forderungen wie ben Gefahren unserer mo­dernen Gesellschaften Rechnung trüge, welche bie Prin- cipien annähme, welche sie grünben, inbem sie bereu Ausschreitungen verwürfe. So wird, was auch die Bosheit ohnmächtiger Fractionen sagen möge, die Re­gierung sein, welche uns die Nationalversammlung geben wirb. Sie wirb niemals einer auberen ihre Scmction verleihen, und in diesem Vertrauen erwarten wir Alle respektvoll die Entscheidung, welche sie allein zu treffen die Befugniß hat." Langanhaltender Beifall folgte der Rede des Herzogs v. Broglie. — Ver­schiedene Parteien entwickeln anläßlich ber bevorstehen- ben Ersatzwahlen in ben Departements eine lebhafte Thätigkeit.

Trianon, 6. Okt. Proceß Bazaine: {Der Herzog von Aumale leitet bie Geschäfte als Präsident bes Gerichtshofes mit großer Bestimmtheit. Sobald er sich an Bazaine wendet, spricht er mit ber größten Höflichkeit unb gibt ihm ben Titel: „Herr Marschall". Dieser ist in Uniform mit dem Großorben ber Ehren­legion unb sitzt in einem Fauteuil. Ihm zur Seite sitzen seine Dercheidiger, ber berühmte Abvvcat Lachaub unb besten Sohn. Beide werben für militärische Detailfragen von bem Obersten im Generalstabe Vi- lette asststirt. Von den aufgerufenen Zeugen fehlen nur wenige. Die Namen JuleS Favre, Regnier unb ber des Feldhüters Scalabrino erregen Sensation unter ben Zuhörern. Die Lesung be6 von dem Ge­neral Rivisr verfaßten Berichts begann um 3 Uhr. Die Sitzung würbe 4 Uhr 20 Mm. aufgehoben unb wirb morgen Mittag wicber aufgenommen. Bazaine folgte ber Lesung weit größter Aufmerksamkeit.

London, 7. Oct. Ein Telegramm, welches ber hiesige Agent ber Newporter „Daily graphic" gestern aus Newyork erhalten hat, metbet, baß ber viel be­sprochene Ballon Morgens 9 Uhr aufgestiegen unb in östlicher Richtung abgegangen ist.

Athen, 7. Oct. Die Regierung hat eine ab- ministrative Enquete für bie gejammten Behörben des Königreichs angeorbnet, welche bereu Personal- und Dienstzustand untersuchen und an die Regierung wegen ber nothwenbigen Reformen Bericht erstatten soll.

Ernennungen, Verleihungen re.

Profeffor 0r. Krauß dahier ist zum ordentlichen Pro­fessor in der theologischen Fakultät zu Straßburg ernannt worden- — Zum zwölften Kursus der Artillerie-Schießschule sind commandirt Prem.-Lient. Scharff vom Hess. Felb-Art- Rgt. Nr. 11, Corps-Art. und Ursiu v. Bare von dem­selben Regiment, Div.-Art.

Älegrapßtsche Depeschen der Ober- hessischen Zeitung»;

Berlin, 7. Ort. Das „Militär - Wochenblatt" veröffentlicht eine kaiserliche CabinetSordre, betreffend die Ernennung Manteuffel'S zum General-Felbmarschall, worin der Kaiser demselben seine lebhafteste Anerken« nung unb seinen wärmsten Dank für bie nach allen Richtungen hin ausgezeichnete Erfüllung bes ihm ge- wordenen schwierigen Auftrages ausspricht, ben ber Kaiser in bie Hände des Generals gelegt, nachdem Letzterer als Führer an ben Erfolgen bes fetzten Krieges einen hervorragenben Antheil erworben, nach­dem er bem Kaiser früher mit bewährtem Rache unb unübertroffener Hingebung in manchen schwierigen Verhältnissen zur Seite gestanben unb nachdem ber Kaiser seinem Wirken viel bavon zu banken habe, baß die Stunbc des Ernstes bas Offizier - Corps bes Kaisers vorbereitet gefunben.

Speyer, 7. Oct. Von gestern bis heute sinb 37 Personen an ber Cholera erkrankt, 15 gestorben. Gesammtstanb: 229 Erkrankungen, 104 Todesfälle. — Die Verlegung ber General-Synobe von Speyer nach Neustabt ist vom Ministerium genehmigt worben, bie Eröffnung derselben findet am 19. b. M. statt.

Bern, 7. Oct. Die Berner Regierung erließ eine Verordnung betreffend die Organisation des öffent- lichen Cultus in den kacholischen Gemeinden des Jura.

Trtanon, 7. Okt. Proceß Bazaine. Die Ver­lesung des Berichtes wirb fortgesetzt. Die Richter folgen ben Ausführungen auf den großen Karten, welche unter sie vertheilt sind. Bazaine verharrt in seiner ruhigen Haltung. Die Verlesung erregt wenig Interesse bis zu bem Moment, wo bet Bericht sagt, baß mehrere von Bazaine an Mac Mahon gerichtete Depeschen burch ben Obersten Stoffel, ber bei Mac Mahon bie Functionen eines Direktors ber Mit- theilungen versah, unterschlagen worben seien. Die Stelle bringt einen großen Eindruck sowohl im Audi­torium wie auch unter ben Richtern hervor, welche Noten nehmen. Diese Episobe des Berichts scheint wichtig. Gegen Enbe ber heutigen Verhandlung wirb bie Aufmerksamkeit lebhaft erregt bei Verlesung bes Pastuö über ben Zwischenfall Regnier und bie Abreise Bourbakis von Metz. — „Franxais" melbet, daß Garibalbi heute Vormittag in Paris angekommen sei.

Madrid, 6. Oct. Nachrichten ber Regierung zufolge hat General Moriones bei Abarzuga in Na­varra bie Carlisten trotz ihrer ftgrtcn Stellungen ge­schlagen unb völlig zersprengt. General Moriones verfolgt sie lebhaft.

Haag, 7. Oct. Die zweite Kammer hat sich aus unbestimmte Zeit vertagt.

Kopenhagen, 7. Oct. Im Folkething brachte ber Finanzminister eine Gesetzvorlage em, durch welche er ermächtigt wirb, bie Anleihe vom Januar 1864 in Lvnbon zu kündigen. . s

Newyork, 7. Oct. Der Donalson'sche Ballon ist noch nicht abgegangen. Beim zweiten Versuch zum Aufsteigen erfaßte ein Orkan ben Ballon, in bem sich Donalbson unb besten Gefährten befanden, die sich burch einen Sprung aus einer Höhe von 30 Fuß retteten. -

Telegraphische Cours- unb Marktberichte.

Frankfurt a. M-, 8. October. (Schluß - Courset. Staatsbahn-Aktien 351$, Elisabeth 224, Galizier 220, Lombarden 166\. Nordwestbahn 202, Creditactien 228, Silberrente 65, Papierrente —, 1860r Loose 89z, National- bank 987, Spanier 18, 1882t Amerikaner —.■

Berlin, 8. Ottober. (Anfangscourse). Creditactien 131^ -Staatsbahn fOO|, Lombarden 95, ä^eriL 97%.

Die jüngst gekündigten

6°lo Amerikaner U.-St.-Bmds »erben nur noch bis 16. Novbr. d. I. verzinst. Die frühere Einlösung ist rathsam.

Besorgung hier durch

Menke Eichelberg, 2290] ' ' Bank- unb Wechselgeschäft.