®r. 234 Marburg, Sonnabend, beit 4. October. 1873.
Oberhefsischc Zeitung.H
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Die Novelle „Der Kluchtl.ing" von Friedrich Friedrich beginnt in den nächste» Tage».
Deutsches Reich.
** Berlin, 2. Oct. Die Besprechungen der Presse drehen sich noch immer vorzugsweise um den Besuch des Königs von Italien. So bringt die „Times" Mittheilungen, über die angebliche Offenheit Victor Emanuels unfern Kaiser gegenüber, von denen man wissen will, daß sie direct von einem der italienischen Minister stammen. Auch das Wiener „Vaterland" hat eine lange Correspondenz gebracht, in welcher Aeußerungen des Königs mitgetheilt werden, die, mag auch vielleicht Manches der Darstellung zugeschrieben werden, doch durch die ganze Situation einigermaßen beglaubigt werden. Freilich trägt das Ganze den Stempel seines Ursprungs deutlich an der Stirn; denn offenbar ist der GewährsmaimdeS „Vaterland" Jemand, welcher der sranzösischen Gesandtschaft nahe steht. Es beweist dies schon der Umstand, daß er saft nur die Berathungen schildert, welche Victor Emanuel mit ihren Mitgliedern gehabt, und vor Allem seinen Lesern den Glauben beibringen will, es sei mit der Intimität zwischen Deutschland und Italien nicht so weit her, wie man glauben machen wolle. Ob in dieser Richtung die Mittheilungen richtig sind, möchte zu bezweifeln sein, wenn der Correspondent auch-«eit einer Behauptung entschieden Recht hat, nämlich mit der, daß es schriftlichen Verträgen zwischen beidenStaaten gezu keinen kommen sei. — In einigen Zeitungen wird gemeldet, officiöse Correspondenten theilten mit, daß der demnächst zusammentretende Landtag nur das Budget zu berathen haben werde. Soviel wir uns erinnern, ist eine solche Nachricht nirgends von einem Correspon» deuten gebracht, der aus zuverlässigen Quellen zu schöpsen pflegt. Dieselbe entspricht auch nicht im Mindesten der Wahrheit. Allerdings ist dem Landtage nicht übermäßig viel Zeit zugemessen, da der Reichstag wahrscheinlich zum Februar einberusen werden wird. Trotzdem aber werden verschiedene wichtige Gesetzesvorlagen vorbereitet, die dem Landtage in dieser
Zur Geschichte des alten Univerfitätsgebäudes.
Von C. Schäfer.
Gegenwärtig, wo wegen des projectirten Neubaues eines Collegien-Hauses eines der ältesten Baudenkmäler unserer Stadt verschwindet, wird eö nicht unangemessen erscheinen, mit einigen Worten, wenigstens einem hiesigen Leserkreise gegenüber eines Bauwerkes zu gedenken, welches allerdings nicht gerade bcanlagt ist, das Interesse des größeren Fachpublikums zu fesseln.
Die einzelnen Theile des im Abbruch begriffenen Universitätsgebäudes verdanken, mit Ausnahme eines einzigen unbedeutenden Anbaues, ebenso, wie die jetzige resormirte Kirche ihre Entstehung den bis zur Rcfor- »rativnszeit hier angesessen gewesenen Prediger-Mönchen und sind seit der benannten Zeit Veränderungen im Troßen nicht unterworfen worden; angehend die baulichen Einzelheiten hat auch an ihnen freilich wie an ber großen Mehrzahl der erhaltenen mittelalterlichen Werke der Unverstand und die Gleichgültigkeit späterer Zeiten arg gefrevelt.
Die Gebäude bestanden auS drei, nach den Welt- Segendcn orientirten, einen viereckigen Hof umschließen-
Flügeln; die vierte Seite des Vierecks war durch bfe Kirche hergestellt; der östliche Flügel setzte sich in estiem längeren Vorsprunge nach Süden hin fort. Südwestlich stand auf dem Klostergrundstück ein iso- llrtes HauS.
Diese Gebäudetheile entstammten sehr verschiedenen Zeiten, indem die Dominicaner seit dem Ende des dreizehnten Jahrhunderts bis zur Aufhebung des Klosters an der Vergrößerung der Baulichkeiten des- stlben gearbeitet haben.
Das Wenige, was an urkundlichen und inschrist- l'chen Nachrichten über diese Gebäude bis jetzt bekannt Seworden, findet sich von Lotz in der vortrefflichen
Session zugehen sollen. Freilich gießt man sich in Regierungskreisen der Hoffnung hin, daß dieser das Etatsgesetz so schnell, wie die Verhältniffe gestatten, erledigen werde, um auf diese Weise die nöthige Zeit zu erübrigen. — DaS Beiblatt der gestrigen „Kreuz zeitung" bringt unter der Ueberschrift „Unsere Partei" einen interessanten Artikel „auS der Provinz", in welchem versucht wird, die altconservative Opposition von den gegen sie erhobenen Anklagen zu reinigen. Die Aufnahme dieses Artikels scheint fast auf eine gewisse Wandlung zu deuten, wenigstens stimmt er schlecht zu den Kriegsfanfarcn, welche die „Kreuzzeitung" noch jüngst gegen die Regierung anstimmre. ES scheint, als wenn dieser Ton doch nicht überall in conserva- tiven Kreisen gefallen hat.
— Die Cabinetsordre betr. Bildung eines Kriegsgerichts für den Capitän Werner ist, wie wir aus guter Quelle vernehmen, nunmehr ergangen.
— Die „Nordd. Allg. Ztg," meldet, daß die Behörden einiger großen Städte gewünscht hätten, daß behufs Ausstellung der Wählerlisten der Termin für die Wahlen zum Abgeordnetenhaus verschoben werde. Im Falle der Berücksichtigung der Anträge würden die Wahlen erst im Anfang des November stattfinden.
— Die Bestimmungen deS Gesetzes vom 24. März d. I., betreffend die Tagegelder und Reisekosten der Staatsbeamten, finden auf landräthliche Bureauge- hülfen, als Privatbeamte zwar grundsätzlich keine Anwendung, der Minister des Innern und der Finanzen haben jedoch in Berücksichtigung der Verhältniffe jener Privatbeamten unter Modifikation des Erlasses vom 29. Januar 1864 genehmigt, daß den mehrgedachten Burcaugehülfcn, vom Jahre 1873 ab, für die Theilnahme am Ersatzgeschäfte, soweit solches außerhalb der Kreisorte stattfindet, Diäten und Reisekosten nach dem Satze von 1 Thlr.. 10 Sgr. pro Tag, beziehungsweise £20 Sgr. für die Meile aus Staatsfonds gezahlt werden.
— Gegen den Verkauf sogenannter Geheimmittel soll, der „Voss. Ztg." zufolge, im Wege der Polizeiverordnung vorgegangen werden, und es sind dabei jenen Arlanen bekannte Stoffe oder Maaren, gleichviel von welcher Art und in welcher Form, sobald sie als
Statistik der „Baudenkmäler des Regierungsbezirkes Kassel" zusammengestellt. Es besteht:
1) auö einer die Gründung des Klosters in 1290 oder 1291 beurkundenden Nachricht,
2) ans einer von Herrn Bücking Hierselbst aufgefundenen Urkunde, nach welcher 1452 am „Schlafhuse" und „Rebentur" gebaut worden ist, 3) aus der von Landau angeblich am östlichen oder nördlichen Kreuzgangsflügel entdeckten Jahrzahl 1484,
4) aus der inschriftlichen Jahrzahl an dem isolirten südwestlichen Bau 1521.
66 sei hier gleich bemerkt, daß der erwähnten Landau'schen Mittheilung ein Jrrthum zu Grunde liegt, indem die Jahrzahl 1484 am südlichen Kreuzgang stügel sich befand, sowie daß Lotz die zu 2) genannte Urkunde auf einen von derselben nicht gemeinten Bau theil bezieht und in Folge deffen die sämmtlichen Räume des Klosters mit unrichtigen Namen nennt Es scheint dem genannten Archäologen entgangen zu sein, daß der große östliche, die Aula enthaltende Klosterflügel kein einheitliches Bauwerk ist, sondern der Länge nach in zwei Theile zerfällt, von denen der nördliche gegen 1300, die südliche Verlängerung erst um die Mitte deö fünfzehnten Jahrhunderts entstanden ist. Auf letztgenannten Bautheil bezieht sich die Ur künde von 1452, und nicht auf den südlichen Klosterflügel, in welchem demnach fälschlich von Lotz das SchlafhauS und das Refectorium gesucht wird; vielmehr enthielt dieser Südflügel die Capitelftube, und das von Lotz als Capitelftube angesprochene Universi- täts Archiv ist nichts anderes, als die zur Kirche gehörige Sacristei.
An ben Gebäuden des Dominicaner Klosters lassen sich nach sorgfältigem Studium der stylistischen und
Mittel zur Befestigung ober Linderung von Krankheiten ober Körperschäben sich ankündigen, gleichzustellen.
Schleswig, 30. Sept General > Lieutenant v. Tresckow, früher Chef des MilitärcabinetS, ist zum General des 9. ArmeecorpS ernannt.
Leipzig, 30. Sept. Heute Nachmittag 1 Uhr wurde vor dem Plenum des Reichs. Ober-Handelsgerichts das Personal der Verwaltung deS neucreirteit „Reichs - JnfalidenfondS" solenn vereidet, d. h. für die gesetzmäßige Anlage, Verrechnung und Verwaltung des Reichs-JnfalidenfondS (187 Millionen Thlr. aus der französischen Kriegskosten-Entschädigung) „unbedingt verantwortlich" gemacht, dergestalt, daß die Mitglieder und der Vorsitzende dieser VerwaltungS- ' behörde eidlich geloben mußten: „sich von Erfüllung dieser ihnen mit eigener Verantwortlichkeit obliegenden Pflichten durch keine Anleitungen oder Verordnungen irgend einer Art abhalten lassen zu wollen." Der vom Kaiser auf Lebenszeit ernannte Vorsitzende ist der frühere Ministerial - Direktor im kgl. preußischen Finanzministerium, Wirklicher Geheimer Qber-Finanz- rath Dr. Elbanger. Die beiden bisher erwählten Mitglieder der Verwaltung sind der kgl. baierische Ober-Rechnungsrath Landgraf und der kgl. sächsische bevollmächtigte Minister und außerordentliche Gesandte v. Nostitz-Wallmitz.
Dillenburg, 29. Sept. Um das hiesige Progymnasium zu einem Gymnasium zu erweitern, hat der Bürger Ausschuß den Beschluß deS GemeinderathS, statt 2000 Gulden jährlich 1500 Thaler zur Unterhaltung beizutragen, genehmigt. Die Regierung hat sich bereit erklärt, außer dem bisherigen Geldbetrag weitere 1900 Thlr. zuzuschießen. Nach Schluß der Sitzung machte der königliche Landrath v. Ove» die Mittheilung, daß höheren Orts beschlossen sei, bis , Ostern 1874 dahier das Schullehrer-Seminar zu eröffne». ES ist dies das zweite evangelische Lehrer- Seminar, das in unserem Regierungsbezirk errichtet wird, namentlich um dem immer fühlbarer werdenden Lehrermangel abzuhelfen. In der Abstch? der Regierung soll eö liegen, die Zöglinge desselben reichlich zu unterstützen.
Darmstadt, 1. Oct. Nachdem die außerordentliche Landessynode den KirchenverfassungS Entwurf sonstigen technischen Merkmale fünf Bap - Perioden unterscheiden.
(Fortsetzung folgt.)
Ei» Uhentkurr enter Lee Schmuggler«.
Nach dem Französischen von Fritz Brentano. (Fortsetzung.)
Halt!" donnerte jetzt der Aelteste der drei Strolche, „halt, Schuft, Du warst hier, um uns zu belauschenI"
»Ich? oh, durchaus nicht — durchaus nicht! Ich bin hier, um —"
„Um uns zu beobachten und dann an das Messer zu liefern! May kennt Dich, Spitzbube!"
^Spitzbube? Oho!"
„Ruhig! was hast Du da unten zu lauem und umherzuschnüffeln?"
„Ich bewundere die schöne Natur — die schöne Natur, nichts weiter!"
„Die schöne Natur? Und warum krochst Du tu ben Winkel, in welchem wir Dich gefunben haben? Was? Vielleicht um Gimpel zu fangen? he? Ein schurkisches Hanbwerk, was Du ba treibst! Diese Berge gehören uns, und wehe dem, der ste betritt, um unö auszukundschaften! — Sprich, Dein Gebet, Hallunke 1"
Bei diesen Worten legte er die Waffe auf mich an und ich sank in die Kniee. Mein Stündchen hatte geschlagen.
Doch nein! Die beiden Anderen, denen ein Mord doch etwas zu gewagt Vorkommen mochte, schlugen sich ins Mittel, worauf sie eine leise Bcrathung hielten, deren Resultat vorderhand war, daß mir Einer von ihnen, ohne alle Umstände, einen der Säcke über die Schultern warf und ein „AllonS Marsch! Vorwärts!" zurief. Auf diese Weise mußte ich mich wohl oder übel bei dem gesetzwidrigen Unternehmen hetheiligey.