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Mr. 221 Jlldüöurg, Dienstag, den 23. September. 1873.

k Oberhessische Zeitung.

Erscheint täglich außer bett Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerci) bezogen 22b Sgr., durch die Postämter 27 Sgr. (excl. Bestellgebühr und inel. Steinpelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.

: ,j ; -,r, Sämmtliche Aunonceu-Büreaus nehmen Inserate an. l

Euf das mit dem 1. Oktoher beginnende Quartal-Abonnement der Obeehesftsche«

nehmen alle Postanstalten Bestellungen ent­gegen. ... : ... ..

In dem Feuilleton beginnt in dem neuen Quartal:

Der Flüchtling, st:

Original-Erzählung von Friedrich Friedrich.

Außerdem sind zur Aufnahme für .das nächste Quartal bestinimt: Die Erbschaft des Ber- brechenS von Rudolph Müldner, Fräulein Else von Edmund Höfer, der Festungs- Commandant von L c v i n S ch ü ck i II g.

DnüschrS «eich. (1 Hui.--.

Nerliu 19. Sept. Der BundeSrach'Hat be­schlossen, die in der Bekanntmachung zur Ausführung des Gesetzes, betreffend die Wechselstempelsteuer, vom 23. Juni 1871 (ReichSgcsetzblatt S. 267) unter II. ju §. 13 Nr. 2 des Gesetzes enthaltenen Vorschriften durch folgende Bestimmungen zu ersetzen: In Bezug auf die Art und Weise der Verwendung der Bundes- stempelmarken zu Wechseln und den dem Wechselstem- pel untere, orfeuen Anweismigen n. s. w. (§. 24 des Gesetzes) sind nachfolgende Vorschriften zu beobachten: 1) Die den erforderlichen Strucrbelrag darstellenden Marken sind auf der Rückseite der Urkunde, und zwar, wenn die Rückseite noch unbeschrieben ist, am oberen "Staube derselben, andernfalls unmittelbar unter dem letzten Vermerke (Indossament u. s. w.), der sich auf der Rückseite befindet, aus einer leerm Stelle derge­stalt aufzuklcben, daß oberhalb der Marke kein zur Niederschreibring eines Vermerkes (Indossamentes, Blanco-Jndossamentes u. s. w.) hinreichender Raum übrig bleibt. Der inländische Inhaber, welcher die Marke ausklebt, hat sein Indossament oder seinen sonstigen Vermerk unterhalb derselben nicdcrzuschreibcn. 2) In jeder einzelnen der aufgcklebten Marken müsien mindestens die Anfangsbuchstaben des Namens, bezw. der Firma desjenigen, der die Marke verwendet, und das Dalum der Verwendung (in arabischen Ziffern), mittelst deutlicher Schriftzeichen (Buchstaben und Zif fern) ohne jede Rasur, Durchstreichung oder Ueber-

Dik Lippsldshöhle.

Von A. Däves.

Da wo die Leine sich den engen Thälern des UnterharzcS entwindet und mit jugendlicher Sehnsucht durch die grüne Aue, von der das Städtchen Gronau den Namen trägt, der Umarmung der nicht fern ge­ahnten Schwester, der Weser, entgegeneilt, der er­blühenden Jungfrau ähnlich, noch kosend in kindischen Spielen, unbekümmert um die Zukunft, die unter den Wällen der nahen Residenz die Erzeugnisse mensch­licher Erfindung und die reichen Gaben der liebenden Naiur in ihre Schleier hüllt, um den, noch mit den Beschwerden deö reiferen Alters unbekannten, Rücken der Eilenden damit zu belasten; da wo der Wan­derer von der Terasse des am Gelände des Gebirges siegenden GartenS des Posthofes zu Brüggen die reizende Aussicht genießt auf das schöne Thal mit seinen Städtchen und Dörfern, Schlöffern und Edel- hvseu mit den üppigsten Fruchtfeldern geschmückten Stuten, und mit den theilweise noch gut unterhaltenen Ueberbleibseln alter Burgen und Klöster begrenzten Hügeln, und auf die im Hintergründe sich aufthürmende Bergkette, die sieben Brüder genannt, schlängelt sich ein Pfad durch den lichten Eichenhain, der den Fuß des Gebirges bedeckt, welches in zahllofen Ver­zweigungen das Land von den Quellen der Werra bis zu den ewigen Firnen des Brockens durchzieht. Nicht beschwerlich ist die Wanderung auf diesem Pfade, der durch das lichtere Vorholz allgemach sich in die Dunkel des Forstes verliert, der den Rücken und die kntgegengcfetzte Seite der Höhe bedeckt. Hier bietet sich ein von dem frühem sehr verschiedener Anblick dem Wanderer dar. Ein dunkles Thal liegt zu seinen Füßen; ringsum Waldung, aus der nur hin und wieder die grauen FelSzacken ihre verwitterten Häupter

fchrift niedergeschrieben sein (z. B. 7/i- 70, statt 7. Januar 1870, E. F. M. statt: Ernst Friedrich Mol­denhauer, oder N. V. B statt: Norddeutsche Vereins- bank). ES ist jedoch auch zulässig, den KassationS- vermerk ganz oder einzelne Theile deffclben (z. B. die Bezeichnung der Firma) durch schwarzen oder far­bigen Stempelabdruck herzustellen. Enthält der Kassa- tionsvermerk mehr, als nach dem Vorstehenden erfor- fderlich ist (z. B. den ausgeschriebenen Namen statt her Anfangsbuchstabeu, das Datum in Buchstaben statt in Ziffern 1 u. s. w), so ist derselbe dennoch gültig, wenn nur die vorgeschriebenen Stücke (An­fangsbuchstaben des Namens, bezw. der Firma und Datum) auf der Marke sich befinden Jede Durch­kreuzung der Marke, auch wenn sie die Schrfflzeichen nicht berührt, ist unstatthaft, ebenso die Bezeichnung der Monate September, Oktober, November und De- cember durch 7ter, 8ter, 9ter und 10ter. 3) Bei Aus­stellung des Wechsels auf einem gestempelten Blaukett kann der au dem vollen gesetzlichen Betrage der Steuer etwa nocb fehlende Theil durch vorschriftsmäßig zu verwendende Stempelmarken ergänzt werden. Stempel­marke», welche nicht in der vorgeschriebenen Weise verwendet worden sind, werden als nicht verwendet angesehen (§. 14 des Gesetzes).

20. Sept. DieSpenersche Zeitung" theilt mit, daß die landesherrliche Anerkennung Reinkens als altkatholischer Bischof erfolgt sei. Die königl. Anerkennungsurkunde werde unmittelbar nach, der Ver­eidigung demselben eingehändigt werden. Einem Beschlüsse des VerwaltuugSraths derSpen. Ztg." zufolge wird die Zeitung nur einmal täglich und zwar AbendS, vom 1. Oktober an, jedoch zu dem seitherig» Abonnements-Preis erscheinen. Wie heißt, wird das Kriegsgericht in der Werncr'fchen Angelegenheit in der zweiten Woche des Monat Oktober in Wilhelms­haven zusammentreten. Die Anwesenheit verschie­dener Botschafter während des BefucheS des Königs von Italien ist noch ungewiß, hat übrigens keines­wegs eine politische Bedeutung. Wie diePost" erfährt, ist gestern General v. Manteuffel hier ange­kommen und hat bei seiner Ankunft in seinem Zimmer das Feldmarschalls - Patent vorgefnnden. Hcrzbruch ist zum Präsidenten der Justiz - Prüfungsbehörde ernannt.

heben. Tiefe Stille herrscht in dieser Einöde, nur selten unterbrochen durch die fernen Axthiebe eines Holzhauers oder durch das eintönige Gekrächz eines Raben. Aus der Tiefe bringt es wie das Rieseln eines Bächleins, und dem spähenden Wanderer will es fast bedünken, als gewahre er durch das wogende Gewölbe der Buchen das Dach einer menschlichen Woh­nung. Unwillkührlich richtet er seine Schritte nach jener Gegend.

Er hat sich nicht getäuscht. Deutlich vernimmt er das Rauschen des flüchtigen Gewässers, vermischt mit dumpfem Stampfen und Ae bzcn von Holzwerken. Er erkennt in dem Bau eine Papiermühle, und findet in dem Eigenthümer einen gefälligen, gastlichen Wirth.

Sie wollen die Lippoldshöhle besuchen?" fonnht dieser nach den ersten Begrüßungen dem Anliegen des Eintretenden zuvor,ruhen Sie sich aus, ich weroe mittlerweile für einen Führer sorgen." ,

Während dieser sich nun zu dem kundigen Gange bereitet, fragt der Fremdling, der in der Umgegend manches Sonderbare von dieser Höhle hörte, nach der wahren Bewandlniß, und der gefällige Wirth theilt ihm mit, was auch « zufällig vernahm, ohne die Quelle angeben zu können, die seine Auskunft verbürgte.In den frühesten Zeiten des Faustrechtö," spricht er, ^bereitete sich ein mit der Acht belegter Edler ans dem alten Geschlechte der Wrisberge, Na­mens Leupold, diese Wohnung, wozu er wohl manches Jahr gebrauchte, um dem Eisen seiner Verfolger zu entgehen."

Während dem ist der Führer, ein Arbeiter des Mühlenwerks, eingetreten und lächelt, wie Jemand, der etwas beffax zu wiffcn glaubt, bei dieser Be­schreibung. -

Hamburg, 20. Sept. Newyorker Privatde- ipefchen melden: Die Fallissements find bis jetzt auf Bankhäuser beschränkt. Für den Waarenhandcl wird nichts befürchtet. Bremen und der hiesige Platz sind, .soweit bis jetzt ersichtlich, bei den amerikanischen Fal­lissements wenig ober gar nicht belheiligt.

Eisenach, 18. Septbr. Nachdem gestern der Großherzog und Großherzogin hier angelangt waren, fand heute der Einzug des Erbgroßherzogs und feiner Gemahlin gegen 2 Uhr statt. Der Festzug war recht imposant und blickte das Neuvermählte Paar recht ,freudig drein. Heute Abend ist Illumination unb Fackelzug, morgen Soiree im Schlosse, Sonnabenb Volksfest, Sonntag unb Montag Bälle unb Dienstag Soiree auf der Wartburg.

München, 18. Sept. Zwischen der Staats­regierung und dem erzbischöflichen Ordinariat in Bam­berg ist, wie demFr. I." geschrieben wird, eine Differenz entstanden. Es handelt sich um das erz- bischöfliche Knabenseminar in genannter Stadt, welches neulich durch einen Ministerialcommissär inspicirt wurde, wobei durch einen herbeigezogenen Arzt eine Reihe sa­nitätswidriger Zustände wahrgenommen würben, auf deren Abstellung nunmehr gedrungen wird. Auf Grund des Art. 5 des bairischen ConeordatS nimmt nun das Ordinariat das Recht in Anspruch, die Angelegenheiten des Seminars nach seinem eigenen Ermessen zu regeln. Das Einschreiten der Regierung steht jedoch im Ein­klang mit den Bestimmungen der zweiten Beilage zur Verfassung, wonach von kirchlichen Behörden in geist­lichen BildungSanstalten über Gegenstände, die nicht rein geistlicher Natur sind, wie die Gesundheitspolizei, ohne Mitwirkung der weltlichen Obrigkeit keine ein­seitigen Anordnungen getroffen werden dürfen. Der Redaetcur desVaterland", Herv-Sigl, hat vorgestern die wegen Bcletdigung des Fürsten Bismarck gegen ihn verhängte vierwöcheniliche Gefängnißstrafe ange­treten. Der neue Mobilisirungsplan ist im königl. Kriegsministerium nunmehr definitiv ausgearbeitet; durch denselben ist, wie derN. K " meint, eine un­gemein schnelle Schlagfertigkeit des Heeres ermöglicht. Vom KriegSministerium wurde eine provisorische Vorschrift über^den Anzug der Offiziere und Mann­schaften bei den verschiedenen Gelegenheiten in und außer Dienst erlassen.

Der Wanderer bricht auf, der Führer voran, mit einer Leiter und einer Leuchte versehen. Das Ufer des Bächleins hinan durch Buschwerk und abgestorbene Halme gehl die Fahrt, bis plötzlich eine jähe Fels­wand vor ihnen aufsteigt. Hier lehnt der Führer die Leiter an, biegt das Stranchwerk auseinander, unb es zeigt sich am Fuße der Wand eine geräumige Oeffmmg, die in ein weitläufiges Gemach führt, an desse« einer Seite eine Krippe befindlich ist, Alles aus dem Gestein des Felsblocks gemeißelt. Im Hin­tergründe dieses Gemachs, welches angenscheinlich zu einem Stalle gedient hat, erblickt der Wanderer über sich eine Röhre, ebenfalls in das Gestein gehauen, von einigen Fußen im Durchmesser, deren Ende er während des darin herrschenden Dunkels nicht ab- sehen kann.

Jetzt treten die Beiden wieder an das freundliche Tageslicht; der Fühcer"trägt die Leiter etwas seit­wärts an eine Stelle, wo in mäßiger Höhe eine zweite Oeffnung sichtbar ist; sie wird erklommen, unb ein anderes Gemach ladet.eben nicht zum Eintritt. Durch die Oeffnung erblickt der Besucher den nahen Waldgrnnd zu seinen Füßen.

Jetzt aber beginnt die mühsamste Fahrt. In einer Ecke dieses Behälters öffnet sich ein niedriger Gang; rückwärts, aus allen Vieren, die Leuchte im Munde, kriecht der Führer voraus, auf dieselbe Weise folgt sein Begleiter. Nicht sehr bald sind sie am Ziele, und nicht ohne häufige Stöße an das hervorragende Gestein. Endlich weitet sich der schmale Gang, und ein drittes Gemach mit einer klesiien Oeffnung ins Freie umfängt die sich Anfrichtenden. DaS mar LippoldS Schlafgemach, und das die Bett­stelle, die die unglückliche Emma Jahre lang mit ihren Thränen benetzte," unterbricht jetzt der Führer das