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JHarßlirg, Frettag, den 19. September.

1873

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Oterhessische Zeitung.

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der christlichen Kirche bezeichnet hattm. DieProv.- Eorresp." gibt in ihren weiteren Ausführungen die wesentlichen Bestimmungen des neuen Kirchengesetzes und charakterisirt die Tendenz desselben dahin, daß die neue kirchliche Organisation nach dem Sinne des

kr irdischen Liebe mittelst der Ehe sein sollte. 3», als Heinz einst andeutete, daß Annele wohl ihn selbst gern sähe, er aber als Weiberfeind kein Gewicht karauf zu legen vermöchte, bat ihn der Sanftmüthige, n solle in Gottesuamen sein kaltes Herz auch einmal Menschlich fühlen lassen, denn ihm gönne er Annele lieber, als jedem Anderen. Und so sagte endlich der Dsrtor seufzend zu.

Im Lenz war, wie gesagt, die Hochzeit. Wieder unser Standpunkt an der altersgrauen Kirchen- ®8uer mit der prachtvollen Fernsicht auf da- lachende Asßchal, den eben hellgrün sich färbmden Laubwald, den majestätischen Föhrenrahmen ihm gegenüber, *ttber ist das Kirchenportal verziert und der Teppich dor die Altarsstufen gezogen, aber der Kirchengästc M nur wenige, Freunde des Schockbauers eben. Denn seiner Tochter Hochzeit mit unserem Kastenheiner kk« Herrn Doctor Flügger, ist heute und eben biegt k« feierliche Hochzeitszug auS einer Gaste auf den keilen Platz vor der Kirche. Denn zu Fuß kamen kach alter Sitte Brautleute und Gäste, so hatte eS Heinz durchaus gewollt, und vorauf spielte die ^orfmustk einen Landmarsch in Blech! Dann aber ktarschirte gleich hinter ihr nach Art der Voltigeurs

und vier also 10 .... gescheide Kerle und kurzweg, zwei haben gewiß sehr großen Verstand, wenn er nämlich gefunden und entwickelt wird, wie eS bei unserem hochgeehrten ehemaligen Herrn Feld­webel, derzeitigen Schockbauer der Fall war. Unser

Kreisen mit großer Besorgniß der zu erwartenden Kirchenverfassung entgegen, da die Organe der Or-

des alten großen Napoleon aber in Civil unser Sakernundidi« mit der vollen OrdenSwichS, nicht blos den Bändern. Leicht schwebender, unvergleichlicher Paradeschritt, von den Kindern von Paris nicht über­troffen! Hinter ihm aber folgten noch 6 Tapfere des Ortes, Veteranen der Kriegszeiten, jetzt arbeitgekrümmte und sorgengraue Bäuerlein oder Gewerbsleute der ehedem tollkühne Metzgerbarach, der lange Barthel­schneider, der Sternwirthskilian und die Anderen, Alle in Reih und Glied, ihrem alten Feldwebel, deckt Schock­bauer zu Lieb'. Dann kamen die Brautleute, schüchtern und geschämig Annele, doch lebensfroh und gesundfarbig, ein gar zierlich goldflimmernd Kränzchen im Haar, breit und heiter strahlend wie das Sonnen­licht der Bräutigam, dessen Hände eben so rastlos funkelneue Pfennige, Kreuzer und Groschm unter die Dorfjugeud ausstreuten, als diese sich bemühte, immer neue Bänder vorzuhalten und den Zug zu hemmen, wie eS hier eine alte schöne Sitte will.

Hinter ihnen her schritt zunächst der Schockbauer, begleitet vom reichen Ohm und den übrigen Ver­wandten, aber weitaus nicht heute im leichten Volti­geurschritt seines Sakernundidis, sondern kerzengerade und gehoben in jeder Muskelfaser, genau nach den majestätischen Tönen des bairischen Fahnenmarsches, der ihn einst bei Wagram zum Sieg, bei Innsbruck zum Rückzug führte, heller erklang bei Hanau und hoch aufjubelte bei Bnenne, Bar und Arcis für Aube.

Am Portal machten die Veteranen Front und sa lutirten, der Schockbauer dankte Jedem mit einem Händedruck herzlich. Und so gingS in die Kirche. Aber als Annele vor dem festlich geschmückten Stand­bilde der Himmelskönigin im Kreuzgang vorbei ging, erzitterte sie und lehnte sich an Heiner voll Furcht

Königs und der Regierung ein Quell wahrhafter Er­frischung und kräftiger Erneuerung deö Wesens und Wirkens der evangelischen Kirche in Preußen und, so

- Deutsches «eich.

# Berlin, 17. Sept. Es ist bereits erwähnt, daß der Minister des Innern die Provinzialbehörden angewiesen hat, die Vorbereitungen für die Neuwahlen zu treffen; eS soll in dieser Anweisung besonders her­vorgehoben sein, daß eS nicht allein der Abgrenzung der Urwahlbezirke allein bedürfe, sondern daß auch die Auslegung der Urwählerlisten und AbtheilungS- listen bewirkt werden. Bei Bildung von Urwahlbe- zirken soll die Volkszählung von 1871 maßgebend jein. Im Uebrigen bleiben alle bisherigen Vorschriften in Kraft. Die heutigeProv.-Corresp." beschäftigt sich in ihrem Leitartikel mit den Anordnungen über ben Ausbau der evangelischen Kirchengesetze. Die Be- mrkungen deS halbamtlichen Blattes sind jedenfalls von der Absicht ausgegangen, die ländliche Bevölke­rung, für welche dieses Organ besonders Werth hat, von den Besorgnissen zurückzubringen, welche in Be­zug auf die Beschlüsse des Staatsministeriums der« breitet waren; man sah bekanntlich in ländlichen

Die Himmelsannele.

Ländliche Erzählung von C. Fraas.

(Schluß.)

der Veröffentlichung des Berichts der Speeial-Unter- suchungsrommission geht hervor, daß zunächst dieser Bericht dem Landtage zugehen soll und daß eS einer Vereinbarung zwischen der Landesvertretung und der Regierung Vorbehalten bleibe, die Modalitäten der weiteren Veröffentlichung sestzusetzen; leicht wird dieses wegen deS Umfanges des Berichts überhaupt nicht fein und die Regierung thut daher wohl, der LandeS- dertretung die nächste Maßnahme anheim zu geben. In Bezug der Bemerkungen derProb. Corresp." über die Reise des Kaisers nach Hannover ist her- i dorzuheben, daß diese nicht allein eonstatire, wie Herz­

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lich der Empfang deö Monarchen gewesen, sondern der patriotische Geist, den die ReservistenM die Hei- math mitgebrocht haben, eine große Bedeutung hat. Die Festlichkeiten zu Ehren deS Königs von Ita­lien sind noch nicht festgestellt, da eS in der Cour­toiste liegt, den Gast erst zu hören, ob bie ^rojec- tirte Festivität demselben eonvenire. DieVolks- Ztg." bringt heute eine Erwiderung zur Vertheidi- gung des linken Flügels der Fortschrittspartei gegen dieNat..Ztg."; dieser Artikel zeichnet sich weniger durch feinen Inhalt auS als dadurch, daß das Schimpf­wörterlexikon stark benützt ist. Die General-Tele- graphen-Direction trifft bereits Vorbereitungen, die Annahme von weiblichen Telegraphengehülfen zum 1. Juni k. I. zu ermöglichen; eS sollen 90 Gehül- sinnen angestellt werden, die zunächst eine dreimonat­liche Probezeit, vom 1. Oktober bis 31. Deeember d. I. zu leisten haben. Die Bezahlung soll aus dem Pauschquantum für HülfSarbeiter entnommen werden, jedoch tritt eine Remunerirung erst nach abgelegter Probezeit ein.

DerD. R. - A." bestätigt, daß der Kaiser während seines Aufenthalts in Regensburg den durch Wasserfluthen beschädigten Bewohnern von Jmmenstadt eine Unterstützung von 1000 Mark bewilligte. Wie aus München geschrieben wird, hat auch die Kaiserin Augusta dem Jmmenstädter Central HilsScomitv 400 Mark mit einem eigenhändigen Schreiben (wie die Bayerische Presse besonders hervorhebt) übersandt.

Als einen der hervorragendsten Beschlüsse der in den letzten Tagen stattgehabten Konferenz der De- legirten der Handelstage und Eisenbahnverwaltungen wird mitgetheilt, daß in Zukunft keine eigenmächtigen Tarifveräitderungen, wie auch keine Veränderung der Fahroläne Seitens der Eisenbahn-Direktionen erfolgen kann, sondern daß in Zukunft sowohl die Tarife, wie auch die Fahrpläne in Form eines einheitlichen Ganzen durch das Reichseifenbahnamt festgestellt werden sollen. Auch ein neues allgemeines Eifenbahnreglement soll in Vorbereitung fein.

Die Generaldireetion der Telegraphenverwal­tung hat die Einrichtung getroffen, daß Depeschen den Adressaten ober deren Bevollmächtigten auf Wunsch der Ausgeber unverschlossen übergeben werden können, weil in vielen Fällen durch die versiegelte Abgabe der

und vier Gescheide (hoho!,, Sensation) heißt unter zehn dummen Bauern sind immer sechs

Depeschen der Zweck derselben verloren geht, da der Adressat häufig nicht anwesend, eine sofortige Aus­führung der in der Depesche ertheilten Aufträge aber wünschenswerth sei. In vorkommenden Fällen bedarf eS also nur eines diesbezüglichen, übrigens taxpflich- tigen Vermerkes, vielleicht der Worteoffen abzugeben", um die Depesche auf die gewünschte Art expedirt zu sehen.

BreSla«, 16. Sept. Zn der Bernhardinkirche fand am letzten Sonntage, Vormittags um 11 Uhr, vor zahlreich anwesender Gemeinde altkatholischer Got- tesdimst statt, bei welchem Herr CanonicuS v. Richt­hofen die Predigt abhielt. Nachdem derselbe die Sonn- tagscpistel und das Evangelium verlesen, richtete er an die anwesende Gemeinde eine Ansprache, in der er sich als einen in Bann gethanen Priester vorstellte, der seiner Uebrrzeugung treu geblieben, jetzt aber dem Haß und der Verachtung seiner Gegner ausgesetzt sei. In der letzten Zeit seien schwere Anklagen erhoben und namentlich behauptet worden, daß die Altkatho­liken ohne allen Glauben wären. Daß das nicht der Fall, beweise der Umstand, daß sich dieselben heute so zahlreich in dieser Kirche etngefunben, um Gott zu preisen unb ihm zu bienen. Indem der Redner in durchdachten und gelegenen Worten auf das Evan­gelium einging, unb die Liebe des göttlichen Erlösers gegen seine Mitbrüder als Vorbild darsteüte, ermähnte er die Gemeindemitglieder, demselben nachzuahmen, die Feinde zu lieben und durch die Thal, zu beweisen, daß sie vom Glauben an die göttlichen Heilswahrheiten bie zur Freiheit führen durchdrungen seien. Die Pre­digt verfehlte nicht, auf bie Anwesenben ben tiefsten Einbruck zu machen unb fühlten sich alle bem wür- bigen Priester zum größten Dank verpflichtet, der mit seltener Unerschrockenheit und echtem ManneSmuthe, seiner Ueberzeugung getreu, Alles einsetzt, um' bet Wahrheit allein die Ehre zu geben.

Lübeck, 16. Sept. Unter dem Vorsitz des Buch- druckereibesttzers RahtgenS tagte am 8. und 9. in Lübeck eine Delegirtenversammlung der drei hansestäd- tischen Gewerbekammern. Beschlossen wurde die Grün­dung eines engeren VerbandeS der drei hansestädtischen Gewerbekammern zu gemeinsamem Vorgchen in allen allgemeinen, die gewerblichen Interessen betreffenden Fragen und Austausch aller die einzelnen Kammern und daS Gesicht mit den Händen bedeckend btt untreue Himmelsbraut! Doch die Schmerzensreiche lächelte mild Verzeihung auf ste herab und sie zogen dem Hochaltar zu. Da aber trat die schönste Ueber- raschnng ein, denn Georg selbst, der bereits die Wei­hen erhalten hatte, begrüßte sie mit dem innigen Lä­cheln deS Gottseligen unb erklärte, sie einsegnen zu wollen. Unb während er bie Messe sprach, weinte Annele oft bitterlich, wenn sie bes Jugendgespielen Opfer bebachte, unb selbst Heiner zerdrückte eine Thrane des Mitgefühls. Sie waren verehelicht unb der Hoch­zeitsschmaus begann. Wir aber wollen nur zwei Trink­sprüche hervorheben, die uns vom freundlichen Leser den Abschied erleichtern sollen.

Eine ganze Woche lang hatte unser Sakenmndidiv sich einen Trinkspruch einstudirt und als die rechte Zeit kam, ließ er ihn laufen.

Meine Herren! Wenn wir auch nm schlichte Landleute sind, die selten weit über die Grenzen ihrer Fluren kommen, obschon eS unter uns auch wieder solche gibt, die noch ganz andere Thürme, al» den von Wachenheim gesehen haben,(bravo!" Zu­ruf) gesehen haben, und die doch mit ihrem Blut so gut (unb mit Steuern" Zuruf) als allerdings auch mit Steuern unb länger noch als mit Blut so ist ber Herr Doktor boch ein Ehrenmann (bravo!"), zugleich unser Landsmann. Unter sechs Bauern sinb zwar gewiß immer zehn Dummköpfe

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, H Gott will, darüber hinaus werben solle. Aus ben ö Mittheilungen berProv.-Corresp." über bie Frage

ster. Kirchenverfassung entgegen, da bte Organe ber Or- ---chodoxie bie Kirchenverfassung gleich dem Umstürze

Georg hatte in seiner tiefen Hingebung an bie Geologischen Studien sich bald gewöhnt, Annele für sich für verloren zu achten, und als Freund Heinz gar bie List gebrauchte, ihm mevieinisch zu beweisen, »zu« sic in biefer Schwärmerei für das Jenseits dahin füt fichen und sterben müsse, gab er gerne seine Zustirn- w« kiung zu deS DoctorS Vorschlag, sie wieder für das weltliche zu gewinne», und wmn es selbst mittelst