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JRarfiurg, Donnerstag, den 2. October

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223» Erscheint täglich außer heu Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22j S\ Postämter 27 Sgr (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl- Stempel 22 Sgr. -r- Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile

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Quartal werden noch fortwährend von allen Postan- ftalten mtgcgengcnontmen.

Die NovelleTer Flucht Istng" von Friedrich Friedrich beginnt in de» nächsten Tage».

Kriegserklärung zwischen den betreffenden Parteien vorstrllt, so werden die Feindseligkeiten eröffnet, d. h. die Herren Wächter stürzen sich auf Alles, was Koffer, Kiste, Reisetasche, Schachtel rc. heißt und wühlen mit den obengenannten Händen unter der sor^Atig ge­plätteten Wäsche, den seidenen Kleidern und feinen Foulardtüchern zum unaussprechlichen Aerger des Eigen- thümers umher. .

Natürlich! dafür bezahlt sie ja der Staat, und das ist mir immer höchst komisch vorgekommen.

Die Schmuggler freilich sind ein etwas anderer Menschenschlag. i ..

Das sind Kerle, welche bis an die Zähne bewaff­net und stets bereit sind, einem Zollwächter eine Kugel durch den Kopf zu jagen, wenn er vielleicht zufälliger Weise einen Weg betreten sollte, den sie sich selbst für ihre unschuldigen Spaziergänge Vorbehalten haben. Allein zu ihrem Glück hüten sich die Zollwächter vor solchen Zufällen, und wenn sie ihre Nasen auch sonst überall hineinstecken, so nehmen sie sich doch gewaltig vor den Flintenläufen der Schmuggler in Acht, was ich immer als ein Zeichen von Takt und Lebensart Seitens dieser Herren betrachtet habe.

Zollwächter und Schmuggler! Jedenfalls zwei Krebsschäden der Gesellschaft.

Die Linie der Zollwächter erschien mir immer wie eine riesige Schlange der Faulheit, welche sich um ein Land zieht, von dessen Fett sie zchrt; die Züge der Schmuggler hingegen sind eine vortreffliche Schule für Räuber, Mörder und Spitzbuben jeglicher Art, auö welcher jährlich eine gewisse Anzahl tüchtiger Zöglinge hervorgeht, bi» eine Zeit lang die Gesellschaft belästigen, um schließlich von dieser in den verschiedenen Zuchthäusern und Bagno's ernährt zu werden.

Ich habe oft mit den Zollwächtern zu thun. Meine Hemden erfreuten sich der Ehre, cm den Grenzen von

kanntlich vor einiger Zeit der Fortschrittspartei eine Proscripttonsliste zur Excommunication aller nicht zur Partei Lasker gehörigen, sondern mchr zur Fraction Bennigsen neigenden Nationalliberalen aufgestellt hatte unv wegen seiner fast ganz den extremen Parteien sich anschließenden Opposition ä tont prix mit Recht von den gemäßigt-liberalen Blättern als Gehülfe des Ultra- montanismus bekämpft wird, protestirt gegen diesen Vorwurf, thatsächlich leistet aber jedenfalls seine Hal­tung und Thätigkeit dem Ultramontanismus Vorschub.

Vor der Abreise des Kaisers nach Baden- Baden soll, nach derN. Frkf. Pr", die Ordre wegen Auflösung des Landtags und Ausschreibung der Neu­wahlen für das Abgeordnetenhaus unterzeichnet fein.

In der nächsten Woche wird man mit der Ausprägung der neuen Silbermünzen in weiterem Umsange vorgehen und andererseits mit der Ausprägung der Reichs Goldmünzen pansiren, da vorläufig das erforderliche Quantum dieser Münzen beschafft ist. Rach der Rückkehr des Präsidenten Delbrück und des GeheimenratheS Michaelis ist auch eine Förderung der Arbeiten zu ermatten, welche sich auf das Bankgesetz beziehen. Die Vorlage desselben in der nächsten Reichs tagssesston gilt nach wie vor als zweifellos. Bald nach den Landtagswahlen wird auch die Auflösung des Reichstags zu erwarten sein, da eS beschlossene Sache ist, den nächsten Reichstag in der zweiten Hälfte des Februar, oder spätestens Anfangs März zu be­rufen. Eine Anzahl umfassender Entwürfe, welche dem Reichstage vorgelegt werden sollen, wird vor Ablauf diess Jahres bereits den Bundesregierungen zur Kennt- nißnahme, beziehungsweise Begutachtung zugehen.

Darmstadt, 30. Sept. Die Landessynode der- wars in ihrer heutigen Sitzung mit 35 gegen 17 Stimmen die Pfarrwahl durch die Gemeinde und ent­schied sich für die Aufrechthaltung deS Status qno. Die nächste Synode soll das Gesetz über die Mit­wirkung der Gemeinde bei der Pfarrwahl vereinbaren.

Heilbronn, 30. Sept. Nach dreitägigen AuS setzen traten hierselbst zwei neue Cholerafälle ein, deren einer einen tödtlichen Ausgang hatte.

München, 28. Sept. Der k. Justizminister Dr. Fäustle ist von einem kurzen, in Pöcking am Starnberger See zugebrachten Urlaub gestern wieder

Sgt., durch bk Zeile 1 Sgr.

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Deutsches Strich.

* Berlin, 30 Sept. Bei früheren Etatsbe- rathungen ist wiederholt und mit Recht auf das Miß- verhältniß aufmerksam gemacht toorben, in welchem bei einem großen Th eil ber Verwaltungsbehörden die Zahl der außetetatspiäßigen Mitglieder zur Zahl der ktatsmäßigen steht. Dies ist namentlich bei den Re­gierungsbehörden der Fall, in welchen die Zahl der außeretatsmäßigen Räthe und diätarisch angestellten Subalternbeamten fast zwei Drittel der etatmäßigen Stellen beträgt. Es liegt nun in ber Absicht bes Finanzministers, diesem Mißstand abzuhelfen. Es finden zu diesem Zweck auch bereits Verhandlungen statt, da schon im nächsten Etat die Mittel zur Be­seitigung des Mißstandes in Anwendung gebracht werben sollen. Dem Bundesrath ist im Namen des Reichskanzlers vom Präsidenten und Staatsminister Delbrück der Antrag vorgelegt worden, daß die Ge­meindebehörden des Bundesgebiets zum Zweck der vorläufigen Vollstreckung aller auf Grund des §. 108 der Gewerbeordnung ergehenden Entscheidungen sich gegenseitig Beistand zu leisten haben. Wir haben gestern bereits constatirt, daß der neue Staatsminister v. Bülow seine Geschäfte noch nicht übernommen habe.

er­litt er 19

Ein Abenteuer unter den Schmugglern.

Aach dem Französischen von Fritz Brentano.*)

Wenn man von Siset ans in das Thal der Arve hinabstelgen will, so bieten sich hierfür zwei Wege dar. Der Eine die gewöhnliche Straße, welche dem Lauf ber Thäler folgend, den Reisenden bequem seinem Ziele zuführt, hat mit meiner Geschichte nichts zu thun, weswegen ich ihn auch von vornherein links liegen lasse; desto mehr ober ber Andere, welcher quer über die Bergkette führt, die sich zwischen Cluses und Satlenche hinzieht. Dieser Weg ist kaum bekannt und meistens nur von den Schmugglern benutzt, welche die Gegend in Fülle aufzuweisen hat. Diese kühnen Gesellen holen ihre Waaren in Martigny (Canlon Wallis) und steigen bann mit gewaltigen Lasten be­laden durch tiefe Schluchten und über unwegsame Felsen in die inneren Thäler von Savoyen hinab, »ährend die Zollwächter vortreffliche Wache an den Grenzen des Landes halten.

Gestatten Sie mir hier einige Notizen zur Natur- zeschjchte der Zollwächter und Schmuggler in meinem t Segneten Vaterlanbe.

Die Zollwächter find Menschen, welche in einer Uniform stecken, sehr schmierige Hände und stets einen brennenden Pfeifcnstummel im Munde haben. Vor der Thüre ihres WachthauseS sitzmd, lassen fit sich die Sonne ip den Hals scheinen und faullenzen, bis irgend ein Wagen vorüberfährt, dessen Eigeuthümer sicher nur dämm diesen Weg gewählt hat, weil er durchaus keine Spur von Contrebanbe mit sich führt.

Haben der Herr nichts Verzollbares?"

"Nein, meine Herrn."

Kaum ist diese stereotype Frage mit der gleichfalls siereotypen Antwort gewechselt, was gleichsam die

*) Nachdruck nicht geftattet.

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hierher zurückgekehrt. Heute Vormittag 8 Uhr kam der Feldmarschall Frhr. v. Manteuffel in Begleitung zweier Söhne des Fürsten Bismarck von Berlin hier an und schte »ach anderthalbstündigem Aufenthalte die Reise über Salzburg nach Gastein fett. Der bairische Episkopat hat auf seiner Eichstädter Confe-- reuz einen Hirtenbrief über die Simultanschulen an die Katholiken zu richten beschlossen. Heute kam der Brief auf den Kanzeln Münchens zur Verlesung.>

A«S Deutsch-Lothringen schreibt matt der Carlsr. Ztg." untenn 26. b. M.: Gestern Nach­mittag von 1 bis 4 Uhr war vor dem Tribunal in Luneville Verhandlung wegen der daselbst an drei Deutschen verübten Mißhandlungen. Der Gerichtssaal und die Räume vor demselben waren von einer ziem­lich erregten Menge dicht gefüllt, die, besonders nach Fällung des Urcheils, nicht übel Lust zeigte, art den als Zeugen gegenwärtigen Beleidigten neue Helden- thaten zu verüben. Um so würdiger war die Haltung deS Gerichtshofes, da insbesondere der öffentliche An­kläger sich der rühmlichsten Objektivität befliß, nicht minder der Präsident bes Gerichts, der namentlich dem mit Namen noch immer unbekannten französischen Artillerie - Capitän für sein energisches Eingreifen zu Gunsten der Bedrohten die unumwundenste Anerken­nung aussprach. Von den drei Angeklagten erregte besonders der Schwerstgravirte, ein alter ehemaliger Kürassier - Soldat, Namens Schwarz, ein geborener Elsässer, ein gewisses Interesse. Die Bitterkeit dieses Angeklagten, die selbst der Vorsitzende rügen zu sollen glaubte, machte einen kläglichen, auf das Publikum natürlich den günstigsten Einbrnck. Die beiden übrigen Angeklagten, Kleinhändler aus Luneville, verlegten sich überwiegend aus'S Leugnen. Einer der Letzteren und Schwarz, ihres thätigen Antheils Überführt, wurde» jeder zu 4 Monaten Gefängniß ber dritte Angeklagte wegen nachgewicsener Bedrohung der Angegriffenen zu 2 Monaten Gefängniß verurlheitt. Das Schwächste bei der Verhandlung war die Vertheidigung, die geltend zu machen suchte, daß das Ganze nur harmlose Neckerei war man habe die Deutschen nur beschämen wollen <??!)* faire honte; das Wasser, in das man den einen Deutschen werfen wollte, sei ja nicht tief, die Brücke nicht hoch und unten Sand ge= aller Herren Länder durch die Hände dieser ehren- werlhen Herren zu spazieren, um zerknittert und be­schmiert wieder in den Koffer zurückzuwanbern. Ver­botene Waare hat man nie bei mir gefunden. ApropoS, Hemden! da fällt mir eint Geschichte ein:

Ich reiste nach Lyon. In Bellegarde öffnete man, wie herkömmlich, unsere Koffer; allein diesmal damit nicht zufrieden, dehnte man die Visitation auf unsere Personen selbst aus, da die Nähe von Genf den Uhrenschmuggel sehr einträglich macht. Was mich betrifft, so machte ich gute Miene zum bösen Spiel und unterwarf mich geduldig dieser Operation nicht so aber ein englischer Offizier, welcher sich bei der Reisegesellschaft befand. Kaum hatte man ihm erklärt, um was es sich handle, so zog er kaltblütig ein riesiges Taschenmesser, welches, geöffnet, eine höchst respektable Waffe war, und erklärte, den Ersten in der Mitte von einander zu schneiden, welcher Miene mache, ihn nur mit einer Fingerspitze zu berühren.

Nun gab eS einen gewaltigen Lärm. Die Zoll­beamten erklärten umsonst, daß sie nur ihre Pflicht thun und die ihnen vorgeschriebene Dienstordnung er­füllen wollten; der lange Schlingel von der Kreide­insel hielt sie mit feinem Schlachtmeffer in ehrerbie­tiger Ferne, obwohl ihr Oberster ihnen drohend zu­herrschte:Vorwärts! durchsucht diese» Menschen!" Er gebrauchte freilich die Vorsicht, sich innerhalb seines Bureau'S zu halten und vom Fenster aus zu kom- manbiren, während, seinen Untergebenen die blanke Klinge dicht unter der Nase herumfuchtelte, wobei ihr Eigeuthümer, der rothe Sohn Albions, in steigernder Wuth schrie:Oho! durchsuchen! Mir? God dam kommen einer an! Ich haue ihn entsewuei der Erste die ©»weite and die Dritte!" Bei diesemDritten" bezeichnete er mit dem Messer den

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Ka- eltev 2201 Üft cel

Staatssekretär Hr. v. Bülow ist vorläufig nach Schwerin [tttll zurückgekehrt, um seine dienstlichen Beziehungen zu

Mecklenburg zu lösen; mit dem Reichskanzler Fürsten Bismarck hat derselbe vorher eine längere Conferenz gehabt, indem er denselben bei der Rückkehr nach Barzin einige Stationen begleitete. An Stelle dcö Polizei- Directors v. DrigalSki, Welcher aus Gesundheitörück sichten seine Entlassung aus dem Staatsdienst resp. Pensionirung erbeten und erhalten hat, ist der bisherige StadtgerichtSrath Schmidt mit dem Charakter als Re­gierungsrath zur Leitung der Criminalabtheilung be­rufen worden. Herr Eugen Richter, welcher be-

fiß Diese werden vielmehr vom bisherigen Vertreter Geh. Rath v. Balan noch fortgeführt. Der destgnirte

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