selbst mit dem neuen päpstlichen Dogma für vereinbar halte».
Görlitz, 4. Oct. Der „Anzeiger" meldet: Unser Abgeordneter, Dr. Paur, hat bekanntlich von dem CultuSminister eine Einladung zu der Conferenz über die „Organisation des höheren Schulwesens" erhalten, welche am 8. October eröffnet wird. Die Vorlage für die Conferenz bilden 17 Fragen, die sich auf das gesammte höhere Schulwesen sowie auf die Stellung der Lehrer beziehen.
, Aiel, 2. Oft. Für die BüreauS deö Landeödi rectorats und für ein zu erbauendes Ständehaus sind — vorbehaltlich der Genehmigung des jetzt zusammen tretenden Landtages — ein großes Haus und daneben befindlicher Platz an der Flccthörn und Gartcnstraße angekauft und zwar zum Preise von 40,000 Thlrn.
Rendsburg, 5. Oct. Der Provinzal Landtag der Provinz Schleswig-Holstein wurde heute durch den Regierungs-Präsidenten Bitter eröffnet. Derselbe theilte in seiner Eröffnungsrede mit, daß auf die in der lctztjährigen Petition gestellten speciellen Beschwerdepunkte nicht habe eingetreten werden können, doch werde die loyale Gesinnung des Landtages Allerhöchst anerkannt und die Erfüllung der Bitte wegen baldiger Gewährung eines Provinzial-Fonds in Aussicht gestellt. Bei Ausstellung eines deöfallsigen Gesetzentwurfes soll der ständische VerwaltungS Ausschuß beteiligt werden. Die übrigen Mittheilungen betrafen geschäftliche Angelegenheiten.
Hannover, 5. Oct. Der Provinzial - Landtag trat heute zu seiner diesjährigen Diät zusammen. Graf Eulenburg, der Ober-Präsident, verlas die Eröffnungsrede. Danach wird der Entwurf über die Reform des Bauernrechts die erheblichste gesetzgeberische Aufgabe des Landtags bilden und man darf auf einen endlichen Erfolg um so mehr rechnen, da die Vorlage alle Stadien, die einen solchen zu sichern geeignet sind, bereits durchlaufen hat. Vertrauensmänner der Stände haben nach den von den Letzteren adopiirten Grund- sätzen dm Entwurf ausgearbeitet, die ständischen Organe denselben gutgeheißen. Verheißen wird ferner die Uebersicht über Bestand und Verwaltung des Kloster- sonds und eine Vorlage über Erweiterungen in der Straßenbauverwaltung. Der die Provinz angehenden gesetzlichen Neuerungen, wie der Aufnahme des Jahde- gebietö in die Provinz Hannover geschieht besondere Erwähnung. Graf Münster, der dermalige Reichsbotschafter in London, ist wieder zum Landtags-Marschall, Stadt-Director Rasch ebenfalls wieder zu dessen Stell Vertreter ernannt. Herr Rasch, dessen Abgeordneten- Mandat erloschen war, halte kurz zuvor bei dem Wahlacte gegen den Widerstand der particularistischen Bürger Vorsteher zu kämpfen gehabt und konnte die Erneuerung seines Auftrags nur einer geringen Majorität abgewinnen; immerhin war cs bemerkenöwerth, daß die Bürgervorsteher, sonst und bisher ihrer Majorität in Wahlfachen so sicher, diesmal erliegen mußten. Zur Eröffnung des Landtags hatten sich die Herren von der AdelScurie nur in sehr geringer Zahl eingefunden; laut genug erscholl trotzdem aus den Reihen der Abgeordneten vom zweiten und dritten Stande das Hoch auf dm Kaiser, zu welchem Graf Münster aufforderte, Nachdem die Rede verlesen «ar.
Sinnen über die verzweifelte Ehrlichkeit, Umständlichkeit und Formbeachtung des guten Mannes. Voraussichtlich war nun an meine Befreiung vor dem nächsten Morgen nicht zu denken, und ich fing an, mich nach und nach an diesen Gedanken zu gewöhnen. Glücklicherweise war der Abend warm und die Luft von einer köstlichen Reinheit und Lieblichkeit, während von Zeit zu Zeit ein leichter Hauch des Abendwindes die herrlichsten Düfte aus dem Thale der Arve her- aufwehte. Die Sonne neigte sich stark zum Untergänge und vergoldete mit ihren letzten Flammengrüßcn die Wipfel der Bäume, welche mich rings umgaben. Ueber meinem Haupte wiegten sich zwei Falken in weiten Kreisen, wie spielend in der Luft und zu meinen Füßen huschte von Zeit zu Zeit ein kleiner Waldbewohner vorüber. Jetzt erglühten die fernen Bergriesen in flammendem Roth — dunkle und immer dunklere Tinten liefen über die Landschaft und den tetm den letzten Kampf an, welchen der Tag gegen seine ewige Feindin, die schweigende Nacht, rang. Ungeachtet meiner traurigen Lage übte dieses Schauspiel dennoch denselben Eindruck auf mich aus, den ich immer empfuiiden hatte, wenn ich in stiller Waldeinsamkeit an der untergehenden Sonne das Auge er- götzte — ein süßer Frieden, eine sanfte Melancholie umfing meine Seele und ich vergaß beinahe der stürmischen Auftritte deö TagcS, welcher so herrlich schied, ohne die Leiden geendet zu haben, die er über mich verhängt hatte.
Da gerade, als der letzte Sonnenstrahl zwischen den Bäumen verschwand, sah ich in der Tiefe des WaldeS eine Anzahl Männer, Weiber, Kinder, wie
Crefeld, 4. Okt. Unsere Stadt beging heute die Feier ihres 500jährigen Bestehens, und die „Eres. Ztg " bringt aus diesem Anlasse eine» längeren Festartikel und an dessen Schluffe die von Kaiser Karl IV. vor 500 Jahre» am 1. Oktober 1373 der Stadt verliehene Urkunde in deutscher Uebersetzung, durch welche die „Gemeinde Crcsekd, zwischen den Städten genannt Lymt und Kempen, zu einer Markt - oder befestigten Stadt" erhoben wird. Besondere Festlich feiten fanden nicht statt, vielmehr soll das Jubiläum erst im nächsten Jahre zugleich mit der Enthüllung deö Kriegerdenkmals gefeiert werden.
Wiesbaden, 5. Okt. Gestern fand in der evangelischen Hauptkirche nach einem längeren Zwischenräume abermals ein ungemein zahlreich besuchter altkatholischer Gottesdienst statt. Die Messe celebrirte Pfarrer Kühn, der, nachdem er für die Pfalz in dem auö dem Jesuitenorden ausgetretenen Pfarrei Duren einen Mitarbeiter erhalte», nunmehr feinen Wohnsitz von Kaiserslautern nach Landau verlegt hat. Der neugebildete altkatholische Kirchenchor unter seinem Dirigenten Herrn Lipp führte zu Erhöhung der sonst schlichten Feier einige gelungene Chöre aus. Die Predigt hielt Professor Reusch, der zeitige Leiter der Universität Bonn.
Leipzig, 3. Oct. DaS Comite für die Errichtung eines Siegesdenkmals in Leipzig hielt gestern unter dem Vorsitz dcö Bürgermeisters Dr. Koch eine Sitzung ab, in welcher Letzterer über die von ihm seit Abschluß der Sammlung gethanen vorbereitenden Schritte, insonderheit über die von ihm eingeleiteten Verhandlungen mit hervorragenden Künstlern referirte. Man beschloß eine Concurrenz auszuschreiben und wählte einen engeren Ausschuß. Die verfügbaren Mittel betragen zur Zeit ca. 31,000 Thlr.; man glaubt aber bei Entwerfung des PlanS noch auf eine Vermehrung derselben aus dm Mitteln der Stadt, ober der Rhodc'- schen Stiftung oder freiwilligen Beiträgen rechnen zu dürfen.
Darmstadt, 7. Oct. Heute früh 3 Uhr 30 Mill, wurde hier und im Odenwald ein heftiger Erdstoß wahrgenommen. Im Eisenbahn-Tunnel bei Höchst war daö Getöse so stark, daß man den Einsturz deö Tunnels befürchtete.
Karlsruhe, 6. Oct. Die schweren Angriffe, welche in der „Renen Bad. LandeSzeitung" gegen die Regierung erhoben worden waren, als ob dieselbe bei Ueberlassung der badischen Post an das Reich die Interessen des Landes geschädigt habe, haben eine zweite osficiöse Auslassung in der gestrigen „Karlsr. Ztg." hervorgerufen, indem der aus seinen übrigen Positionen geworfene Kritiker sich noch daran fcstgehalten hatte, daß die 90,000 Guldm, welche Baden aus dem Post- vertrag der Staatsdienst-Correspondenz bezieht, in den ihm bei Abtretung der Post garantirten 100,000 Thlr. enthalten sein möchten, uiw daß letztere überhaupt kein genügmdes Acquivalent für die frühere Reineinnahme seiner Postverwaltung sei, die im Versailler Protokoll vom November 1870 zu 130,000 Thaler berechnet worden. Nun sind aber nach der Mittheilung des genannten Blattes die besagten 90,000 Gulden in den garantirten 100,000 Thlr. nicht inbegriffen, und sind diese 100,000 Thaler durch den wirklichen Antheil eS schien, die ganze Einwohnerschaft eines Dorfes, erscheinen. Meine Augen waren von dem leuchtende» Abendroth noch so geblendet, daß ich kaum die Gestalten meines dicken Syndikus und deö zerlumpten Joseph erkennen konnte, und doch gingen sie au der Spitze des Zuges; an ihrer Seite aber ein ehrwürdiger Geistlicher. Sein Anblick war mir das Tröstlichste, und ich beschloß sofort, behufs meiner Befreiung an feine christliche Menschenliebe zu appelliren. Er war sehr alt und, wie eö schien, schwächlich, denn er ging ziemlich langsam.
„Oho," sagte er, als wir uns gegenüberstanden, „diese Bösewichter habe» Sie abscheulich angeschnürt, mein Herr!"
Der gutmüthige Ton, die offene Miene des ehrwürdigen Greises entzückten mich. „Ja, Hochwürden," antwortete ich, „ganz abscheulich. Erlauben Sie mir gefälligst, Ihnen mit einigen Worten —"
„Das NothWendigste wird fein," unterbrach er mich freundlich, „Sie vor Allem zu befreien. Wir können uns bann jedenfalls bester unterhalten. Vorwärts, Antoine, an's Werk! Löst die Bande des Herr», oder besser noch, zerschneidet die Schnur, damit es rascher geht."
O Himmelsmusik dieser Worte! Noch heute klingen mir ihre Harmonieen in den Ohren! Ich erschöpfte mich in Ausdrücken der Dankbarkeit und, bei Gott, sie tarnen mir von Herzen. Diesmal machte der Sy» dicus keine Einwendungm. Bei ihm stand der Geistliche höher als das Gesetz. Rasch zog er sein Messer, als der Bauer Joseph, welcher schon seit einiger Zeit den schönen neuen Strick beliebäugelte, hinzusprang
Badens an dem Reinerträge der Reichspostverwaltnng schon im Jahre 1872 überschritten, indem jener im genannten Jahre 134,496 Thlr. betrug, also mehr als die im Versailler Protokoll ausgestellte Berechnung bei Fortdauer der badischen Verwaltung erwarten ließ Dabei ist noch zu bemerken, daß Baden um so weniger benachiheiligt erscheint, als mit seinem Aufhören al? Grenzland gegen Frankreich ohne Zweifel eine Minderung des Ertrags der badischen Postverwaltung eingetreten sein würde.
Baden Baden, 7. Oct. Der Großherzog unb die Großherzogin von Baden werden gleichzeitig mit dem deutschen Kaiser nach Wien reisen und dort, einet Einladung des Kaisers Franz Joseph folgend, in der Hofburg Wohnung nehmen.
AngSbnrg, 4. Oct. Die liberalen Mitglieder des protestantischen Kirchenvorstandcs hierselbst, beabsichtigen, sich mit einer Adresse an die demnächst in München zusammentretende Generalsynode zu wenden, worin auf die doppelte Rothwendigkeit hingewiesen wird: „einerseits die ewigen Grundlagen unseres evangelischen Glaubens gegen die Angriffe Derjenigen zu vertheidige», welche auf Ben Untergang der Kirche hinarbeiten, andererseits diejenigen Reformen in der Kirche selbst vorzunehmen, welche von dem veränderten Zeitbewußtsein und im Einklang mit den Fortschritten der allgemeinen und der theologischen Wissenschaft verlangt werden. An die Generalsynode wird demgemäß daS Gesuch gerichtet: „dieselbe möge nach Kräften dahin wirken, daß unserer bayerischen protestantischen Landeskirche solche Reformen zu Theil werden, welche ebenso geeignet sind, ihren Bestand zn wahren, als ihre Entwickelung im Geiste christlicher Freiheit zu fördern". Als derartig wünschenswerthc Reformen nennt der Adreßentwurs, der auch bei den übrigen liberalen Kirchenvorständen der evangelisch- lutherischen Kirche Bayerns cirkuliren soll, folgende Punkte: I Ersatz der Konsistorialverfassung durch die den Grundsätzen deS Protestantismus allein entsprechende Synodal- unb Presbyterialverfassung und deshalb: 1) Aufhebung ber Konsistorien unb deS Ober-Konsistoriums und Ersatz derselben durch Kirchenbehörden, welche aus Säten und Geistlichen zusammengesetzt, unb deren Mitglieder unter Mitwirkung der Generalsynode, als ber rechtmäßigen Vertretung der Kirche, ernannt werden (Kirchenräthe unb Oberkirchenrath). 2) AuSbehnung der Kompetenz der General- synode auf die Kirchenleitung und kirchliche Gesetzgebung. 3) Umänderung deS bisherigen kirchlichen Wahlsystems zur, Erzielung einer möglichst wahren Gemeindevertretung. 4) Mitwirkung der Gemeinden bei Besetzung der Pfarrstellen. II. Zur Aufrechthaltung unb Ausbildung des protestantischen Charakters unserer Landeskirche: 1) Umänderung des gegenwärtig geforderten Orbinationseldes der Geistlichen und der Verpflichtung ber Synobalmitglieber im Sinne der früher vorgeschriebene», dem Geiste des Protestantismus entsprechenden Formeln. 2) Ermöglichung ber Berufung auch von Dozenten freierer Richtung an die Fakultät zu Erlangen".
A«S Elsaß-Lothringen, 4. Okt. In Ver- anlaffung des Luneviller Excesses hat die General" birection ber elsaß - lothringischen Eisenbahnen allen
unb mit gewandter Hand den Knoten löste. „Sich, Schlingel," sagte ich, „vor einer Stunde noch hättest Tu mit diesem Geschäft vierzig Franken verdienen können; jetzt wagst Du Dich an dem Strick erhängen. Er wandte sich mit einem vielsagenden Blick auf den dicken Syndicus Antoine seufzend hinweg, und ich — ich wäre in Ohnmacht gesunken, wenn nicht der gute Pfarrer mich in feilten Armen aufgefangen, und ber gewissenhafte Antoine mir einige Tropfen des Weines eingeflößt hätte, den er wirklich aus dem Dorfe geholt.
Meine Beine waren so angefchwollen, baß an beit Aufbruch vor der erfien Stunde nicht zu denken war. Man placirte mich auf dem weichen Rasen, das ganze Dorf gruppitte sich um mich her, unb ich mußte wohl ober übel meine Geschichte mit allen ihren Einzelheiten zum Besten geben.
Ich that es. Natürlich biesmal der Wahrheit gemäß. Als ich das schreckliche Ende des armen Jean Pierre erzählte, welcher vor zwei Jahren spurlos verschwunden war, faßte die guten Leute allgemeines Entsetzen, und bei den furchtbaren Worten des Mörders: „Jean Pierre, jetzt sprich Dein Sterbegebet!" betreuet sich die ganze Versammlung, und in Aller Augen standen Thränen deS Mitleids.
Ich brachte die Nacht in dem Pfarrhause zu und schied am anderen Tage unter glühenden Danksagungen von dem würdigen Greis, den ich nachher noch öfters besuchte — freilich auf einem anderen Wege, als de« über das Gebirge.
DaS war mein Abenteuer unter ben Schmugglern, welches alle die aufwog, die ich je mit den Zollwächtern gehabt habe.
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