eine südlichere Richtung über Saarburg nach Chalons eingeschlagen, woselbst die französische Armee in den Tagen des 19. bis 21. August eintraf. War so auch die Ausstellung bei Rohrbach ein Lufthieb gewesen, immerhin gibt sie Zeugniß von der Bereitschaft der obersten Heeresführung, allen Eventualitäten gerüstet entgegenzutreten. Bei dem Vormarsche der 2. Armee (Prinz Friedrich Karl) von der Saar zur Mosel finden wir die Verwendung der Cavallerie ganz im Sinne des großen Hauptquartiers angevrdnet. Den Marschcolonnen weit voraus streiften EScadronS und Züge, welche durch ihre Gegenwart, wie die Sturmvögel das herannahende Ungeteilter, den Anmarsch größerer Heerestheile den geängstigten Franzosen verkünden. Je unerwarteter ihr Erscheinm, je plötzlicher ihr Verschwinden, je mehr wuchs die Gespensterfurcht vor den preußischen Ulanen, mit welchem Wort»,.man überhaupt die preußische Cavallerie bezeichnete. Aber die Einschüchterung der Bewohner des feindlichen Landes war die wenigst werthvolle Wirkung der vorgetriebenen Cavallerie - Abtheilungen; vi^l wichtiger waren die Nachrichten über die französische Armee, welche dadurch erlangt wurden. Indem uns daS Ge- neralstabSwerk die auf diese Weise von der Cavallerie erzielten Meldungen mitcheilt, erhalten wir das Ma- terial, aus welchem Mvltke seine strategischen Entwürfe formte. Mit großer Spannung sind wir den einzelnen Ritten unserer kühnen Cavallerie-Patrouillen gefolgt und sind fehr dankbar, daß uns daS Generalstabs werk dieses Detail nicht vorenthalten hat. DaS Merkwürdigste und von der Sorglosigkeit der Franzosen Zeugendste ist wohl, daß die preußischen Patrouillen selbst die Thore der auf dem Kriegsschauplätze liegenden Festungen offen fanden Auf dem äußersten rechten Flügel sand der Lieutenant v. Voigts-Rhetz mit einer Patrouille des Kürassier Regiments Rr. 8 (zur 1. Armee gehörig) die Thore der Festung Die- denhofen offen, nahm einen zur Besatzung gehörigen
Mobilgardisten gefangen «nb befreite einen in der Festung zurückgehaltcnen preußischen Reservisten. Der Rittmeister v. Trotha vom 2. Garde-Dragoner-Regiment stieß dicht vor Toul auf feindliche chasseurs ä cheval und warf sie nach kurzem Rettergefecht bis in die Vorstadt hinein, ohne daß von den Festung--- wällen ein Schuß auf die kecken Verfolger fiel. Da man unter diesen Umständen den Platz verlasien oder doch nur schwach besetzt hielt, so sandte der Rittmeister einen Offizier mit der Aufforderung zur lieber» gäbe in die Festung. Der Commandant beantwortete dies von einer Hand voll Reiter gestellte Ansinnen mit einem trockenen „Repassez une autre fois“ und bald fielen Schüsie aus Häusern und Gärten, so daß den Dragonern jeder Ausweg abgeschnitten schien. Sie machten sich inbeffen mit Säbel und Earabiner Luft, gewannen das Freie und zerstörten auf dem Rückwege die zur Anstauung des WaflerS in den FestungSgräben vorhandmen Schleußen. . . . Mtt wenigen Zeilen wird S. 459 di« persönliche Lage des Kaisers Napoleon gezeichnet, der am 12. August das Commando an den Marschall Bazaine übertragen hatte. „Ohne einen Sieg erfochten zu haben, konnte der Kaiser nicht nach Pari- zurückkehren. Er war deßhalb bisher bei der Armee geblieben, wo er die Garde als eine Art von Haustruppe zu feiner Verfügung behalten hatte. Bon schweren, körperlichen Leiden heimgesucht, sah der hart geprüfte Fürst, welcher schon jetzt in Frankreich nicht mehr herrschte, und beim Heere nicht mehr befahl, fein Schicksal nicht minder von den Kämpfen im Felde als von denen im Parlament abhängig. „Der Monarch, welchem der Staat mit seinen HülfSmitteln zur Verfügung steht, hat nur dann seinen richttgen Platz an der Spitze der Feldarmee, wenn er es vermag, selbst btt Führer seiner Heere zu sein unb die schwere Verantwortung für Alle«, was im Felde geschieht, selbst zu übernehmen. Treffen diese Voraussetzungen nicht zu,
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Xr« 230 JHötßurg, Dienstag, den 30. September. 1873.
Oterhessische Zeitung.
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 234 Sar., durch die Postämter 27 Sgr. lexcl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zette 1 ©ar.
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Dsuf das mit dem 1. Oktober beginnende Quartal-Abonnement der „Oberhesfischen Zeitung"
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In dem Feuilleton beginnt in dem neuen Quartal:
Der Flüchtling,
Original-Erzählung von Friedrich Friedrich.
Außerdem sind zur Aufnahme für das nächste Quartal bestimmt: Die Erbschaft de» Verbrechens von Rud olp h Müldner, Fräulein Elfe von Edmund Höfer, der FestungS Commandant von Levin Schücking.
Deutsches Reich.
Berlin, 27. Sept. Der Kaiser reist morgen Abends 11 Uhr per Extrazug über Frankfurt a. M., wo im Hotel Westendhalle daS Dejeuner eingenommen wird, nach Baden-Baden. — Der König Victor Emanuel hat dem Fürsten Reichskanzler sein Bildniß geschenkt und darunter eigenhändig die Worte geschrieben: Al Principe Bismarck Berlino il 26. Settembre 1873 affezionatissimo Cugino Vittorio Emanuele. Der Ausdruck cugino deutet auf den Besitz des An- nunciaten - Ordens hin, welcher das Recht verleiht, „Vetter des Königs" genannt zu werden; auch ist, wie die „Spen. Ztg." vernimmt, dem ältesten Sohne unseres Kronprinzen der Annunciaten-Orden verliehen und der Frau Kronprinzessin von dem Könige zur Erinnerung an die hier verbrachten Tage ein äußerst kunstvolles Halsband von antiken Cameen überreicht worden. Ferner erfährt dieselbe, daß Feldmarschall Mvltke den Annunciaten-Orden und Staatsmiinfter Delbrück das Großkreuz des St. Mauritius- und Lazarus-Ordens empfangen haben. — Fürst Bismarck ist heute Nachmittag 1 Uhr nach Varzin abgereift. — — Der „Staatsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des Geh. Oberregierungsrathes Jacobi zum ersten vortragenden Rath im Staatsministerium mit dem Range eines Raths erster Klasse. — Die bekannte
Der -entsch-fttmzi-fche Krieg tzo« 1870—71.
So eben ist das vierte Heft des großen General stabswerkes „der deutsch-französische Krieg 1870—71" (Berlin bei Mittler und Sohn) ausgegeben worden Es schildert 1) den Vormarsch der deutschen Armeen bis Metz; 2) die Schlacht vom 14. August, welche, nach der Frontlinie der preußischen Armee, nunmehr definitiv den Namen der Schlacht von Colombay Nouilly erhält. — Einer Besprechung des Heftes im „Militär - Wochenblatt" entnehmen wir Folgendes: Aus dem vorigen Heft haben wir erfahren, daß die 3. Armee bereits am Tage nach der Schlacht von Wörth die Fühlung mit der geschlagenen Armee des Marschalls Mac Mahon verloren hatte und der Raum zwischen Verfolger und Verfolgten sich immer mehr erweiterte; jetzt wird uns mitgecheilt, daß man im großen Hauptquartier, irregeleitet durch die ein gegangenen Meldungen um so mehr zu der Annahme veranlaßt wurde, Mac Mahon würde sich über Bitsch nach Metz zurückziehen, als diese Richtung als eine naturgemäße erscheinen mußte, weil hierdurch eine Bereinigung mit der kaiserlichen Armee erzielt werden konnte. In dieser Voraussetzung traf man alle Vorbereitungen, dem geschlagenen Heere den Rückzug zu verlegen und am 8. August stand bei Rohrbach (s. w. Kitsch) daS 4. Armeecorps, welchem die Brigade Bredow der 5. Cavallerie-Division zugetheilt war, in Schlachtordnung bereit, den Marschall zu empfangen. Als Reserve stand die Garde-Cavallerie und eine Garde-Division bei Gr.-Redersching hinter dem 4. Aimeecorps. Schlug Mac Mahon wirklich die der- vuiihetc Richtung ein, so konnte er einer neuen und vollständigen Niederlage nicht entgehen. Aber die von Wörth erwartete feindliche Armee erschien nicht. Die ausgesandten Cavallerie Abtheilungen stießen vielmehr ftatt auf den Feind, auf Truppentheile der 3. Armee. Der Rückzug Mac MahonS von Wörth und des 5. Corps unter General be Failly von Bitsch aus hatte
Schriftstellerin Louise Mühlbach ist gestern Mittag hier gestorben.
— Mit Nächstem wird eine Petition der Lehrer saft aller Städte der preußischen Monarchie an den Staats- und den Unterrichts Minister abgehen, durch welche eine dauernde Besserstellung der Petenten erstrebt werden soll. Es werden in dem Schriftstücke die Städte hinsichtlich der gewünschten Gehaltssätze mit Zugrundelegung der Einwohnerzahl in 6 Gruppen eingekeilt, so daß die Städte mit weniger als 10,000 Einwohnern die sechste, die von 10- bis 25,000 die fünfte, die von 25- bis 50,000 die Vierte, die von 50- bis 100,000 die dritte, die von 100- bis 200,000 die zweite unb bie über 200,000 die erste Gruppe bilden. Für die einzelnen Classeu sind folgende Normal-, Mindest- und Höchst-Gehaltsätze notirt: Classe sechs 500-300—700 Thlr., Classe fünf 575-330 bis 800 Thlr., Classe vier 650—350—900 Thlr., Classe drei 700 — 370- 1000 Thlr., Classe zwei 750-400-1100 Thlr., Classe eins 800-400—1200 Thlr. Das Aufsteigen vom Minimal- zum Maximal- Gehalt erfolgt nach dem Dienstalter von drei zu drei Jahren. Zn den angeführten Sätzen tritt entweder freie Dienstwohnung ober eine ben Serviszuschüssen der Subaltern - Beamten bes Staates entsprechende Mieths Entschädigung hinzu. Für bie Hauptlehrer ist außerdem je nach Claffenzahl unb Arbeitslast eine Remuneration von 100 bis 400 Thlr. angesetzt. Die Pensionirung ber Lehrer, sowie die Versorgung der Lehrer-Witwen erfolgt nach den für Staatsdiener gelten den Normen. Die verlangte Gehalts-Ausbesserung ist durch die Entwerthung des Geldes und die Steigerung der Preise der Lebensbedürfnisse motivirt. Der Lehrerstand soll in den Kreis - Schul - Commissionen, Deputationen ober Schul - Vorständen durch stimm berechtigte Mitglieder vertreten fein, welche letztere aus sämmtlichen Lehrern des Kreises ober der Gemeinde gewählt werden.
Königsberg i. Pr., 27. Sept. Hierselbst ist ein Altkatholik gestorben Und Propst Dinder verweigert wiederum, daß derselbe in geweihter Erde bestattet
werde. Die „Königsberger Hartung'sche Ztg." vernimmt, daß das Polizeipräsidium beschlossen habe, das Begräbniß in geweihter Erde eventuell zwangsweffe durchzuführen.
Eydtkuhnen, 28. Sept. Der gestern Abend 10 Uhr hier eingelaufene Lokalzug stieß mit dem Rangirzug der Ostbahn zusammen. Der Führer des Personenzuges, ein anderer Lokomotivführer und ein Schaffner sind an den erhaltenen Verletzungen gestorben. Von den Paffagieren wurden mehrere verletzt.
Halle, 25. Sept. Die durch unser Programm vom 26. August zum 7. October einberufene freie kirchliche Versammlung ist dringender Gründe wegen auf Montag und Dienstag den 20. und 21. October Verlegt worden. Die Tagesordnung ist folgende: Montag den 20. October, Abends 6 Uhr, Gottesdienst in der St. Ulrichskirche, Superintendent Jahr in Artern. Hierauf um 8 Uhr Vorversammlung im Saale des Schützenhauses. Begrüßung; Wahl des Vorstandes. Dienstag, sorgens 9 Uhr, im Saale der Volksschule Eröffnung der Versammlung durch Gesang, Schristverlesung und Gebet. 1) lieber die kirchliche Lage und die uns durch dieselbe gestellten Aufgaben. Referent Propst Dr. Herbst, Rector ber Landesschule zu Pforta. 2) Unsere Stellung zur neuen Kirchenverfassung. Referent Consistorialrath Dr. sKöstlin in Halle. 3) Berathung über bie zweckmäßige Vorbereitung der Gemeinbekirchenrathswahlen, eingeleitet burch Pastor Dr. Eiselen in Eikenbors, Dryander, Eiselen, Herbst, Jacobi, Kößlin, Leuschner, Nasemann, Riehm, Rothe, Schlottmann, Unger, Urtel, v. Voß.
Straßburg, 26. Septbr. Heute Vormittag fand in Anwesenheit des commanbirenben General» von Fransecky, des Gouverneurs, sowie der gesammten Generalität und der höheren Offiziere auf dem Fort Mvltke (früher Nr. 2 Reichste«) das erste FestungS- manöver mit Besetzung des Forts statt. Gerade vor einem Jahre wurde der Grundstein zu diesem Fort gelegt und am Jahrestage dieser Grundsteinlegung, welcher dem Jahrestage ber Capitulation von Straßburg voranging, sollte das erste Mal mit Geschütz