Bedenken herbeigeführten Nothstandes auf die Zeit günstigerer Gesundheits - Verhältnisse vertagt worden.
Der König von Italien traf am 17. September Nachmittags um 5 Uhr in Wien ein. Der Kaiser Franz Joseph ist bereits am 15. Abends aus Linz, die Kaiserin aus Ischl nach Schönbrunn zurückgekehrt. Die Erzbruderschaft deö h. Erzengels Michael hat einen Aufruf an die Katholiken Wiens zu einem „Sec- lenamte für die vor drei Jahren bei der Völkerrechts widrige» und gewaltsamen Einnahme Roms gefallenen päpstlichen Soldaten" in der Dominicanerkirche auf den 20. d. erlassen. Die Ausschreibung der Wahl- teemine ist bereits in 11 Provinzialgebieten erfolgt. In Pesth hat am 14. September der Ministerrath die zeitweilige Aufhebung des Getreideeinfuhrzolles und in derselben Sitzung die Ernennung Mazuranics zum BanuS von Eroatien beschlossen. Mazuranics hat nach Berathung mit seinen Parteigenossen die Annahme zugesagt und befindet fick bereits in Ofen.
Der eidgenössische Appellations- und Cassa- tionshof hat die Abberufung der sämmtlichen 69 re- nitenten Geistlichen des Jura beschlossen. Natürlich herrscht in Folge dessen augenblicklich eine nicht geringe Aufregung im Jura; aber die meisten Cantonsregie- rungen wie die Bundesregierung zweifeln nicht, daß sie die bedrohten Rechte der Staatsgewalt durch utv beirrte Festigkeit in der ganzen Schweiz siegreich ver- thcidigen werden. Am Montag hat die außerordentliche Session der Bundesversammlung begonnen, welche über die Eisenbahnconcessioncn beschließen soll.
Am 16. September Morgens um 7^2 Uhr hat Victor Emanuel von Turin aus seine bedeutungsvolle Reise nach Wien und Berlin angetreten. Weder religiöse Vorurtheilc noch persönliche Neigungen und Abneigungen waren im Stande, den König von Italien von einem Entschlüsse abzuhalten, der als die beste Verbürgung der nächsten politischen Zukunft Italiens angesehen werden muß. Der Besuch den Victor Emanuel zu Wien und Berlin macht, ist als der Ausdruck des Bewußtseins der gemeinsamen Jn- teresien Oesterreichs, Deutschlands und Italiens an- zusehen.
Die Räumung der letzten Pfänder französischen Gebiets ist erfolgt. Am Morgen des 13. September verließen die deutschen Occupationstruppen Verdun und am Morgen des 16. gingen die letzten
deutschen Krieger über die französische Grenze zurück. Das welthistorische Ereigniß ging in fester Haltung und ungestörtem Frieden von Statten. Die französischen Blätter aber beeilen sich, ihren Groll nebst den üblichen Rache-Androhungen kundzugeben. Die Räumung des Gebietes wurde stets als der Anfang vom Ende des jetzigen Interims betrachtet, und jetzt ist die Verwirrung über das, waö da kommen und werden soll, größer als jemals. Mac Mahon schweigt, wird jedoch von allen Parteien umworben, von den Republikanern als der „Mann von Wort", von den Legitimisten als der „Ritter ohne Furcht und Tadel". Bis zur Entscheidung bieten die Jesuiten und Würdenträger der Kirche Alles auf, auf großen Pilgerfahrten, die bis tief in den Oktober fortgesetzt werden sollen, wie durch fulminante Hirtenbriefe und Aufrufe in ihren Blättern die Massen für den Kreuzzug gegen Italien und zur Wiedereroberung Roms zu satanisiren. Frankreich summt wie ein Wespennest, und es fehlt nur noch eine Brodtheuerung, zu deren Abwehr die Regierung bereits Schritte gethan hat, um das nervöseste Volk Europa's zu verwegenen Schritten zu treiben.
Durch seine energischen Maßregeln hat Castelar wenigstens schon so viel bewirkt, daß im Lande Spanien das Vertrauen zu der Regierung zurückkehrt. Ohne Widerspruch haben die Cortes die Vorlagen genehmigt, welche die strenge Durchführung der Kriegsgesetze, auch die Todesstrafe nicht ausgenommen, zur Wiederherstellung der Diöciplin in der Armee erheischen und die Streitkräfte durch Einberufung der Reserven auf eine imponirende Höhe bringen sollen. Als Oberbefehlshaber der Nordarmee ist der General Moriones nach Navarra abgegangen, welcher dasselbe Commando schon unter Amadeus geführt hat. Das Bombardement von Cartagena ist eröffnet worden; im Inneren der belagerten Stadt und unter den Rädelsführern der Rebellion selber soll große Zwietracht herrschen.
Es ist den Engländern mit ihrem Kriege gegen die Aschantis nicht viel besser gegangen, als den Holländern in dem Kampfe gegen den Sultan von Atschin. Beide europäischen Mächte haben sich zu viel umfangreicher-en kriegerischen Anstrengungen bequemen müssen als sie zu Anfang ihrer Fehde mit den ihnen feindlichen Eingeborenen für nöthig hielten.
Am 15. September wurde im Haag die Session
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Sir. 223. Marburg, Sonntag, den 21. September. 1873.
Oberhessische Zeitung.
- Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 224 Sar. durch die Postämter 27 Sgr. (exel. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.
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In dem Feuilleton beginnt in dem neuen Quartal: Der Flüchtling, Original-Erzählung von Friedrich Friedrich.
Außerdem sind zur Ausnahme für das nächste Quartal bestimmt: Die Erbschaft des Verbrechens von Rudolph Müldner, Fräulein Mse von Edmund Höfer, der Festrmgs Sowmandant von L c v i n S ch ü ck i n g.
Politische Wochrn-Ueberficht.
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192.
chwkiz diese, finde».
dortigen katholischen Pfarrer mit einer patriotischen Anrede begrüßt, die im stärksten Gegensätze steht zu
baierischcn und würtembergischen Truppen, von welcher er am Sonnabend voriger Woche nach Hause zurück kehrte, wiederum Seitens der Bevölkerung überall die herzlichste Aufnahme gefunden und wurde dabei in dem würtembergischen Städtchen Laupheim von dem
ter fortgesetzten Haltung des preußischen Episcopats iS fü und seinen Klagen über „diocletianische" Verfolgung Wo' der Kirche! — Der Minister des Innern hat bereits 213t den Bezirks.Regierungen angezeigt, daß die in diesem
den großen Cavalleric-Ucbungen in Buxtehude. Der j kaiserliche Kronprinz hat bei seiner Inspektion der
Unser Kaiser ist in erfreulicher Rüstigkeit von der Besichtigung des 10. Armee-Corps zurückgekehrt und : wohnte in den letzten Tagen fast täglich den Uebungen
lttt“ des Garde-Corps bei, sowie am Schluffe der Woche
« Jahre erforderlichen Neuwahlen znm preußischen Land- kam tage in der' zweiten Hälfte des OctoberS stattfinden -ehrr «rrden. — Zu Constanz tagte im alten Concilssaale (12. bis 14. September) die Delegirten-Conferenz der Alt-Katholiken, in welcher die Grundzüge der provi- orischen altkatholischen Kirchenverfassung festgestcllt und durch den Vorsitzenden der Conferenz, Professor d- Schulte, auch über die in Aussicht stehende Anerkennung der altkatholischen Gemeinden und des alt- laut katholischen Bischofs Rcinkenö Mittheilungen gemacht 214g wurden. — Für Baiern ist durch königlichen Erlaß tie sonst des Budgets wegen drängende Eröffnung des :. J daierischen Landtages in Betreff des durch die Cholera
12*,r
Das Reisen sonst «nv jetzt.
(Schluß.)
Die altgermanischen Frauen reisten öfters zu Pferde ls zu Wagen. Schon damals saßen die Weiber feit»
* Karts auf. besonders zum Ouerreiten eingerichteten Sätteln zu Roß, während die Füße in Stegreifen (Steigbügeln) ruhten, und cs war obendrein ein Gesetz der Anstandes, daß sie dabei das Haupt nach dem 1 topf des Thieres kehrten. Vornehme Frauen hielten .1 sich außerdem noch einen Sattelknappen, der das Pferd,
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aw Ziegel führend, nebenherschritt und die Herrin, in ®ib aus dem Sattel hob. Das Reitzeug, insbeson bete der Sattel, Zaum, Brustriemen und Darmgürtel, reicher und vornehmer Herrschaften war meist mit 1 Gold, Edelsteinen und Stickereien verbrämt, nament-
k'ch hielt man gern auf ein prächtiges Satteltuch, welches bis auf die Hufe der Pferde reichte. Das gewöhnliche Reisekleid der germanischen Frauen bestand
8 einer Kappe, d. i. ein kurzes, mantelarttges Ge- *«ib, das zugleich, einer Kaputze ähnlich, über den kk«Pf geworfen, gegen die Einflüsse der Witterung ^*igen Schutz bot. Die Wagen, deren man sich im ?iierthume und namentlich Seitens der Frauen eben» auf Reisen bediente, waren allerdings so plumpe
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in. Geschirre, daß man durch das Fahren auf denselben
-22 : .u9e einige Vervollkommnung durch die Hand der ■—49 $ttltur. Die in Riemen hängenden verdeckten Wagen, -42 Weiche wir jetzt unter dem Namen Kutsche kennen, Wen indeß erst um die Mitte des fünfzehnten Jahr
—' {benfo ermüdet wurde, als durch das Gehen. Eswaren 59 Dreckige Kasten auf niedrigen Rädern, die zwar äußer- allerhand Zierrathen, im Innern aber keinen be
-54 buemen Sitz auszuweisen hatten.
Späterhin erfuhren natürlich auch diese Landfahr-
hundertS ausgekommen und eine Erfindung der Ungarn sein. (Korfkhi, Kosci bedeutet in der Sprache derselben einen Wagen aus Kocs, einem Dorfe unweit Raab, woher zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts solche Geschirre kamen). Einer andern Nachricht zu Folge fuhr jedoch bereits Isabella, die Gemahlin König Karls VI., als sie im Jahre 1405 ihren Einzug in Paris hielt, auf einem ähnlichen Wage». Unter Franz I. (1515—47) wurden die Kutschen bequemer eingerichtet. Jedoch bedienten sich ihrer damals nur Damen; daher sie auch den Namen Chariots oder Damarets (Damenwagen) erhielten Erst in späterer Zeit wurde ihr Gebrauch auch auf hohe fürstliche HerrenAund überhaupt vornehme StandeSpersonen ausgedehnt. Doch galten dieselben noch allgemein für einen so nnnöthigen Luxusartikel, daß z. B. Heinrich IV. (f 1610) für sich und feine Gemahlin nicht mehr als eine einzige Kutsche besaß. 9<cn Deutschland kamen die Kutschen um das Jahr 1555 zunächst nach Spanien und elf Jahre später nach Schweden und 1560 führten sie auch die Engländer ein.
Indeß waren cs nicht allein die mangelhaften äußeren Hilfsmittel, welche das Reisen in allen Zeiten höchst beschwerlich machten, sondern vor Allem auch die Kultiirverhältnisse des Bodens und mancherlei so ciate Zustände. „Kein europäisches Volk", — schildert ein Schriftsteller jene Periode — „fein Regent hatte noch daran gedacht, feste Landstraßen zu bauen. Vielmehr waren die Wege selbst in der Nachbarschaft von großen Städten so schlecht, daß es nicht leicht Je manben einfallen konnte, lange Reisen in bedecktem Wagen zu machen. Selbst bei einer ungleich befferen Beschaffenheit der Landstraßen würden Könige und Fürste» Bedenken getragen haben, sich gleich Weibern
bedeckter Wagen zu bedienen, da man es für einen Rittersmann schon schimpflich hielt, sein muthiges und starkes Streitroß zu verlassen. Die verdorbenen Wege der älteren Zeit waren zugleich sehr gefährlich durch zahlreiche Schaaren von Räubern, die manchmal auch der Fürsten und ihrer Gefolge nicht schonten. Viele Flüsse hatten entweder gar keine, ober so schwache und treulose Brücken, daß Reisende sehr oft gezwungen wurden, mit augenscheinlichen Lebensgefahren durch tiefe und reißende Ströme zu setzen.
Den Wegen und Brücken des Mittelalters entsprachen die Herbergen, welche man außer den Städten und festen Schlössern fand. Fremde Einfälle und innere Bedrückungen verheerten das platte Land so sehr, daß man in unbefestigten Dörfern und Flecken kaum die ersten Nothwendigkeiten deö Lebens, viel weniger sichere und bequeme Nachtlager antraf.
Alle diese Beschwerden und Gefahren, so wie die Unbequemlichkeiten der Witterung und Jahreszeiten mußten die Fürsten mit den Geringsten ihrer Gefolge iheilen. Einer der wenigen Vorzüge, welche die Herren vor ihren Dienern auf Reisen und Kriegen genoffen, bestand höchstens darin, daß sie seltener Hunger und Durst litten, weil sie sich entweder Lebensrnittel nachbringen, oder an jedem Orte das, was vorhanden war, zuerst für sich aufsuchen ließen. — Mit Recht also zählten die Hofleute die Beschwerden der Reisen zu den größten Mühseligkeiten, welche der Dienst der Fürsten ihnen auferlegte. Die Beschwerden der Reisen nahmen im sechszehnten' und siebenzehnten Jahrhunderte so wenig ab, daß sich am französischen Hofe stets ein allgemeiner Schrecke» verbreitete, so oft man vernahm, daß die Könige eine Reise in die Provinzen unternehme» wollten.