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getäuscht habe und machte mich wieder auf den Weg, überzeugt, daß ich mich allein in der Gegend befinde.

Sonderbar! Diese Ueberzeugung schien doch nicht so sicher zu sein, denn unwillkürlich drängte sich mir wieder der Gedanke auf, doch Etwas gesehen zu Haben, und ich hielt von Zeit zu Zeit in meinem Marsche inne, in sich umherspähend, ob nichts Verdächtiges sich Zeige. Ja, als ich einen etwas vorspringenden Felsblock erreichte, umging ich denselben mit höchster Vorsicht und verdoppelte meine Umschau.

Es war ein glühend heißer Tag; indeß wurde die Hitze einigermaßen durch die lebhafte Luftströmung gemindert, welche in dieser Höhe herrscht und ich ge­noß mit Entzücken das prachtvolle Naturschauspiel, welches sich meinen Blicken darbot und meine ganze Seele bezauberte. Wie gerne vergißt man solchem Anblicke gegenüber alle die kleinen Leiden des Som­mers, wAche uns oft in einer kahlen EÜene als un­erträglich erscheinen. Indem ich mich umwandte, um nochmals den zurückgelegten Weg zu überschauen, glaubte ich abermals etwas heraufkriegen zu sehen, was ich bei näherer Betrachtung für die Beine hielt, welche allenfalls zu dem Kopfe gehören konnten, den ich schon am See erblickt zu haben glaubte. Die Sache war mir durchaus nicht einerlei und ich schritt mit verdoppelter Vorsicht vorwärts.

Ich muß hier leider eingestehen, daß ich von frühester Jugend an äußerst furchtsam war und noch bin. Mein Vater war es auch es liegt im Blute der Familie. Ich verachte gründlichst den Reiz der Gefahr, in welchen die Helden so gerne schwelgen und Nichts geht mir über die Sicherheit meiner cheuern Person über eine so recht gemüth- liche Sicherheit, von Kopf bis zu Fuß nach rechts und links.- Der Gedanke schon, daß man in einem

Duell die blanke Degenklinge des Gegners vor die Nasenspitze bekömmt, war immer hinreichend, daß ich mich bewegen ließ, in gewissen Fällen höchst vorsich. tig und klug zu sein, obwohl ich sonst sehr lebhaften Naturells bin. Und in vorliegendem Fall konnte mich etwas Schlimmeres bedrohen, als ein Duell ein Attentat auf meine Börse auf mein Leben oder vielmehr auf Beides zusammen. Herr Gott, wenn man mich hier in der Einsamkeit abschlachtete! Schrecklich!

Als einmal der Gedanke bei mir angeregt war, bemächtigte er sich meiner bald so vollständig, daß ich fast die Gewißheit vor Augen sah, hier als das Opfer einer Banditencabale zu verschwinden, wenn nicht irgend ein rettender Zufall mich befreite. Vor allen Dingen aber versteckte ich mich unter ein überhängendes FelS- stück, welches gerade in der Nähe war und wartete schaudernd der Dinge die da kommen sollten.

Eine halbe Stunde schon verharrte ich in ängst­licher Beobachtung der Umgegend, und eine solche Beobachtung ist äußerst abspannend, als ein Mensch von höchst verdächtigem Aussehen, vorsichtig spähend, hinter den nahen Tannen erschien, lange nach der Richtung des Felsens hinsah, hinter welchem ich ver- ftetft lag, und dann zweimal in die Hände klatschte. Auf dieses Zeichen erschienen zwei weitere, durchaus kein Vertrauen einflößende Gestalten, und alle drei, Jeder mit einem mächtigen Sack auf dem Rücken, kamen langsam, ganz gemüthlich ihre Pfeisen rauchend, vorwärts. Dicht bei meinem Versteck angelangt,, legten sie ihre Last ab und setzten sich auf die Säcke merkwürdig gerade wie die siebzehn himmelfahrenden Schmuggler I Zum Glück aber drehten sie mir den Rücken zu.

1873

Marburg, Freitag, den 3. October.

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auf die Oberhessisch« 8«t- ?OC|tCUllligCll tun» für das vierte Quartal werden noch fortwährend von allen Postan- «alten entgegengenommen.

Die NovelleDer Flüchtling" von Friedrich Friedrich beginnt in den nächsten Tagen.___________

nehmen. Auf Veranlassung des Vereins für Ver­breitung von Volksbildung soll dieser Tage eine Volks­versammlung zu Gunsten des Schulgesetzes einberufen werden. Dem Bericht des FinanzausschusieS der ersten Kammer ist zu entnehmen, daß man dort einer Verwilligung für den Aufbau des Hoftheaters günstig gestimmt ist und die Ansicht ausspricht, daß der Bau wohl im Frühjahr 1874 beginnen werde. Es ist dies freilich nur eine gelegentlich hingeworfene, aber immerhin doch bedeutsame Bemerkung eines Factors, besten Stellung zu der Theater; Frage.übrigens nie zweifelhaft erschien.

Constanz, 30. Sept. Die Eindrücke, welche der hier stattgehabte Congreß der Altkatholiken auf das größere Publikum in Deutschland hervorgebracht hat, lassen sich jetzt einigermaßen überschauen, und der Deutsche Merkur" faßt dieselben in folgendem Ueber- blick zusammen:Die anständige Presse, zu welcher die ultramontane bekanntlich nicht gehört, hat im Ganzen sorgfältig berichtet und wohlwollend geurtheilt. Das Letztere würde auch jener Theil derdemokratischen" Presse, dem wir den Anstand nicht absprechen, gcthan haben, wenn nicht die Kathedralsprüche gewisser radikaler Querköpfe über die Halbheit rc. des AltkatholicismuS ebenso unverbesserlich als unvermeidlich wären. Dagegen sei eine Bemerkung der BerlinerKreuzzeitung" erwähnt, welche im Hinblick auf die Constanzer Versammlung schreibt:Wenn die Altkatholiken keine Anstalten machen, sich der Bundesgcnossenschaft des Protestanten­vereins zu erwehren und ihre Gemeinschaft auf den Felsen des ewigen Gotteswortes zu gründen, so wird daS ihnen in der Kirchengeschichte der Neuzeit zu widmende Capitel sehr kurz werden und die Überschrift führen: Von Rom nach Heidelberg." Dem entgegen möchten wir die angeblich strenggläubige Partei derKreuz­zeitung", indem wir auf den blitzschnellen Dr. Hager, den langsamer marschirenden Herrn von Gerlach u. s. w. verweisen, ernstlich gefragt haben: Wie weit ist es heute von der Uckermark nach Rom? Auch in Constanz haben wir hervorragende Vertreter der freieren Richtung im Protestantismus, wie den Heidelberger Prälaten Dr. Holtzmann, als Gaste nicht minder freundlich empfangen wie die freieren und strengeren Anglikaner oder die Orthodoxen Rußlands. Daß die Berliner Orthodoxen mißtrauisch fernbleiben, liegt nur

Deutsches «eich.

Berlin, 1. Oktober. Die heutigeProvinzial- Correspondenz" sagt in einem ArtikelZu den Wahlen": Jemehr die Staatsregierung eS für ihre Pflicht erachtet, sich und ihre Beamten von jedem Eingriff in die völlig freie Entfaltung der Wahlbewegung unbe­dingt fernzuhalten, je mehr sie andererseits von der Zuversicht erfüllt ist, daß Wahlen, bei welchen die öffentliche Stimmung wahrhaft zum Ausdruck gelangt, nur günstige Ergebniste für das weitere vertrauens­volle Zusammenwirken bringen können, desto dringender darf und muß sie alle ihre Anhänger mahnen und bitten, mit allem Eifer in die Vorbereitungen für die Wahlen einzutreten und auf die allseitige Betheiligung der Wähler hinzuwirken. Dasselbe Blatt schließt diesen Artikel: Je bestimmter es zur Ueberzeugung gelangt, daß die unauSweislichen Reformen auf dem Gebiete der koperativen Selbstverwaltung und ebenso die Reformen auf dem kirchlichen Gebiete keineswegs zur Erschütterung der bisherigen Grundlagen unseres Staatswesens, sondern bei richtiger Behandlung und bei gewissenhafter Mitwirkung aller dazu Berufenen, zu heilsamer Erfrischung und Kräftigung der öffent­lichen Zustände führen müsten, desto mehr darf die Regierung hoffen und erwarten, daß in immer weiteren Kreisen das patriotische Pflichtgefühl und der Wett­eifer zur Geltung gelange, an der weiteren Durchfüh­rung jener wichtigen Aufgaben in einer zugleich con- jervativen und ächt freisinnigen Richtung thätig und mitgestaltend Theil zu nehmen. Zunächst aber muß die Regierung auf die weitere lebendige und wirksame Unterstützung des preußischen Volkes in dem Kampfe rechnen, welchen sie zur Wahrung der höchsten In­teressen des Staats und der königlichen Autorität gegen die immer gesteigerten Anmaßungen und den Trotz der römischen Hierarchie zu führen hat. In dieser LeziehunD vor Allem hofft sie bei den bevorstehenden Wahlen auf* die 'volle und eifrige Bethätigung des altpreußischen Patriotismus und des deutsch nationalen

Bewußtseins. Zu dem Besuche des Königs von Italien in Berlin bemerkt dieProv.-Corresp." noch: Derselbe konnte mit der Ueberzeugung von hier schei­den, daß sein Aufenthalt nicht blos dazu gedient hat, die politischen Bande, welche Italien mit Deutschland verknüpfen, zu befestigen und die hohe Bedeutung dieser Verbindung nach allen Seiten zu vollem Be wußtsein zu bringen, sondern auch ihm persönlich lebhafte Sympathieen an dem Hofe unseres Kaisers und in der Bevölkerung zu sichern. Die Kundgebungen dieser Gesinnungen haben schon während des Aufent­halts des Königs in Berlin die herzlichste Erwiderung Seitens der Bevölkerung in Italien gefunden, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Reise des Königs von großer und nachhaltiger Wirkung für die freundschaftlichen Beziehungen der Beiben Nationen sein wird.

Weimar, 30. Sept. Die zum ersten Mal nach dem neuen Wahlgesetz erfolgten directen Land­tagswahlen haben ein sehr günstiges Resultat ergeben. Fast 58 pCt. aller Berechtigten haben wirklich gewählt, und zwar bei den allgemeinen Wahlen mehr als bei den classifieirten. In den südlichen Bezirken am Thüringer Wald stieg, die Betheiligung der Wähler auf 70, 74 und 76 pCt.; sie sank dagegen in der Stadt Meinigen auf 15, Saalfeld auf 13 pCt. Die Wähler waren auch so einig, daß nirgends eine engere Wahl nöthig wurde; in Steinach erhielt der Abgeordnete 99 pCt. aller Stimmen. In dem Landtage sind 8 Gutsbesitzer, 5 Richter, 5 Handel- und Gewerbetreibende, 3 städtische Beamten, 2 Verwaltungsbeamte und 1 Geistlicher. Zu der in Fulda den 2. October tagenden katholischen Lehrer - Versammlung sind auch die Lehrer auö den katholischen Gemeinden deS Eise­nacher Kreises eingeladen. Zu gleicher Zeft tagt auch die allgemeine Weimarsche Lehrer - Versammlung in Ilmenau, und es fragt sich, ob die katholischen (Kol­legen sich der konfessionellen oder der allgemeinen Versammlung anschließen. Der weimarsche Hof legt eine achtägige Trauer für den Herzog Carl von Braunschweig an.

Darmstadt, 30. Sept. Am 8. October wirb die außerordentliche Landeösynode der evangelischen Kirche mit der zweiten Lesung deö VerfassungscntwursS beginnen. Dieselbe dürfte etwa acht Tage in Anspruch

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ßrfAeint täalich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 224 Sgr., durch die Postämter 27 Sgr. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zerle 1 Sgr.

Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

2*,; En» Abenteuer unter den Schmugglern.

6j. Nach dem Französischen von Fritz Brentano.

(Fortsetzung.)

Nach drei Stunden eines angestrengten Marsches hatte ich den kleinen See erreicht, welcher, zwischen

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zwei Abhängen liegend, ringsum von Büschen und Bäumchen umgeben war, deren Grün sich lieblich in dem Wasser wiederspiegelte, das so hell war, daß man deutlich all die glänzenden Muscheln und Steinchen, welche den Grund deS See's bedeckten, erblicken konnte.

Ich setzte mich, um zu rasten, am Ufer nieder und betrachtete ein zweiter Narcissus mein Bild in dem Wasser, ohne daß das Vergnügen, meine theuereu Züge da unten zu erblicken, mich nur einen Augenblick in der Vertilgung eines gebratenen Rebhuhnes inne- halten ließ, welches von dem Wirth im Thale bereitet wirklich beffer war, als seine Erzählung von den acht fön Schmugglern und ihrer unfreiwilligen Himmel- sahrt.

Außer meiner werthen Persönlichkeit spiegelten sich Noch die benachbarten Bergriesen, die Waldungen, die hatten, kurz die ganze herrliche Natur in dem See wieder, zwei Raben mit inbegriffen, die hoch über mir in den Lüften sich fchwingend, in dem Waffer, wie tief bei den Gegenfüßlern fliegend, erschienen. Während ich mich damit unterhielt, dieses Schauspiel zu betrach- kn, war mir plötzlich, als ob der Kopf eines Mannes, einer Frau oder eines Thieres, kurz, eines lebenden Wesens, sich über dem Abhang eines nahen Berges nhobm habe, und zwar gerade des BergeS , welchen ich zuletzt überstiegen hatte. Ich warf rasch einen Blick hinüber, um den Gegenstand beffer zu erkennen, als <8 mir im Waffer möglich gewesen, allein, eS war nichts zu sehen, noch zu hören. Ich schloß daraus, daß mich die schwankende Bewegung des Wasserspiegels