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wird mehr und mehr die Kanzleisprache der regierenden Kreise. In militärischen Kreisen ist man eifrig mit den Befestigungsplänen und der Landeseintheilung in 18 Militärregionen beschäftigt Außer den neuen Forts vor Paris sollen gegen Deutschland vier starke Plätze mit verschanzten Lagern geschaffen werden, da mit Frankreichs HauS wieder „Thür und Fenster" gewinne.

Während Italiens politischer Himmel augenblicklich im hellen Sonnenlichte strahlt, steht Spanien in trübem Zwielichte. Ein neuer Strahl der Hoffnung ist seit einigen, Tagen zu Madrid aufgegangen, wo die gesetzgebende Versammlung sich vertagt und Herrn Castelar als dictatorischem Retter Spaniens freie Hand gelaffen hat. Die Nachrichten vom Kriegsschauplätze im Norden sprechen von Scharmützeln im Tolosa, die zu keiner Entscheidung geführt haben, und von Ge­fechten, die General Loma bei San Sebastian be­standen hat. Die Insurgenten von Cartagena haben einen Ausfall gemacht, der an ihrer absoluten Feigheit gescheitert ist. Die in ihre Hände gefallenen Kriegsschiffe bedrohen Alicante, doch haben sich die fremden Con- suln ins Mittel gelegt und einen Aufschub des Bom­bardements von 3 Tagen erwirkt.

Das englische Ministerium hat bei der Wahl in Dover eine empfindliche Niederlage erlitten, indem der konservative Candidat Barnett mit großer Majo­rität über den vom Ministerium empfohlenen liberalen Candidaten ForbeS siegte. Der Antrag an den Sprecher des Parlaments, eine Neuwahl für Herrn Gladstone auszuschreiben, weil dieser Schatzkanzler geworden, ist abgclehnt, da der Sprecher sich dazu nach dem Gesetze für nicht befugt erklärt. Die kon­servative Partei hat durch den Tod des Earl of Hard- wicke einen ihrer getreuen Anhänger im Oberhause verloren. Für den Krieg an der Goldküste werden die umfaffendsten Vorkehrungen getroffen.

/ Das niederländische Ministerium hat den Kammern erklärt, daß es auf den wiederholten Wunsch des Königs und nach den vergeblichen Versuchen, ein neues Ministerium zu bilden, im Amte bleiben werde.

Der König und die Königin der Belgier sind mit den königlichen Kindern nach Biarritz abgereist, wo sie einen dreiwöchentlichen Aufenthalt nehmen wollen.

Das -dänische Königspaar ist von Deutschland nach Kopenhagen zurückgekehrt. Aus der Verlobung der Prinzessin Thyra ist in Rumpenheim nichts gc worden, der englische Prinz Arthur hat einen Besuch, wie mau meinte, dort gar nicht gemacht.

Die russischen Nachrichten dieser Woche be­treffen zumeist Centralasten. Der Gesandte des Be Herrschers' von Kaschgar (Dsttishar) hat am 12. d. Petersburg verlassen und sich auf die Heimreise be­geben. Ein Handelsvertrag zwischen Rußland und Kaschgar liegt bereit- im Entwürfe vor. Nachdem es früher, gleich nach der Einnahme von Khiwa, ge­heißen, Rußland werde kein Land annectiren, sondern das Gebiet am rechten. Ufer deS Amu Darja dem Emir von Buchara. überweisen, meldet jetzt die amt­liche turkestanische Zeitung, die russische Grenze werde

nun bis an den genannten Fluß, und zwar bis zu den Schluchten von Monschalki vorgeschoben werden.

Im türkischen Ministerium dauert der Personen­wechsel fort. Jetzt ist Midhat Pascha ausgetreten und an seiner Statt Kurschid Pascha Justizminister geworden. Der englische Prinz Alfred, Herzog von Edinburg, ist auf der Reise zu seiner Braut nach der Krim am 22. d. in Konstantinopel eingetroffen.

Der Sultan von Marok.ko, Sidi Mohammed, ist, 70 Jahre alt, gestorben.

Der Schah von Persien ist am 22. d. in Teheran wieder eingetroffen; er verkündete, der Zweck seiner europäischen Reise sei gewesen, daheim ein besseres Regierungssystem einzuführen; den bei ihm angeschwärzten Großvezir nahm er in Schutz und wurde von seinem ergebenen Volke mit Jubel und Beifall empfangen.

^Deutsches Reich

Berlin, 26. Sept. Der vor Kurzem unter dem Vorsitz des Ministers für die landwirthschaftlichen Angelegenheiten stattgehabien Confercnz von Ministerial- beamten zur Erwägung der Maßregeln, um dem Mangel an ländlichen Arbeitern abzuhelfen, soll namentlich die Frage über die Auswanderung länd­licher Arbeiter erörtert worden sein und ob die Auswanderung zunächst durch polizeiliche Maßregeln eingeschränkt oder durch sonstige äußere Mittel er­schwert werden könne. Die erste Spezialfrage hierüber bezog sich auf die Einleitung einer Rückwanderung ländlicher Arbeiter aus Amerika, und zwar, ob davon ein Erfolg überhaupt zu erwarten ist, eventuell ob zur Vorbereitung dieser Maßregel Ermittelungen über die Lage der von hier auSgewanderten ländlichen Arbeiter in Amerika angestellt werden sollen und aus welchem Wege dies zu geschehen habe. Die zweite Spezialsrage bezog sich auf die Besteuerung der Aus Wanderer und ob die Wiedereinführung einer solchen solchen Steuer gegenüber den wirthschaftlichen Grund­sätzen der neueren Gesetzgebung überhaupt möglich und zu empfehlen sei. Die dritte Spezialsrage bezog sich auf die Einschränkungen des Konzcssionswsens der Auswanderungsunternehmer und Agenten und zwar darauf: ob es rathsam das ganze Konzessions wesen zu beseitigen und an seine Stelle Staatsagen­turen zu setzen; ob sonstiger Anlaß vorhanden sei, die betreffende Gesetzgebung einer Revision zu unter­ziehen, ob die Zahl der Auswanderungs Agenten mehr wie bisher zu beschränken, ihre Haftbarkeit namentlich in Bezug auf die Beförderung Militairpflichtiger zu erweitern und die Aufsichtsführung zu verschärfen sei, und ob endlich ein Bedürfniß vorhanden sei, die Straf­bestimmung in § 144 des deutschen Strafgesetzbuches zu verschärfen. Die vierte Spezialfrage betraf die Forderung von Nachweisen rc. als Bedingung der Aus­wanderung, z. B. Nachweis darüber, daß er seine Verpflichtungen gegen den Staat, die Familie oder dritte Personen erfüllt habe; ob zum Schutz gegen die Verletzung solcher Pflichten Maßregeln zu ergreifen wären, welche den Auswanderungslustigen zur vor­gängigen Anzeige über den Zeitpunkt der beabsichtigten

Schnell nahe blickt er auf zum Schloße, Wie zu des PoleS festem Stern.

Und eilt er rasch nach Nord von hinnen, Sieht er, wie jede Seite blinkt, Bis mit den Bogenfenstern, Zinnen, Die Front des Rittersaals versinkt.

Ich kann an dir vorbei nicht eilen, Ja dich ersteig' ich Tag für Tag. -;- O welche Lust, hier zu verweilen, ^ " j* Wo tausend Bilder werden wach l

Hier wird der Geist emporgehoben, Der Sorge und dem Gram entrückt, ■» ES weht ein Lebenshauch von oben, Der Alle« scheucht, was sonst mich drückt. Und hör ich hier znsammenklingm Die Glocken St. Elisabeth, Dann kann ich leichter auf mich schwingen In stillem herzlichem Gebet. Erschließe mir daö Thor, die Thüren, Kapelle und den RittersaÄ, Ich lasse auf den Thurm mich führen Und schaue weit auf Berg und Thal. Wer wird hier nicht an Luther denken, Den Mann, in seinem Glauben fest, Der nimmer ließ sich seitwärts lenken, Schrieb auf die Tafel Eßt ja Est. Der Fürst, der Hcffen umgcschaffen, Der hier die Leuchte aufgestellt, Im Muthe groß und groß in Waffen, Sah hier zuerst das Licht der Welt. Doch wenn in einem Trauerkleide Sein Sohn heraufsteigt, Ludewig,

Daß klagend er sein Schloß umschreite, Wenn alle Sterne bergen sich.

Wenn Euer Ohr ihn höret stöhnen, Daß eine solche Wandlung kam, Daß von deS Stammes edlen Söhnen Nun keiner seinen Sitz hier nahm, Dann haltet mit ihm Zwiegespräche, Ihr droben, sprechet so ihm zu: ,ii;

Verborgen sind des Herren Wege, Das Grab gibt allen Sorgen Ruh. —r.

Deutsch. M

Als bei Ausbruch des letzten Krieges die Deut­schen sich als ein einiges Volk fühlen lernten, ent­stand hier und da im Reiche das Verlangen nach einer Säuberung unserer guten Sprache von fremden, namentlich französischen Bestandtheilen. Leider hat der Sinn hierfür nicht lange bestanden. Vorzüglich im Geschäfts- und Handelsleben tauchen heute wieder eine ganze Menge französischer Wörter und Kunst- auSdrücke auf, die uns ein trauriges Armuthszeugniß ausstellen. Wir redm nicht von solchen Fremdwörtern, die im Laufe der Jahrhunderte in unserer Sprache das Bürgerrecht erhalten haben, wozu Wörter wie Natur, Fenster, Meister, Arzt, Pflanze, Kanzel, Schule und viele andere gehören. Auch diejenigen Wörter müffen wir beibehalten, die mit deutschen Ausdrücken nicht leicht ersetzt werden können, so Pietät, Jntereffe, Literatur, Talent, Punkt, Prosa u. dergl. ;

Lesen wir aber heute in den Zeitungen und Tages­blättern Zeug, wie Logis, Abschiedsbenefiz, Entree, Tableau, Briquets, Closet, Branche, Lavement, echte Jrish-Poplins, Costümstoffe, Long - Chüles - broches, schwarzseidene Schürzen von Lyoner Faille confeclion-

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Auswanderung bei der Polizeibehörde seines Wohnorts jung d verpflichtete. Die fünfte Spezialfrage betraf die Con- Wnisb

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trolbehörden in den Hafenplätzen. Sie bezog sich auf die Einrichtungen, welche gegenwärtig bestehen, um das Auswanderungswesen in den Hafenplätzen staatlich zu überwachen, und ob ein Bedürfniß vorliege, diese Einrichtungen im Interesse des Rechtsschutzes zu er. weitern. — Die zweite Hauptgruppe der vorgelegten Fragen bezog sich auf das Rechtsverhältniß zwischen dem ländlichen Arbeitgeber und dem Arbeiter und auf den Schutz des Arbeitsvertrags gegen widerrechtliche Verletzung. — Die dritte Hauptgruppe der Fragen betraf die Mittel, welche angewendet werden können, um die Lage und Lebensstellung der ländlichen Ar­beiter zu verbessern. — Die vierte Hauptgruppe der Fragen galt der Entgegenwirkung des Umsichgreifens der socialen Bewegung unter den ländlichen Arbeitern. — Die fünfte Hauptgruppe endlich betraf die Be­sprechung: ob ausreichende Veranlaffung vorliege der Arbeiternoth auf dem Lande in diesem Jahre durch außerordentliche vorübergehende Maßregeln, etwa durch Einstellung gewisser öffentlicher Bauten oder durch möglichst frühzeitige Beurlaubung der dienst- thuenden militärischen Mannschaften zur Hülfe zu kommen.

— 26. Sept. Der König von Italien tritt heute Abend 10 Uhr vom Görlitzer Bahnhofe die Rückreise nach Italien an; ein Aufenthalt findet während der­selben nirgends statt. Die zum Ehrendienst beorderten Militärs und der italienische Gesandte, Graf Launay, begletten ihn bis zur Grenze. Heute Vormittag fuhr der König mit dem Kaiser, den er aus dem Palais abholte, zur Truppenbesichtigung nach Moabit. Nach­mittags 5 Uhr ist Diner bei dem Grasen Launay, woran der König, der Kaiser, sämmtliche Prinzen, Fürst Bismarck, die Minister Delbrück und Eulen­burg, im ganzen 36 Geladene, theilnehmen., Fürst Bismarck hatte gestern Nachmittag im Schlosse eine längere Unterredung mit dem italienischen Minister. — Der Feldmarschall von Manteuffel hatte gestern Abend im Hotel des Fürsten Reichskanzlers mit dem­selben eine Confercnz, welche von 10 Uhr bis 1 Uhr Nachts gedauert haben soll. Die Berichterstattung über die Verhältlkisse deS Landes, in dessen occupirten Provinzen Herr von Manteuffel so lange den militä­rischen Oberbefehl führte, möchten wohl die Dauer dieser Unterredung hinreichend erklären.

Dresden, 24. Sept. Die „Dresd. Presse" briugt einen Leitartikel, welcher sich mit der in letzter Zeit von den amerikanischen Blättern besprochenen Angelegenheit beschäftigt, daß der Staatssecretair der Union, Mr. Fish, eß neuerdings vermeide, deutsche Amerikaner für die Consulatstellen in Deutschland Un Vorschlag zu bringen, und daß der Staatssekretär selbst als Grund angebe, Fürst Bismarck habe ihm zu verstehen gegeben, er sehe eS nicht gern, wenn aus­gewanderte und in den Vereinigten Staaten adoptirte Deutsche, zumal solche, die sich bei der Revolution im Jahre 1848 bethciligt hätten, für Consulatsposten und sonstige diplomatische Aemter in Deutschland er­nannt würden. Die „Dreso. Presse" fordert Erklä-

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mehr hören, sondern in ihrer Affenliebe des Franzö­sischen reden sie von einem Lavement, d. i. Waschung, als wenn der verdammte Nasenlaut dem Ohre wohl­gefälliger klänge! Da liest man heutzutage an den Häusern Restaurant; in Oberdeutschland findet man dafür noch Wirthschaft, und selbst in Straßburg trägt noch manche Kneipe den Namen Bierwirthschaft. — Neben dem Restaurateur aber wohnt ein Coiffeur, dann folgt ein Tailleur, dann ein Hoftraiteur, dann ein Hotel, das nächste Schild trägt die Aufschrift Briquets en gros et en detail, das nächste Damen- Garderobenmagazin, weiter ein CommisstonS- und Speditionsbureau, ein Manufakturwaarenlager, ein Confectionsladen, ein Tapisseriegeschäft, ein Hotel garni — die Straße hat ein Ende. — Im Hotel erbittet sich der Tourist seine Nota und findet darauf Logis, Diner, Souper, Bougie, Service, Portier, pour aquit! Und daß auf einer deutschen Rechnung! — Der Com-

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nirt, Preiscourant, General-Depot, raffinirte Leder- schmiere, Dampfer-Compagnie, reell, frequeittiren, com- fortable u. s. w., so möchten Einem fast die Augen übergehen, und man dürfte mit Philipp Zesen (1656) ausrufen, „daß man unsere edle Muttersprache eher bet ’s für ein Kauderwelsch, und ein Hackgemack, als für eine so heldenmäßige Sprachenkaiserin und Haupt­sprache" anzusehen hätte. Und nicht genug, daß man bei seit grauen Jahren gebrauchten Wörter griechischer Abstammung, wie bei Klystier, d. i. Benetzung, stehen bleibt; nein, zartnervige Ohren wollen daß Wort nicht

miß sagt merci für eine Offerte und die Ordre seines Chefs effektuirt er in Caffa. Und fetzt sich ein kor­pulenter Rentier in der Tabagie auf den Cylinder eines Zeitungsreporters, so ruft er: excusezI

(Schluß folgt.)

abwes u>ar, Derr Hava brutfc