in erster Lesung bis zu Ende durchberathen, wurde dieselbe bis zum 8. d. M. vertagt, an welchem Tage die zweite Lesung beginnen wird. — Prof. Wassersch- leben und Hofg.-Adv. Dornseiff aus Gießen find zu lebenslänglichen Mitgliedern der ersten Kammer ernannt worden. Die „Main-Ztg." bemerkt hierzu: „Möchte dieselbe diesen in Bezug auf'S Schulgesetz sehr deutlichen Wink der Regierung beherzigen und dem Zustandekommen des Gesetzes keine übergroßen Schwierigkeiten entgegensetzen." — In der gestrigen Sitzung des zweiten Ausschusses der zweiten Kammer wurde, wie die „Darmst. Ztg." mittheilt, über den Antrag des Abg. Landmann auf Einführung der obli gatorischen Civilehe, sowie über den Gesetz-Entwurf über das Notariat in Rheinhessen berathen und die von dem Abg. Dumont erstatteten Berichte festgestellt. — Der hiesige Stadtvorstand hat eine Adresse an die erste Kammer für das Schulgesetz beschlossen. Gestern liefen bei der Kanzlei der ersten Kammer nicht weniger alck 27 Adressen zu Gunsten deS Schulgesetzes ein.
München, 2. Oct. Vom 30. Sept., auf den den 1. Oct. ist in München kein Cholera-Erkrankungsoder Todesfall mehr vorgekommen. Von vier ärztlichen Besuchstationen sind drei aufgehoben. Die Verpflichtung der Apotheker, Eis zu halten, ist sistirt.
Ausland.
Wie», 1. Octbr. Die offizielle Anzeige, daß Kaiser Wilhelm sich nun doch zu seinem vielbesprochenen Wiener Ausfluge entschlossen habe, ist hier eingetroffen. Wie es scheint, wirdjder Kaiser die Reise am 15. October antreten. Von großen Hoffestlichkeiten wird wohl, um dem erlauchten Gast keine überflüssigen Anstrengungen zuzumuthen, Abstand genommen werden, um so mehr darf man hoffen, daß sich der Kaiser im intimen Familienkreise unseres HofeS wohl und heimisch fühlen werde, wo er der herzlichsten und wärmsten Aufnahme gewiß ist. Ueber die Entschlüsse des Fürsten Bismarck bezüglich seiner Theilnahme an der Reise ist noch nichts bekannt geworden; ob daraus auf die dem Fürstm auferlegte Nothwendigkeit geschlossen werden muß, seine Gesundheit zu Rathe zu ziehen, dafür fehlen hier alle Anhaltspunkte. Daß man hier die ablehnende Entscheidung deS Reichskanzlers — welches immer ihre Motive sein misten — lebhaft bedauern würde, bedarf nicht eG der Erwähnung. — Auf dem Gebiete der auswärtigen Politik herrscht vollkommene Stille. Graf Andrasiy genießt die letzten sonnenhellen Tage deS Herbstes großentheils in ländlicher Zurückgezogenheit in Reichenau und auch die Urlaubsperiode der auswärtigen Vertreter ist noch nicht völlig abgelausen. So bietet fast nur die Frage, ob es in Berlin zu positiven politischen Abmachungen mit den italienischen Mitiistern gekommen sei, einiges Interesse. An Objecten für derartige Abmachungen würde es allerdings, nicht fehlen — sie sind wieder in genügender Anzahl durch die Fragen der Restau ration in Frankreich und der französischen Politik überhaupt, so wie durch die kirchlichen Angelegenheiten Papstwahl und Conclave (?) dargeboten. Allein
Ich darf wohl versichern, daß es das erste Mal in meinem Leben war, auch habe ich später bestens Sorge getragen, daß ich nicht mehr in eine derartige Nothwendigkeit kam. .......
Mein Schicksal schim in dem geheimen Rath des sauberen Triumphirats fcstgestellt worden zu sein, denn von diesem Augenblicke an beschäftigte sich Niemand mehr mtt mir. Meine Begleiter schritten schwer gend dahin, wobei sie abwechselnd die beiden übrigen Säcke trugen, während ich schwitzend unter dem meinigen neben chnen herkeuchte. Ich kam mir wie ein ungeheurer Esel vor. Warum mußte ich auch allein den vermfenen Weg über das Gebirge machen? Um die Naturschönheitm zu bewundern? Reizende Natur schönheiten, das I Ein Sack von mindestens 120 Pfd. Gewicht 1
Vergebens versuchte ich noch einige Demonstratio nen zu Gunsten meiner Unschuld; vergebens setzte ich ihnen auseinander, daß nur der verdächtige Schatten, welchen ich im Wasserspiegel bemerkt hatte, mich zu der sorgfältigen Umschau in der Gegend bewogen habe — Alles umsonst I
Unschuldig, oder nicht! Gleichviel! Du bist im Stande, uns zu verrathen, darum vorwärts zum Walde! dort wird man dich unschädlich machen! Man kann sich denken, welch neuen Schrecken mir diese ver- dächtigen Worte einflößten, denen ich natürlich den schrecklichsten Sinn unterlegte. Unschädlich machen? WaS konnte das Anderes heißen, als mir, wie dem armen Jean Pierre eine Kugel durch den Kopf zu jagen? „Nur die Tobten plaudern nicht"; diese Worte fielen mir centnerschwer auf's Herz, und wäh- rmd der halben Stunde, die wir noch bis zum nächsten Holze hatten, erhielt ich einen Begriff von den Qualen der Todesangst, welche ein Berurtheilter haben muß, wenn man ihn zum Schaffet führt. Jndeffen
Monarchenentrevuen pflegen zwar den Meinungs- und Gedankenaustausch der maßgebenden Persönlichkeiten zu erleichtern und Material für die spätere diplomatische Arbeit zu schaffen, selten aber sofort zu Aufzeichnungen zu führen. In diesem Sinne werden wohl diejenigen nicht im Unrecht fein, welche behaupten, daß ein förmlicher Vertragabschluß in Berlin nicht zu Stande gekommen sei. Wenn man dann überhaupt geheime Verträge abschließen will, so kündigt man dies nicht im Voraus mit Kanonenschüssen an.
Genf, 2. Octbr. Wie es heißt, hatte Thiers sich vorgenommen, noch mehrere Tage im „Hotel Beaurivage" zuzubringen. Da aber, wie das "Journal de Geneve" wissen will, am Dienstag Briefe von Paris eintrafen, worin Thiers unter dem Hinweis auf gewisse , ganz nahe bevorstehende Ereigniffe zur unverzüglichen Rückkehr aufgefordert wurde, so änderte er seinen Entschluß und trat schon gestern die Rückreise an.
Paris, 2. Oktbr. Thiers ist heute hier eingetroffen. Der alte „Soir" ist todt und seinen Herausgebern vom Minister des Innern die Erlaubniß zur Gründung eines „Jour" mit gleicher Tendenz versagt worden. Der „Soir" unter der neuen Leitung machte gestern in höchst kläglichen Redewendungen seinen Uebergang zur Monarchie fertig: die Republikaner sind ihm zufolge nur noch ein kleines Häuflein; der Führer des „Soir" aber ist ohne politischen und religiösen Fanatismus und bereit, jeder Regierung, welche die Nationalversammlung ausstellt, zu dienen. Mehr kann man doch wahrlich nicht verlangen! Der neue „Soir" schwimmt heute jedoch schon lustig im jesuitischen Fahrwasser. Der zweite Band von Lamar- mora's Enthüllungen wird nicht erscheinen. Die hiesigen Blätter suchen Bismarck dafür verantwortlich zu machen, denn Alles, waö einem Franzosen unangenehm ist, wird auf Biömarck's Namen getauft. In Versailles wird in diesen Tagen unter de Larcy's Führung eine große Nestauranten-Versammlung gehalten werden, ja, man hat eine Art legitimistischen Vorparlaments im Plane, in welchem die vor die Nationalversammlung zu bringenden Fragen schon zu einer vorläufigen Lösung gebracht werden sollen. — Der „Moniteur de l'Armee", Organ des Kriegsministers, enthält folgende osficiellc Mittheilung: Die Debatten des Pro- cesses des Herrn Marschall de Bazaine beginnen am 6. Oktober um 12 Uhr in Trianon vor dem ersten Kriegsgericht, das seinen Sitz in Versailles hat. Dieses Gericht ist folgendermaßen zusammengesetzt: (Gesetz vom 16. Mai 1872.) Erste Abtheilung: DivisionS - Generale, die ein Ober Commando vor dem Feinde geführt: die Herren Herzog von Aumale, Präsident; de la Mvtterouge, der Baron de Chabaud- Latour, Tripier. Zweite Abtheilung: In dem ersten Militär-Distrikt verwandte Divisions-Generale, die Herren de Martimpro, Princetau, Martineau Decheö- nez. Ergänzungsrichter: Erste Abtheilung: die Herren Generale Resscyro und DesuSleau de Malroy. — Die "Correspondance Mansard" will wiffcn, Herr Valette, der General-Secretair der Präsidentschaft der
blieb mir noch eine schwache Hoffnung — vielleicht begegneten uns Menschen, welche ich um Hilfe anrufen konnte. Allein auch sie verschwand, als wir das Gehölz erreicht hatten, ohne eine Menschenseele ange- troffen zu haben. — Jetzt erfüllte sich mein Schicksal ! Einer der Gauner nahm mir den Sack ab, ein Zweiter schnürte mich mit einem Strick fest zwischen die gabelförmigen Aeste einer dicken Tanne, der dritte aber trat, die Hand am Pistolengriff, vor mich hin --ich war halb todt — und sprach langsam und deutlich:
„Hört! Wir brauchen vierundzwanzig Stunden Zeit, um unsere Maaren in Sicherheit zu bringen. So lange bleibt ihr hier. Geduldet euch in Frieden! Morgen um diese Zeit kehren wir zurück und werden alsdann Eure Fesseln lösen. Daß Ihr schweigt über die Geschichte, versteht sich von selbst — fonft V*
Er hielt mir zum Abschied nochmals den Lauf seiner Pistole unter die Nase — und verschwand mit seinen Gefährten.
Fort waren sie.
A----h! *
Und ich athmete lang "und athmete tief" sagt ein deutscher Dichter.
Ich glaube die Natur ist mir nie schöner und lachender vorgekommen als in diesem Augenblick! Sonderbar! Meine Banden belästigten mich nicht im Mindesten. — Vierundzwanzig Stunden erschienen mir als einige Minuten — die Schmuggler als die rechtschaffensten Menschen von der Welt; ^freilich ein Bischen rauh, allein nur aus Nothwendigkeit; sonst aber gemüthliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft. Diese Empfindung war sehr natürlich, ich war nach der schrecklichen Todesangst dem Leben wiedergc- geben. Eine wahnsinnige Freude bemächtigte sich meiner bei dem Gedanken, welch entsetzlicher Gefahr
Nationalversammlung, habe gestern eine lange Unterredung mit dem Marschall gehabt, der ihn zu sich beschieden hatte. Sie sollen über die Maßregeln übereingekommen fein, die zu einer zeitigeren Zusammen- berusung der Nationalversammlung nöthig sind. Hen Baze, der auf Urlaub in Agen war, ist plötzlich nach Versailles zurückgekehrt. — Wie verlautet, werden in j&er großen Garnisonsstadt und in dem Hauptquar- tier eines jeden der 18 Armeecorps Officier-CasinoS gebildet werden. In jedem dieser Casinos wird eine Militär-Bibliothek und eine „Messe" jür die Ofsiciere errichtet. — Der „Avenir" von Vssoul ist wegen Beleidigung des Generalraths zu 14 Tagen Gefängnis; und 500 Fr. Geldstrafe verurtheilt worden. — Gambetta ist gestern in Chatellerault angekommen. In der zu Perigueuz gehaltenen Banketrede hat er gesagt, daß die Republik triumphirt haben würde, wenn die alten monarchistischen Parteien nicht capitu- lirt hätten. Wenn man. aber berücksichtige, daß ganz Frankreich ohne Unterschied der Parteifarbe der deut- schen Invasion widerstanden habe, müffe Alles vor der Vaterlandsliebe zurücklreten. Reber der Republik und der Freiheit stehe Frankreich und dessen Unab hängigkeit. Da der Vice-Präfect diese Rede ungehindert halten ließ, ist derselbe ab gesetzt. — Der „Rspubliquc de la Dordogne" wurde der Straßenverkauf wegen Veröffentlichung dieser Rede Gambetta'S entzogen. Das Verbot ist hauptsächlich auf folgende Rede gestützt: „Die politischen Parteien schwelgten auf den Niederlagen Frankreichs, das sie entnervt und worin sic Alles aufgehalten hatten, da sie die Kapitulation, die Niederlage und Demüthigung des Vaterlandes dem Aufgeben ihrer besonderen Begierden vorzogen.'
Kassel, 2. Oct. Gestern Morgen wurde die Sitzung deö allgemeinen Erziehungsvereins kurz nach 9 >Uhr durch den Präsidenten, Director Schrader; eröffnet. Auf der Tagesordnung standen zunächst S8e- richte über die Wirksamkeit von Vereinen, welche dieselben Prinzipien, wie der allgemeine Erziehungsverein, verfolgen, ohne sich diesem formell als Zweigvereine angeschlossen zu haben. Herr Fricke berichtet über Braunschweig, Frau v. Oppel macht höchst interessante Mittheilungen aus Manchester, Frau Kriege ebensolche aus Soften und Newyork, Frau Gräfin Hessenstein gibt ein klares Bild deS ungemeinen Anklanges, den die Sache der Kindergärten in Ungarn gefunden und weist nach, wie die augenblicklich durch die Cholera dort begründeten traurigen Verhältniffe vortrefflich durch die Errichtung von Kindergärten gebessert und diesen selbst unendlich genützt werden könne. Frau Goldschmidt aus Hamburg erstattet einen sehr anziehenden Bericht von dort, wo seinerzeit Fröbel mit Diesterweg vereint die ersten Kindergärten errichtet habe. Diese sowohl, als das Institut der Familien- kindergärtnerinnen erfreuen sich des allgemeinstm Anklangs. Director Marquardt theilt eingegangene Berichte aus Siebenbürgen und Norditalien mit, denen Frau v. Marenholtz Mittheilungen über ihren Aufcnt-
ich soeben entgangen war und welch anderen Ausgang die Sache hätte nehmm können. Ich habe geweint in diesem Augenblicke — aber es waren Thränen des innigsten Dankes gegen den Herrn, der mich so gnädig errettet hatte. Ich wollte die Hände zu einem brünstigen Gebete erheben, allein diese Bewegung erinnerte mich schnell daran, daß ich gebunden — an einem Baum festgeschnürt war.
Es schlug zwei Uhr. Ich hatte nur noch dreiundzwanzig Stunden zu warten. Die Gegend, in welcher ich mich befand, lag weit ab von der Straße und ward, wie eö schien, nur höchst selten von einem Wanderer betreten. Ich glaube übrigens, daß, wenn wirklich während der ersten halben Stunde meiner Haft Jemand zu meiner Befreiung erschienen wäre, ich ihn gebeten hätte, mich zu lassen, wo ich sei, aus reiner Hochachtung gegen die drei Biedermänner, welch« mich so gnädig behandelt hatten. Freilich schwebt« mir in dieser Stunde lebhaft das Schicksal des armen Jean Pierre vor Augen.
Gegen vier Uhr indeffen verminderte sich dies« Hochachtung docb bedeutend, und zwar in demselben Verhältniß, als die Entfernung zwischen mir und de» drei gcmüthlichen Mitgliedern der Gesellschaft zunehmen mochte. Meine Bande begannen auf ein« höchst fatale Weise sich fühlbar zu machen und bei bei geringsten Bewegung schnitten mich die Stricke bis aus den Knochen. Ich bin zwar kein Löwe — c nein — aber ich verglich meine Lage mit der, d«s im Netz gefangenen Löwen der Fabel, und späht« emsig nach der Maus umher, welche dasselbe zernagen sollte — und siehe, plötzlich erschien in der Tiefe des Gehölzes, ein Bewohner der Gegend, wie es schien — ein Bauer.
(Fortsetzung folgt)
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