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Marburg, Mittwoch, den 1. October.
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firfAeint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'schc Buchdruckerei) bezogen 22$ Sgr., durch die Postämter 27 Sgr. (excl. Bestellgebühr und iml. Stempelsteuer), für das Ausland excl- Stempel 22 Sgr. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.
~ Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.
Dsuf das mit dem 1. Oktober beginnende Quartal-Abonnement der
„Oberhesfischen
nehmen alle Postanstalten Bestellungen entgegen. .....-i J
a>„ dem Feuilleton beginnt in dem neuen Quartal:
Der Flüchtling,
Original-Erzählung von Friedrich Friedrich.
Außerdem find zur Aufnahme für das nächste Qualtal bestimmte Die Erbschaft des Ber- brechenS von Rudolph Müldner, Fräulein Else von Edmund Höfer, der FestnngS- Commandant von Levin Schückiug.
Deutsches Keich.
** Berlin, 29. Sept. Im Anschluß an die Anwesenheit des Reichskanzlers in Berlin durch- schwirren die Presse Allerhand Combinationen über die Neubesetzung deS preußischen MinisterprästdiumS, von denen keine irgend einen Anspruch aus Berechtigung hat. Die Anwesenheit des Fürsten Bismarck galt einzig und allein dem König Victor Emanuel. Die erwähnte Frage ist unter beiderseitiger Zustimmung des Reichskanzlers und des Grafen Roon verschoben worden und dürfte nicht eher wieder aus die Tagesordnung kommen, bis Beide nach Berlin zurückgekehrt und die Wahlen zum Landtag vorüber sind. Die Unterredung Bismarcks mit Manteuffel nun gar hatte auch nicht im Geringsten etwas mit diesem Gegenstände zu thun. — Was den italienischen Besuch betrifft, so machen die Ultramontanen viel Wesens daraus, daß unsere Gäste bereits am Freitag Abend Berlin wieder verlassen haben. Das officielle Programm der Hvfsestlichkeiten war indesien mit diesem Zeitpunkte vollständig erfüllt. Für den Sonnabend Morgen war noch die Besichtigung hiesiger Sehenswürdigkeiten angesetzt. Victor. Emanuel jedoch, welcher feinen Tag sehr früh beginnt, hatte bereits in den Tagen vorher Alles in Augenschein genommen. Wer ihn am Freitag Abend noch einmal im Opernhause im Kreise der königlichen Familie gesehen, kann nicht zweifeln, daß der gegenseitige Verkehr geradezu eine gemülhliche Form angenommen hatte. WaS aber die politischen Besprechungen anbelangt, so haben sie durchaus die er»
freulichsten Resultate erzielt und hat dieser befriedigende Eindruck Alles während der ganzen Zeit der Anwesenheit deS Königs beherrscht. — Bei der Abreise des Fürsten Bismarck nach Varzin befand sich auch . der neue Staatssecretär von Bülow am Bahnhofe und hatte mit demselben eine längere Unterredung. Die Mittheilungen über das angebliche Fernbleiben des Reichskanzlers von der Wiener Reise sind mit großer Vorsicht aufzunehmen. Hierüber dürfte allein der augenblickliche Gesundheitszustand entscheiden. — In den „Grenzboten" veröffentlicht Dr. Hans Blum einen längeren Artikel über die Wcrner'sche Affaire und die Stellung der deutschen Presse zu derselben. Er meint, die deutsche Presse habe sich seit der preußischen Conflictszeit nicht unbesonnener, vorurcheilsvoller und nnpatriotischer benommen. Der Aufsatz würde, so richtig die darin niedergelegten Anschauungen sind, von größerer Wirkung sein, wenn er sich einer allzu heftigen Polemik enthielte. — Graf Eulenburg ist heute in Brandenburg, um einer Sitzung des Dom- capitels beizuwohnen. — Staatsminister von Uhden ist auf sein Ansuchen vom Präsidium des Disciplinar- hofes für nichtrichterliche Beamte entbunden und Präsident von Ingersleben zu seinem Nachfolger ernannt.
— Nach zuverlässigen Mittheilungen soll der altkatholische Bischof ReinkenS aufgefordert sein, nach Berlin zu kommen um sich hier vereidigen zu lasten. Die Vereidigung soll nicht von dem Oberprästdenten der Provinz, wo der Bischof domicilirt, sondern von dem Kultusminister und zwar vermuthlich im Laufe des October geschehen. Der Bischof hat dann das Recht, im Einverständniß mit dem Staat Parochim zu errichten und die von ihm ernannten Geistlichen können rechtsgültige Akte — Trauungen u. s. w. vollziehen, während den Amtshandlungen der gesetzwidrig angestellten neukatholischen Geistlichen die bürgerliche Rechts, gültigkeit fehlt. — Der Termin für die Realschulcon- ferenz ist vermuthlich wegen der in die zweite Hälfte des October« fallenden Wahlen etwas früher angesetzt, als ursprünglich beabsichtigt war. Die Conferenz soll schon am 8. Oktober beginnen.
— Auf Grund des §. 28 deS Regulativs über Ausbildung, Prüfung und Anstellung für die unteren Stellen des Forstdienstes in Verbindung mit dem Mi
litärdienste im Jäger-Corps vom 8. Januar d. I. werden wegen Ueberfüllung der Anwärterlisten bei dm Königlichen Regierungen zu Danzig, Potsdam, Frankfurt, Stettin, Stralsunds Liegnitz, Magdeburg, Merseburg, Schleswig und Köln bis auf Weiteres neue Notirungen forstversvrgungsberechtigter Jäger der Klasse A. I. insoweit ausgeschlossen, daß bei den genannten Regiemngen nur die Meldungen solcher im laufenden Kalenderjahre den Forstversorgüngsschein erhaltender Jäger angenommen werden dürfen, welche in dem Bezirke derjenigen der vorgenannten Behörden, bei welchen sie sich melden, zur Zeit des Empfanges des ForstversorgungsscheineS im Königlichen Forstdienste bereits beschäftigt sind. Gegenwärtig ist dagegen die Zahl der Anwärter sehr gering in der Provinz Hannover und in den Regierungsbezirkm Minden, Cassel, Wiesbaden, Düsseldorf und Aachen:
Königsberg, 29. Sept. Die hiesige „Ostpreußische Zeitung" bringt ein ausführliches Referat über die stattgehabte Beerdigung des kürzlich hier gestorbenen Altkatholiken, dem von dem Propste Dinder das Begräbniß in geweihter Erde versagt worden war. Hiernach ist zum Zwecke der Herstellung des Grabes, die Thüre zum Kirchhofe, die verschlossen gehalten wurde, unter Assistenz der Polizei geöffnet worden. Propst Dinter hat bei dem Polizeipräsidium schriftlich dagegen Protest eingelegt. Die Becrdigungs- Ceremonie selbst, bei der der aktkatholische' Pfarrer Grunert functionirte, verlief ohne jede Störung. ■
Posen, 29. Septbr. Die" „Posener Zeitung" meldet: Das Oberpräfldium bestimmte aus Anordnung des CultuSministers daß die Polizeibehörden der Provinz Posen überall, wo Geistliche gegen die Kirchengesetze eingesetzt seien, Kirchenbuch und Kirchensiegel mit Beschlag belegen und an die Regierung auSliefem sollm, welche auf Antrag bar Interessenten Kirchenzeugnisse aus dem Kirchenbuch ertheilen wird. Wie die „Ostd. Ztg." meldet soll gegen den Erzbischof die Temporalien-Sperrr eingeleitet sein.
Frankfurt, 29. Sept. Kaiser Wilhelm ist Hierselbst heute Morgen um 9 Uhr 40 Min. ringe- troffen und nach eingenommenem Dejeuner nach Baden- Baden weiter gereist.
AuS Mecklenburg-Schwerin, 25. Sept. Der Mecklenburger Handelsverein' hat sich auf seiner
Kadrrich Benevix f.
Der Dichter, dessen Lustspiele feit einem Menschenalter sich aus der deutschen Schaubühne so eingebürgert haben, daß saft in jeder Woche eines oder das andere aufgeführt werden und auf ein eben so dankbares als zahlreiches Publikum rechnen darf, ist am 26. September d. I., nachdem er lange Monate krank dar niedergelegen, zu Leipzig gestorben. Ebendort war er am 24. Februar 1811 geboren. Schon als Knabe hatte er durch kleine Gelegenheitsstücke, die er zu Familienfesten anfertigte, seine theatralische Begabung an den Tag gelegt, so daß der Vater, ein wohlhabender Kaufmann, dem Hange des Sohnes, sich ganz der Bühne zu widmen, nachgeben zu dürfen glaubte. Nach Beendigung des GymnastalcursuS schloß der junge Roderich Bcnedix sich 1831 der Bethmann'schen Wandertruppe an, welche die kleinen Residenzen Mittel - deuffchlandS zu besuchen pflegte. Zwei Jahre später lernte er als Tenorist an verschiedenen Theatern Rheinlands und Westphalens die Licht- und Schattenseiten seines freigewählten Berufs zur Genüge kennen und faßte den Entschluß, sich über daS Gewöhnliche zu erheben und Bühnendichter zu werden. An seinem Geburtstage 1833 vollendete er sein erstes Theaterstück : „Johanna Sebus", und brachte es in Wesel, wo er Regiffeur des Wintertheaters war, zur ersten Aufführung. Von durchschlagender Wirkung aber war erst daS 1839 ebenfalls in Wesel gedichtete Schauspiel: „Der lange Israel oder das bemooste Haupt", das unter dem größten Beifall die Runde auf allen deutschen großen und kleinen Bühnen machte. Dieser glänzende Erfolg bewog den Dichter, der persönlichen Ausübung der darstellenden Schauspielkunst ju entsagen und sich ganz der Schriftstellerei zu widmen. Zunächst übernahm er die Leitung eines Volks
blattes: „Der Sprecher", schrieb eine Reihe von Erzählungen und hielt 1842 in Köln Vorlesungen über deutsche Literatur. Als Schauspieler betrat er die Bühne nicht wieder, doch versuchte er 1845 in Elberfeld das dortige Theater als Tirector für eigene Rechnung zu leiten, was ihm indessen nicht sonderlich glückte, worauf er ganz nach Köln übersiedelte und zuerst als Oberregisseur des Stadttheaters, dann als öffentlicher Rhetor und als Lehrer der rheinischen Musikschule, insonders aber auch als der eigentliche Sprecher des Kölner Männergesanzvereins auf dessen kleinen und großen Sängcrfahrten er sich eben so nützlich als beliebt machte. Im Jahre 1854 ward er nach Frankfurt a. M. berufen, um das dortige Theater zu leiten, stieß aber von vornherein auf eine so herbe Opposition, daß ihm wenig Freude erwuchs und nach fünfjährigem Aergerniß nichts übrig blieb, als das ihm ungebührlich erschwerte Amt niederMegen. In seiner Vaterstadt Leipzig nahm er fortan dauernden Wohnsitz und vermählte sich, da er inzwischen Witwer geworden, 1860 mit der Schauspielerin Leontine Paul- mann. In den letzten Jahren wurde er wiederholt von Schlaganfällen betroffen, bis er schließlich ganz gelähmt auf das Krankenlager sank, das er jetzt mit dem Grabe vertauschen soll. Den Namen eines unserer besten Lusffpieldichters hat er sich ehrlich und gut verdient. Sind seine Dichtungen auch nicht alle gleich gut und manche sogar recht mittelmäßig ausgefallen, sie haben sämmtlich den Vorzug, daß sie original, aus dem bürgerlichen Leben deS deuffchen Volkes herausgedacht und gestaltet sind. Er hat sich dadurch bei uns nicht minder populär gemacht, wie es Kotzebue zu seiner Zeit gewesen ist. Seine Rührstücke, wie Der lange Israel, Mathilde, Der Kaufmann rc., sind freilich bereits in den Hintergmnd getreten; dafür sind
aber viele seiner Lustspiele jung geblieben, beliebt und überall gern gesehen, wie z. B. Der Weiberfeind, Eigensinn, Die Hochzeitsreise, Die Eifersüchtigen, Die Dienstboten, Der Störenfried, Ein Lustspiel, Doctor Wespe, Der Vetter, Das Gefängniß u. a. m. Deutsch - heit, wackere sittliche Gesinnung und tüchtige, nie flüchtige Charakterzeichnung sind die Grundzüge alles dessen, was Benedix gedichtet hat. Von den sonstigen Erzeugnissen seiner schriftstellerischen Thäligkeit sind „Bilder auö dem Schauspielerleben", ein 1847 erschie neuer Roman voll Frische und Lebendigkeit, und ein theoretisches Werk „über den mündlichen Vortrag" (1860) erwähnenswerth. Jüngst brachte die „Gartenlaube" einen auch von Heinrich Laube und Devrient unterzeichneten Aufruf zu einer Subskription für eine Ehrengabe, welche den seit sieben Monaten arbeitsunfähigen Dichter vor Noth schützen sollte, da ihm die Quelle der Tantieme verschlossen war und gerade seine meist aufgeführten Lustspiele ihm nichts cintrugen. Jetzt bedarf er solcher Unterstützung nicht mehr. Der Tod hat ihn abberufen aus diesem Leben.
— Ein junger Berliner Börsenspeculant war vor etwa drei Jahren einmal wieder seiner allbekannten Gewohnheit gefolgt und hatte „Pleite" gemacht, aber schon nach kurzer Frist seinen Besuch der Börse wieder aufgenommen, weil er alle feine Gläubiger bereit gefunden, ihn mit 50 Procent ihrer Forderungen herauS- zulaffen und er Mittel genug sich zurückbehalten hatte, diese Zahlungen sofort zu leisten. Etwa sechs Monate später unternahm der Jüngling eine Vergnügungsreise nach dem Rhein. Als er in einer der kleinen rheinischen Städte flanirte, sah er an einem Hause eine Firma, welche auch bei seiner letzten Pleite beseitigt war und dabei 1800 Thlr. verloren hatte. Den Kops