Einzelbild herunterladen
 

Marburg, Donnerstag, den 9. öctofcer.

Mr. 238

ß i

[22

in

so.

Mit dem lauten Geschrei und Jauchzen auf dem l

Hvfe vermischten sich die Klänge der Musik und der Jubel, welche aus dem Hause drangen. Drinnen ging

30.

tnei lker.

f'tfH '

Lot» wäh- e Vi , *h rhlr, Thlr.

war fest, selbst eigensinnig, und zugleich wieder schwach und unentschlossen in anderer Beziehung. ES waren nicht Launen, die ihn beherrschten, sondern gleich­sam angeborene und anerzogene Eigenthümlichkeiten und Vorurtheile. Schon jung hatte er sich verheirathet, aber nicht mit dem Mädchen, welches er liebte, sondern mit einem anderen, welches sein Vater für ihn bestimmt hatte. Seine Ehe, aus der er einen achtzehnjährigen Sohn, Georg, besaß, war nicht glücklich und auch nicht unglücklich gewesen. Er hatte sie mehr als eine gleichgültige Sache betrachtet und zuletzt sich so sehr an seine Frau, die viele Vorzüge des Herzens besaß, gewöhnt, daß e8 ihn aufrichtig schmerzte, als sie starb.

Es wäre ihm vielleicht nicht in den Sinn gekom­men, sich wieder zu verheirathen, da auch das Mädchen, welches er früher geliebt und noch imuier nicht ver- gesien hatte, längst an den Waldbauer verheirathet war. Da war der Waldbauer gestorben. Auch seine Jugendliebe war wieder frei, wie er selbst, und mit einem Male war die alte Liebe mächtig in ihm wieder erwacht. "r " '•

. Lange Zeit hatte er gezögert und war mit sich selbst uneinig gewesen, ob er den Schritt thun und der Waldbäuerin, die noch immer eine hübsche Frau war, obschon auch sie fast vierzig Jahre zählte, die Hand reichen sollte. Er konnte sich nicht verhehlen, daß sie Beide andere geworden warm, als sie früher gewesen. Sie galt für stolz und herrschsüchtig, ihr mittelgroßer Hof war verschuldet und in üblem Zu­stande, ihr einziges Kind, ein Bursche von nmnzehn Jahren, war wild, verstockt und schwer zu leiten.

Manchen würde dies auf immer abgeschreckt haben, auf ihn übte es keine andere Wirkung. Sie, als Frau,

r« noch lustiger zu. Alle, welche aus dem Hause auf den Hof tratm, um frische Luft zu schöpfm, verriethen durch ihre geröchetcn Wangen, daß sie dem Brannt­wein sehr tüchtig zugesprochen, oder sich in wilder Lust im Tanz gedreht hatten.

Der Deichbauer Homann selbst, ein sehr reicher ^ann, war eS, der an diesem Tage Hochzeit hielt.

war eine große, stattliche Gestalt von vierzig und «iuigen Jahren. In seinen Zügen lag ein lustiger, Smmüthiger Ausdruck, so leicht auch der Zorn in ihnen ^fsteigen konnte. Und wie schon auf seinem Gesichte »utmüchigkeit und Heftigkeit dicht neben einander «gen, so unvermerkt in einander überzugehen schienen, ^ir bei einem Kinde Lachen und Weinen, so machten ne^sich auch in Wirklichkeit in seinem Charakter geltend.

*) Nachdruck verboten.

Thlr., während sie sich am-15. September 1872 nur auf 8,052,885 Thlr. beliefen. Sie find also in einem Jahre, trotzdem vorschriftsmäßig amortisirt worden ist, um fast 1,300,000 Thlr. gewachsen. Die neuen Schulden sind durch den Ban des Krankenhauses und durch Erweiterungsbauten der Gasanstalten, nament­lich durch den Bau der Gasanstalt in der Greifs- walderstraße, verursacht worden.

— Der altkatholische Bischof ReinkenS hat heute Mittag in Gegenwart der von ihm adhibirten bekannten Zeugen iu die Hand des CultuSministerS den Eid ab­geleistet. Der „Spen. Ztg." zufolge wohnten der Vereidigung der UnterstaatS-Secretär und die Räthe des CultuSministeriums, sowie die vom Bischof adhi- birten Zeugen, darunter auch Knoodt und Hasenclever, bei. Nach einer Ansprache des CultuSministerS, in welcher derselbe hervorhob, es s«. eine Pflicht der Ge­rechtigkeit, daß der Staat dm.Altkatholiken helfe, um so mehr, als dieselben bereit seien, dem Kaiser zu geben, was des Kaisers sei, erwiderte Bischof Reinkens m ähnlichem Sinne und leistete dann den Schwur der Treue. Aus der Eidesformel, die sich dem seit­herigen Eide der katholische» Bischöfe möglichst an­schloß, waren diejenigen Stellen entfernt, aus welchen katholische Bischöfe bisher zu interpretiren gesucht hatten, daß das Gelöbniß des Gehorsams gegen die Staatsgesetze nur so weit gehe, als der dem Papste geleistete Eid nicht entgegenstehe. Heute Nachmittag findet bei dem Cultusminister zu Ehren des Bischofs Neinkens ein Diner statt, dem sämmtliche Minister beiwohnen werden. Die „Spen. Ztg." bestätigt, die Synodal-Repräsentanz werde nunmehr auch bei dm Regierungen von Baiern, Baden und Hessen die An- erfcmtung beantragen. — Die „Rat.-Ztg." meldet: Glaubwürdigen Mtttheilungen zufolge entbehrt das Gerücht, der Kaiser habe die Unterstützung derIQuistorp', schm Unternehmungen aus Staatsmitteln angeregt, jeder Begründung.

Gube«, 3. Oct. Im Anschluß an die General­versammlung des Provinzial - PestalozzivereinS fand heute die ordentliche Jahresversammlung des Provinzial- Lehrervereins der Mark Brandenburg statt. Der Vorsitzende, Rektor SeiffarH, aus Luckenwalde trug den Bericht über die Wirksamkeit des Vereins seit einer Gründung vor. Dem Provinzialverein gehörm zur Zeit 52 Zweigvereine mit über 1400 Mitgliedern

Der Deichbanrr. *)

Criminal-Novelle aus dem Volksleben von -- - Friedrich Friedrich. ", i.

Auf dem Deichhofe ging es laut und lustig zu. Fast das halbe Dorf hatte sich auf demselben zusam- mmgedrängt und unablässig strömte es aus und ein i» dem Hause. Dann und wann trat einer, der Zu­gehörigen aus demselbm mit einem vollen Bierkruge oder einer Hand voll Kuchenstücken, und mit lautem Hurrah wurde er begrüßt. Jung und Alt drängte sich ungestüm heran. Mancher erhaschte wohl glücklich ein Stück Kuchm, das ihm im nächsten Augenblicke wieder entrissen ivurde. Balgereim und Kämpfe ent­standen.

1873

war nicht ganz geeignet, eine strenge, geordnete Wirth- schaft einzuführen und den Hof wieder zu heben, eben­sowenig, wie sie den Burschen zu bändigen vermochte. Er glaubte dazu die Kraft zu besitzen, deshalb hatte er endlich jedes Schwanken überwunden und um sie geworben.

Ohne Zögern war die Waldbäuerin seinem Wunsche nachgekommen. Der Gedanke, aus dem Deichhause Herrin zu sein, hatte zu viel Verlockendes für sie: für dm Deichbauer selbst hatte sie nicht mehr die frühere Liebe. Dann glaubte sie auch für ihren Sohn, den sie trotz seiner vielen üblen Eigenschaften mit blinder Zärtlichkeit liebte, durch diesm Schritt am besten zu sorgen. 'G>

Schnell war der Tag, an welchem sie für immer verbunden wurden, herangekommen. Sie waren Beide zu alt geworden, um durch eine lange Brautzeit ihren Wunsch noch weiter hinauszuschieben.

Wohl hatte Ftanz, der Waldbäuerin Sohn, wenig Freude gezeigt, daß seine Mutter sich noch einmal verheirathete. Obschon noch zu jung und durch seine kleme Statur noch jünger erscheinend, sehnte er sich bcnnoch danach, auf dem Waldhofe, dem Erbcheil seines Vaters, Herr zu sein, und mit verbissenem Un­willen hatte er Alles aufgenommm, waS der Deich­bauer zu einer besseren Bewirthschafiung desselben an­geordnet hatte.

(Fortsetzung folgt.) .

Ein Abenteuer unter den Schmuggler«.

(Schluß.)

Ich weiß nicht, was ich Alles in den ersten Augen­blicken zusammen geflucht habe, denn ich war fast von

Deutsches «eich.

Berlin, 7 Oct. Der Kaiser wird sich am 15. d. M. nach Wim begeben. In seinem Gefolge wer- dm sich befinden: der Hofmarschall Graf Perponcher, Flügeladjutant von Alten, Graf Lehndorf, General­major von Albedyll. Fürst Bismarck gedenkt den Kaiser nach Wien zu begleiten, wird aber auf seiner Reise dorthin Berlin nicht berühren und den Kaiser unmittel­bar vor Wien erwarten. Nach Münchener Mitthei­lungen würde der Kaiser auf seiner Reise von Baden- Baden nach Wien den Weg über die baierische Haupt­stadt nehmen, ob Aufenthalt daselbst genommen wird, ist noch unbestimmt. — General-Feldmarschall Fryr. von Manteuffel soll beabsichtigen, seinen dauernden Wohnsitz in Berlin zu nehmen und demgemäß vor seiner Abreise nach Gastein bereits eine Wohnung in der Roonstraße Nr. 9 gemiethet haben. — Es ist eine Zusammenstellung der Resultate der von den Aus­einandersetzungs-Behörden ausgeführten Regulirungen, Ablösungen und Gemeinheitstheilungen einerseits bis znm Schlüsse des Jahres 1871, andererseits während des Jahres 1872 bewirkt worden. Es waren bis Ende 1871 regulirt 84,912 Eigenthümer, außerdem im Jahre 1872 noch 53. Die Fläche ihrer Grund­stücke hat einen Umfang von rund 1,458,800 Hekt. Die Zahl der übrigen Dienst- und Abgabm-Pflichtigen, bei denen Regulirungen und Ablösungen stattgefunden haben, betrug bis Ende 187'fr runb 1,558,700, wozu noch im Jahre 1872 hinzutraten 22,398. Bei den Regulirungen und Ablösungen sind an Spanndienst- togen im Ganzen ausgehoben worben runb 0,351,000, von welchen auf das Jahr 1872 entfallen 2186, an Handdiensttagen runb 23,577,000, von welchen auf das Jahr 1872 kommen 2109. An Entschädigungen sind festgesetzt worben in Capital Während des letzten JahreS 1,668,616 Thlr., vorher rund 54,291,000 Thlr., in Geldrente 21,441 Thlr., vorher runb 5,811,000 Thlr., in Roggenrente 4284 Scheffel, vorher runb 375,000 Schffl., in Land 79 Hektaren, vorher rund 422,000 Hektaren. Bei beu Regulirungen und Ge­meinheitstheilungen find feparirt, refp. von allen Holz-, Streu- und HütungS - Servituten befreit worden bis Ende 1871 runb 1,727,000 Besitzer, int letzten Jahre 24,178 mit rund 18,700,000 Hektaren, wovon auf das letzte Jahr 124,663 Hektaren kommen. — Nach einer neuen Zusammenstellung betrugen die Schulden der Stadt Berlin am 15. September d. I. 9,320,061

ogi« illchri niethe I- 6 [224

>g't> , Voi |U vo icbitic [224

t Ka : Fr«

»eiß-

Sämmtliche Annonceir-Büreaus nehmen Inserate an. ö C9r‘ . ,

an, von denen aber nur 30 Vereine mit 1014 Mit­gliedern ihre Beiträge eingesendet haben. Die Ein­nahmen des Vereins betrugen am Schluffe des Jahres 296 Thlr., die Ausgaben 151 Thlr. Nach Dechargi- ning der Rechnung wurde der Kasse deö Landesvereins eine außerordentliche Beihülfe von 10 Thlr. votirt und beschlossen, daß jeder Kreiöverein pro Mitglied und Jahr eine Beisteuer von 2 Sgr. an den Landeö- vercin zahlen soll. In den Vorstand desselben dcpn- tirte die Versammlung abermals die Herren Seiffarth und Jahn; die Vorstands-Mitglieder des Provinzial- Lehrervereins wurden mit Ausnahme des Hauptlehrers Sommerkern in Berlin wiedcrgewählt, an dessen Stelle Lehrer Megelin aus Landsberg eintrat.

Breslau, 4. Okt. Gegen den Fürstbischof von Breslau, Dr. Förster ist, den „Dtsch. Nchr." zufolge, nicht, wie in anderen Fällen das einfache Skrutinal- verfahren eingeleitet, sondern auf Antrag des Staats­anwalts von Rosenberg von dem Stadtgerichte zu Breslau die förmliche Voruntersuchung beschlossen worden. Der Fürstbischof ist demgemäß zu dem am 14. d. M. anstehenden Termin vor den Stadtgerichts­rath Kern geladen worden, welcher in der Sache De- cernent und Untersuchungsrichter ist. Es ist nicht ohne Bedeutung, daß die wirkliche Voruntersuchmrg beschlossen ist, da hierdurch die Angelegenheit nicht mehr rückgängig und die Akten vor gefälltem Spruche . nicht mehr reponirt werden können, was bei dem Skrutinalverfahren möglich gewesen wäre. Der Vor- geladene ist unter allen Umständen verpflichtet, in dem angesetzten Termine zu erscheinen und wird'dem Gesetze gemäß im Unterlassungsfälle zuerst unter An- drohung von Geldstrafe von Neuem geladen und im Wiederholungsfälle mit Gewalt zu dem Termine ststirt. Bemerkt wird übrigens bei der Vorladung an den Fürstbischof, daß man denselben nicht in dem gewöhnlichen Vorladungsstyle mit: „Sie werden hiermit aufgefordert rc.", sondern mit „Ew. Fürst- bischöfliche Gnaden rc." vorgeladen hat. Der Staats- anwalt v. Rosenberg, auf dessen Veranlassung die Voruntersuchung eingeleitet ist, gehört zu den streng­gläubigen Katholiken und den Anhängern der Jnfal-

W“ fälschlich behauptet worden, Altkatholik. Er ist aber bei dem bekannten Anlaß aus dem Schlesischen Vereine der Malteserritter auö- geschleden und vertritt.die Richtung der „Staatskatho­liken, welche den Gehorsam gegen die Staatsgesetze

.11'4

.87,3

-----— u.-.l,. j. i • .■ 3;

Odcrhcfsischc;jci(nttfl

'■ U/S ’bb'.j o '• ui 7»1

r ini l r<i

■; hm