Mr. 227 Nlarkurg, Freitag, den 26. September. 1873.
! Oderhessische Zeitmz.
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stsn dcm Feuilleton beginnt in dem neuen Quartal:
Der Flüchtling,
Original-Erzählung von Friedrich Friedrich.
Außerdem sind zur Aufnahme für das nächste Quartal bestimmt: Die Erbschaft des Verbrechens von Rudolph Müldner, Fräulein Ase von Edmund Höfer, der Festnngs Kommandant von L c v i n S ch ü ck i n g. _______
Deutsches Reich.
Nerlin, 24. Sept, liebet den Besuch des Kö> nigs von Italien, schreibt die „Prov.-Corr.": König Victor Emanuel weilt als Gast an dem Hofe des deutschen Kaisers; der Empfang aber, der ihm bei uns bereitet worden, wird ihn empfinden lassen, daß er zugleich der willkommene Gast unseres Volkes ist und daß die Beweggründe, Gedanken und Ziele, welche ihn gerade jetzt nach Deutschland führen, im deutschen Volke ebenso wie auf Seiten unserer Regierung voll' kommen gewürdigt werden. Wie bei der Dreikaiserzusammenkunft im vorigen Jahre die bloße Thatfache der fürstlichen Vereinigung überall als ein Ereigniß von mächtiger Bedeutung und unmittelbarer Wirkung erkannt wurde, so ist 'e« nicht minder bei dem jetzigen Besuche Victor Emanuels am österreichischen Kaiser- Hofe und bei unserem Kaiser der Fall. Die vierte Septemberwoche des Jahres 1873 schließt sich in ihrer Bedeutung für die Entwickelung der europäischen Politik vollkommen an die zweite Septemberwoche des vorigen Jahres an. Der stillschweigende, aber durchaus verständliche und überall verstandene Friedens bund der drei Kaiser, der seit dem vorigen Jahre irn- mer neue Bestätigung und innigere Befestigung ge-- funden hat, übt seine Wirkung sichtlich auch auf die anderen großen Staaten, und der König von Italien hat es für seine fürstliche Aufgabe im Jnterefie feines Volkes, wie der allgemeinen Politik erachtet, jenem
Ei« Scharfrichter in Nöthen.
Kulturhistorische Skizze von August Becker.
(Fortsetzung.)
Wie die Nürnberger, so hängten unter andeen auch dir Straßburger Keinen, ehe sie ihn denn hatten, aber sie sorgten sehr eifrig dafür, daß sie ihn kriegen. Jedes Jahr fast fuhren die Straßburger ein- oder Mehrmal mit dcm vor dem Münster aufgeworfenen Stadlbanner aus den Thoren der gewaltigen Reichsstadt, um über den Rhein in den Schwarzwald, oder öfter noch gegen Abend in die Vogesen zu ziehen und die Felsennester der adligen Räuber daselbst zu brechen.
dürfte von den Hunderten von zerbrochenen Schlös- ftrn auf den Sandsteingraten des alten Wasgenwaldcs kaum eines sein, das nicht einmal den Zorn der Straßburger Bürger durch gänzliche oder theilweise Zerstörung büßte.
Run wmde im Jahre 1467 vom Schloß Stein »M am meisten Schaden gethan. Noch heute stehen feint Ruinen gleich so vielen andern in de» Vogesen hoher senkrechter Felssäule, wie mrt benselben ver wachsen. Das in unserer Kulturgeschichte nicht völlig »«bekannte Steinthal, eines der rauhesten in den Vo-1 iffen, die hinterste Abzweigung des Breuchthales, roeb he« das Gebirge durchbricht und in zwei Hälften scheidet, — diese« Steinthal also trägt seinen Namen »vn dem Schlosse Stein, das heute französich La Roche genannt wird. Zu Rathau, unter einer jetzt schon KMz verwälschten Bevölkerung, hielt sich in den neun» i'fiet Jahren längere Zeit Friederike, die Pfarrer« iachter von Sesenheim auf, indem sie mit einer jün Sieten Schwester die Kinder lehrte und einen Kram hielt, ohne darüber ihrer Jugendliebe, des großen Goethe, zu vergessen. Zu Waldersbach in demselben Thale weilte auch 20 Jahre früher bei dem im Elsaß
genannten liebenswürdigen Pfarrer Fritz Oberlin, Goethes Jugendgenosie, das verrückte Genie Lenz und
großen und mächtigen Bunde, für die Ruhe und den Frie en Europas offen und entschieden beizutreten. Wenn es für das neue deutsche Reich eine besondere Gmugthuung war, daß die ernste und entschlossene Friedenspolitik, welche der deutsche Kaiser vom ersten Augenblick auf das Reichsbanner geschrieben hatte, der Grundstein wurde, auf welchem eine neue feste Gemeinschaft auch zwischen Rußland und Oesterreich erstand, so darf es uns jetzt zu gleicher Befriedigung gereichen, daß das Vertrauen zu dem Ernst und der Kraft jener gemeinsamen Politik, welches den König Victor Emanuel nach Deutschland führt, zugleich ein neues und festes Band zwischen Italien und Oesterreich geknüpft hat. Die Politik deö deutschen Reichs erhält eine neue Weihe durch die immer innigere Vereinigung der großen Staaten Europas zur Wahrung und Befestigung des Friedens auf den neugeschaffenen Grundlagen. Je größer und beruhigender die Bedeutung dieser vertrauensvollen Uebereinstimmung der Regierungen ist, desto weniger braucht man nach besonderen, unmittelbaren politischen Zwecken der fürstlichen Zusammenkunft zu forschen. Man darf in dieser Beziehung freilich jetzt, wie im vorigen Jahre gewiß sein, daß die beiden mächtigen Monarchen und ihre bedeutenden Staatsmänner nicht Tage lang in engerem Verkehr sein werden, ohne daß ihre grundsätzliche Uebereinstimmung über die allgemeinen Ziele der Politik sich auch in der vertraulichen Besprechung der thatsächlichen Aufgaben der Gegenwart und einer etwaigen künftigen Gefährdung des Friedens bethätigen sollte: aber es darf auch jetzt hinzugefügt werden, daß zu bestimmtere» diplomatischen Vereinbarungen ein Anlaß nur vorliegen würde, wenn von irgend einer Seite der Friede bereits thatsächlich bedroht erschiene. Dies ist zunächst glücklicher Weise nicht der Fall, — und wenn hier und da Besorgniffe in Betreff gewisser politischer Strömungen und Entwicke lungen in anderen Staaten und der etwaigen Folgen derselben für den Frieden Europas aufgetaucht sind, so wird die Bedeutung der neuen fürstlichen Besuche in Wien und Berlin voraussichtlich überall klar erkannt und ernst genug gewürdigt werden, um die Keime neuer Beunruhigung alsbald zu ersticken. Der
Besuch deö Königs von Italien wird als eine neue Bürgschaft einer entschiedenen und wirksamen Friedenspolitik wie bei uns, so überall freudig begrüßt werden.
— 24. Sept. Der König von Italien besuchte heute Morgen das Aquarium, traf dort mit dem Kronprinzen zusammen und verweilte eine Stunde. Der Köniz und der Kronprinz fuhren darauf nach dem Rathhause, das genau besichtigt wurde. Um IOV2 Uhr erfolgte die Abfahrt nach Potsdam. Dem Könige ist ein Kavallerieregiment verliehen worden. Fürst Bismarck trifft heute Abend 6 Uhr hier ein und wirb an der morgigen Jagd und Freitag an dem Diner bei dem italienischen Gesandten theilnehmen.
Potsdam, 24. Scptbr.' Ihre Majestäten der Kaiser und der König von Italien sind nebst zahlreichem militärischem und diplomatischem Gefolge um 11 Uhr hier eingetroffen. Die Parade zu Ehren des Königs von Italien hat soeben vorn schönsten Wetter begünstigt hier stattgefunden. Se. Majestät der Kaiser war in großer Generaluniform. Die sämmtlichen anwesenden Prinzen trugen italienische Ordensbänder. Die Kronprinzessin wohnte zu Pferde in der Uniform des 2. Leib - Husarenregirnents der Parade ebenfalls bei. Die Infanterie, welche wegen der bereits geschehenen Entlassung der Reserve in zwei Gliedern aufgestellt war, beftlirte in zwei Vorbeimärschen, einmal in Zügen unb einmal in Compagnie, fronten, bie Cavallerie in Zügen unb in EscabronS. Von Berlin waren gestern bie erste reitende und die erste unb zweite Garbe - Fuß - Batterie eingetroffen, welche beim zweiten Vorbeimärsche im Trabe unb mit aufgesessenen Mannschaften befilirten. Der Kronprinz, ber Prinz Carl unb ber Prinz August von Württemberg ritten ä la suite beS 1. Garde-Regiments. An ber Parade nahmen die sämmtlichen Feldmarschälle unb als Zuschauer eine große Anzahl von Offizieren Theil. Auch bie Zöglinge ber Kriegsschule, ber Ka- bettenanstalt unb bes Militär-Weisenhauses, die Schloßgarde - Compagnie, das Marine-Detachement und der Stamm des hiesigen Landwehr-Bataillons hatten sich als Zuschauer ausgestellt. Das zahlreich versammelte Publikum empfing den Kaiser und den König von Italien mit lauten und enthusiastischen Zurufen.
trieb auS Tollheit und wirklichem Wahnsinn aber witzige Streiche, die den guten Pfarrer in Angst unb Verwirrung brachten. Lenz gab dabei vor, baß er aus Liebe zu Goethes Friederike so närrisch geworden sei.
Hoch Über jenem Thale hob sich also aus wilder Umgebung die Burg, von welcher aus besonders die Heerstraße des BreuschthaleS nach Lothringen unsicher gemacht wurde. Und dennoch gehörte Schloß Stein einem ber ebelsteii unb angesehensten Geschlechter beS Landes, den Herren von Rathsamhausen, bie selbst Bürger unb Hausgenossen zu Straßburg waren. Ein berüchtigter abeiiger Räuber, Heinz Maien, hatte Unterschlupf in bem Felsennest gefunden. Und da ber damalige deutsche Kaiser, Friedrich III., ein gar saumseliger Herr war, der mächtige Landvogt deö Elsasses, Kurfürst Friedrich ber Siegreiche von ber Pfalz, dagegen im untern Lande genug zu thun hatte, sammelte jener Heinz Maien auf dem Stein alle verzweifelten Knechte und liederlichen jungen Edelleute, die Lust zur Räuberei hatten. Denn — sagt ein Sprichwort jener Zeit — wo ber Teufel sein Panier aussteckt, ba schneit es zu von Taugenichtsen.
Nun ging unter ben Kaufherren unb Krämern ber reichen unb mächtigen Stabt Straßburg immer lautere Klage über bie Unsicherheit ber Heerstraße burch den Wasgau, unb baß aller Hanbel unb Winbel nach Lothringen unb Welschland barnieberliege. Oeffentlich bezüchtigte man den jungen Gerotnus von Rathsam Hausen, daß er die Räuber hege, unter welchen sich sogar mehrere junge Adelige aus den Geschlechtern Straßburgs selbst befinden sollten. Die Aufregung in der Stadt aber wuchs in gefährlicher Weise, als auch einige Kaufleute unb Bürger aus ber befreundeten Seestadt Lübeck, von Straßburg aus unter bem Ge leite ber Stadt durch den Vogesenpaß nach Welschland reisend, von Heinz Maien und feinen Gesellen
angehalten, beraubt und beschimpft wurden. Die Räuber waren dabei in so starker Zahl erschienen, daß sie auch ein doppelt stärkeres Geleit darnieder geworfen hätten.
Der Rath zu Straßburg durfte nunmehr nicht länger mehr zusehen und Rücksicht üben wegen des edlen Namens ber Herren von Rathsamhausen. Laut verlangten die Zünfte, baß man die Räuberstraße unb die Ehre ber Stabt vor ben eblen Freunden von Lübeck wieder herstelle. So gebot denn der Rath bem Hauptmann ber Stabtknechte, gegen bie „Schelme" auszuziehen unb sie tobt ober lebendig einzuliefern. Da der Straßburger Bischof damals mit ber Stabt in Frieben lebte, stellte er auch fein Kontingent zu ber Expedition in ben Wasgau.
Nach kurzer Zeit würben mehrere ber Räuber in ber Schenke zu Schirmeck im Breuschthal überrumpelt unb ein gewisser Junker Affe unb sein jüngerer Freund, Junker Stoffel, nach wüthender Gegenwehr gefangen genommen. Junker Affe bat für sich unb ben Freunb um gnädiges Unheil ber Herren vom Rath zu Straßburg. Jeboch wagte man nicht, Milbe walten zu lassen unb fanb auch sonst keine Veranlassung, Lauf unb Strenge beS Gesetzes zu milbern.
Da warb eine« Tages, im Jahre 1467, ba« Junkerpaar burch bie Straßen ber Stadt nach dem Rabenstein geführt. Auf dem Karren mit ihnen saß ein finsterer, rotbärtiger Mann, der unheimlich lächelnd auf die beiden Verurtheilten schaute. Hatte er sich doch erbeten, bie beiben Junker richten zu bürfen, die ihm einst schimpflich begegnet waren, unb seine Rachsucht leuchtete ihm aus ben tückischen Augen. Eine zahllose Menge Volkes folgte nach, und manche adelige Dame weinte bittere Thränen im Erkerfensterlein auf die Verurtheilten herab. Bei der Richtstätte angelangt, bestieg Einer um ben Anbern mit festem Schritt bie schreckliche Bühne. (Schluß folgt.)