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Markurg, Donnerstag, den 25. September. . ' 1873.
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»vfAMnt läalick außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezoaen 22j Sgr., durch die 81Postämter 27 Sur (erd. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für das Ausland excl- Stempel 22 Sgr. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.
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„Oberhesfische« Zeit««-"
nehmen alle Postanstalten Bestellungen ent-
«L dem Feuilleton beginnt in dem neuen Quartal:
J Der Flüchtling,
Original-Erzählung von Friedrich Friedrich.
Außerdem sind zur Ausnahme für das nächste Quartal bestimmt: Die Erbschaft des »erbrechens von Rudolph Müldner, Fraulein Else von Edmund Höfer, der FestungS Cowmandant von Lcvin S chücking.
Deutsches Keich.
»* Berlin, 22. Sept. Der König von Italien ist heute unter sympathischsten Zurufen hier einge- treffen. Eine zahlreiche Volksmenge hatte sich auf dem langen Wege vom Görlitzer Bahnhof bis zum könig. lichen Schlosse versammelt, die den Gast des Kaisers aufs Lebhafteste begrüßte. Was das zur Feier seiner Anwesenheit aufgestellte Festprogramm betrifft, so fallt es auf, daß von den drei angesetzten Opernvorstei. lungen nur eine als Galaoper bezeichnet ist. Wie man vernimmt, ist dies auf Wunsch Victor Emanuels selbst geschehen und hat weiter nichts zu besagen, ate U fürstlichen Persönlichkeiten au, den beiden an- dem Abenden nicht in der großen Mittel-, sondern in der Seitenloge Platz nehmen. — Es bestätigt sich, daß General v. Manteuffel zum Feldmarschall ernannt ist. Derselbe wird sich noch einige Tage, wahrschein dich bis zur Abreise des Königs von Italien, hier aushalten. — Vielfach wird der 12. November als Wahltermin bezeichnet. Es dürfte ein Jrrthum vor- liegen da zu Anfang November bereits die Eröffnung des Landtages in Aussicht genommen ist. Die Wahlen werben jedenfalls noch im Laufe des Octobers statt fittben. — Die „Germania" ist verwundert, daß die Regierung für eine Vertretung des Landrathes im Schieiner Kreise mit Umgehungen des Kreisdeputirten gesorgt habe. Die Regierung ist jedoch hierzu vollstan-
dig berechtigt und hat bei längerer Dauer eine Vertretung dieses stets einem ständigen Commiffar übertragen. — Die beim Reichskanzleramt einlaufenden Nachrichten über Schiffsangelegenheiten (Anordnung oder Aufhebung von Quarantänen rc.) wurden bisher den verschiedenen Handelsvorständen besonders mitge- theilt. Nach neuerer Anordnung des Handelsministers werden dieselben nur noch in dem im Handelsministerium erscheinenden Centralblatt für das deutsche Reich veröffentlicht werden. — Regierungs-Vicepräsident v. Konopazki in Potsdam soll, wie man in unterrichteten.Kreisen wissen will, zum Nachfolger des Grafen Villiers zu Coblenz designirt sein. Für ihn trete der Landdrost v. Schlotheim zu Lüneburg ein, welcher wiederum durch den Oberregierungsrath Loh- raber in Trier ersetzt werde, während Geh. Rath v. Keßler auö Arnsberg nach Trier ginge, an dessen Stelle endlich Geh. Rath Selzer ans Beuchen komme. — Die angekündigte Ernennung des Herrn v. Weg nern zum Regierungspräsidenten in Bromberg ist, wie man vernimmt, jetzt erfolgt. Den vacanten Posten in Posen wird, wie man wissen will, der Geh. Rath Steinmann vom Ministerium des Innern ausfüllen.
** Berlin, 23. Sept. Die Ankunft des Königs Victor Emanuel ist selbstverständlich heute für alle Blätter Gegenstand der Berichterstattung und Besprechung. Die clericalen Blätter und deren Führerin die Germania geben sich alle Mühe, die Bedeutung der Thatsache durch hämische Verdrehungen und Bemerkungen abzuschwächen, dir Germania wärmt in der Verlegenheit und Roth, sogar ganz vergessene Vor gange und Musterungen auf, die s. Z. von Versailles aus in Cours gesetzt worden sind. Das Jesuitenblatt vergißt dabei nur, daß die jetzige Haltung der päpst lichen Kirche, gegen jede christliche Obrigkeit, ihre Verbrüderung mit der Revolution und jedem Staats- und Landesfeind, die überzeugendste nachträgliche Rechtfertigung für die Entziehung der weltlichen Herrschaft ist; einem solchen Mißbrauch der geistlichen Gewaltmittel gegenüber, mußten die Staaten aus Nothwehr schon, auf gegenseitige gemeinsame Sicherung bedacht sMi. Alle nichtclericalen Blätter widmen dem Besuch
deS hohen Gastes in Wien und Berlin, freudig anerkennende Besprechung und erblicken in dieser Begegnung der Monarchen eine Ergänzung der Kaiserzusammenkunft im vorigen i Jahre, sowie eine neue wichtige Bürgschaft für Exhaltung des Weltfriedens.. Fürst Bismarck hat nicht rechtzeitig zum Empfang hier Eintreffen können, man erhärtet ihn stündlich. — Der Minister des Innern hat zu den drei ersten Abschnitten II. Titels der Kreisordnung eine Instruction erlassen, welche von den Gemeindevorstehern und dem Schöffenamt / sowie von Aushebung des Erbschulzen-, amts handelt. Zu derselben sind auch die Gutachten, der Regierungspräsideutezl eingeholt worden. — Zur Vereinigung des OherqhpeÜativiisgerichts mit dem Obertribunal hatte die'Regierung bereits dem vorigen Landtage einen Gesetzentwurf vorgelcgt, der aber nicht zur Berachung gekommnl ist, und wohl im nächsten Landtag zur Erledigung kommen dürfte. Der Präsident des AppellationsgexichtS in Nauenburg, hat seine, Versetzung in den Ruhestand nachgesucht, auch in Halberstadt ist das Präsidium des Appellationsgerichts zu besetze». — Die Aushebung der Lotterie, welche wieder diseutirt wird, kann nur durch Gesetz erfolgen, wie, sie auch gesetzlich cingestihrt ist.
— 23. Septbr. Der König von Italien besuchte heute Morgen den Zoologischen Garten und verweilte dort eine Stunde. Nachmntags empfängt derselbe das diplomatische Chor. Um 51/2 Uhr ist Gala-Diner, im Weißen Saale des königlichen Schlosses, woran der König von Italien mit Gefolge, die Mitglieder der königlichen Familie, die fremden Fürstlichkeiten, der italienische Gesandte, Graf Launay, der diesseitige : Gesandte in Rom, Hr. v. Keudell, die Staatsministe^ die wirklichen geheimen Räche, die Feldmarschälle Moltke, Wrangel, v. Manteuffel, sowie die Generale und Staabsoffiziere der Garnisonen Berlin, Potsdam und Spandau, im Ganzen 250 Personen, Theil nehmen.
—. Die „N. P. Z." hört, daß neuerdings der Minister für die landwirthschaftlichen Angelegenheiten, Graf KönigSmarck, feine Entlassung zu erbitten beabsichtige.
Ein Scharfrichter in Nöthen.
Kulturhistorische Skizze von August Becker.
(Fortsetzung.)
Auch sonst hofft der Aberglaube von solchen un- heiligen Reliquien Glück. Der Finger eines Gehängten schafft stets Geld , macht den Dieb unsichtbar beim Stehlen und bringt, unter Kaufwaaren gemengt, dem Krämer Segen die Fülle. Der Strick an welchen noch der Daumen des Gehängten gebunden ist, wird von den böhmischen Brauern manchmal ins Bierfaß gesteckt, wovon wohl der Wohlgeschmack und die Be liebtheit der böhmischen Biere für die Sachsen und Thüringer herrühren mag. Als in der schlesischen Hauptstadt der alte Rabenstein abgebrochen wurde, machten die Arbeiter bedeutende Geschäfte durch den handel mit den aufgefundenen Knochen. Dergleichen ist heute so gesuchte und theure Waare geworden, daß manches ehrliche Menschen oder Schöpsbeinchen als Spitzbubenknöchelchen in der zaubersüchtigen Menschheit in hohem Ansehen steht. Daß blutbespritzte Holz- splstter vom Schaffst besondern Werth haben mußten, versteht sich danach von selbst, wie Menschenblut überhaupt stets das kräftigste zauberbindende Mittel war. 8(8 die alten Götter abgesetzt waren und im chnst lichen Bewußtsein Teufels gestalt annahmen, empfingen Re keine offtcieöen Opfer mehr, dafür jedoch heimliche genug erschlichene und freiwillige. Mußte doch nunmehr jeder Vertrag mit dem Teufel durch Blutunter- fäüft beurkundet und bekräftigt werden, indem so der -Böse durch das Tröpfchen Blut gleichsam eine einst »eilige Abschlagszahlung entgegcnnahm. Und wie Überhaupt Menschenblut für jeden Verbrecherichen Zauberwahn gewonnen werden mußte, und war es durch einen Mord, — dafür weiß die Criminaljustiz schau- bererregende Belege zu liefern. Immer jedoch blieben bie profanen Reliquien Hingerichteter die, gefuchtesten Artikel in diesem Fache, dann natürlich auch die Attribute deS Scharfrichters, vor Allem deffen Richtschwert,
dem in alter und neuerer Zeit die stärkste Zauberkraft zugeschrieben wurde, wie unzählige Beispiele bekunden.
Nach Allem wäre eö verwunderlich, wenn nicht der Scharfrichter selbst als Einer gegolten hätte, der mehr könne als Brod essen. Ihm wurden noch^ außerordentlichere Kräfte zugeschrieben, als den Schäfern und dm Jüngern des Schmiegs Wieland. Er, der Nachfolger jener, die das Götteropfer schlachteten, stand natürlich im Gerüche, mit dem Teufel auf besonders gutem Fuße zu stehen. Gesellschaftlich für unehrlich gehalten bis in unsere Zeit, machte ihn auch sein fürchterliches Handwerk zum Gegenstände scheuer Furcht. Dabei blieb er aber dennoch immer der Mann, bei welchem man sich in. allen heimlichen und unheimlichen Fällen am sichersten Rath und Hilfe holte. Dieselben Leute, welche aufs Aeußerste vermieden, mit ihm öffentlich in Berührung zu kommen, scheuten sich nicht, heimlich ihre Zuflucht zu ihm zu nehmen. Es gehörte noch am Anfänge unseres Jahrhunderts eine besondere Freiheit von Vorurthelen dazu, um sich sowohl über das Eine wie das Andere hinwegzusetzen. Nicht unbekannt ist das Beispiel von jenem kleinen Dynasten der Perrückenzeit, welcher eine zufällige Berührung mit enem armen Abdecker alsbald mit einem Pistolenschuß rächte, der den un glücklichen Familienvater tobt nieberftreefte. Desto gewinnender hebt sich aus einem solchen socialen Hin tergrunbe ein Zug rein menschlicher Liebenswürbigkeit ab, wie er von dem großen Schutzherrn deutscher Poesie, dem edlen Carl August von Weimar, verzeichnet ist. Der gütige Fürst wohnte einmal der Section seines verendeten Lieblingspferdes bei und gab zum Schluffe seinem Jäger einen Laubthaler für den Scharfrichterknecht Ader der Jäger wollte nach dem herrschenden Vorurtheil den atmen Mann nicht berühren und legte ihm den Laubthaler auf den Karren. Der Herzog hatte eö gesehen und drehte sich hemm.
„Albernheit!" sagte er, indem et den Thaler nahm und dem Scharfrichterknechte hinreichte. „Da, Landsmann, ein Trinkgeld von mir!"
„Durchlaucht," sprach jetzt der Abdecker, rasch zy- greifend. „Ich hin ein sehr armer Mensch, aber ber Laubthaler wird nicht klein gemacht. Der bleibt iw,,- meiner Familie." , . L
Und man darf überzeugt fein, daß der arme Mann fein Wort gehalten hat. — An die bekannte Sqge vom Sckelm von Bergen will ich hier nur erinnern, denn derartige Beispiele sind Ausnahmen von der großen Regel, nach welcher die Scharfrichter gesellschaftlich verschütt, im Geheimen aber noch mehr in Anspruch genommen waren, als öffentlich.
So war's nicht, blos auf dem Lande, sondern auch allenthalben in den Städten. An die Person jedes Scharfrichters knüpfte sich noch am Ende des vorigen Jahrhunderts und am Beginn deö laufenden ein eigener Sagenkreis. Jeder Gau mag seinen besonderen Mann gehabt haben, auf dessen Schultern das Volk seinen Ueberfluß an abenteuerlicher Phantasie lud. Es fehlt denn auch nicht an solchen, deren Gedächtniß fort- bauert, der historischen Scharfrichter der französischen Revolution, des finstern Samfon nnd jener beiden Verlarvten, von welchen Karl von England auf dem Schaffst gerichtet wurde, gar nicht zu gedenken. Besonders hat der traurige Beschluß des Bauernkrieges, der den Henkern so überaus viel Arbeit lieferte, dann der dreißigjährige Krieg und die furchtbare Zeit der Hexenbrände, gar manchem Scharfrichter chronikalische Erwähnung verschafft. Wir könnten mindestens ein Dutzend erwähnen, deren finstere Persönlichkeit aus dem Dunkel jener Zeit auftauchte. Vielleicht am rühmlichsten und in wahrhaft tragischer Furchtbarkeit, der sich unser Mitgefühl unwillkürlich und mächtig beigesellt, tritt der Scharfrichter von Goslar hervor, der in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit einer Rotte Verzweifelter in den Werragrund zurück-